Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Textvorlage: Bayern, fol. 67–82.
Einzelpunkte des 1. HA (Türkenhilfe): Keine Einigung zur Höhe der Steuer. Verzicht auf reichsständische Kontrolle der Steuerverwendung. Sammlung von Almosen. Anmahnung des freiwilligen Kriegsdiensts junger Adeliger auf eigene Kosten. Einbindung auswärtiger Potentaten in die Türkenabwehr. Dank an den Ks. für den Beitrag seiner Kgrr. und Erblande. Keine Einigung zur Rückzahlung der vom Ks. aufgenommenen Gelder: Verrechnung mit der aktuellen Steuer oder Erlassung der Kredite. Beratung von Maßnahmen zur Begrenzung der erhöhten Besoldungen (Reiterbestallung) durch Kriegsräte des Ks.
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Salzburg proponiert: Steuerhöhe und weitere Modalitäten der Türkenhilfe.
Umfrage. Salzburg: Sey yetzt nit von der eyllenden, sonnder von ainer beharrlichen hillff zereden. Und /
Bayern: Hat erwartet, Salzburg würde anhand des Auszugs aus der Proposition2vorgehen, und sich deshalb mit seinen Mitgesandten zu diesem Thema noch nicht abgesprochen, votiert aber dennoch: Wan man woll bedenckhen, wie dz Reich beschaffen und wie es an gellt hoch ersaigert, hab man grosse ursach, an sich zehallten; wie dann von etlichen stennden hievor vermeldet worden. /
Zwischeneinwand Salzburg: Vermeldet cum aliqua indignatione, er bleib allerdings bey seiner proposition und voto.
Bamberg: Hat zur Hilfeleistung frühere Protokolle eingesehen, insbesondere die Regelung beim RT 1566. Dieweill yetzt die noth auf der handt und die ratschlagung nit zuverziehen, hallt darfür, man soll balt thun, was man thun welle. Schleüst zur eylenden hillff auf die tripl hillff wie anno 664 und zu der beharrlichen hillff uf 24 monat.
Braunschweig-[Wolfenbüttel]: Sey in alleweg zehellffen, aber das Reich nit zuschwechen. Concludit uf 40 monat, in 3 jarn zubetzahlen, d–wann den beschwerden werde abgehollffen–, und auf die terminen Johannis Baptistae und Evangelistae. Sonsten, da die gravamina nit abgestelt, hab sein gn. furst und her bedenckhens, einzewilligen.
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Jülich: Allegiert seine gravamina6. Wover denselben nit abgeholffen, wiss er khainen heller von den underthonen zebringen. Khönne yetzt andern stenden nit fürgreiffen noch de quota vel quantitate determiniren. Wo inen aber würckhlich gehollffen, welle sich allßdan mit den merern vergleichen. Yetzt und ausser dessen sey inen nit möglich, ettwas zelaisten.
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Württemberg: Jetzt ist allein von dem offnen khrieg zereden. Da ungewiß, wie lanng derselb continuirn werde, wie dann nun yetzunden der gefar zubegegnen: Halltens darfür, das sey die handt zimblich starckh gebotten, wann man uf 3 jar 40 monat bewillige, wie Braunschweig, in erwegung, das die underthonen zuvor mit contributionen hoch beschwert. Vergleicht sich in effectu mit Braunschweig. Hab auch bevelch, die contributiones dahin richten zehellffen, damit ein yedlicher standt alle güetter in seinem territorio möge collectiern, volgent sonst mancherlai inconiventia8 daraus, wanns die personen belegen. Es werde auch irer Mt. dero nit zuwider sein lassen, dz ainer und der ander standt dz jhenige, was er albereit contribuirt, widerumb möge abziehene; f–das auch den gravaminibus abgehollffen werde–.
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Hessen-[Kassel]: Erbiett sich, das jhenig zethuen, was ein gehorsamister standt. Es sey nit allein in acht zenemmen die noth in Ungern, sondern auch der underthonen obligen, betrangnußen, müsswachs, sperr der comertien, müntzstaigerung und verfhüerung ausser landts. Seyen willig zethuen, warbei9 [!] den underthonen möglich: 40 monat semel pro semper auf 3 jar. An denen soll abgezogen werden, was hievor fürgesetzt und fürgestreckht worden. Allegiert frembde außlendische hillffen, darumb sich der kayser zubewerben; item die restanten einzebringeng.
Pommern-Stettin: Considerat non solum die noth in Ungern, sondern auch der underthonen, welche von wegen der schwedischen10 und niederlendischen khriegen haben die maisste stett an der seekhant khain andere naarung, wegen der khrieg in Franckhreich, Engellandt etc., seyen in höchster armuet, khönnens nit mer ertragen. /
Henneberg: Dieweill nun von ettlichen jarn heer nichts mer contribuirt worden, allein was von ettlichen craissen guetwillig geschehen, unnd anno 82, auch 76, da die noth nit so groß gewest alls yetzt, stattlich gehollffen worden12, soll mans yetzt auch nit underlassen. Sey bösser in Ungern hellffen, alls das man den khrieg auf des Reichs poden khomen lasse. Bewilligt auf 3 jar[!] lang 24 monatj ainfach, und dieweill dasselb nit ersprießlich, derwegen in den drey volgenden jarnk yedes 10 monat13; dessen man sich in dem fursten rath zuvergleichen; und den gravaminibus abzehellffen. Dieweill auch der reinisch[!] craißl ein stattlichs gethan14, soll derselb in den letsten 3 jaren ain solchs widerumb abziehen mögenm.
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Schwäbische Gff.: Allegiren der underthonen unvermügen und der obligenden gravamina. Yedoch in bedenckhung der gefar in Ungern, das diß ein christliche expedition, umb die religion, des vatterlandt, zeittlich hab und guett zethuen, seyen sy irer Mt. zu gehorsamer wilfaarung erbiettig. Vergleichen sich mit dem saltzburgischen voto.
Die Auswertung der Umfrage ergibt, dass sich Salzburg drei, Braunschweig vier und Konstanz zwei Voten anschließen. Bayern hat zur Hauptfrage nicht votiert, die übrigen waren indifferent. Beschluss: Vertagung dieser Entscheidung bis morgen und Fortsetzung der Beratung mit anderen Punkten.
[Salzburg proponiert:] Zuordnung reichsständischer Pfennigmeister für die Kontrolle der Steuerverwendung?
Umfrage. Salzburg (Ebf. persönlich): Sey diser punct den stenden woll zuerwegen; darvon zuvor auf allen reichstagen tractiert worden. Khomen die mängl nit von ir Mt., sonder n–den jhenigen, die ire händt darein schlagen–. Wann man schon wollte zuordnen, werde /
Bayern: Es seyen offt reden gangen, die hilff werden nit dahin verwendet, dahin sy angesechen. Derwegen guett wer, auf mittl zugedenckhen, wie solche hilffen werden verwendet. Herentgegen hat man auf den vorigen reichstägen bedenckhens tragen, das sich die stenndte dessen sollen annemen oder leüth dartzue verordnen, o–dann dasselbe zieche noch etwas merers nach sich–,15. Und umb diser ursachen willen hellt /
Bamberg: Verweist auf die Verhandlungen insbesondere des RT 1566 um die Zuordnung eines Pfennig- und Proviantmeisters16. Last im gefallen, das von deß Reichs wegen ein pfennigmaister verordnet werde. Zweifelt nit, ein yedlicher standt erleg bey den legstetten, was ime gebürt.Der Salzburger Vorschlag ist zuvor auch für guett angesechen, aber doch irer Mt. haimbgestellt worden. Wenns noch also werde beschlossen, well er sich nit absondern; sunst vergleicht sich mit Saltzburg.
Braunschweig-[Wolfenbüttel]: Non dubitat, ir Mt. werden die zuordnung gern sechen. Obs aber zurathen, dz die Reichs stendte sich also obligiern wie /
Konstanz: Die hilff khumb aus khainer schuldigkhait, sonder frey willkhirlich her, in eum effectum, das ir Mt. die lasst deß kriegs auf sich trage, nichte dz Reich, welches sich nit will thailhafftig machen, sonder was geschicht, dz khumbt ex liberalitate. Helt darfür wie Bayrn, dz es irer Mt. haimbtzegeben. Werden ir Mt. den stendten nit zu ungnaden vermerckhen, wann /
Jülich: Weil die undterthonen und das kriegsvolckh leib und leben wagt, seye billich, dz sy bezallt werden. p–Vergleicht sich derhalben aintweder mit Salltzburg oder Bayrn–.
Speyer: Wie Cosstnitz.
Württemberg: Weil ir Mt. in der proposition der zueordnung selbs anregung gethon17, so werdens ir Mt. zu kheinen ungnaden vermerckhen, wann man derselben erinnert, wie vor verstanden, dz sy deß gellts bösser in acht nemmen. Dann desto mer werden die stenndte zur guettwilligkhait /
Münster: Wie Bayrn.
Hessen-[Kassel]: Ir Mt. habens wolbedacht ex prioribus actis, das die stendte diß nit wollten auf sich laden. Sy haben khein sunderbare instruction darauf, vergleichen sich mit dem merern.
Pommern-[Stettin]: Es sey khein mißtrauen in ir Mt. zustellen. Repetiert, was anno 22 und 41q fürüber ganngen18. Weil dann ir Mt. /
Henneberg: Wie Pommern.
Prälaten: Wie Bayrn.
Schwäbische Gff.: Wie Bayrn, aus denen allegierten ursachen.
Nota: Braunschweig vergleicht sich mit Bayrn, dz es irer Mt. haimbtzestellen.
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Umfrage zum Unterpunkt: Aufstellung von Opferstöcken vor den Kirchen für die Sammlung von Almosen zugunsten kranker und verwundeter Söldner. Einhelliger Beschluss: Billigung. Ablieferung der Almosen in den Legstätten.
Umfrage zum Unterpunkt: Freiwilliger Kriegsdienst junger Adeliger auf eigene Kosten.
Salzburg: Stee zue eines yeden gelegenhait, andacht[!] etc.
Sic caeteri.
Weitere Voten: Braunschweig: Es sey mer consilii dann iussione, und zuwinschen, das es gescheche. Wann ir Mt. dises /
Jülich: Man soll im abschidt die erinnerung und vermanung thuen.
Speyer: Stellts zue eines yeden gelegenhait.
Henneberg: Mann hett auf ein ritter orden zugedenckhen, dz man der schweren contributionen dermalln ainisten abkhume.
Caeteri ut supra Saltzburg.
Beschluss: Das es ein wilkhur, und man die leüth dartzue zuvermanen.
/74’–75’/ Umfrage zum Unterpunkt: Bemühungen um die Mithilfe auswärtiger Potentaten. Beschluss gemäß Votum Salzburg: Danksagung an den Ks. für seine bisherigen Bemühungen. Ks. wird diese in seinem eigenen Interesse fortsetzen.
Pommernrverweist darauf: /
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Unterpunkt: Rückerstattung der vom Ks. antizipierten und aufgenommenen Gelder ohne Rückgriff auf die neue Steuer20.
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Bayern: Hab zue undterschidlichen zeiten vil nambhaffte summen hergelichen. Wann man sich mit dem merern vergleicht, das mans nit soll abtziechen, woll er sich auch nit absonndern.
Bamberg: Haben die frännckhische stendte stattliche summen hergeben, item wann ir Mt. bey dem craiß umb ein reittersdienst ansuechen lassen, denselben bewilligt23. Will sich deß abtzugs /
Braunschweig-[Wolfenbüttel]: Müeß die anticipatio dupliciter consideriert werden: t–Ains thaills, was ins gemain anticipiert, fürs ander, was privatim beschechen–. Und dise anticipatio seye von dem craiß utroque modo geschehen. Habe doch bevelch, wann andere auch einwilligen, dz der gantze craiß wolle fallen lassen, was derselb anticipando gethan. Was aber ein yeder privatim anticipiert, dz werden ir Mt. verhoffenlich lassen abtziechen. Andere craiß, die bisheer noch nichts gelaistet, werdens verhoffenlich noch thun unnd ain /
Konstanz: u–Zweifelt nicht, es werde sein genediger herr mit Salltzburg yberainstimen. Was die verwilligung deß gemainen schwebischen craiß betreffendt24, verhofft, ir Mt. werden solches in die contribution lassen khumen. Und da irer Mt. ja[!] sollte von den andern craissen ein bewilligung geschechen, werde der schwebisch craiß ebenmessig willfahren und ein gleichhait hallten. Da aber andern craissen der abtzug gestattet, gescheche es auch mit dem schwebischen craiß–u. Aufgenomes[!] gellt etc.: Sey nit unbillich, dz ir Mt. der stenndt damit sollen verschonen.
Jülich: Das Gesuch des Ks. beim Hg. durch Kommissare um eine eilende Hilfe musste abgelehnt werden25. Aufgenomes gellt betreffendt, wie /
Speyer: Vergleicht sich mit dem merern, dieweil der vorbehallt deß abtzugs halben von andern nit beschechen. Und were irer Mt. durch die contribution in eum eventum, das der abtzug gestatt werd, wenig geholffen.
Württemberg: Bringen gemäß ihrer Instruktion vor, v–ir Mt. werden sich versechenlich nit verwidern, dz der abtzug der anticipationen gescheche. Sunst wurde ain standt vor dem andern ser graviert–. Der craiß hilff wie Cosstnitz, und referiert sich auf den abschidt26. Deß aufgenomen gelts halber wie Saltzburg.
Münster: Wie Gülch.
Hessen-[Kassel]: Distinquit sicuti Braunschweig. /
Pommern-[Stettin]: Was die craiß gethan, sollen allweg abgetzogen werden. Treffe dasselb seinem herrn 32 monat.
Henneberg: Wie Bamberg.
Prälaten: Soll weder die privat- noch craiß hilffen kheins wegs abgetzogen werden.
Schwäbische Gff.: Haben khein aigentliche instruction, ob etwas abtzetziechen oder nit, yedoch halten sy darfür, wies27 andere stendt mit dem merern machen, werd es darbey bleiben. Der jungst bewilligten hilff halben repetunt den abschid28. Wegen deß aufgenomen gelts wie Saltzburg.
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2. Umfragey. Bayern: Wie zuvor. Stee bey dem, was ein yeder stanndt thuen woll; und vergleiche sich mit dem merern.
Bamberg: Was das mererz.
Braunschweig-[Wolfenbüttel]aa: Wie zuvor. Seye dz bösst, dz ir Mt. mit einem yeden standt ad partem handlen lassen. Khönn einer ainem andern sein brief und sigl nit aufheben.
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Jülich: Ut supra. Er khöne nichts darüber votiern.
Speyer: Wie Saltzburg. Quoad privatum debitum vergleicht sich mit dem merern.
Württemberg: Wie Praunschweig.
Münster: Wie Gilch.
Hessen-[Kassel]: Der craiß hilff halben ut supra. Der privat schulden halben habens kheinen bevelch, dz sy es sollen nachlassen. Vergleichen sich mit Braunschweig.
Pommern-[Stettin]: Distinguiert nach, und quoad privata debita, wiß er nit, ob sein herr hergelichen. Was die craiß hilf belanngt, sovil ir f. Gn. angee, soll widerumben abgetzogen werden.
Henneberg: Wie Bamberg vor ime. Haben /
Prälaten: Wie zuvor, dz nichts abtzetziechen. Quoad privata debita, wiß er von seiner pannckh verwonten wegen khein interesse.
Schwäbische Gff.: Wie zuvor, und haben quoad privata khein bevelch.
Zusatz Württemberg: Will in seinem voto auf die privata debita verstannden sein; sonsten wie der schwebisch kraiß.
Salzburg resümiert: Seye entschlossen, also zue referieren, dz etliche im außschuß wellens gar nachsechen, andere habens bedenckhen wegen der craiß hilf. Ir Mt. mögen mit den stendten handlen, und was sy bey denselben khönnen erhalten, dz woll man irer Mt. gern gonnen.
Hessen-[Kassel]: Haben wegen deß craiß nichts /
Bayern et caeteri omnes: Dz gleichwol etliche stendte undterthenigist willig, die anticipierte hilfen nachtzesechen, andere aber haben nit bevelch, und seyen ir Mt. gehorsamist zuerinnern, dz sie mit den interessierten stendten deßwegen wellen handlen lassen.
Beratung zum Unterpunkt: Maßnahmen zur Begrenzung der stark erhöhten Besoldungen.
Umfrage. Salzburg: Seie diser articul nit seiner profession, hab denselben gleichwol lassen berathschlagen. Und befindt sich, dz dise grosse ungleichhait von Niderlandt und Frannckhreich herkhumen, da /
Bayern: Dazu ohne Weisung, vergleicht sich in effectu mit Saltzburg. Halte darfür, dz ir Mt. diß durch kriegs verstendige hab berathschlagen zelassen.
Bamberg: Irer Mt. allerdings haimb[zu]stellen. Vermaint auch nit, dz die ksl. proposition30 auf die jhenige zuversteen, die einen reitters diennst gelaist. Khöndte auch nit sechen, dz man sich der bestallung, so man sich verglichen und alberaith yberschickht31, zuverwidern.
Braunschweig-[Wolfenbüttel]: Es well beschwerlich sein, yetzt /
Konstanz: Die expedition gee ir Mt. an, derselben seie es haimbtzestellen.
Jülich: Ir Mt. haimbtzestellen unnd dieselb zuerinnern, damit die abusus abgestellt und khein consequens im römerzug gemacht werde34.
Speyer: Es seye im Reichs abschidt fürsehen, /
Württemberg: Wie Saltzburg, mit der erinnerung wie Braunschweig.
Münster: Wie Gülch.
Hessen-[Kassel]: Irer Mt. haimbtzestellen.
Pommern-[Stettin]: Wie Braunschweig: Solt man ein ordnung machen durch deß kaysers und der chur- und fürsten kriegs räth und dieselben zum ybersechen geben.
Henneberg: Wie Braunschweig. De inequalitate in den bestallungen irer Mt. haimbtzestellen, dz es die kriegs räth bedenckhen und, sovil yetzt müglich, abstellen.
Prälaten: Stellens haim.
Schwäbische Gff.: Wie Saltzburg und Cosstnitz.
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