Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Textvorlage: Würzburg A, fol. 47–54’.

1. HA (Türkenhilfe): Vergleich zwischen KR und FR über die Bewilligung von 64 Römermonaten sowie zu den Erlegungsmodalitäten. Abweichende Erlegungstermine und divergierende Vorgaben für die Bezahlung in Reichs- oder auch Landmünzen. Abweichende Steuerbewilligung des SR.

/47/ (Vormittag). /47–48’/ Kurfürstenrat und Fürstenrat. [Entsprechend Protokoll des KR, 167’–170.]

/48’/ Fürstenrata. Beratung der soeben vorgetragenen Resolution des KR zum 1. HA (Türkenhilfe).

Umfrage. Salzburg (Ebf. persönlich): Falls der Ebf. KR recht verstanden, so hetten sie jetzunder 64 monat bewilliget; damit sein hochfürstliche Gn. auch zufrieden. Waß aber die termin belangen thete, trügen ire hochf. Gn. die fürsorg, es werde irer ksl. Mt. die zeit zu lang werden, und vermeindt, da man[es] ja nicht content bei diesem löblichen fürsten rath bedenken und fürschlagen dißfalß verbleiben lassenb, dz den ständen wehre solches heimbzustellen, die durch sich[!] sonder zweifels selbsten befließen, damit vor den benanten zeiten dz geldt unverzüglich erlegt werde. Der müntz halben halten ire hochf. Gn. für /49/ unmüglich, daß sie in groben sorten und Reichs[Münzen] künten erlegt werden. Laßens derwegen bei dieses fürsten raths vorschlag bewenden. Die anticipation betreffendt, daß ire Mt. darfür zubitten, und wie die churfürsten darüber sich ercleert. Von wegen Gülch und Westphalen, auch andere dergleichen beschwerdten ständt halber, vermeinten ire hochf. Gn., der röm. ksl. Mt. haimbzustellen, und derselben zuverschonen1 sein.

Pfalz-Neuburg: Wie Salzburg, und vermaindt der termin halber, wo je die cuhrfürsten[!] nicht durchaus woltten derhalben weichen, dz man doch mit dem ersten termin sich ettwas nehen woltten. Halte sonst auch darfür, der müntz halber nicht möglich sein werde, in groben sorten dieselbe zuerlegen.

Österreich: Wie Salzburg und Pfalz-Neuburg.

Sachsen-Coburg (Johann Casimir, Vortrag des Votums durch Dr. [Scherer]): /49’/ Wie Salzburg und Pfalz-Neuburg, und werde der müntz halben den underthonen unmöglich sein, dieselbe innhalt der churfürsten meinung zuerlegen.

Burgund: Wie Saltzburg und Neuburg.

Sachsen-Coburg (Johann Ernst, Vortrag des Votums durch Dr. [Knichen]): Wie Salzburg und Pfalz-Neuburg.

Besançon: Wie Saltzburg.

Bayern: Der bewilligten 64 monat halben wie die churfürsten. Hatt sich sonsten der muntz halber auch difficultirt, und in den ubrigen wie der vorgehenden voten, soviel ich vernehmen können.

Deutschmeister mit Fulda: Wie Österreich.Wiederholt das Votum für Fulda.

Pfalz-Lautern: Hatt sein gestrigs votum repetirtc, wartte noch uff antwort, konte sich zuvor nit erclehrn.

Bamberg: Wie Salzburg und Pfalz-Neuburg.

Pfalz-Simmern: Hatt sein gesterig votum und erclehrung erholt.

/50/ Würzburg: Ließ es bei den bewilligten 64 monaten vorbleiben. Soviel aber die termin betreffen thut, trüg man die fürsorg, es wurde solche zeit der ksl. Mt. zu lang sein, derhalben vermeindt, daß man es bei deß fürsten raths bedenken, derhalb gethan, solte verbleiben lassen, damit ir ksl. Mt. so lang nicht uffgehalten würde. Die muntz belangendt, helt man darfür, es werde den underthan[en] sehr schwehr fallen, solche in groben sorten zuerlegen. Derwegen mans annemen solte, wie bei jeder leg statt landtleüfftig und gebreüchlich. Doch wolt man sich von den mehrern dißfals nit absondern. Allein daß man dise vorsehung noch thun wolte, daß die sortten auch nit höher gestaigert wurden.

Pfalz-Zweibrücken: Repetirt sein gestrigs tags gegeben votum.

Worms: Wie Saltzburg.

Pfalz-Veldenz: Wie pfaltzgraff.

Eichstätt: Wie Saltzburg und Wiertzburg etc., doch daß ahn statt der groben sorten noch halbe patzen und dreykreützer möchten genommen werden.

/50’/ Sachsen-Weimar: Wie Saltzburg und Neuburg.

Speyer mit Weißenburg: Wie Saltzburg, und hatt sich der müntz halber auch beschwerdt, jedoch wolle sein gn. fürst und herr sich nit absöndern.

Brandenburg-Ansbach: Bittet um Aufschub, bis die Weisung des Mgf. vorliegt. Der müntz halben thu er sich auch beschwehren und vergleiche[sich] mit Aychstatt der halben batzen und drey kreützer halb.Ansonsten wie Pfalz-Neuburg und Salzburg.

Konstanz: Wie Saltzburg etc.

Braunschweig-Grubenhagen: Lests bei den 64 monaten verbleiben und vergleicht sich in dem ubrigen mit Saltzburg und pfaltzgraff Neuburg etc.

Augsburg: Wie Saltzburg.

Braunschweig-Wolfenbüttel: Bewilligt in die 64 monat. Der termin halber, so es zuerhalten, solle es bei deß außschuß bedenken verbleiben. Soviel die /51/ anticipation belangt, solle solch geldt in dise contribution gezogen werden; dund solle der gulchisch kreiß[!] zubedenkhen sein–d.

/51–52’/ Im Folgenden votieren direkt oder im Anschluss an andere Stände wie Salzburg und/oder Pfalz-Neuburg: Hildesheim, Paderborn, Braunschweig-[Calenberg], Braunschweig-Lüneburg, Freising, Regensburg, Württemberg, Baden-[Durlach] (Ernst Friedrich), Baden-[Baden] (Eduard Fortunatus), Trient, Baden-[Durlach] (Georg Friedrich), Brixen mit Murbach (zudem wie Eichstätt), Hessen-[Kassel] (Moritz), Münster (zusätzlich: Danksagung wie Jülich), Hessen-[Marburg] (Ludwig), Lüttich, Hessen-[Darmstadt] (Georg), Cambrai (zusätzlich: Danksagung wie Jülich), Metz, Leuchtenberg, Toul, Anhalt, Lausanne, Henneberg, Hersfeld, Nomeny, Ellwangen, Berchtesgaden, Prüm, Stablo, schwäbische Prälaten, schwäbische Gff. (/52’/ doch mit dem anhang, dz geldt in gangbarer und leüfftiger müntz zuerlegen, wie es bei ihnen breüchig).

Abweichende Voten oder Zusätze:

Jülich wiederholt das gestrige Votum /51/ und thut sich bedankhen, daß man den kreiß also freündtlich und gnedig thut bedenkhen2.

/52/ Pommern-[Stettin] (Johann Friedrich): Repetirt letzern votum von wegen der 50 monat. In reliquis punctis und der müntz halben mit den mehrern.

Sitten: Referirt sich uff sein instruction und gewaldt.

Pommern-[Wolgast]: Bewilligt in die 64 monat, doch will er innbehalten, was zuvor irer ksl. Mt. ist vorgesetzt worden, und schleüst der termin halber mit den churfürsten. Beschwerdt sich jedoch der müntz halber, stimbt doch mit dem churfürsten rath zu. In dem ubrigen wie Braunschweig.

Arenberg: /52’/ Wie Burgundt. Und bitt, seiner gleich wie deß westphalischen krayß zuverschonen.

Wetterauer Gff.: Hette kheinen befelch, sich so hoch einzulassen, wolten solches cum protestationee und uff ratification thuen. Der müntz halber repetirt er dz heßisch votum. Der termin wegen wie die churfürsten.

/52’/ Mehrheitsbeschluss, wie er nachfolgend KR referiert wird: 1) Der 64 monat halber thut sich der fürsten rath /53/ mit dem churfürsten rath vergleichen und ime in dem deferirn. 2) Den termin belangendt, vermeint der fursten rath nochmalß, es sollen iren kfl. Gnaden[ihnen] inn betrachtung vorstehender noth nit zuwider sein lassen, sich umb ein ziel zunehern; und ob es wohl von den underthonen nicht so eilendt einzubringen, jedoch die stende mittler weilen solches darleichen woltten. 3) Die müntz betreffendt, bleiben die fürsten auff ihrer vorigen meinung und halten auß beweglichen uhrsachen die müntz in groben sortten zu erlegen für unmüglich. 4) Der anticipation halben vergleicht man sich mit der churfürsten bedenkhen. Letzlichen der gülchischen und dergleichen beschwerdten stände belangendt, vermainen die fürsten nochmalß, irer[!] Mt. seyen underthenigst zuersuchen, nach gelegenheit irer beschwehrnußen gnedigst mit diser contribution und extantzen3 zuverschonen. In allen den ubrigen laßen es die fürsten bei der churfürsten enderung verbleiben.

Erneut /53–54’/ Kurfürstenrat und Fürstenrat, sodann Reichsrat. [Entsprechend Protokoll des KR, 170–175.]

Anmerkungen

a
 Fürstenrat] Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich: versammelt im nebenn gemach, wo der Ebf. von Salzburg persönlich proponiert.
b
 lassen] Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich: wonach zu Nativitatis Mariae [8. 9. 1594] zumindest 8 monath erlegt würden; und wen solches bey den underthanen nicht zuerlangen, ein jeder stanndt auß seinen cammerguetern sovil vorlegte.
1
 Gemeint: Mit der neuen Türkensteuer.
c
 gestrigs votum repetirt] Hessen (unfol.) deutlicher: Beharrt abweichend vom Mehrheitsvotum ebenso wie Pfalz-Zweibrücken, Brandenburg-Ansbach und Pommern-Stettin auf der Bewilligung von nur 50 Römermonaten.Wett. Gff. (unfol.): Dem Mehrheitsbeschluss gemäß Salzburg und Pfalz-Neuburg schließen sich alle an außer Pfalz-Lautern, Pfalz-Zweibrücken, Brandenburg-Ansbach, Braunschweig-Lüneburg, Anhalt.
d
–d und … sein] Pfalz-Neuburg B (fol. 67’) differenzierter: Im Niederrheinisch-Westfälischen Kreis sind einige Stände, denen noch zur zeit zu contribuirn unmöglich. Dorumben seie ein underscheid darunder zu halten und diejenige, so sich dißfalls gravirt zu sein befinden wollen, dohin zuerinnern, ire beschwerden schriftlich zu ubergeben. Welches alsdan inn eine besondere consultation zuziehen. Jülich-Berg (fol. 137’) abweichend beim Resümee für die Umfrage [Voten fehlen]: Eine Steuerbefreiung für Jülich und andere bedrängte Stände haben der herr ertzbischoff zu Saltzburg und pfalzgraf /138/ Philips Ludwig am meisten befurdert, aber der braunschweigischer-wollffenbuttlischer jedesmall hartt widersprochenn. Deme die andere braunschweigische, auch etliche badische zugefallen.
2
 Vgl. Bericht der Jülicher Gesandten an die Räte in Düsseldorf vom 27. 6. 1594: Obwohl auf ihre Voten hin die Mehrheit des FR die Steuerbefreiung und den Erlass der Restanten für Jülich und andere Stände im Niederrheinisch-Westfälischen Kreis befürwortet und dies in der Korrelation mit KR auch vorgebracht hat (vgl. Kursachsen, fol. 167’–171’ [Nr. 16]), wurde es ins Konz. für die Antwort der Reichsstände /356/ nicht pure gesetzt und der restanten gar nicht gedacht.Haben deshalb bei der Beratung im FR zum Konz. gebeten, der Ebf. von Salzburg als Direktor möge bei KR die Aufnahme in die Antwort veranlassen, doch hat der Ebf. dem KR /356’/ dießfals keine correction zumuthen wollen, sintemall es einmahll des furstenraths beschluß und bey dem prothocoll gnugsam versehen wehre; darauf man sich konte referiren.Demnach blieb es beim unveränderten Konz., wiewoll wir uns außtrucklich drumb beschwert und gern ein anders gesehen(LAV NRW R, JB II 2343, fol. 356–358’, hier 356 f. Or.; präs. Düsseldorf, 16. 7.).
e
 cum protestatione] Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich: das nemblich unsere genedige hern nichts erlegen wurden, es wurde dan derselben gravaminibus zuvor abgeholffen.
3
 = Restanten.