Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Textvorlage: Bayern, fol. 47–58’.

1. HA (Türkenhilfe): Mehrheitliche Billigung der Ausschussresolution für die Zusage einer Geldhilfe auf Grundlage der Reichsmatrikel. Behebung der reichsständischen Beschwerden durch den Ks. 3. HA (Reichsjustiz): Abschrift der Dubia des RKG. Zuziehung von RKG-Personal nach Ermessen des Ks. 4. HA (Reichsmünzwesen): Abschrift des von der Münzassoziation vorgelegten Gutachtens. Session.

/47/ Fürstenrata(Salzburg, Pfalz-Neuburg, Leuchtenberg persönlich; Gesandte der übrigen Stände1: Österreich, Burgund, Bayern, Besançon, Pfalz-Lautern, Deutschmeister, Pfalz-Simmern, Bamberg, Pfalz-Zweibrücken, Würzburg, Pfalz-Veldenz, Worms, Sachsen-Weimar, Eichstätt, Sachsen-Coburg [Johann Casimir], Speyer, Sachsen-Coburg [Johann Ernst], Konstanz mit Brixen, Murbach und Lüders, Brandenburg-Ansbach, Augsburg, Braunschweig-Grubenhagen, Hildesheim, Braunschweig-Wolfenbüttel, Paderborn, Braunschweig-Calenberg, Freising, Braunschweig-Lüneburg, Regensburg, Pommern-Stettin, Passau, Pommern-Wolgast, Basel, Württemberg, Trient, Hessen-Kassel, Münster, Hessen-Marburg, Lüttich, Hessen-Darmstadt, Baden-Durlach [Ernst Friedrich], Sitten, Baden-Baden, Metz, Baden-Durlach [Georg Friedrich], Toul, Anhalt, Cambrai, Henneberg, Lausanne, Nomeny, Hersfeld, Arenberg, Ellwangen, Berchtesgaden, Stablo, Prälaten, schwäbische Gff., Wetterauer Gff.).

bVor Einnahme der Session streiten Mecklenburg und Pommern um den Vorrang–b. Dieser Streit hat sich zimblich lange und bis in die 8 uhr verschoben; ist zuletzt dahin khomen, dz sich die mechlenburgische gesandten dißmals des raths enthalten2.

Salzburg (Kanzler) proponiert: KR bewilligt [ebenso wie FR] beim 3. HA (Reichsjustiz) die Abschrift der vom RKG vorgelegten Dubia3. Die Zuziehung von Juristen des RKG stellt KR in das Ermessen des Ks. Beim 4. HA (Reichsmünzwesen) befürwortet KR die Abschrift und Übergabe des Gutachtens des Fränkischen, Bayerischen und Schwäbischen Reichskreises4 an die Reichsstände.

/47 f./ Zum 1. HA (Türkenhilfe) hat der FR-Ausschuss die Beratung aufgenommen5, zunächst aber aufgrund einer Mitteilung des KR nur erörtert, /47’/ 1) ob ihrer Mt. zu vorstehender expedition zuhelffen; 2) quo modo. Bey dem ersten puncten seie bedacht, dz gleichwol die cron Hungern dem Hl. Reich nit incorporiert6, sondern ain separierts konigreich seie, derohalben dise kriegs expedition die stende des Hl. Reichs nit principaliter berüere. Aber dannocht von wegen fürstehender gefahr unnd ihrer Mt. zu underthenigster gehorsamb hab man dahin geschlossen, das in allweg zuhelffen. Danebens aber die gulchische, münsterische und andere abgesandten wegen stets obligender khriegs beschwerden sich angemeldet und gebetten, ihre Mt. zuerindern, dieselben wolten auf andere und solche mitl gedenckhen, dz ihnen ihrer khriegs beschwerden abgeholffen und ihre gravamina erledigt werden, dan ihnen sonst nit möglich, zu contribuirn. Inmaßen dan auch andere stende ihrer gravaminum auch erledigung begeret./47’ f./ Zum Modus der Unterstützung hat der Ausschuss beschlossen, /48/ die hülflaistung in gelt und nach dem romerzug zethun; des versehens, ihrer Mt. solte hierdurch geholffen und was fruchtbarliches verrichtet werden.

Umfrage. Bezüglich des 4. HA (Reichsmünzwesen) belassen es alle Votanten dabei, das Gutachten der Münzassoziation zur Abschrift und Beratung zu geben. Beim 3. HA (Reichsjustiz) belässt es die Mehrheit bei der Übereinkunft mit KR, die vom RKG eingereichten Dubia abzuschreiben und die nachfolgende Anforderung von RKG-Personal dem Ks. zu überlassen. Pfalz-Neuburg betont die Initiative der Stände: Es sind /49/ etliche camerales hieher zuebeschreiben, die der berathschlagung beiwohnen. Sollen ihre Mt. deßen erinnern[!] und gebeten werden, dz sie derselben etliche der öltische7 [!] und erfarnuste mit ehistem hieher beschreiben./55’/ Braunschweig-Lüneburg will die Entscheidung über die Anforderung des Personals erst nach dem Vorliegen der Akten treffen. /56/ Basel wünscht die Erledigung der Dubia des RGK explizit noch beim RT. /58’/ Die Wetterauer Gff. wollen sich zur Zuziehung von RKG-Personal erst erklären, wenn sie die diesbezüglichen Eingaben kennen.

[/48/ Voten in der Umfrage zum 1. HA (Türkenhilfe)]. Österreichc,8: Billigen zur Frage, ob man den Ks. unterstützen soll, den Beschluss des Ausschusses propter causas relatas; und dieweil diß werckh nit allein Ungern, sonder per consequens auch die ganze christenheitd beriert, item /48’/ dz nutzlicher und bösser, die hülff in gelt zu laisten etc. Wie aber und auf was weg solches geschehen soll: Wiewol der außschus ohne zweivel erhebliche ursachen gehabt, auf den römerzug zu schließen, vernemen9 sich doch die osterreichischen, was ir Mt. in dero proposition fur mitl fürgeschlagen und begert, die hulff auf den gemainen pfenninge zerichten10. Seien zuvohr auch etlich maln für nutzlich bedacht worden, die hulff auf den gemainen pfenning zu stellen, dan khein zweivel, dz solche hülff nit allein erschießlichen, sonder auch dem armen mann, deßen man fürnemblich zubedencken hab, ertreglicher, auch durch dise weeg vilen difficultatibus, strit und irrungen, so sich in belegung der underthanen, item der moderation halber, item ewie man die güeter belegen soll, item wehr die gaistlichen zuebelegen hab–e, und dergleichen mehr begegnet und dieselben alle fürkhomen. Concludiern sy, die österreichischen, auf den gemainen pfenning: Obwol darunder auch allerhandt difficulteten mechten furfallen, so verhofften sy doch, man khundt demselben allen sambt durch gelegne mitl /49/ leichtlich abhelffen.Sind zu weiteren Ausführungen bereit.

Pfalz-Neuburg (Vortrag des Votums11für den persönlich anwesenden Pfgf. durch Dr. Fröhlich): Vergleicht sich beim 1. HA mit dem Ausschuss, dem Ks. eine Hilfe zu gewähren. Wais zwar, mit was beschwerden die stend und dern arme underthonen beladen, allegiert die mißwechs, teurung, staigerung der commercien etc., welches alles billichere ursachen, der stenden /49’/ zuverschonen, als dieselben noch mehr zu belestigen. Dannochst aber, dieweil die gefahr des erbfeindts so groß, dz derselben mehr in acht zunemen als der privatorum beschwerden, dem Reich an beschützung der ungerischen vermant12 [!] vil gelegen, der kayser und die ungern13 dem feindt in die harr allein nit werden widerstandt thun khünden, darumb soll man helffen, und sonderlich yetzt, dieweil der schrecken unnd forcht in dem feindt, die christen dz herz haben und die gewünschte gelegenheit vohr der handt ist. Zum andern soll man mit gelt helfen und nach dem einfachen römerzinßzug[!]. Werden ihr Mt. selbs vaterlich genaigt sein, den stenden ihrer gravaminum abzehelffenf, damit dieselben in fried und rhue hinkhommen mogen. Seie in dem ersten puncten nit zefeirn, dieweil summum periculum in mora, damit ihr Mt. ainmal geholffen und die antrohende gefahr abgewendet werden.

Burgund (mit Arenberg): […]. Spannien14 last ihme nichts hochers ange- /50/ legen sein als des Hl. Reichs wolfart. Habs mit vilen milionen golts im werckh erzeigt. Hab nit gern gehört, dz es in Ungern so ubel beschaffen, wolten vil lieber, disem feindt und gefahr furkhommen werde. Allegiert des niderlendischen unwesen, wider die ufgerichte pacta anno 48 füribergangne[!] rebellionen der niderlender wider ihren natürlichen herrn; gwerden die widerwertige gesterckt–g, die gehorsamen stendt aber khündens nit erschwingen15. Dannenhero ihre kgl. Mt. woll ursach, solche contribution zuverwaigern. Yedoch deßen unangesehen, damit der ksl. Mt. geholffen und des Hl. Reichs wolfarth befürdert werde, will er sich von dem jehnigen, was gemaine stend beschließen, nit absondern. Wolt auch uf den gemeinen pfenning schließen und referiert sich nochmaln uf den vohrallegierten vertrag de anno 48; begert ihre Mt., ihne darbei zu lassenh. Dieweil sie solche contribution nit wie die Reich stende von ihren underthonen khönne nemen, begert ainer leidenlichen anlag, idamit ir Mt. der alten restanten khünden erledigt werden–i. /50’/ Begert auch, die fiscalische proces abzestellen. Repetiert votum für Arnberg16.

Leuchtenberg (Vortrag des Votums für den persönlich anwesenden Lgf. durch dessen Kanzler): Wie Neuburg.

Salzburg: Zum 1. HA wie der außschus und Pfaltz-Neuburgj.

Bayern: […]. Der eillenden hülff seie noch nichts im außschus tractiert, sonder allein der haubtpunct contributionis: Soll man helffen an gelt nach dem romerzug17. Der müntz halber: Khonn sich nit einlaßen, bis man sich der müntzordtnung verglichen; referierts daselbsthin18.

Besançon: Wie Österreich und Saltzburg, /51/ doch unbegeben des ertzstiffts exemption.

Pfalz-Lautern: […]. An contribuendum: Seie die cron Hungern ein vohrmaur und durch verlusts solches reichs auch Teutschlandt in gefahr gesetzt. Gleichwol Teutschlandt zum widerstandt allein zu schwach. Sollen ir Mt. den kbabst zu Rom, Hispannien, welsche fürsten etc.–k auch umb hulff ersuechen. Allegiert, was yetzt am Rhain der mißgewechs und verderben durch durchzug füribergangen[!]. Werde die hulff, wie begert, schwehr fallen: Sein alle geföll also erschepfft, dz ihr kfl. Gn.19 nit woll möglich, zu contribuiern. Welches doch nit dahin zuverstehen, dz man gar nichts wolle thuen, sonder dz ain mitleiden mit ihr kfl. Gn. landen zutragen und derselben gravaminuml abzuhelffen. Alßdann werde man sich wilfährig mit der hülff laistung erzeigen. De modo wie Pfaltz-Neuburg: Wurde ihr kfl. Gn. /51’/ der gemein pfenning beschwehrlich fallen. So haben ihre Mt. denselben nit praecise, sonder alternative begerth20. Schleust auf den ainfachen römerzug, wan den stenden ihrer gravaminum abgeholffen.

Deutschmeister: Beim 1. HA ist auf ain beharliche hülff zugedencken. Der römerzug und matricul unrichtig, hab gleichwol der gemein pfenning auch sein beschwehrlichkheit. Votiert auf den römerzug. Will sich doch, da im churfursten rath oder auch im fursten rath per maiora ein anders beschloßen, nit absondern.

Pfalz-Simmern: Repetiert sein protestation ratione administrationis der Chur Pfaltz21.Zum 1. HA wie Pfalz-Neuburg.

Pfalz-Lautern weist den neuerlichen Protest zurück und legt Gegenprotest ein.

/52/ Bamberg: Zum 1. HA mit dem außschus.

Pfalz-Zweibrücken: […]. Der Pfgf. halt für billich, das gemeine stende ihrer Mt. dißfals treulich die handt bieten. Wie dann derselbige solches für sein persohn auch erzaigt und gelaist unnd in wenig jahrn über 70 000 fl. contribuirt. Seie ain underschid zwischen den stenden zumachen, dern theils im friden gesessen und im aufnemen sein, etliche aber dem khrieg nahet und im abnemen. Grentze seines herrn landt mit Lottringen, Franckhreich und Lutzlburg, da stete krieg sein, werden die underthonen wegen durchzug, auch einfäll beschedigt, geplindert, beraubt, ihnen ihre pferdt, viech und alle mobilia genommen. Seien viler orthen khaum die blossen hitten22 noch vorhanden; der theurung in victualien und mißwaxenden jahrn zuegeschweigen. Haben allererst vohr ainem jahr durch ungewiter merckhlich schaden empfunden; bekhomen sy die zeitung, weil sie allererst hie seindt, dz ain solche frost und khelt gewest, dz man sich eines geringen oder gar kheines herbsts23 zuerfreüen. Khonnen sich die armen leuth schwehrlich erhalten. /52’/ Dannenhero abgang des camerguets ervolgt. Aus welchen angezognen ursachen hab er bevelch, ain schrifft zu ybergeben24, verhoffendt, ir Mt. werden gnedigistes mitleiden tragen und seinen gn. fursten unnd herrn fur dißmal fur entschuldigt halten, das ihre f. Gn. das ihrige, wie gern sy wolten, nicht khönnen bei disem hailsamen werckh thuen. Allegiert auch particularia et generalia gravamina, anno 82, zuvohr und hernacher, fürgebracht25, umb dern einsehen und abschaffung man gebeten. Verhofft, man soll sich der erledigung haben zuerfreyenm. Soll man nit allein sehen, wie man von den armen unterthonen allzeit contributiones einbringen, sonder uff mitl gedencken, wie es uf ander weg gerichtet und ihrer Mt. geholffen werde. Die mitl anbelangendt: Hab die experiens zuerkhennen geben, dz die gelt hülff zu disem intent nichts geholffen. Seyen ir Mt. zuvorderist dahin zuweisen, dz auch andere potentaten dz irige darbei thuen. Zum andern mit zuthuen der stende auf ainen beharlichen friden mit den türcken zuegedencken, dieweil der frid bösser als beharrlicher krieg. Es sollen auch die austendige restanten bezalt werden. So hab man auch anno 70, 76 und anderer /53/ malln von ufrichtung aines ritter ordens meldung gethon26. oUnd dieweil an vilen orten im Reich vil volcks, wehre disem mitl nachzegedencken woll würdig, dz neue coloniae deduciert wurden–o,27. Item ob nit im Reich an gewißen orthen[ein Zoll] auf frembde wahren zu schlagen, dern man woll khunte entrathen, und dz gelt zu aim beharlichen khrieg zuverwenden. Schliest uf den römerzug wie Neuburg.

Würzburg: […]. Seie in allweg zuhelffen. Wehr zwahr ihrer Mt. und den armen underthonen der gemein pfenning bösser, weil aber uf den römerzug geschloßen, wollen sich nit absöndern.

Pfalz-Veldenz: Wie Neuburg.

Worms: […]. Will sich von deme, was dz gemein, nit absondern. Habe aber bevelch zuvermelden, dz sein gn. furst und herr vohr der zeit umb moderation des aufschlags[!] angehalten. Seye der stüfft durch schedliche verbotne musterpletz und durchzug hoch verderbt worden. Will aber doch laisten, was möglich.

/53’/ Sachsen-Weimar28: Wie Neuburg.

Eichstätt: Wie Saltzburg.

Sachsen-Coburg [Johann Casimir]: […]. Will sich nit absöndern, pit aber doch zuerwegen seines herrn zuestenden, als derselb zu seinen eingezognen landen khomen, wie alle kessten entplöst und gar khein vorrath gewest29. Seien über seinen gefangnen vatern vil hundert tausendt gulden gangen.Bittet um Unterstützung, damit sein lange Jahre inhaftierter Vater freigelassen wird30,p.

Speyer: […]. Concludit mit Österreich auf den gemainen pfenning: Sei ir Mt. mehr dardurch geholfen. Allegat, was für ungelegenheiten mit underlauffen mit anlegung der gaistlichen gueter.

Sachsen-Coburg [Johann Ernst]: […]. Concludit auf hulff nach dem ainfachen römerzug. Allegat seine beschwerden, ersaigerung der camer und underthonen, item das ihme in die 5 thonnen goltsq mit seinem vatern aufgangen. Petit liberari patrem.

/54/ Konstanz (mit Brixen, Murbach und Lüders): Wie Osterreich. Wan aber soll[!] maiora uf den romerzug geschloßen werden, will er sich nit absöndern.Wiederholt das Votum für Brixen, Murbach und Lüders31.

Brandenburg-Ansbach: […]. Soll zuvohr den gravaminibus generalibus noch bei wehrundem Reichs tag abgeholffen werden. Wan dz geschehe, will alles thuen, was möglich und in gemeinem schlus gemacht. Schleust uf den römerzug.

Augsburg: […]. Hete zwar bevelch, gravamina fürzebringen, wels[!] aber yetzt einstellen, doch mit vohrbehalt, dieweil man yetzt pro ariis et focis consultiert. Schleust mit dem außschus, und da yetzt oder ain andermal per maiora der gemain pfenning bewilligt, will ers dabei bleiben laßen.

Braunschweig-Grubenhagen: Beim 1. HA zur Frage, ob zuhelffen, wie Pfaltz-Lautern; quomodo mit dem außschus.

Hildesheim: Durchaus wie der außschus.

Braunschweig-Wolfenbüttel: Wie der außschus. Con- /54’/ tribuendum non primarie, sed secundarie32, item ihr Mt. zuerinnern, dz sy den gravaminibus abhelffen und die sachen in ain bessern standt bringen, damit nicht dz feur miten im hauß brinne und man lesch an ainem orth. Die restanten soll man einbringen, sonst mießen die willigen alzeit herhalten, die andern gehn lehr auß.

Paderborn: Wie der außschus; mit vorbehalt der niderlendischen craiß gravamina33, dz denselben abgeholffen werde.

Braunschweig-Calenberg: Wie der außschus.

Freising: Votiert zum 1. HA mit dem außschus, de modo mit Osterreich uf den gemainen pfenning, dieweil derselb dem armen mann ertreglicher und ersprießlicher. Will sich doch nit a maioribus separiern, wan allein dem stüfft Freysing mit der moderation werde geholffen. Hab in bevelch, etliche gravamina in khürtz anzezeigen: Will nit zweiveln, man wiß, dz der stüfft Freysing über sein vermögen und gegen dem alten anschlag umb 2 ganzer dritl zu hoch angeschlagen. Der stüfft hab in 13 ambtern nuhr /55/ 4 immediate in sich, die 9 in Osterreich, Bayrn und Tyrol mues gar sein aigen camergueth dorten versteuren34 und ye zu zeiten die underthonen ihres unvermögens halber auß aigenem seckel ubertragen. Die vier ambter seind so gering, dz sie gegen des Reichs anschlag gar wehnig zuebedeuten. Hab man seithero anno 76 wegen mißwax zuhaußen khein steur khönnen fürnemen, man wolte dan die underthonen in dz eußerist verderben bringen. So habe der stüfft ohne dz khein saltz, perckwerckh, waßer, stromb, zoll, dardurch diser abgang zuersetzen. Khans der stüfft nit erschwingen noch die contribution auß seinem camergueth erzwingen. Werde mit den fiscalischen processen streng verfahren, und hab man neulich diser ursachen halber 25 000 fl. zu des stüffts verderben auf interesse aufgenomen. Seindt nit zuwider, dise yetzt anbegerte contribution, wans bewilligt, dem anschlag unnd römerzug nach zuraichen, doch das mit der moderation wurckhlich geholffen werde. Wo nit, so werde der stüfft mit doppleter steur, als in Osterreich, Bayrn, Tyrol unnd dan im Reich, beschwerdt. Haben bevelch, dariber[!] de nullitate zue protestiern; bitten, es ad notam /55’/ zenemenr. Seien sonst erbietig, zethuen was möglich.

Braunschweig-Lüneburg: […]. Ist erbietig zuhelffen, doch dz zu gleich auch die gravamina gewendet werden; wie der außschus.

Regensburg: […]. Hete er woll ursach, auch fueg und bevelch, in puncto moderationis sonderbahre beschwerden in specie zuerzehlen. Weil aber die zeit verfloßen, reserviert ers cum protestatione und bitet, solches ad notam in prothocollo zunemen. In reliquis wie Bayrn, mit dem anhang, auf gebürlichen unnd erschwinglichen anschlag.

Pommern-Stettin: Zum 1. HA wie der Ausschuss, doch uf den romzug, und dz auch die gravamina erledigt, sauch frid unnd rhue im Reich erhalten werde–s.

Passau: In puncto contributionis seie sein gn. furst und herr dem feindt schier am nechsten gesessen. Hab bevelch, sich uf die proposition /56/ zu referiern und uf den gemainen pfenning zugehn. Weil aber der beschlus per maiora uf den romzug gehe, woll er sich nit absondern, yedoch mit der maß wie Augspurgt. In caeteris wie Bayrn. Er het auch bevelch, in puncto moderationis gravamina fürzebringen, die stelt er aber an sein orth et reservat cum protestatione.

Pommern-[Wolgast]: Zum 1. HA wie der außschus. Wehren woll ursachen verhanden, warumben seines herrn mit der contribution zuverschonenu. Yedoch ihrer Mt. zu underthenigsten ehren und den belaidigten zu trost will er einwilligen uf den römerzug, uf[!] dz den gravaminibus abgeholffen, dz Reich in gueten friden erhaltenv, die restanten eingebracht werden. Die continuatio35 sei dem Reich unmöglich und unertreglich, treff an 80 thonnen goldts36; suaderat pacem, aber ir Mt. sei nit zu[v]erlassen.

Basel: […]. Zwar hat der Ausschuss per maiora uf den romzug geschloßen, yedoch woll er noch uf dem gemainen pfenning verharren.

/56’/ Württemberg: […]. Leistung der Hilfe an gelt nach dem romzug; mit dem anhang wie Braunschweig-Wolfenpittlw. Hab dessen bevelch.

Trient: Auf den gemainen pfenning wie Osterreich.

Hessen-[Kassel] (Moritz): […]. Es ist zehelffen an gelt und nach dem romzug; seie annis 44, 55[!], 66 auch also geschlossen37. Item den gravaminibus außschlag zegeben, die restanten einzebringen, inn dem kriegswesen guete expedition und ordtnung anzestellen.

Münster: Repetiert dz badebornisch votum.

Hessen-[Marburg] (Ludwig): […]. In puncto contributionis den gravaminibus abzehelffen, damit die hülflaistung desto besser geschehen mag. Schleust uf den romzug wie der außschus und Pfaltz-Neuburg mit der erinnerung wie Wolfenpitl und Hessen.

/57/ Lüttich: Wie der außschus und Baderborn.

Hessen-[Darmstadt] (Georg): Wie Pfaltz-Neuburg.

Brixenx: Wie Osterreich; allein si per maiora, uf den romzug.

Baden-[Durlach] (Ernst Friedrich): Zum 1. HA wie der außschus, doch dz den gravaminibus werde abgeholffen.

Sitteny: Wie der außschusz.

Baden-Baden: Zum 1. HA wie Leuchtenberg.

Metz: […]. Hab bevelch, gravamina fürzebringen, stelts aber an gebürende orth heim. Will sich in puncto contributionis nach vermögen nit absondern, was insgemein fur rathsam beschloßen würdt. Concludit uf den romzug.

Baden-[Durlach] (Georg Friedrich): Wie der außschusaa.

Zwischeneinwand des Lgf. von Leuchtenberg: Es sei vohr im Reichs rath nit breuchig gewest, dz Baden zum dritenmal votiert38.

/57’/ Antwort des badischen Gesandten: Ob sein herr schon zuvohr khein votum gehabt, sei er doch zum reichstag beschriben.

Replik des Lgf. von Leuchtenberg: Doch sine praeiudicio aines andern sessionab.

Toul: Vergleicht sich beim 1. HA mit dem mehrern, doch mit vohrbehalt.

Anhalt: Wie der außschus.

Cambrai: […]. Hab gleichwol ursach, uf den gemeinen pfenning zetringen, dieweil aber per maiora uf den romzug geschlossen, bleibt er auch dabei. Und pitet umb erledigung seiner supplication39, dieweil landt und leuth in gefahr stehn.

Henneberg: Zum 1. HA wie der außschus, und soll man den restanten in acht nemen.

Lausanneac: Protestatur de sessionead unnd pitet, zu prothocolliern, damits ohne praeiudicio sei40./58/ […]. 1. HA wie der außschus.

Nomeny: Zum 1. HA mit dem außschus uf den romzug. Meldet dabei an, das die marggraffschafft Numein[!] wegen der durchzug in eußeristes verderben gesetzt. Hab bevelch, gravamina zu ubergeben, hofft, man werde dieselben in acht nemen unnd dariber bescheidt geben.

Hersfeld: Wie Osterreich.

Arenbergae: Wie Burgundt.

Murbach: Wie Costnitz.

Ellwangen: Wie Bayrn und Neuburg.

Berchtesgaden: Wie Bayrn.

Prüm: Wie Osterreich.

Stablo: Wie der außschus.

Prälaten: Ist indifferens. Was per maiora beschlossen.

Schwäbische Gff.: /58’/ Zum 1. HA mit dem außschus.

Wetterauer Gff.: 1. HAaf: Seien die langwirige franzosische und niderlendische khrieg, ersaigerung der armen underthonen, staigerung der müntz etc. in acht zunemen und die gravamina zuerledigenag. Wollen sich also erzeigen, das ihr Mt. ein gnedigsts gefallen darob tragen sollen. In reliquis sicut Onspach und Praunschweig-Lunenburg.

Mehrheitsbeschluss zum 3. HA (Reichsjustiz), dasah ihrer Mt. heimbzestellen, ob und wan cameralen zuerfordern. Vergleichen sich mit den churfursten.

Beschluss zum 1. HA (Türkenhilfe) per maiora, das die hülff an gelt und nach dem römerzug zu leisten, ain gleicheit in den anschlägen zu halten, auch mit der erinnerung, aidas der beschwerdten stendt in acht zunemben–ai, auch die restanten von den seumigen einzebringen; welches41 yedoch yetzt nicht in relationem einzebringen, sonder an andere orth zu reserviern.

Anmerkungen

a
 Fürstenrat] Wett. Gff. (unfol.) zum Sitzungszeitpunkt: Vormittag, 7 Uhr.
1
 Auflistung der genauen Sessionsabfolge in dieser Sitzung auch im Diarium Gf. Philipp Ludwigs II. von Hanau-Münzenberg: StA Marburg, 81 Nr. A/47/8, hier fol. 50 f.
b
–b Vor … Vorrang] Österreich (fol. 14’) differenzierter: Es haben Pommern und Württemberg gegen Jülich und Mecklenburg ratione sessionis protestiert, dan biß dato noch[= weder] Gülch noch Mechelburg gesessen. Jetzunder aber, nach ierer vergleichung[Nr. 465], wellend sie obgenandte nit vorsitzen lassen. Dieweil Gulch unnd Mechelburg ierer vergleichung kain schrifftlichen schein könnden von ier Mt. fürwenden, seind sie dise session nit eingelassen. Hessen (unfol.): Da Württemberg und Pommern wegen des Vorrangs Mecklenburgs die Sitzung verlassen wollen, verweigern auch Hessen und Baden die Einnahme der Session. Daraufhin intervenieren der Ebf. von Salzburg, Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg und der Lgf. von Leuchtenberg mit der Bitte, Mecklenburg nur an diesem Tag den Vorrang einzuräumen. Die 4 Häuser wollen dies nur tun, falls Mecklenburg am nächsten Tag die unterste Session nach ihnen akzeptiert. Da Mecklenburg ablehnt, wollen die anderen sich nicht weiter einlassen. Sie nehmen ihre Plätze ein, während Mecklenburg sich der session enthalten, unnd inen nichts benommen sein solte an ihrem possessorio etc.; darbey es vor dißmahl gelaßenn. Augsburg (unfol.) zusätzlich: Mecklenburg ist abgedretten und nie weiter im rath erschinen, sonnder hat die sach bey irer Mt. anhengig gemacht[Nr. 466].
2
 In der folgenden Umfrage fehlt demnach Mecklenburg, aber ebenso Jülich. Vgl. Bericht der Pommern-Stettiner Gesandten an Hg. Johann Friedrich vom 19. 6. (9. 6.) 1594: Der Reichserbmarschall berief sich für Teilnahme und Vorrang Jülichs und Mecklenburgs auf den Befehl des Ks. Da nach dem Protest Pommerns, Württembergs, Hessens und Badens die von Salzburg geleiteten Vermittlungsversuche scheiterten, /1402/ haben wir daßelbige nicht streitten, sondern viel mehr uns der session endthaltten und samptlich darvon gehen wöllen.Um dies zu verhindern, trugen die vermittelnden Stände Jülich und Mecklenburg auf, /1403/ das sie sich der session und ratschlege auf dismal, jedoch ihrer herrn session unpraejudicirlich, enthaltten sollen. Welches gescheen, undt also mit schimpf wieder aufstehen mußen(AP Stettin, AKS I/201, pag. 1395–1411, 1430, hier 1401–1403. Or.). Die hessischen Gesandten hatten sich bereits am 13. 5. (3. 5.) mit jenen Württembergs sowie am 24. 5. (14. 5.) mit jenen Pommerns und Baden-Durlachs über ihre Sessionsfolge (Alternierung) geeinigt und vereinbart, den Vorrang Mecklenburgs abzulehnen (Hessen, unfol.; Pommern-Stettin, pag. 443–444; Baden-Durlach, fol. 6–7).
3
 Nr. 303.
4
 Nr. 308 mit Beilagen.
5
 Vgl. Nr. 57, 58.
6
 Anhand der entsprechenden Passagen in Österreich (fol. 14’) zit. bei Schulze, Reich, 71 f. mit Anm. 13, als Beleg für die von den Reichsständen stets negierte Verpflichtung zu einer Unterstützung des Ks. in Ungarn, die eben mit der grundsätzlich gestellten Frage, ob man selbst in Anbetracht der größten Türkennot helfen solle, verdeutlicht werde.
7
 = ältesten.
c
 Österreich] Freising A (unfol.) differenzierter: Vortrag des Votums durch G. Hager cum eloquentia tum prudentia.
8
 In Wett. Gff. (unfol.) als Vermerk beim Votum: Nota: Das ihm solches nicht geburtt, cum pars sit. Derwegen dann auch in seiner aigenen sach billich nicht votirn solte.
d
 die ganze christenheit] Würzburg A (fol. 18) differenzierter: alle stende und die gantze christenheit.
9
 Wohl verschrieben für: erinnern.
10
 Vgl. Proposition [Nr. 1], fol. 33. Zusammenfassung der Debatte um den Gemeinen Pfennig in dieser Umfrage, der nur von Österreich und „der politisch unbedeutenden, geistlichen Klientel“ des Hauses unterstützt wurde, bei Schulze, Reich, 186. Vgl. auch Stieve, Politik I, 218 f.
e
–e wie … hab] Würzburg A (fol. 18) differenzierter: deren personen halben, die anderer orthen, weder da die güetter gelegen, whoneten. Wett. Gff. (unfol.): das offtmals streitt vorfelltt, ob ratione personarum oder bonorum unnd sonderlich, wen die güeter inn eines jeden[! = andern] hernn obrigkeitt gelegen sein, wie auch dem streitt mit der geistlichen güeter, so sie undter andern liegen haben.
11
 Ein schriftlich formuliertes Konz. für das Pfalz-Neuburger Votum zum 1. HA insgesamt (HStA München, K. blau 274/9, fol. 21–24’. Konz.) wurde hier in dieser Form nicht vorgetragen. Es beinhaltet wesentlich umfassender Aussagen auch zur Höhe und den Modalitäten der Hilfe.
12
 Verschrieben für ‚Vormauer‘.
13
 = die Ungarn.
f
 abzehelffen] Österreich (fol. 15) zusätzlich: unnd sunderlich mit Gülch zue hertzen fieren unnd remedieren.
14
 = Kg. Philipp II.
g
–g werden … gesterckt] Jülich-Berg (fol. 105) differenzierter: Nun werde aber irer Mt.[= Kg. Philipp II.] nicht allain die hilff entzogen, sonder die stende des Reichs und derenn underthonen reichen irer Mt. rebellen die mittelen, das sie den krieg gegen iren herren bißher zu fuhreten, daneben ansehnliche herren des Reichs inen sich zuschlugen. Also ire kgl. Mt. alls der angeporne landtsfurst zuruck gestelt unnd die gehorsame in groß jamer unnd elendt bracht wurden.
15
 Bezugnahme auf die im Burgundischen Vertrag vom 26. 6. 1548 festgeschriebene Schutzverpflichtung des Reichs (für Kg. Philipp als Hg. von Burgund und damit als Reichsstand) trotz der sehr weitgehenden Lösung des Burgundischen Kreises von der Hoheit des Reichs (vgl. den Vertrag bei Kohler, Quellen, Nr. 102 S. 392–399; Machoczek, RTA JR XVIII, Nr. 260 S. 2166–2176). Vgl. zur problematischen Stellung des Burgundischen Kreises zum Reich auf der Grundlage des Vertrags: Arndt, Reich, 36–41 (Forschungsdiskussion); Mout, Niederlande, 154 f.; Press, Niederlande, 326–333; Dotzauer, Reichskreise, 404–406.
h
 lassen] Augsburg (unfol.) zusätzlich: und dass der Kg. gemäß dem Vertrag zue allen gemainen Reichs- und deputations versamblungen, weiln solches anno 86 ufm deputation tag zue Wormbß underlassen worden, beschriben wurde.
i
–i damit … werden] Österreich (fol. 15’) anders: Unnd daß die alten restanten so wol an der cammer zue Speyr alß sunsten abgeschafft werden.
16
 Vgl. aber das separate Votum für Arenberg im weiteren Verlauf der Umfrage (fol. 58).
j
 Neuburg] Würzburg A (fol. 19) zusätzlich: mit dem anhang, das die restanten hievoriger anlagen durch den ksl. fiscal auch solten getriben und eingepracht werden.
17
 In Österreich (fol. 15’) dazu der Randvermerk: Nota bene: Implicat contraria.
18
 Gemeint: Die fragliche Erlegung der Türkensteuer mit schwerer Reichsmünze wird bis zur Beratung des 4. HA zurückgestellt.
k
–k babst … etc.] Österreich (fol. 15’) differenzierter: bapst, Spanien, Polen, Schweden unnd Denmarckh.
19
 = Kf. Friedrich IV. von der Pfalz, nachdem Pfalz-Lautern nach dem Tod Pfgf. Johann Casimirs an Kurpfalz zurückgefallen war.
l
 derselben gravaminum] Wett. Gff. (unfol.) anders: der evangelischen stennden gravaminibus. Pfalz-Neuburg B (fol. 9’): den beschwerden, domit die stände hin und wider behafft.
20
 Vgl. Anm. 10.
21
 = Einnahme der Session für Pfalz-Lautern. Vgl. Augsburg, unfol. [Nr. 56 mit Anm. 30]. Bezugnahme auf den Kurpfälzer Administrationsstreit nach dem Tod Pfgf. und Administrator Johann Casimirs (1592) zwischen Kf. Friedrich IV. und Pfgf. Reichard von Simmern um die Herrschaft in der Kurpfalz 1592–1594: Friedrich fehlten zur Vollendung der Volljährigkeit gemäß Goldener Bulle mit dem 18. Geburtstag noch 6 Wochen, die Vormundschaft stand Pfgf. Reichard als nächstem Agnaten zu. Im Bestreben, nach der Calvinisierung durch Johann Casimir die CA wieder einzuführen, differenzierte Pfgf. Reichard das Erreichen der Volljährigkeit insofern, als unter Berufung auf 2 Bullen Ks. Sigismunds von 1414 und 1434 zwar für die Ausübung der Kur das 18. Lebensjahr ausreichte, während die Vormundschaft für die Landesregierung aber bis zum 25. Lebensjahr (Volljährigkeit) andauern sollte. Die Debatte wurde zunächst in Heidelberg geführt, setzte sich mit Tätlichkeiten auf territorialer Ebene fort und wurde mit Wendungen an den Ks., Kff. und Ff. auf die Reichsebene gebracht, wo sie beim RT 1594 mit der Belehnung Kf. Friedrichs IV. am 12. 8. [Nr. 478] zu dessen Gunsten endete. Vgl. Sturm, Pfalzgraf, 97–118, 149 (RT 1594); Press, Calvinismus, 374–379, 389 f.; Schaab, Geschichte II, 62 f.
22
 = Hütten.
23
 Synonym für Ernte, besonders die Weinlese (Grimm, Wörterbuch X, 1067).
24
 Vgl. die Supplikation [Nr. 482].
25
 Vgl. die Gravamina der CA-Stände beim RT 1582 (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 345 S. 1222–1225) mit Verweisen auf weitere Beschwerden sowie die aktuellen Gravamina mit Rückbezügen [Nr. 390].
m
 zuerfreyen] Augsburg (unfol.) zusätzlich: item wie den nider- und innlendischen kriegen möge gesteürth werden.
n
 und anderer mall] Würzburg A (fol. 20’) eindeutig: beim RT 1582 und zuvor beim RDT 1577. Augsburg (unfol.): RT 1576 und RDT 1577. Wett. Gff. (unfol.): RTT 1570 und 1582.
26
 Für RT 1576 und RDT 1577 vgl. Anm. 12 bei Nr. 11. Debatte um den Ritterorden in Ungarn beim RT 1570: Lanzinner, RTA RV 1570, Nr. 37 S. 250 f., Nr. 151 S. 499–507, Nr. 307 S. 660, Nr. 308 S. 664, Nr. 309 S. 667, Nr. 379 S. 932. Vgl. Lanzinner, Denkschrift, 178; Nicklas, Macht und Einheit, 120 f. (jeweils Ordensprojekt in der Denkschrift des Lazarus von Schwendi); Erben, Frage, 515–520. Debatte beim RT 1582: Leeb, RTA RV 1582, Nr. 5 S. 266–269, Nr. 13 S. 290 f., Nr. 62 f. S. 447–454, Nr. 67 S. 458 f., Nr. 75 S. 483 f., Nr. 165 S. 689, Nr. 166 S. 693; künftige Projektierung im RAb, § 27: Nr. 457 S. 1418. Vgl. Erben, Frage, 536–538.
o
–o Und … wurden] Augsburg (unfol.) deutlicher: Also werde auch bey andern völckhern gelesen, dz inn dergleichen fellen und auch sonsten coloniae seyen gemacht und die völckher dahin deduciert worden. Weiln nuhn Teutschlandt vil volckhs hette, alß wehr ime gleichfalß nachzuedenckhen.
27
 Gemeint: Umsiedlung von Deutschen nach Ungarn und dort Bildung deutscher Kolonien.
28
 Österreich (fol. 16’) nennt hier irrtümlich Sachsen-Coburg.
29
 Zur zerrütteten finanziellen Situation beim Regierungsantritt Hg. Johann Casimirs (1586) im Teilhgt. Sachsen-Coburg vgl. Melville, Leben, 9 f.; Haslauer, Aufbauen, 37; Nicklas, Prosopographie, 135 (Lit.).
30
 Vgl. die Supplikation [Nr. 492].
p
 wird] Würzburg A (fol. 21) zusätzlich: Ansonsten zum 1. HA wie Pfalz-Neuburg.
q
 5 thonnen golts] Korr. nach Würzburg A (fol. 22), Augsburg (unfol.), Wett. Gff. (unfol.). In Österreich (fol. 17): 500 000 fl.In der Textvorlage verschrieben: 50 thonnen.
31
 Vgl. jedoch die separaten Voten für Brixen und Murbach im weiteren Verlauf der Umfrage (fol. 57, fol. 58).
32
 Gemeint: Der Türkenkrieg betrifft die Reichsstände nicht direkt, sondern nur indirekt; demnach erfolgt die Hilfe für den Ks. freiwillig und secundarie.
33
 Vgl. die Supplikation des Kreises [Nr. 467].
34
 Bezugnahme auf die Doppelbesteuerung der Güter insbesondere in Österreich. Vgl. die Bitte um deren Rücknahme in der Antwort der Reichsstände [Nr. 249, fol. 498’ f.].Auszug aus dem Freisinger Votum bei Stieve, Politik I, 212 f., Anm. 3.
r
 zenemen] Österreich (fol. 17’) zusätzlich: Contra quam Osterreych generalia[einwendet].
s
–s auch … werde] Würzburg A (fol. 23’) differenzierter: jedoch das der religion- und landtfridt confirmirt, damit ruhe und ainigkeit im Heilligen Reich erhalten werde.
t
 wie Augspurg] Augsburg (unfol.) deutlicher: Wie Augspurg. Wöll der moderation halber begert haben, waß anderwertz in andern furstenthumben gelegen, sollches vom Reich nit zuebelegen.[= Doppelbesteuerung gemäß Votum Freising. Vgl. Anm. 34.]
u
 zuverschonen] Jülich-Berg (fol. 110) zusätzlich: dan sein gn. furst und her die eußerste grenitz des Reichs unnd die commercia wegen des niderlendischenn kriegs unnd sonsten lang stillgelegen.
v
 erhalten] Jülich-Berg (fol. 110) zusätzlich: und niemand uber religion- oder landtfriden beschwert, auch weill seine f. Gn. im obersachsischen kreiß ein zimlichs außgesetzt, das solchs abgezogen [und die …].
35
 = des Türkenkriegs.
36
 Bezugnahme auf Beilage B zur Proposition [Nr. 262], wonach sich die jährlichen Kriegskosten auf 80 086 080 fl. beliefen.
w
 Wolfenpittl] Württemberg (fol. 601) zusätzlich: nämlich [als Wiederholung des Votums im Ausschuss] daß zuforderst den gravaminibus abzuhelffen, die restanten einzubringen und die hülff an gemeiner landtwehrung und müntz zuerstatten und, was daran anticipirt, abzuziehen.
37
 Vgl. Anm. 24 bei Nr. 5. Der RT 1555 beschloss keine Reichssteuer.
x
 Brixen] Wett. Gff. (unfol.) differenzierter: Vortrag des Votums durch den apostata Pistorius.[Johannes Pistorius d. J.]
y
 Sitten] Korr. nach Österreich (fol. 18’) und weiteren Protokollen. In der Textvorlage verschrieben: Camerich.[Das Votum für Cambrai folgt fol. 57’.]
z
 Wie der außschus] Österreich (fol. 18’) anders: Ratione contributionis referiert sich auff die schweitzer. Augsburg (unfol.) differenzierter: Er hette vernommen, dz ir Mt. sich bewerbe bey gemainer aydtgnoßschafft umb ein mithilff wider den erbfeindt. Weiln sie dann verhoffennlich ettwtz thuen wurden, alß wurde sich auch sein herr von inen nit absöndern.
aa
 Wie der außschus] Österreich (fol. 18’) [entsprechend auch Wett. Gff. (unfol.) und Jülich-Berg (fol. 111)] anders: Ut Braunschweig-Wolffenbüttel. Augsburg (unfol.): Wie Baden ut supra.
38
 Vgl. auch Nr. 56, Anm. ad. Für Baden wurden seit 1495 meist, vom RT 1542 (Speyer) bis zum RT 1582 immer 2 getrennte Stimmen geführt. Erst infolge der Landesteilung Baden-Durlachs (1584) wurden 3 Stimmen beansprucht: Mgf. Eduard Fortunatus (Baden-Baden) sowie für die geteilte Mgft. Baden-Durlach Ernst Friedrich, der seit 1584 deren nördliche Teile regierte (untere Mgft.) und der 1594 noch unmündige Georg Friedrich mit den südlichen Teilen (Hftt. Rötteln, Badenweiler, Lgft. Sausenberg). Vgl. Domke, Viril-Stimmen, 49–53; NDB IV, 606 f.; NDB VI, 197–199.
ab
 session] Baden-Durlach (fol. 34) zusätzlich: Auf die Antwort des badischen Gesandten hin lässt der Lgf. es dabei bewenden, und den gantzen reichstag aus derowegen nichts weiter movirt, sonder der oberamtman[Johann von Ulm] bey der ordenlichen session von meniglichen durchaus ohnangefochten bliben.
39
 Vgl. die Supplikation [Nr. 436].
ac
 Lausanne] Österreich (fol. 19) differenzierter: Votant ist [der bayerische Rat] Forstenhäuser.
ad
 sessione] Augsburg (unfol.) zusätzlich: nescitur contra quem. Lausanne (fol. 194) differenzierter: Da dem Bf. die rechtmäßige Session vorenthalten wird, protestiert der Gesandte.
40
 Der bayerische Rat Forstenhäuser als Vertreter Lausannes hatte in Gesprächen mit der Mainzer Kanzlei (28. 5.), den Gesandten Lüttichs (30. 5.) und Touls (31. 5.) sowie Kf. Ernst von Köln als Bf. von Lüttich (1. 6.) vergeblich versucht, den strittigen Vorrang mit diesen Hstt. zu klären (Lausanne, fol. 188’ f.).
ae
 Arenberg] Fehlt in Österreich (fol. 19) und Augsburg (unfol.) [vgl. oben bei Burgund]. Dagegen in Wett. Gff. (unfol.) und Jülich-Berg (fol. 111’) an dieser Stelle enthalten.
af
 1. HA] Österreich (fol. 19) zusätzlich vor dem Folgenden: Ratione contributionis protestatur, mann soll auß der contribution khein debitum machen. Würzburg A (fol. 25’): Bei der Kontribution wolle, was vor der zeit guttwillig eingangen, jetzt zur continuation gezogen werden.
ag
 die gravamina zuerledigen] Würzburg A (fol. 25’) differenzierter: Den Gff. werden allerlei einträg von höhern[Ständen] zugefügt. Da iren gravaminibus /26/ wie andern evangelischen stenden der gebür werde abgeholffen, [wollen …].
ah
 das] Österreich (fol. 19) zusätzlich vor dem Folgenden: daß mann der /19’/ cammer ubergebne gravamina unnd ohnerörterte dubia communiciere unnd[dem Ks. …]. Zusätzlich: Beschluss zum 4. HA (Reichsmünzwesen), daß mann der dreyen crayß gutachten unnd relation den ständen communiciere. So werde als dann ain jetwederer sein bedenckhen ferners fürtzubringen wißen.
ai
–ai das … zunemben] Pfalz-Neuburg B (fol. 11) differenzierter: Obwohl in der Umfrage einige Stände im Anschluss an Pfalz-Lautern votiert haben, dass zuvor der stend obligenden beschwerden und gravaminibus abzuhelffen, beschließt die Mehrheit, den Ks. zuerinnern, dz sie[= ksl. Mt] der stende obligende beschwerliche gravamina mit kayserlichen gnaden behertzigen und erwegen, denselben auch einest geburenden ausschlag, maß und erledigung geben wolten.
41
 = die Einbringung der Restanten.