Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 12. Die Reichstage zu Worms 1513 und Mainz 1517 bearbeitet von Reinhard Seyboth

[1.] Häufige Bitten der Hochmeister Friedrich von Sachsen und Albrecht von Brandenburg an den Ks. um Unterstützung des Deutschen Ordens gegen Polen; [2.] Beharren Kg. Sigismunds auf Vollzug der Petrikauer Artikel bis zum 11. November; Unmöglichkeit, sich der Forderung ohne Unterstützung zu widersetzen; [3.] Bitte an den Ks. um Rat und Hilfe; [4.] Bei Weigerung Einlegen eines Protests; [5.] Im Fall einer Hilfeleistung Bereitschaft des Ordens zur Unterstellung unter das Reich; [6.] Auftrag zur Teilnahme an einem etwaigen Konzil in Rom; [7.] Weisung, den Deutschmeister auf dem Laufenden zu halten.

Berlin, GStAPrK, XX. HA, OF 35, fol. 376a–378b, Kop.

/376a/ Instruction und bevel an ksl. Mt., H. Georgen von Eltz, compter zu Osterrod und canzler, mitgegeben, freitags nach Barnabe [17.6.13] abgefertiget

[1.] Noch underteniger, dinstlicher zuentpitung und uberantwortung der credenz ist volgende meynung an seine ksl. Mt. zu tragen:

Nochdem unser vorfahr seliger gedechtnis [Hochmeister Friedrich von Sachsen], auch wir in eigener perschon vilfeldig in der langwerigen irrungen und bedrenglikeit, dorin seyn lieb und nochvolgend wir mitsampt unserm ritterlichen orden so lang kegen der cron Polan und bis auf diese stunde unentscheiden /376b/ gestanden, iren ksl. Mt. underteniglichen zu vil mahlen, uns und unserm orden zu helfen und zu raten, angerufen, darin sich ir Mt. gnediglich als ein loblicher, auch hochberümbter Ks. mit botschaft schickung, suchung gütlicher handlung und anders alzeit gnediglich erzeigt, das wir uns mitsampt unserm ganzen orden underteniglich dinstlichs fleis hochlich tun bedanken.

[2.] Dieweil aber ire ksl. Mt. gnu[g]same underrichtung durch den hochgepornen F., unsern freuntlichen, lb. bruder Mgf. Cazimir [von Ansbach-Kulmbach] etc., auch unser botschaft entpfangen, das solich irer ksl. Mt. gn. forderung und handlung bey kgl. irleuchtigkeit [Sigismund] zu Polan und der crone keyn ander nutz bis auf diese zeit gebracht, dan ein zusamenkommen kgl. irleuchtigkeit und unser, die handel zu Peterkau1 zu volzihen, in welicher handlung wir befinden nicht allein unser und unsers ordens, sunder irer ksl. Mt. [und] des hl. Reichs teutzscher nacion nachteyl, doreyn wir als ein geborner F. des hl. Reichs zu abbruch irer Mt. und teutzscher nacion und genzliche ausleschung und vertylgung des ritterlichen ordens nicht gern verwilligen wolten, dorumb aus irer Mt. und anderer unser Hh. und freuntschaft rat haben wir bey kgl. irleuchtigkeit zu Polan den fleis vorgewant, wie wir iren ksl. Mt. geschriben, die erstreckunge kgl. wird und unsers zusamenkommens zu volzyhen der abrede und hendel nach zu Peterkau bis auf Martini [11.11.13] erlangt.

/377a/ Dieweil wir aber aus gegebener antwort kgl. irleuchtigkeit zu Polan, auch gewisser kuntschaft vermerken, das wir keyne lengere zeit bey kgl. [irleuchtigkeit] und der cron zu Polan zu erlangen haben, sunder noch ausgang der zeit wird uns sunder zweyfel seine irleuchtigkeit, zu volzyhen die Peterkauschen hendel, fordern ader, den bedrenglichen fride2 zu schweren, notigen ader mussen uns der gewalt der kron Polan mit gewalt erweren.

Wie wir nu in alwege durch unser und unsers ordens alleyn vermügen geschickt seyn, ist ire ksl. Mt. vilfeldig bericht, das uns nicht moglich, das vornemen kgl. irleuchtigkeit und der kron zu Polan wie bisher in das fünfzehnde jar aufzuenthalten konnen ader vermogen sonder merglich ader trostliche hülf irer ksl. Mt. und des hl. Reichs und besorgen uns, durch diese bedrengliche not unserm orden das zu tun zulassen müssen. Das uns treulich und herzlich leid were und nichts auf erden uns beschwerlicher, dan bey unsern zeiten und regiment der ritterliche orden in soliche bedrenglikeit kommen sold, zu nachteyl irer Mt. in eigenschaft der cron Polan zu brengen und dem hl. Reich entzogen werden.

[3.] Dorumb abermals unser undertenige, dinstlich bitt, seyne ksl. Mt. wollen diese nicht alleyn unser, sunder irer Mt. und das hl. Reichs eigene sach gnediglich zu herzen nemen und bedenken, noch grosse der sachen entlich helfen und raten. Das wollen wir etc.

/377b/ Was euch vor antwort begegend, die sich auf verlengerung erstrecken, die wollent nicht annemen, sunder bey iren ksl. Mt., eyns ader anders zu erlangen, keynen fleis vorzuwenden sparen, doch alles noch rat unsers bruders Mgf. Cazimirs.

[4.] Wo ir aber keyne trostliche antwort erlangen kond, des wir uns doch nicht verhoffen, so wollet nach rat unsers bruders Mgf. Cazimirs und ander unser freund eyn gemeyne protestacion, wie zu Trier beschlossen3, tun.

[5.] So uns trostlich hulfe ader ander beistand zugesagt wird, sold ir euch kegen iren Mt. und dem hl. Reich von unsern wegen erbiten, das wir mitsampt unserm ganzen orden keyne beschwerung haben, under das hl. Reich zu begeben.

Item was ir neben dieser instruction befindet, uns und unserm orden zum besten zu handlen ist, sol euch auch hirmit, wie wir unsern getrauen und glauben zu euch stellen, bevolen seyn.

[6.] Item wo ir befindet, das das concilium seynen vorgang gewynne und ir euch aus bevel und rat ksl. Mt., auch unsers bruders Mgf. Cazimirs kegen Roma begeben müst, schreibt uns auch furderlichst durch eygene reitende botschaft. Zu was wir alsdan bey unsern freunden, den meistern teutschen etc. lande [Johann Adelmann von Adelsmannsfelden], auch Leifland [Wolter von Plettenberg], unser prelaten, gebietiger, auch verwanten im rat befinden, wollen wir euch aufs furderlichst mit weiterem bevehl zuschicken.

[7.] /378a/ Item alle handlung, wie obgeschriben, und was bedrenglikeit mit aller umbstendigkeit wir mit unserm orden stehen, wollet unserm obersten gebietiger teutzscher land eigentlich vermelden und seynen rat unverzoglich mitsampt seynen ratsgebietigern bitten, denselbigen uns auch aufs furderlichst zu schicken.

Anmerkungen

1
 Gemeint sind die Verhandlungen zu Petrikau mit dem Rezess vom 4. Dezember 1512 (Nr.114, Anm. 1). Über dessen Annahme durch den Deutschen Orden sollte auf einer erneuten Zusammenkunft am 12. April 1513 in Posen verhandelt werden.
2
 Der zweite Thorner Frieden vom 19. Oktober 1466.
3
 Zu den Bemühungen Hochmeister Albrechts auf dem Trierer Reichstag, eine Hilfe des Ks. und der Reichsstände gegen Polen zu erlangen, vgl. Seyboth, Reichstagsakten 11, Abschnitt IV.5.10. Für einen dort gefassten Entschluss, im Weigerungsfall förmlichen Protest einzulegen, gibt es allerdings keinen Nachweis.