Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Textvorlage: Augsburg, unfol.

Strittige Session für das Hst. Straßburg. Verzicht der Gesandten Kardinal Karls von Lothringen und Mgf. Johann Georgs von Brandenburg auf die Session unter Protest. Vorrangige Beratung des 1. HA (Türkenhilfe). Im FR Beratung in einem kurialen Ausschuss, konstituiert aus den Reichskreisen. Session.

(Vormittag, 7 Uhr) Fürstenrat (Hg. Johann Casimir von Sachsen-Coburg persönlich. Gesandte der übrigen Stände1: Österreich, Burgund, Bayern, Salzburg, Pfalz-Lautern, Deutschmeister, Pfalz-Neuburg, Bamberg, Pfalz-Zweibrücken, Würzburg, Pfalz-Veldenz, Worms, Sachsen-Weimar, Eichstätt, Sachsen-Coburg [Johann Ernst], Speyer mit Weißenburg und Prüm, Brandenburg-Ansbach, Konstanz, Braunschweig-Grubenhagen, Augsburg, Braunschweig-Wolfenbüttel, Hildesheim, Braunschweig-Calenberg, Paderborn, Braunschweig-Lüneburg, Basel, Pommern-Stettin, Freising, Pommern-Wolgast, Regensburg, Württemberg, Passau, Hessen-Kassel, Trient, Hessen-Marburg, Brixen, Hessen-Darmstadt, Münster, Baden-Durlach [Ernst Friedrich], Lüttich, Baden-Durlach [Georg Friedrich], Cambrai, Baden-Baden, Sitten, Leuchtenberg, Metz, Anhalt, Toul, Henneberg, Hersfeld, Nomeny, Murbach, Ellwangen, Berchtesgaden, Stablo, Prälaten, schwäbische Gff., Wetterauer Gff.). Das Direktorium führt Österreicha.

Es sind Gesandte in grosser anzall, villeicht mehr alß hievor nie, vorhannden gewesen, balso dz nit jedem die session gebüren mögen,2.Als der Augsburger Rat Schilling seine Session einnehmen will, findet er dort den Hildesheimer Gesandten vor. Da aufgrund der räumlichen Enge kein Platz vor Hildesheim frei ist, fordert Schilling ihn auf, den Augsburg von alters her zustehenden Vorsitz einzuräumen. Der Hildesheimer Gesandte gesteht den Augsburger Vorrang unumwunden zu, allein gebe es die gelegenheit so gerauhm nit, dz ich3 zwischen ime gleich alspaldten hinein sitzen möge. Uff solches hab ichs ettwas gerauhmers machen lassen, und ist mir darauf Hildeßheim guetwillig gewichen, hat mir auch furderung gethan, dz ich desto besser platz bekhommen mögen.

Noch vor Beginn der Beratung chat sich der Gesandte des Kardinals von Lothringen, der die Session für das Hst. Metz4einnimmt, dz marggraf Hans Geörgen von Brandenburg allß angemassten administrators zu Straßburg abgeordneter desselbigen stiffts wegen die session eingenohmmen5, ad partem bey dem Reichs marschalckhen beschwert und ine abzuschaffen begert–c. Also hat ermelter Reichs marschalckh dem brandenburgischen solches anzaigt und weiter vermeldt, sein herr sey hiehero nit beschriben6 und auch er, der gesandte, von ime nit einlosiert worden. Dahero solle er außdretten, und wo dz nit bescheche, hette er von irer Mt. außtruckhenlichen bevelch, alldieweil er vorhanden, khein umbfrag zuehalten. Alß sich nun der gesandte dessen verwaigert, ist dauß gehaiß der catholischen stende der herr Achilles Illsung, alß der von wegen Österreich dz directorium gefüehrt, auch zue ime khommen und vermeldt, er, der gesandte, wurde wissen, waß fur stritt der strassburgischen election halber vorhanden weren, und dz die catholische stendt deß von Brandenburgs election nit passieren liessen7. Weiln dann die sach noch nit außtragen und richtig worden, er auch zue disem reichßtag nit beschriben und der herr cardinal von Lottringen der session sich auch fur dißmal biß zue austrag begeben, also solt er gleichfalls außdretten. Weiln sich aber der brandenburgisch gesandt hoch verwidert und vil disputationes de possessione sessionis, ut sequitur, einbracht, sagt ime letstlich der Illsung, die catholische stendt wolten unnd khundten ine khurtzumb nit gedulden und weren bedacht, alle von im und auß dem fursten rath abzuweichen. Dahero er bedenckhen solt, waß es fur confusion gebehren und wie hoch er gegen ir Mt. misshandlen wurde.

Wie nuhn uf solches die catholische stendt alle ufgestanden8 und außdretten wöllen eund diser brandenburgisch gesandt solches gesehen, hat er sich bey etlichen andern uffm weltlichen furstenbanckh beschaidts erholt und nach gehabter underrödtf offentlich vor allen stenden vermel- det9, dz er von wegen hochernants marggraven von Brandenburg alß erwölten administrators deß stiffts Strassburg sich alhero begeben, mit gewalt und instruction irer f. Gn. notturfft zuverwesen und damit gemaine notturfft helffen zue deliberiern. Und weiln ime daselbst[!] injungiert, ine auch seine pflicht zur gehorsame ermahneten, dz er irer f. Gn. session und stim einnehmmen solt, also hette er auch nit weniger thuen khunden. Wie es auch nichtß neuwes noch anders, dz ire f. Gn. zuvor nit gehabt hetten, seittemal deroselben die session von dem ober rheinischen craiß per maiora vota zuerkhant, da hergegen Lottringen abgewisen worden10. Wann nuhn ire f. Gn. deß stiffts Strassburg wegen ein standt deß craiß, so weren sy auch ein standt deß Reichs, weiln alle stendt samentlich und kheiner im craiß, der nit auch ein standt des Reichs were. Hierumb so hette er diß orths sein stölle appraehendiert und eingenommen, wie mit alters heerkhommen, allernechst under Speyr. Dieweiln im aber von wegen der röm. ksl. Mt. were angezaigt worden, dz er sich uf dißmal der session enthalten und khein confusion erwöckhen solte, damit ir Mt. nit mit ungnaden gegen ime zuverfahren verursacht wurde, dieweiln auch Lottringen sich abweysen hett lassen, also damit er irer Mt. ungnad nit uf sich liede: Crafft gewaldts, den er noch heut überlifern wollte apud acta, wolt er protestiert haben, dz er possessionem et sessionem, alß gemelt, appraehendiert hette. Weiln er aber (salva caesarea maiestate) daran turbiert und davon abgewisen worden, alß solte es seinem gn. fursten und herrn unnd anderen gaistlichen evangelischen stenden, welche dergleichen ius auch hetten, nit praejudicierlich sein. Und wölle diß alles mit allerehisten seinem herrn zueschreiben und sich alßdann der gebür vernehmmen lassen; iterum atque iterum protestando.

Gegenanzeige des Gesandten [Bilonius] für den Kardinal von Lothringen: Der Kardinal hätte als erwählter und bestätigter Bf. von Straßburg gleichwol guete ursach gehabt, sich dises stiffts wegen der session zuebenehmmen. Hett aber doch auß fridtliebendem gemueth sich vil lieber dessen enthalten wöllen in hoffnung, der gegentheil wurde solches auch gethan haben. Also und allain in eventum, wo sich derselbe eintringen thett, hette er bevelch, sich dern auch anzuenehmmen. Und ob wol der gegentheil dieselbe sessiong alberaith appraehendiert und eingenohmmen, so were es allain de facto beschehen. Wofern er aber sich dero noch furters anhalten11 wurde, also solt ime, cardinalischen, nachmals nit zuegegen sein, auß fridtliebendem gemüeth sich auch dero zueussern, doch dz seinem herrn dasselbe ohne nachthail seie.Hat die jetzige Debatte um die Session nicht erwartet, weil die im Kapitelstreit eingesetzten ksl. Kommissare verabschiedet haben, dz sich beede thail in allen conventibus publicis der session und handlungen enthalten sollenh,12.

Der mgfl. Brandenburger Gesandte wiederholt für Administrator Johann Georg die vorherigen Argumente und betont, er habe nichts Neues verlangt, da der Administrator bereits beim oberrheinischen KT in possessionem sessionis khommen, welche alhie er billich continuiern solte und möchte. Unnd were mit nichten gestenndig, idz er sich de facto allhie eingetrungen, sonder wölle beweisen, dz er durch Speyr13 guetwillig sey zugelassen worden. Referiert sich sonsten uf die Reichs acta, bith copiasj und behalt ime ferrnere notturfft bevor.

Der Lothringer Gesandte wiederholt seine Einlassung.

Und ist also damit der brandenburgisch außdretten. Der lottringisch aber hat die session von wegen Metz, und aber deß stiffts Strassburg hat sich derselben session halber ferners niemandt angenohmmen14.

Anschließend halten Österreich und der Reichserbmarschall eine Umfrage bei allen, die die session ad votandum eingenohmmen, mit begern, sich, von weßwegen jeder sitze, anzuemeldenk.

Österreichlproponiert: mKR hat gestern mitteilen lassen, dass dort gemäß der Zusage an den Ks. die Verhandlungen zur Proposition unverzüglich aufgenommen werden. KR hat beschlossen, den 1. HA (Türkenhilfe) vorrangig zu beraten, und erwartet, FR werde sich dem anschließen. Deshalb Umfrage dazu sowie zur Beratungsform entweder im Plenum oder in einem Ausschuss des FR.

Umfragen. Österreich: Anschluss an KR in der bevorzugten Beratung des 1. HA, weil an befürderung deß turckhischen wesens furnemblich und zum höchsten gelegen.Die Beratungsform ist zu klären.

Sachsen-Coburg (Johann Casimir persönlich, Votum vorgetragen vom Kanzlero): Bevorzugte Beratung des 1. HA, weiln so hoch daran gelegen und ohne dz der ordnung nach der erste articul und punct were.Ansonsten Anschluss an die Mehrheit.

Österreich ergänzt: Vermain, der außschuss seie der sachen am furstendigisten.Dagegen ist ein interkurialer Ausschuss, den KR in der Vergangenheit wiederholt abgelehnt hat15, einer Andeutung nach auch jetzt nicht durchzusetzen.

Burgundp: Wie Österreich.

Bayern: Idem.

Salzburg: Im ersten puncten wie Österreich. Weiln aber der ausschuß uf zwayerlei weiß geschehen were vor disem, alß den craißen und den bänckhen nach, alß solt es dißmalß den craißen nach beschechen.

Pfalz-Lautern (wegen der lannde, welche hertzog Johann Casimir hinderlassen):Protestiert gegen den Vorrang Bayerns und beruft sich dafür auf die Debatte beim RT 158216. Lässt es dabei bewenden, insbesondere weil die Proposition besagt, dz dise sessiones kheinem standt schaden oder furtragen sollen17.Haben die Proposition erst gestern erhalten und bitten deshalb um Beratungsaufschub, haben aber keine Einwände dagegen, dass mit dem 1. HA der anfang gemacht, aber die sachen mit gemainen stenden berathschlagt und also in pleno gehanndlet wordenq [!].

Bayern: Widerspricht die anmassung des vorsitzs halber.

Deutschmeister: Wie Össterreich und Saltzburg.

Pfalz-Neuburg: Entschuldigt die Abwesenheit des Pfgf. Votiert, dz die articul der ordnung nach, wie sy in der proposition furtragen worden, sollten delibiert [!] und doch die übrige, bevorab dz justiti wesen betreffend, nit negligiert, sonder auch zur richtigkheit gebracht werden, weiln gemainem wesen auch hoch und vil daran gelegen.Falls vom KR kein interkurialer Ausschuss zuerhalten, allso möchte mann dannocht zuerhaltung deß fursten raths reputation unnd hocheit protestieren. Sonnsten aber solt der ausschuss den craißen nach gemacht werden.

Bamberg: Protestiert gegen den Vorrang des Deutschmeisters wegen deß hochmaisterthumbß in Preussen.Bittet um Aufnahme des Protests in die Akten und um baldige Klärung des Streits. Bildung des Beratungsausschusses im FR zum 1. HA nach Reichskreisen.

Deutschmeister: Weist den Bamberger Vorrang unter Berufung auf [die Subskription in] RAbb zurück.

Pfalz-Zweibrücken: Hat die Proposition erst gestern erhalten. Verhandlungsmodus: Entweder im Plenum oder in einem Ausschuss, dazu stendt beeder religion in gleichheit verordnet werden.

Würzburg: Wie Saltzburg und Össterreich.

Pfalz-Veldenz: Wie Neuburg.

Worms: Wie Össterreich und Saltzburg.

Sachsen-Weimar: Protestiert gegen den Vorrang von Bayern und des Hauses Pfalzr.

Bayern, Haus Pfalz: Jeweils Gegenprotest wegen der Session18.

Eichstätt19: Wie Össterreich und Saltzburg.

Sachsen-Coburg [Johann Ernst]: Idems.

Speyer (votiert auch für Weißenburg und Prüm): Idem.

Brandenburg-Ansbach: Wie Pfalz-Haidelberg20.

Konstanz: Wie Össterreich und Saltzburg.

Braunschweig-Grubenhagen: Protestiert gegen den Vorrang von Pfalzt. Sonsten wie Zwaybruckhen.

Augsburg: Wie Össterreich und Saltzburg. Der protestation21 halber indifferens.

Braunschweig-Wolfenbüttel:Protestiert gegen den Vorrang von Pfalzu. Ansonsten wie Zwaybruckhen.

Hildesheim: Wie Össterreich und Saltzburg.

Braunschweig-Lüneburgv: Wie Zwaybruckhenw.

Basel: Wie Össterreich und Saltzburgx.

Pommern-[Stettin] (Johann Friedrich): Beratung des 1. HA (Türkenhilfe) in einem Ausschuss, doch soll dieser allain aus sechs und nit auß 10 craißen genohmmen werden.

Freising: Wie Össterreich und Saltzburg.

Pommern-[Wolgast] (Bogislaw als Vormund für Philipp Julius): Beratung in einem Ausschuss. Soll man von beeden religionen nehmmen in gleicher anzall.

Regensburg: Wie Össterreich, Saltzburg und Bayrn.

Württemberg: Wie Zwaybruckheny.

Passau: Wie Össterreich und Saltzburg.

Hessen-[Kassel] (Moritz): Idemz.

Trient: Wie Össterreich, Saltzburg und Bayrn.

Hessen-[Marburg] (Ludwig): Idemaa.

Brixen: Wie Össterreich, Saltzburg und Bayrn.

Hessen-[Darmstadt] (Georg): Idemab.

Münster: Wie Össterreich und Saltzburg. Soll auch der niderburgundische punct erörtert werden22.

Baden-Durlach [Ernst Friedrich]: Wie Zwaybruckhen.

Lüttich: Wie Össterreich und Saltzburg.

Baden-Durlach [Georg Friedrich]: Idem ut supra.

Cambrai: Verweist auf die Supplikation an Ks. und Reichsstände [um Steuerbefreiung]23und bittet um deren Unterstützung.

Baden-Baden: Soll wie von alters gehalten werden.

Sitten: Protestiert gegen Lüttich24 etc.ac

Leuchtenberg: Protestiert gegen den Vorrang Badensad. Sonsten wie Össterreich und Saltzburg.

Metz: Idem.

Anhalt: Wie Zweybruckhenae.

Toul: Wie Össterreich und Saltzburg.

Henneberg: Idem.

Hersfeld: Wie Saltzburgaf.

Nomeny: Idem.

Murbach: Wie Össterreich und Saltzburg.

Ellwangen, Berchtesgaden, Stablo, Prälaten, schwäbische Gff.: Idem.

Wetterauer Gff.: Wie Zweybruckhen.

Ergebnis der Umfrageag, dz man sich einhellig mit dem churfursten rath verglichen, dz nemblichen der punct, den turckhen betreffent, der erste sein solle. Item man soll die churfursten ersuechen dz gemainen ausschus halber, und wo der nit zuerhalten, darwider protestieren und alßdann in disem rath einen ausschus machen.Die Konstituierung des Ausschusses wird nachmittags beraten.

(Nachmittagah) Fürstenrat. Weil der Beratungsraum am Vormittag zu klein war, hat man jetzt herausser ufm saal, allda die proposition gehalten worden, die berathschlagung furgenohmmen. Hat aber ein banckh den andern nit hören25 noch auch prothocolliert werden khünden.

Es wird proponiertai: ajNachdem KR einen interkurialen Ausschuss verweigert,26, ist gemäß Beschluss vom Vormittag ein kurialer Ausschuss nach Reichskreisen zu bilden.

Seindt also die craiß alle zuesamen getretten und sich deß ausschuß verglichen.

Als Mitglieder im Ausschuss fungieren aus dem akFränkischen Kreis Bamberg und Henneberg; aus dem alSchwäbischen Kreis Konstanz und Württembergals ausschreibende Ff.; gleichwol uns27 wegen des kemptischen voti (so nit gelten sollen, weiln er28 noch nit confirmiert, khein gewalt noch indult gehabt) zue khurtz geschehen.Aus dem Bayerischen Kreis Salzburg und Bayern; aus dem amOberrheinischen Kreis Speyer und Hessen-[Kassel]; aus dem anOber- und Niedersächsischen Kreis Sachsen-Weimar und Pommern-[Stettin]; aus dem Niederrheinisch-Westfälischen Kreis Münster und Jülich; dazu Prälaten und schwäbische Gff.ao per se.

Danach wird umgefragtap, ob man es bei diesen sechs Kreisen belassen oder die drey, alß Össterreich, Burgundt und der nider sächßisch, auch darzue ordnen sollen.Aus dem oben genannten Grund konnten nicht alle Voten der Umfrage vernohmmen werden, aqdoch ist man einhellig dahin gangen, weiln dise drey craiß nichts contribuierten, also khundten sy auch nit darzu ordnen, dann sy leichtlich in praeiudicium aliorum handlen möchten. Sollt demnach bey sechß craißen pleiben und der ober- und nider sächsisch zuesamen geschlagen werden, wie heerkhommenar,29.

In der Umfrage protestiert der GesandteasPfgf. Reichards von Simmern gegen die Einnahme der Session von Pfalz-Lautern durch Kurpfälzer Räte, da die Lande des verstorbenen Pfgf. Johann Casimir wieder in einer handt; were auch zuvor ime, hertzog Hans Casimiren, (laut furgewißner besigleter, damalß gegebner original instructionat) solches allain praecario und auß freundtschafft zugeben und vergonnet wordenau,30.

Burgund protestiert, nescio quidav, quia non fuit etiam in vicina auditus.

Worms protestiert, weil Würzburg dem vereinbarten alternierenden Wechsel des Vorrangs bei diesem RT nicht stattgibt. Würzburg räumt diese Regelung zwar ein, weiln aber sein herr persönlich an der stätt, also gebürte im billich der vorsitz nit anderst, alß ob er selbst zuegegen31 were.

awBasel protestiert gegen den Vorrang von Regensburg und Passau. [Beide weisen den Protest zurück].

Österreich: Weil einige Häuser von neuem sovil sessiones und vota hetten, alß vil deren regierende herrn weren, also wolte er dz össterreichisch votum furohin allzeit fur drey repetiert haben. Sollte auch in abzehlung also gehalten werden, weiln in demselbigen hochlöblichen hauß drey underschidliche regierungen weren, alß die niderösterreichisch, oberösterreichisch und grätzisch32. Darwider nuhn nichtß vermeldet worden, sonder ist dabei verbliben.

Anmerkungen

1
 Die Jülicher Gesandten haben wegen der strittigen session contra Mecklenburg […] kein session genommen(Jülich-Berg, fol. 89). Ihr Votum fehlt in der Umfrage ebenso wie jenes Mecklenburgs. Vgl. Bericht der Pommern-Stettiner Gesandten an Hg. Johann Friedrich vom 6. 6. (27. 5.) 1594: Aufgrund des Sessionsstreits Jülichs und Mecklenburgs ist /1391/ ihnen beiderseitts, sich derselben zuenthaltten, von ksl. Mt. geboten. Daher dann Meckeln- /1392/ burgk bishero in keiner zusammenkunfft oder consultation, wie auch Gulich heutiges tages […] nicht gesehen worden(AP Stettin, AKS I/201, pag. 1387–1394, hier 1391 f. Or.). Sessionsschema der anwesenden mit Auflistung einiger fehlender Stände im Diarium Gf. Philipp Ludwigs II. von Hanau-Münzenberg: StA Marburg, 81 Nr. A/47/8, hier fol. 49. Druck: Rauch, Bildungsreisen, 12.
a
 Österreich] Freising A (unfol.) differenzierter: Das österreichische Direktorium führt J. A. Illsung. Bayern (fol. 12’) differenzierter: Die Session für Österreich nimmt Gf. Wilhelm von Oettingen ein. Auf der geistlichen Bank folgt Burgund vor Salzburg. Auf der weltlichen Bank nimmt für Bayern Landhofmeister Gf. Rudolf von Helfenstein die Session am Vormittag unmittelbar nach dem persönlich anwesenden Hg. von Sachsen-Coburg ein, am Nachmittag hat Bayern den Vorrang vor allen anderen Gesandten.
b
–b also … mögen] Baden-Durlach (fol. 17) differenzierter: das kaum der halbige theil zur session gelangen mögen.
2
 Bereits bei der Ansage dieser Sitzung am 5. 6. hatte der Reichserbmarschall den Ständen mitteilen lassen, mann werde den gesandten nit allen, sonder allein einem[je Stand] die session zuelassen, aber die andere khundten nicht destominder in den rath khommen und sich sonsten daselbst locieren beseits(Augsburg, unfol.).
3
 = der Augsburger Gesandte und Protokollant Dr. C. Schilling.
c
–c hat … begert] Metz (unfol.) differenzierter: Der Brandenburger [!] Gesandte Berchtold hat sich in FR eingetrungenund die Session neben Speyer eingenommen. Alß ich[Bilonius, Gesandter des Kardinals von Lothringen] es gesehen, sagt ich zu ime, ir woltt alhie die straßburgisch session einnemmen: Mocht euch deßen endthaltten, dan dieselbige meim gnst. hern, cardinal zu Lottringen, gebürt, oder ich wirdt was anders darzu thun mueßen. Respondit, er verrichte seinen habenden bevelch, ich moge den meinigen auch verrichten.Daraufhin wendet Bilonius sich an den Reichserbmarschall und Illsung (Österreich) mit der Bitte, Berchtold von der Session für Straßburg abzuschaffen oder mir anstatt meins gnedigsten hern vor ime sessionem zugeben.
4
 = Dr. Joseph Bilonius.
5
 Vgl. Bericht der Kurbrandenburger Gesandten an den Kf. vom 7. 6. (28. 5.) 1594: /63 f./ Da die Versuche des Straßburger Gesandten Berchtold, die Sessionsfrage vor der Beratungsaufnahme zu klären, gescheitert waren, indem die ksl. Räte sich auf die laufende Vermittlungskommission im Kapitelstreit beriefen und versicherten, weder er noch die Gesandten Lothringens würden zur Session zugelassen, wollte Berchtold am 6. 6. /63’/ auf der magdeburgischen guttachten, damit wir zwar nicht einig sind können,am FR teilnehmen (GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Xx, fol. 63–66’, hier 63 f. Or.; präs. Cölln/Spree, 12. 6. {2. 6.}).
6
 Vgl. Einleitung, Kap. 2.4.
d
–d auß … Illsung] Bayern (fol. 13) differenzierter: Illsung hat zuvor ettliche vota von den fürnembsten auf der geistlichen panckh, doch allein in der still, colligirt.
7
 Zur Straßburger Doppelwahl 1592 vgl. Anm. 6 bei Nr. 354. Widerstand gegen die Wahl Mgf. Johann Georgs von Brandenburg im Konflikt 1592/93: Ritter, Geschichte II, 67–69; Ziegler, Politik, 34–100; Beiderbeck, Religionskrieg, 227–232.
8
 Vgl. Bericht des bfl. Augsburger Gesandten Schilling an den Bf. vom 14. 6. 1594: Der Straßburger Verzicht wurde erreicht, indem die catholische ständt samptlich alle uffgestanden und ire sessionen verlassen(StA Augsburg, Hst. Augsburg MüB Lit. 1128, unfol. Or.; präs. Dillingen, 17. 6.). Vgl. dazu und zum Streit am 6. 6. insgesamt: Stieve, Politik I, 211; Roberg, Türkenkrieg II, 204; Gotthard, Religionsfrieden, 449.
e
–e und … erholt] Bayern (fol. 13 f.) anders: Da die geistlichen Stände den FR verlassen wollen, wird mit Österreich, Salzburg, Bayern und Pfalz-[Neuburg] ein ausschußgebildet, der sofort vom Mainzer Kanzler einen Bescheid zur Straßburger Session erfragt. Nachdem der Ausschuss in FR zurückkehrt und /13’/ dem brandenburgischen den beschaidt angezaigt,bringt dieser vor, […].
f
 gehabter underrödt] Wett. Gff. (unfol.) differenzierter: Der Gesandte des Straßburger Administrators ist uffgestannden unnd bey der andern evangelischen stennden gesandten umb rhat gebetten unnd angehallten, was er sich hierinn zuverhalltenn. Weill ime aber dieselbige unnd sonderlich die anßpachische unnd hessische gerhaten, dargegen zu protestirn, allein das wir uff wetterauischer graven seitten ime gerathen, sitzen zupleibenn unnd sich zuerclerenn, nichtt ehe zu weichen, es würde ihme dan solches von der ksl. Mt. und den samptlichen stennden in specie bevholen unnd ufferlegtt, uf welchen fall er es doch anderer gestalltt nicht, dann salvo iure seines gnedigen herrn, darüber er dann offentlich zu protestirn, thun solte; er aber besturzt geweßt und nicht gewußt, wz er sich hierin verhallten möcht, unndt wenn er sich wieder niedergesetzt hette, die papistische stendt alle weren ufgestannden, wie dann auch albereitt die osterreichische und saltzburgische gesanndten als directores sampt des Reichs marschalck uff dem weg waren, hinauß zugehen unnd die ksl. Mt. oder dem churfursten rhat hievon zuberichten, ist er endtlich herfur getretten unnd offendtlich […].
9
 Vgl. eine schriftliche Aufzeichnung des nur mündlich vorgebrachten Protests, umfassend auch die Erwiderung durch den Gesandten Lothringens und die Replik Berchtolds: StA Augsburg, Hst. Augsburg MüB Lit. 1128, unfol. Kop. (Text entspricht weitgehend dem Protokoll).
10
 Vgl. Anm. 7 bei Nr. 354.
g
 dieselbe session] Wett. Gff. (unfol.) anders: die Session im rheinischen krayß. Metz (unfol.) abweichend: Der Brandenburger hat sich in die Session beim RT de facto und mitt gewaltt eingetrungen. Woltt ich[Bilonius] darwider hiemit in meliori forma protestirt, auch begert haben, ime solches kheins wegs zugestatten.
11
 = enthalten.
h
 sollen] Metz (unfol.) zusätzlich: Deshalb hat der Kardinal auf die Straßburger Session beim oberrheinischen KT verzichtet, mit der Folge, dass die Mehrheit dort Brandenburg für Straßburg zugelassen hat. Da sich Brandenburg beim KT aber unter Verstoß gegen den Abschied der Kommission eingetrungen, und were de facto gleich wie jetzunder auch beschehen,kann dies die Rechte des Kardinals nicht präjudizieren.
12
 Eine diesbezügliche Vorgabe ist explizit in keinem der Kommissionsabschiede (Straßburger Pazifikation vom 27. 2. 1593, Abschiede der Kommission in Speyer vom 13. 4. und 21. 7. 1593; vgl. Einleitung, Kap. 3.5.2) enthalten.
i
–i dz … acta] Wett. Gff. (unfol.) abweichend: das er sich de facto inn den rheynischen krayß nicht eingetrungen hette. Wie er sich dann dessen ad acta, quae essent probatio probata, et aliqout praesentes personas wolt gezogen habenn, welche wisten unnd, wo nötig, davon zeugknuß geben khönnden, wie er ad sessionem et votum im reynischen kreyß khommen were. Pfalz-Neuburg A (fol. 284’): Bestreitet, das er sich de facto oder mit gewalt eingetrungen, dann die session im oberrainischen craiß habe sein herr per maiora erhalten. […] So habe ine heut der f. speierisch gesandt guetwillig zu und neben sich setzen laßen.
13
 = als in der Sessionsfolge unmittelbar vor Straßburg sitzend.
j
 copias] Würzburg A (fol. 1’) deutlicher: Abschrift der Lothringer Protestation.
14
 Vgl. missverständlich bei Stieve, Politik I, 209 f., der Gesandte Administrator Johann Georgs habe auf die Teilnahme an der RT-Eröffnung [!] verzichtet, da auch die Verordneten des Kardinals von Lothringen nicht zugelassen worden seien. Zum Streit am 6. 6. mit dem Widerspruch Bilonius’: Widmaier, Prechter, 66.
k
 anzuemelden] Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich: Für das Reichsstift Walkenried beanspruchen sowohl der Braunschweig-Wolfenbütteler Rat Delius als auch der gfl. Schwarzburger Gesandte Maius die Session. Da ihrer kheiner aber ratione desselben stiffts zum reichßtagk beschrieben[Einleitung, Kap. 2.4 mit Anm. 311], ist ihnen beiden durch den Reichs marschalck angezeigt worden, sich derselben session gleichsfals[wie Straßburg] zuenthalten und nicht anzumaßen.[Vgl. Bericht N. Maius an Gf. Karl Günther von Schwarzburg (Rudolstadt [!], 21. 6. {11. 6.} 1594): Da Braunschweig-Wolfenbüttel die Session für Walkenried beanspruchte, protestierte er in pleno consessu statuum Imperiidagegen (vgl. Einleitung, Kap. 4.2.4 mit Anm. 368) und legte dar, dass er, der Gf., der verus et legitimus administratordes Stifts sei. Aufgrund des Streits haben der Reichserbmarschall und der österreichische Rat Hager ihnen disen bescheid geben, dieweil cognitio causae albereitt in camera anhengig undt zugewarten, als solten sich beide theil der session und voti uf dißmal, jedoch keinem an seinem rechten nichts begeben, enthalten(StA Rudolstadt, Kanzlei Rudolstadt A VII 4e Nr. 29, unfol. Or.).]
l
 Österreich] Würzburg A (fol. 2’) differenzierter: J. A. Illsung für Österreich.
m
–m KR … lassen] Sachsen-Weimar (fol. 52’ f.) abweichend: Österreich gibt bekannt, dass Gesandte von Kurmainz und Kurpfalz vor dem Sitzungszimmer eine Mitteilung machen wollen, und bittet Johann Casimir von Sachsen, als persönlich anwesender F. einen Rat zu diesen mitzuschicken. Der Hg. beauftragt Moritz von Heldritt, der zusammen mit einem bayerischen Rat und Gesandten von 2 geistlichen Ff. hinausgeht. Anschließend berichten sie, die kfl. Verordneten hätten vermeldet, [dass …].
n
 Umfrage] Würzburg A (fol. 2’) differenzierter: Die Umfrage führt Reichserbmarschall A. von Pappenheim durch. Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich: Umfrage in der Form, dass zuerst Österreich, sodann abwechselnd ein geistlicher und weltlicher Stand befragt werden biß zu letzt, und da khein weltliche fursten mehr seind vorhanden geweßt, er die ubrige praelaten unnd zu letztt die schwäbische unnd wetterauische graven gefragt hat.
o
 Kanzler] Sachsen-Weimar, (fol. 53’) abweichend: [Kammerrat] Moritz von Heldritt.
15
 Zur Praxis der Ausschussbildung vgl. Oestreich, Arbeitsweise, 229–241 (interkuriale Ausschüsse bes. 234–236); Neuhaus, Reichstag, 31–63 (Beispiele interkurialer Ausschüsse); Aulinger, Bild, 220–227.
p
 Burgund] Wett. Gff. (unfol.) differenzierter: Für Burgund ist der Mgf. von Havré persönlich anwesend.
16
 Leeb, RTA RV 1582, Nr. 67 S. 460 f. mit Anm. g und 9; Nr. 68 S. 463 mit Anm. 1. Vgl. zum Rangstreit Bayern-Pfalz-Sachsen allgemein: Aulinger, Bild, 241–243.
17
 Vgl. beim 6. HA der Proposition [Nr. 1, fol. 41’].
q
 worden] Sachsen-Weimar, (fol. 54) zusätzlich: quia quod omnes tangit, ab omnibus debet approbari etc.
r
 Pfalz] Österreich (fol. 6’) zusätzlich: Placet, daß der türcken punct primo getractiert werde, daß mann aber alle puncten nach mahlen prosequiere. In modo placet antiquus modus praevia protestatione. Sachsen-Weimar (fol. 55’) deutlicher: Entnehmen Protokollen, dass hiebevor wohl breuchlichen gewesen, das ein gemeiner außschußaus KR, FR und SR gebildet worden ist. Deshalb kondte nicht schaden, das daßelbige fuglicher weiß wieder erinnert wurde. Do aber, wie zu besorgen, solches nicht zuerhalten, das doch die gewohnlichen protestationes eingewendett.Ansonsten Beratung in einem kurialen Ausschuss des FR, jedoch mit der Möglichkeit, dass zu dessen Beschlüssen im Plenum ein jeder stand sein nottdurfft dagegen einzuwenden.
18
 Die Gesandten des Hauses Pfalz und Bayerns hatten in internen und bilateralen Verhandlungen mit den Räten Sachsen-Weimars vor der RT-Eröffnung die von Hg. Friedrich Wilhelm von Sachsen angeregte Alternierung des Vorrangs abgelehnt. Es wurde keine Einigung erzielt (Pfalz-Neuburg G, fol. 112–120’, 129–132. Sachsen-Weimar, fol. 17’–20, 22–23, 33’–39. HStA Dresden, GA Loc. 10204/1, fol. I’-V’). Vgl. die Erklärung an Hg. Friedrich Wilhelm (o. D., referiert am 28. 5.: HStA München, K. blau 275/3, fol. 123–124. Kop.) sowie ein Gutachten der juristischen Fakultät in Jena vom 23. 4. (13. 4.) 1594 (HStA Weimar, C 219a, fol. 472–473’. Or.).
19
 Die Eichstätter Gesandten hatten am 1. 6. die Forderung der Speyerer Vertreter abgelehnt, den Vorrang im FR alternierend zu handhaben, und dagegen auf dem hergebrachten Vorrang beharrt (Eichstätt, fol. 11–12).
s
 Idem] Österreich (fol. 6’) zusätzlich: Repetit protestationem deß hauß Sachsens contra Pfaltz.
20
 Gemeint: Pfalz-Lautern, das von Kurpfälzer Räten vertreten wurde.
t
 Pfalz] Bayern (fol. 18) zusätzlich: und von Sachsen, während der Vorrang Bayerns anerkannt wird. Gegenprotest von Pfalz und Sachsen.
21
 = gegen die Verweigerung eines interkurialen Ausschusses durch KR.
u
 Pfalz] Österreich (fol. 7) zusätzlich: sowie von Sachsen und Brandenburg. Brandenburg-Ansbach legt ebenso wie Pfalz Gegenprotest ein. Sachsen-Weimar (fol. 56’) zusätzlich: Auch alle sächsischen Gesandten legen Gegenprotest ein und beharren auf dem Vorrang des Hauses Sachsen.
v
 Braunschweig-Lüneburg] Österreich (fol. 7) zusätzlich noch zuvor: Braunschweig-Calenberg: Referiert sich auff die annder braunschweigischen.[Vgl. Nachschrift vom 6. 6. (27. 5.) zum Bericht der Braunschweig-Wolfenbütteler Gesandten an Hg. Heinrich Julius vom 4. 6. (25. 5.) 1594: Hatten in der 1. Sitzung des FR für Wolfenbüttel und Calenberg /296a/ geduppelte sessionem und votumund hoffen, künftig dabei belassen zu werden (NLA Wolfenbüttel, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 41/1, fol. 294–296a, hier 296a. Or. Vgl. Häberlin XVIII, 89, Anm.*).] Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich: Votum Paderborn [zwischen Braunschweig-Calenberg und ‑Lüneburg]: Wie Österreich, Salzburg und Hildesheim.
w
 Wie Zwaybruckhen] Österreich (fol. 7) differenzierter: Will sich in puncto contributionis nit einlassen, nisi et religio tractentur[!]. Referiert sich sunsten auff Pfaltz unnd Brandenburg.
x
 Saltzburg] Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich nach dem Baseler und vor dem pommerischen Votum der Vermerk, das alhie Meckelburg votiren sollen. Weil er aber mit Pommern[!] der session halben strittig, ist er außpliben.
y
 Zwaybruckhen] Österreich (fol. 7’), Hessen (unfol.) abweichend: Wie Pfalz-Neuburg.
z
 Idem] Österreich (fol. 7’), Hessen (unfol.) abweichend: Wie Pfalz-Neuburg. Hessen (unfol.) zusätzlich: Jedoch das die andere gravamina nicht hindan gesetzet, sondern auch erörtert und dan dilatio gegeben werde, weill man bißhero die proposition und beilagen nicht durchlesen könnenn.
aa
 Idem] Österreich (fol. 7’) [und entsprechend Wett. Gff. (unfol.)] abweichend: Ut Hessen Moritz.
ab
 Idem] Österreich (fol. 7’) [und entsprechend Wett. Gff. (unfol.)] abweichend: Referiert sich auff die anndern hessischen.
22
 = der 2. HA (Landfriede und Niederlande).
23
 Nr. 436.
24
 Protest wohl im Hinblick auf die Session.
ac
 gegen Lüttich etc.] Österreich (fol. 7’) abweichend: contra Münster. Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich: Votiert wie Österreich.
ad
 Vorrang Badens] Baden-Durlach (fol. 17) differenzierter: Für Baden-Durlach nimmt Burrus die Session ein, ihm folgt für Mgf. Eduard Fortunatus Landhofmeister Orscelar, danach /17’/ in dem getreng, welches gar hefftig gewesen,der Lgf. von Leuchtenberg. Für die badische Vormundschaft [Georg Friedrich] hat sich Johann von Ulm noch vor dem Lgf. hinzugetrungen.Doch hat der Lgf. mit nichten zu weichen noch raum zugeben vermeint, sonder mir[von Ulm] die session in unser aller dreyer beysein aus dem fundament widersprochen, /17’–19/ Baden stünden seit jeher nur 2 Voten zu. Die Gesandten legen dagegen die Beschaffenheit der Landesteilung dar und begründen das Sessionsrecht Georg Friedrichs. Da der Lgf. dennoch nicht weichen will, fordern die Badener Gesandten Johann von Ulm auf, /19/ er wolte mit gewalt uff ine hineinsitzen, er würde ime baldt zuschaffen gnug geben. Welches beschehen, und hat er[Lgf.], wiewoll vasst ungern, weichen miessen, dan er, oberamptman[J. von Ulm], dem leichtenbergischen zu schwer wöllen werden.[Vgl. Anm. 38 bei Nr. 59.]
ae
 Wie Zweybruckhen] Österreich (fol. 8) abweichend: Ut Pommern.
af
 Saltzburg] Österreich (fol. 8) zusätzlich: Hersfeld will auch für Fulda votieren, der großmaisterweist dies zurück. Sachsen-Weimar (fol. 57’) deutlicher: Dem Votum für Fulda widerspricht Johann Eustachius von Westernach namens des Deutschmeisters, weil /58/ er allbereit deßwegen sein votum geben.
ag
 Umfrage] Österreich (fol. 8) zusätzlich: resümiert von Österreich [Illsung].
ah
 Nachmittag] Württemberg (fol. 594) differenzierter: 14 Uhr.
25
 Das akustische Problem im FR, bedingt durch den Umzug in den größeren Saal, wird wiederholt angesprochen. Vgl. Sachsen-Weimar, fol. 59: Die Voten der geistlichen Stände sind so eigentlich nicht zu vernehmen gewest, weil man den rath nicht in der vorigen stuben, sondern uf den weiten saal […] gehaltenhat. Eintrag in Wett. Gff. (unfol.) beim Votum Würzburgs: Sicut multos alios clericus non potui audire.
ai
 Es wird proponiert] Bayern (fol. 18’) eindeutig: Illsung proponiert für Österreich.
aj
–aj Nachdem … verweigert] Bayern (fol. 18’) differenzierter: Für FR referieren Österreich, Salzburg, Bayern und Sachsen-Coburg dem Mainzer Kanzler und einem Kurpfälzer Rat den Beschluss vom Vormittag und fordern die Einrichtung eines interkurialen Ausschusses. Da KR diesen verweigert, protestieren sie namens des FR.
26
 Vgl. die Beratung der Anfrage im KR: Kursachsen, fol. 5–7’ [Nr. 3].
ak
–ak Fränkischen … Henneberg] Würzburg A (fol. 5) differenzierter zur internen Kreisberatung: Würzburg benennt den Deutschmeister und Henneberg-Schleusingen. Brandenburg-Ansbach: Bamberg und Hessen wegen Henneberg [Hft. Schmalkalden]. Eichstätt: Würzburg und Sachsen wegen Henneberg. Henneberg: Bamberg und Brandenburg-Ansbach. Deutschmeister: Würzburg und Sachsen wegen Henneberg, dieweil baide fürsten in loco./5’/ Sachsen-Coburg (Johann Casimir): Bamberg und Brandenburg-Ansbach. Hessen: Bamberg und Sachsen wegen Henneberg. Mehrheitliche Benennung von Bamberg und Sachsen [wegen Henneberg].
al
–al Schwäbischen … Württemberg] Baden-Durlach (fol. 24) differenzierter zur internen Kreisberatung: Konstanz und Augsburg schlagen sich gegenseitig vor, wobei sich dem Augsburger Votum für Konstanz die anderen anschließen. Baden-Durlach hätte Augsburg bevorzugt, weil Constanz einer von Ossterreichund für die Forderung des Ks. beim 1. HA eintreten werde. Für die weltlichen Stände erhält Württemberg die Mehrheit.
27
 = dem Hst. Augsburg.
28
 Abt (seit 1594) Johann Adam Renner von Allmendingen, gest. 1607 (Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd1011451743.html [Abruf: 30.05.2017]).
am
–am Oberrheinischen … Kassel] Wett. Gff. (unfol.) differenzierter zur internen Benennung: Worms: Speyer und Pfalz-Simmern; Pfalz-Simmern: Hessen-Marburg und Worms; Speyer: Hessen-Kassel und Metz; Pfalz-Lautern: Speyer und Pfalz-Zweibrücken; Pfalz-Zweibrücken: Speyer und Pfalz-Lautern; Pfalz-Veldenz: Speyer und Pfalz-Simmern; Hersfeld: Speyer und Hessen-Kassel; Murbach: Worms und Pfalz-Simmern; Hessen-Kassel: Hessen-Marburg und Speyer; Hessen-Marburg: Speyer und Hessen-Kassel; Metz: Speyer und Pfalz-Simmern; Hessen-Darmstadt: Speyer und Hessen-Kassel; Wetterauer Gff.: Hessen-Kassel [geistlicher Stand fehlt].
an
–an Ober- … Stettin] Österreich (fol. 8’) nennt als Verordnete für beide Kreise Braunschweig-Wolfenbüttel und Mecklenburg; Württemberg (fol. 594), Hessen (unfol.) und Jülich-Berg (fol. 90) dagegen nennen Braunschweig-[Wolfenbüttel] und Pommern. Sachsen-Weimar (fol. 58–59) zur Erklärung: Zunächst nominieren beide Kreise je eigene Verordnete, doch wird anschließend vereinbart, /59’/ weil zuvor breuchlich, dz der ober- und niedersechsische kraiß zusammen geschlagen, das am besten were, das noch also gehalten wurde. Es wurde aber nichts desto weniger noch nicht geschloßen, wie die zween kraiß zu vergleichen.
ao
 schwäbische Gff.] Wett. Gff. (unfol.) differenzierter: Nominierung der schwäbischen Gff., da an diesen vermög der alternation mit den wetterauischen itzo die ordnung gewesst.
ap
 wird umgefragt] Würzburg A (fol. 6) deutlicher: Proposition durch Österreich: Es war am Vormittag nicht von 7, sondern von 6 oder 10 Kreisen die Rede. Deshalb Umfrage, ob man 6 oder 10 Kreise deputieren soll. Bayern (fol. 19) anders: Da die sächsischen Kreise je eigene Vertreter fordern, findet eine 2. Umfrage dazu statt, ob man diesen aus 6 oder 10 Kreisen bilden soll.
aq
–aq doch … möchten] Österreich (fol. 9) abweichend: Entscheidung per maiora. Würzburg A (fol. 6): unanimiter. Sachsen-Weimar (fol. 59 f.) anders: Die protestantischen Stände votieren gegen die Besetzung mit 10 Kreisen, weil damit Österreich und Burgund /59’/ wegen derselben beyden kraiß gar zu viel vota praeiudicialia bekommen. Bayern (fol. 19): Mehrheitsbeschluss gegen Pfalz-Lautern und einige adhaerenten, es bei 6 Kreisen zu belassen und den Ober- und Niedersächsischen Kreis für ainen craiß zesamen zeschlagen./20/ In der Umfrage setzen mehrere protestantische Stände voraus, dz die jhenigen, so wissentlich nit contribuirn, zu dem ausschuß nit sollen gezogen werden. Welches doch nit dz mehrer gewest, und man nit aigentlich wissen khünnen, welche von den außgeschlossenen dardurch gemeint worden./20 f./ Wie Illsung dazu informell erfragen konnte, bezog der Ober- und Niedersächsische Kreis dies auf Jülich und Münster.
ar
 heerkhommen] Sachsen-Weimar (fol. 59’–60’) zusätzlich: Daraufhin wird vereinbart, aus den nominierten Ständen der sächsischen Kreise je einen auszuwählen. In der Beratung der obersächsischen Kreisstände kann Sachsen-Weimar seine Benennung nicht erreichen, da alle für Pommern-Stettin votieren. Für den Niedersächsischen Kreis wird Braunschweig-Wolfenbüttel benannt.
29
 Zur Debatte um die Ausschussbildung vgl. auch Schulze, Haus, 129; Schulze, Reich, 122.
as
 Gesandte] Pfalz-Neuburg A (fol. 292’) differenzierter: der Gesandte Rorarius nimmt erstmals am FR teil.
at
 instruction] Österreich (fol. 9) differenzierter: Der Vertrag des Hauses Pfalz besagt, daß Lautern kein stimm noch session haben könde, so lang kein regierender furst dieselbigen stückh bewohne. An jetzo seyendt sie an die chur erwachsen.Zusätzlich: Pfalz-Simmern protestiert gegen den Vorrang Bayerns [Pfalz-Neuburg A (fol. 292’) zusätzlich: und Pfalz-Lauterns]. Illi: Generalia contra.
au
 worden] Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich: Der für Pfalz-Lautern anwesende Kurpfälzer Rat Quadt widerspricht dem und protestiert unter Vorbehalt aller Kurpfälzer Rechte.
30
 Bezugnahme auf den Vertrag vom 27. 1. 1578 zwischen Kf. Ludwig VI. und Pfgf. Johann Casimir um die Zuweisung von dessen Territorium gemäß dem Testament Kf. Friedrichs III. (Kuhn, Pfalzgraf, 44–48; Press, Calvinismus, 302–305; Sturm, Pfalzgraf, 84–86. Testament vom 23. 9. 1575: Kluckhohn, Testament, hier 47, 81–84). Nach dem Tod Johann Casimirs 1592 fiel dessen Territorium an Kurpfalz zurück. Den Hintergrund obigen Protests bildete der folgende Kurpfälzer Administrationsstreit (vgl. Anm. 21 bei Nr. 59).
av
 nescio quid] Würzburg A (fol. 7) eindeutig: gegen die Anerkennung der Reichsstandschaft von Prüm und Stablo, die doch immediate landtsassen deß herzogthumbs Lützelburg. Wöllen kgl. Mt. in Hispanien habende und herprachte gerechtigkeit expresse vorbehalten haben.
31
 = der Bf. persönlich im FR.
aw
–aw Basel … zurück] Freising A (unfol.) differenzierter: Der Baseler Gesandte hat sich am Vormittag sub eo praetextu, als wann sein herr principal dem metropolitano moguntino, mit dessen suffraganeis die saltzburgische provinz […] des vorgangs[!] halben nit strittig,[unterstehe], eingeschlichen.(Nachmittag, vor Beginn der Sitzung). Da man erfährt, dass Basel nicht Mainz, sondern dem Erzstift Besançon untersteht, fordern Freising, Regensburg und Passau den Baseler Verordneten auf, ihnen den Vorrang zu überlassen. Dieser lehnt ab, da es mit Freising keinen Streit gebe, während er Regensburg und Passau keine Präzedenz zugestehen könne. Er hab auch selber aigentlich nit gewist, unnder welchen metropolitan Basel gehöre.Freising: Der Vorrang wurde Basel am Morgen nur wegen der unzutreffenden Vorgabe überlassen. Der Freisinger Kanzler kann den Reichserbmarschall sodann davon überzeugen, dass Freising jetzt den Vorsitz erhält und auch hernach vor Basel eingeschriben unnd yedesmall verlesen worden.
32
 Wie auf allen RTT seit 1566 wurde auch für 1594 trotz der Landesteilung die Führung eines gemeinsamen Votums für die 3 Linien beschlossen (Einleitung, Kap. 3.1.1). Den Anspruch auf 3 Einzelstimmen trotz der Einnahme nur einer Session manifestierten die österreichischen Gesandten im Auftrag des Ks. (als Ehg.), Ehg. Ferdinands II. von Tirol und Ehg. Maximilians als Regent Innerösterreichs in einem Protest, den sie der Mainzer Kanzlei zusammen mit ihrer RT-Vollmacht übergaben. Der Protest reservierte Österreich zudem die Session vor Salzburg, dem der täglich alternierende Vorrang nur freiwillig zugestanden worden sei (Regensburg, 24. 5. 1594: HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 82–85’. Or.; unvollständig inseriert in Österreich, fol. 4’–5’). Vgl. Luttenberger, Innerösterreich, 357 f.; Schulze, Haus, bes. 123–125; Schulze, Reich 102 f. Zu obigem Votum vgl. Stieve, Politik I, 183, Anm. 2.