Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Billigung des Memoriales anstelle eines Städtetagsabschieds. Keine verbindliche Zusage einer Unterstützung Aachens im Memoriale. Gratifikationen des SR.

/125’/ (Vormittag, 8 Uhr) Städtetag. /125’ f./ Verlesung des korrigierten Konz. für das Memoriale anstelle des Städtetagsabschieds vor den Gesandten der noch anwesenden Städtea.

/126/ Beschluss: Billigung mit einer Ergänzung und Freigabe zur Abschrift.

Der Aachener Gesandte wendet ein: Da die Reichsstädte im Heilbronner Abschied für eine privat contributionzugunsten Aachens nicht instruiert waren1, möge man jetzt das von ihm vorgelegte Konzeptbdem Memoriale anfügen.

Beratung ohne Mitwirkung des Aachener Gesandten. Antwort an diesen: Man will Aachen gerne unterstützen, aber man kente noch zur zeit keine füegcliche mittell erfinden etc. /126’/ Dann wann man inen nach bittlichem begern an jetzo willfaren sollte, wurde es das ansehen haben, allß ob die erbarn stett sich dem ksl. decreto2 opponierten und die von Aach in irem ungehorsam zusterckhen gedachten etc. Welches dann leichtlich wurde hierdurch an ksl. hof angebracht werden, dieweil dises zum abschidt geferttigte memoriall auch den pappistischen stetten, die sich ohne dz von der sachen abtrenneten, ertheilen[!] wurde. Hiellten demnach die erbarn stett für rathsamer, dise special denomination deß aachischen begerens mit stillschweigen zuübergehen und allein bey der gevaßten generalitet bleiben zulaßen. Were aber der vortheil, dz die erbarn von Aach in transitu3 Nürmberg und Franckfurt wegen dises ires suchens konnten mündtlich anreden, die ungezweivellt die uberigen zwo ausschreibende stett wurden zu informieren /127/ wissen etc. Welches dann bey den andern stetten leichtlich durch eine einlag der aachischen gesuchten hilff geschehen konte etc.

Der Aachener Gesandte bedankt sich für die Empfehlung und will sich mündlich an Nürnberg und Frankfurt sowie schriftlich an die beiden anderen ausschreibenden Städte wenden.

cNota: Nach ublichem gebrauchwerden als Honorare bewilligt: Für den Protokollanten 25 fl., für die Ansager4und Aufwarter 30 fl.–cDa die Aufwarter aber bereits ostiatim5 von den stetten colligiert, wellches zuvorn ungewonlich, sollte die /127’/ collecta summa von den 30 fl. defalcieret und den stetten, welche hergeben, widerumb zugestellt werden.

(Nachmittag). Das Memoriale anstelle eines Städtetagsabschieds ist in der poeten schuel abgeschriben und die collatur der beylagen durch den regenspurgischen und nürmbergischen protocollisten gehallten worden etc.

Finis. Laus deo.

Anmerkungen

a
 noch anwesenden Städte] Nürnberg (fol. 181) differenzierter: wie am 27. 8. (17. 8.) sind neben Regensburg noch Aachen, Nürnberg und Memmingen vertreten.
1
 Bezugnahme auf den Abschied des Tages der 4 ausschreibenden Städte Straßburg, Nürnberg, Frankfurt und Ulm in Heilbronn am 2. 1. 1594 (23. 12. 1593) zur causa Aachen: StadtA Speyer, 1 A Nr. 235(1593), fol. 4–6’. Or. ISG Frankfurt, Reichssachen II 1361, fol. 60–63’. Kop.
b
 Konzept] Nürnberg (fol. 181’) differenzierter mit dessen Wortlaut: Gemäß Abschied von Heilbronn hat Aachen [beim RT] seine Notlage veranschaulicht und um weitere Hilfe gebeten. Die Gesandten der Reichsstädte hätten diese Bitte nach vermögen gern befürdert gesehen. Dieweil aber deßhalben sie, die gesandten, nicht instruirt, auch ettliche beraitt verraist, so ist diser punct biß uff nechste der erbarn stett general- oder particular zusamenkunfft, welche uff weitter ansuchen berürter von Aach den ausschreibenden stetten zubefürdern haimbgestellt, verschoben worden etc.
2
 = dem ksl. Exekutorialmandat.
3
 = auf der Reise von Regensburg nach Aachen.
c
–c Nota … 30 fl.] Nürnberg (fol. 182 f.) differenzierter: Regensburg informiert über Honorare und Gratifikationen des SR: /182’/ Bereits bezahlt: Mainzer Kanzler 100 Goldgulden, Mainzer Kanzlei 20 fl. Noch zu bezahlen: Diener des Reichserbmarschalls 10 fl.; ksl. Trabanten sowie ksl. Saal- und Kammerhüter insgesamt 8 fl.; dem Regensburger Protokollanten 25 fl.; den Regensburger Boten und Aufwartern 30 fl.
4
 = Diener des Reichserbmarschalls.
5
 = von Tür zu Tür, von Haus zu Haus.