Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 12. Die Reichstage zu Worms 1513 und Mainz 1517 bearbeitet von Reinhard Seyboth

[1.] Stand der Rufart-Sache; [2.] Seine Bemühungen um die Erlaubnis zur Heimreise.

Straßburg, AM, AA 340, fol. 9, Orig. Pap. m. S.

[1.] Gruß. Lb. Hh., den gewalt in [Albrecht] Ruoffartz handlung2 und och daz schriben, so ir mier geton [liegt nicht vor], han ich von Ludwig [Böcklin] enpfangen uf fritag [27.5.13] morgen und het mich fersehen, ir hötten mir die abgeschrift der ingeleiten puncten ouch wider zuogeschicket, die myn gewatter Gaberyel [Mördel] mit im hienufgefiert hat. So aber nit, so hab ich mich glich firderlichen zuo Dr. [Peter] Kirser geton und im firgehalten uwer schreiben, domit er wiß uf morgen, samstag [28.5.13], zuo handelen, wiewol Dr. Kirser befremdet, daz man kein antwurt uf die houptsach sol geben und uwer zitazion und ladung uf die houptsach ist usgangen, und so die urteil bedocht wurt, mag ermessen werden, was sie mit ir bringet. Aber nit[d]estmynder so will ich und er sich uwers schribens halten.

Ferer, lb. Hh., loß ich uch wissen, daz der samstag ufgeschoben biz uf mitwoch darnoch [1.6.13]. Was mir do witer begegent, will ich uch lossen wissen.

Ferer, lb. Hh., so hat mich myn gn. H. [Bf. Wilhelm] von Stroßburg uch, myn Hh., zu eren zweymol geladen und des morgens ouch, do Ludwig kumen ist. Do hab ich sunder red mit syn Gn. gehan, ob Ruoffartz sach uf ir Gn., uf den lantfoutz zuo Hagenoug [Hans Jakob von Mörsberg] oder uf daz kamergeriecht gewend wurd. Hat mir myn gn. [H.] zuogeseit, sie wol darunder handelen, als ob sie es fir sich selb det, und was ir Gn. begegen, wol sin Gn. mich wissen lossen. Darumb, lb. Hh., was in der sach einer gemeinen stat zuo nutz geschaffen [werden] kann, will ich mich kens miglichen fliß sparen.

[2.] Ferer, lb. Hh., so wolt ich[d]er gemeinen stat gern ir gelt sparen und hab underdeniklichen an myn gn. H. von Stroßburg frintlich gesuochet, mir drig wuchen oder fierzehen tag zuo erlouben, und ob aber sich der richstag zuo einer handelung sich schicken wolt in den fierzehen tagen oder drigen wuchen, so wolt ich verschaffen, daz mir solichs uf daz firderlichest verkind wurd und mich dan von stunden an wider zuo erheben. So hat mir myn gn. H. von Stroßburg ein geschrift [liegt nicht vor] angezeiget, die im erst in zwegen stunden worden. Was von ksl. Mt. ungeferlich die meinung, daz die ksl. Mt. hab verstanden, daz die gesanten von den richsstenden begeren abzuoscheiden. So sig ir Mt. so fil hendel zuogefallen, darunder ir Mt. dem hl. Rich zuo nutz gehandelt hab. Darumb ir Mt. nit hab kinen bitzhar zuo erschinen, aber die stend sol man ein kleine zit noch lossen ferharen etc., mit me oder mynder worten, ungeferlich. Daruf hat mir myn gn. H. von Stroßburg die meinung angezeiget, daz der brief uf montag nechst [30.5.13] den stenden wurt furgehalten. So es sich dan schick, daz wir mitenander fertig werden, als er hoff, so dirf es kens erloubens, so aber nit, so wolle er denacht besehen, wie er im dieg. Daruf hab ich aber knecht und pferd by mir behalten, dan wo ich[d]er gemeinen stat kosten ersparen kund oder mocht, wer ich ganz willig und geneiget. Hiemit sint Got befolen und dem Hl. Geist, zuo regieren noch Gotz lob und ergeben an samstag3 zuo zwey iren im XVcXIII. jor.

Anmerkungen

1
 Die Datierung ergibt sich zum einen daraus, dass der 28. Mai, wie unter [1.] angegeben, ein Samstag ist, zum anderen daraus, dass sich die Stände am 1. Juni bereit erklärten, den unter [3.] erwähnten Wunsch des Ks. nach ihrem weiteren Verbleib in Worms zu erfüllen. Wie [1.] vermuten lässt, wurde das Schreiben bereits am 27. Mai begonnen und erst am folgenden Tag fertiggestellt.
2
 Der Konflikt zwischen Albrecht Kessel, gen. Rufart, und Meister und Rat von Straßburg war schon auf dem Reichstag 1512 anhängig. Vgl. Seyboth, Reichstagsakten 11, Nr.1544, 1768 [4.]. – In den Kontext der Wormser Verhandlungen in der Rufart-Sache gehört folgender undatierter, jedoch wohl vom Mai 1513 stammender Zettel aus der ksl. Kanzlei: Item den reten gen Worms des Ruffarts urteil zuschicken und dabey anzuzeigen, dieweil er in die expens condemniert wirt, ob Straßburg die expens zu taxiern anlanget, das sie alsdann dieselbe taxation anstellen auf ksl. Mt. Item das sy Ruffarten, ob er umb weiter rechtfertigung anlanget, citation und ladung erkennen und geben. Dabey den reten anzuzaigen, das Ruffart vor den H. canzler [Zyprian von Serntein] und Cristof Hofman Edmunden von Wildenroed, Dr., constituirt hat zu seinem procurator, den sentenz zu vernemen und umb weiter hilf und rechtfertigung, wie not wirdet, anzuruefen etc. […]Wien, HHStA, RK, Maximiliana 46 (alt 40a) ohne Datum XIV, fol. 137a, Konz.
3
 Die Festtagsangabe fehlt.