Verstöße gegen den Religionsfrieden: Negierung von dessen Rechtsgültigkeit durch die Kurie und deren Vertreter im Reich. Verdammung der CA, Restituierung der geistlichen Jurisdiktion, Umtriebe der Jesuiten, Einführung des neuen Kalenders, Verbot der ksl. Regalienvergabe an geistliche Stände ohne päpstliche Konfirmation, Verschärfung der Eidesleistung für den Zugang zu Hstt. sowie der Lehnseide auf päpstliche Veranlassung hin. Unterbindung des Glaubenswechsels von und in Reichsstädten. Anhaltende Bedrängung der Stadt Aachen, Bitte um Suspendierung der Exekution des ksl. Endurteils gegen den amtierenden Rat. Verstöße gegen das freie Abzugsrecht. Missachtung der Declaratio Ferdinandea. Ausschluss protestantischer geistlicher Stände vom RT, Verweigerung der Session. Verbot der Beerdigung protestantischer Untertanen in katholischen Orten. Benachteiligung der CA-Stände am RKG: Berufung nur katholischer RKG-Richter und Präsidenten, ungleiche Behandlung von Verfahren protestantischer und katholischer Kläger, ausschließlich katholische Besetzung der RKG-Kanzlei, erhöhte Kanzleitaxen; Einstellung der RKG-Visitation wegen der Magdeburger Sessionsfrage. Bitte um Fortführung der Visitationen mit Beteiligung aller berechtigten protestantischen Stände. Kompetenzüberschreitung der RKG-Assessoren und katholischer Visitatoren. Religionsprozesse am RHR unter Verstoß gegen reichsständische Privilegien und die RKGO. Parteiische Entscheidungen durch den RHR. Aufhebung von Exemtionsprivilegien von Reichsständen gegen das ksl. Hofgericht in Rottweil. Übergriffe spanischer und lothringischer Söldner auf Reichsstände. Bitte um Zulassung Mgf. Johann Georgs von Brandenburg als Administrator des Hst. Straßburg zur Session am RT, um dessen Belehnung mit dem Hst. und Unterbindung der Übergriffe des Kardinalbf. von Metz auf das Hst. Benachteiligung protestantischer Stände bei Kreishilfen. Beschwerden protestantischer Reichsstädte: Strittiges Reformationsrecht über exterritoriale geistliche Institutionen, rechtswidrige Annahme von deren Klagen durch RKG und RHR. Ungerechtfertigte Ausübung der geistlichen Jurisdiktion, parteiische Handhabung von diesbezüglichen Klagen am RKG. Inakzeptable Form der Lehnseide sowie der Bürgereide in Reichsstädten, anderweitige Beeinträchtigung des ius reformandi und der dortigen protestantischen Religionsausübung, verbunden mit wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen. Verzögerung von Supplikationen zum Religions- und Landfrieden. Bitte um Klärung der Gravamina durch den Ks. noch beim RT, dadurch Behebung des Misstrauens im Reich und größere Bereitschaft der Stände zur finanziellen Unterstützung des Ks.
Hinweise zur Textgenese: Die beim Tag in Heilbronn als Beilage A zum Abschied vom 26. 3. (16. 3.) 1594 von wenigen protestantischen Ständen formulierten Beschwerden [Nr. 387, Sigle „Fassung Heilbronn“] wurden am RT in der Beratung der Gesandten der weltlichen Kff. am 7. 5. verlesen1. Sie wurden anschließend von den Kurpfälzer Räten leicht modifiziert [Nr. 387], in dieser Version den Verhandlungen der protestantischen Stände bei Kurpfalz am 14. 5. zugrunde gelegt2 und danach nochmals von den Kurbrandenburger Gesandten korrigiert. Die überarbeitete Kurbrandenburger Fassung [Nr. 388] wurde im protestantischen Religionskonvent bei Kurpfalz am 9. 6. verlesen sowie am 16. 6. gegen den dort ebenfalls vorgelegten kursächsischen Gegenentwurf [Nr. 389] mehrheitlich gebilligt3. Die Kurbrandenburger Überarbeitung des Kurpfälzer Entwurfs bildete somit die Grundlage für die Punkte 1–14 in der Endfassung der Gravamina, die sodann um die Beschwerden der protestantischen Reichsstädte ergänzt wurden, die diese ihrerseits in der Separatberatung am 14. 6. gebilligt hatten4. Die Endredaktion übernahmen die Kurpfälzer Gesandten, indem sie die städtischen Gravamina sowie einige Korrekturanträge aus der Beratung am 16. 6. einfügten und aus dem kursächsischen Entwurf so viel übernahmen,als wir vermeint, das one offension gescheen möge. Die in dieser Form revidierte Endfassung legten die Kurpfälzer Gesandten dem Plenum nicht mehr zur Billigung vor, sondern besprachen sie lediglich mit den Kurbrandenburger Räten, die jedoch die Form der Einfügung der städtischen Gravamina kritisierten unddas gantze werckh ein groß geschmir geheissen, und sich also erzeiget, das man nicht ein geringen unwillen bei inen uber das gantze werckh gespüret. Deshalb mussten die Kurpfälzer Gesandten die städtischen Beschwerden wieder extrahieren und am Endeuffs kürtzt, man gemöcht, anhenckhen5. Es folgten Verhandlungen der kursächsischen und der sich diesen anschließenden Gesandten weniger anderer Stände um die Unterzeichnung der Gravamina sowie nach dem ablehnenden Beschluss6 die Unterzeichnung durch die anderen protestantischen Stände am 23. 6. sowie durch die protestantischen Reichsstädte am 25. 6.7.
Dem Ks. übergeben am 26. 6. 15948. Vom Ks. an die katholischen Stände weitergereicht mit Dekret vom 27. 6.9 Von den protestantischen Ständen kopiert am 29. 6. Von den katholischen Ständen kopiert am 5. 7.10 In der Versammlung der katholischen Stände beraten am 12. 7.11
HHStA Wien, MEA Religionssachen 7 Fasz. 2, fol. 272–289’ (Kop. mit Randvermerken, die den Inhalt gliedern) = Textvorlage12. HStA München, K. blau 113/4d, unfol. (Konz., basierend auf den revidierten Heilbronner Gravamina in der von Kurpfalz erstellten Fassung [Nr. 387] als Vorlage, in die Korrekturen eingetragen werden. Dorsv.:Gravamina der evangelischen stendt. 1594.)= B1. HStA München, K. blau 113/4d, unfol. (weiteres Konz., basierend auf der Kurbrandenburger Überarbeitung der Kurpfälzer Fassung [Nr. 388] als Vorlage, in die Korrekturen eingetragen werden. Dorsv.:Gravamina der evangelischen stende.) = B2. HStA Dresden, GA Loc. 10203/4, fol. 140–159’ (Kop. der von Kurpfalz redigierten Schlussfassung mit den gegenüber B1 und B2 ergänzten Beschwerden der protestantischen Reichsstädte. Diese Stufe der Konzipierung entspricht in allen Punkten der Endfassung. Überschr.:Diß viertte concept haben unserm gnst. herrn die pfältzischen den 12. Junii [22. 6.]anno 94 zustellen lassen13.) = B3. HStA München, KÄA 3231, fol. 106–121’ (Kop. der Endfassung. Dorsv.:Der augspurgischen confession verwandten gravamina etc.) = C. Weitere Nachweise der Endfassung: GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Vv, fol. 664–692’ (Kop. Überschr.:Gemeiner stende gravamina, wie die der röm. ksl. Mt. sein ubergeben worden. Regenspurgk, 16. Junii [26. 6.]anno 94. Dorsv.:Gemeiner stende gravamina, wie die der röm. ksl. Mt. sollen [korr. zu:sein]ubergeben werden. Aa. Regenspurgk, den 13. Junii [23. 6.]anno 94.14). StA Nürnberg, NRTA 112, fol. 1061–1082 (Kop. Überschr.:Der evangelischen stende gravamina. Der ksl. Mt. überraicht sontags, den 16. Junii [26. 6.]anno 1594. Lectum im churpfeltzischen losament 19. Junii [29. 6.]anno 94.). NLA Wolfenbüttel, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 41/2, fol. 65–88’ (Kop. Schlussvermerk: Die Mecklenburger Gesandtenseindt zwar mit diesen gravaminibus auch einig, haben aber dieselben wegen streitiger session et sic propter ordinem subscriptionis nicht unterzeichnen wollen.). StA Marburg, 4e Nr. 1395, fol. 223–243’ (Kop.).
Druck: Lehmann, Acta I, 218–224. Referiert bei Struve, Historie, 373–384; Häberlin XVIII, 474–500; Wolf, Geschichte Maximilians, 148–155. Knapp zusammengefasst bei Ritter, Gründung, 61 f.; Kossol, Reichspolitik, 55 f.; Foerster, Sessionsstreit, 65 f.; Janssen, Vorbereitung, 120 f.
Auszüge: Moser, Staatsrecht I, 143 f.; III, 480; X, 342 f., 388 f.; XI, 126, 136 f.; XL, 526–528. Moser, Staats-Recht Aachen, 33 f.
Aufgrund der zahlreichen Korrekturen in den Konzz. können bei der Kollationierung kleinere Änderungen ohne sinngebende Bedeutung nicht ausgewiesen werden.
/272/ An den Ks.: Die unten genannten, am RT vertretenen der augspurgische confessions verwandte15 churfursten, fursten unndt stende deß Hl. Reichsbeabsichtigen, nach angehörtter und eingenommener euer ksl. Mt. proposition ires thailß alleß zuebefurdern, waß zue vermehrung euer ksl. Mt. authorithet, erhalttung rechtschaffenes guetes vertrauenns unnder den stenden, zu abwendung bevorstehender gefahr, soviell an inen, unndt endtlich zu befurderung fridt, ruehe unndt ainigkeitt, auch gemainer wolfarth deß Hl. Reichs, unnsers geliebtten vatterlandts teutscher nation, dienen möge.
Dieweill aber inen in gemain unndt dan vielen underschiedenen gehorsamen stenden unnd communen insonderhait mehrfalttige beschwerungen nicht allein bißhero obgelegen, welchen, ob die woll mehrmahlen furkommen, auß andern verhinterungen noch keine abhelffung widerfahren16, sonnder auch, je lenger, je weitter, vermehrt werden wollen: /272’/ So haben sie, dieselbe euer ksl. Mt. alß irer von Gott furgesetzter hohera obrigkeitt vorzubringen unnd (ob sie sonstb gleich euer ksl. Mt. nach gelegenhait jetzo vorstehender hochwichtiger täglicherc geschefften aller underthönigist gern verschonen wollen) doch deren tringenden notturfft unndt beschaffenhait nach umb allergnedigiste abschaffung unndt miltterung zubitten, nicht unnderlassen konnen; ungezweiffelter zuversicht, euer ksl. Mt. werden solches anderst nicht, dan treulich unndt wollgemaint, vermercken unndt sie daruff zu wurcklicher abhelffung der angeregten beschwerden mit allergnedigistem beschaidt versehen.
Unndt anfencklichd, ob woll der religion e–friede vornemblich zue dem ende aufgericht, daß dardurch alß ein hailsam bandt–e zwischen den stenden beeder religion im Heiligen Reich teutscher nation guets vertrauen, friedt, ruehe undt ainigkeitt erhaltten unndt vorttgepflantzt werde, so wurdt doch von den stenden augspurgischer confession f–wie auch in gleichem von etlichen fridtliebenden der römischen cathollischenn religion zuegethanen Reichs stetten nun ein guete zeit hero geclaget, daß offt viell wider denselben furlauffet, auch derselbe woll zuweilen in einen andern verstandt will gezogen werden. Darzue dan der bapst unndt seine legaten unndt nuntii, so hin und wider im Reich umbziehen, auch jetzo noch bey dieser wehrenden /273/ Reichs versamblunge zur stelle sein, nicht wenig helffen–f.
[1] Dan eß wurdtg offentlich außgegeben, daß weilandt könig Ferdinanden, hochlöblicher gedechtnuß, ohne bäpstlichen consens nicht gepuert habe, ain religion frieden zwischen den stenden im Reich zutreffen, h–daß auch derselbe lenger nicht, dan biß nach vollendtem tridentischen concilio crefftig sein solle. Derhalben ehr nunmehr sein endtschafft erraicht unnd lenger nicht dienlichi [!] sey–h. Dahero dan die augspurgische confession unschuldigj fur ein verdambte religion angezogen undt die darwider ins Reich geschickte bäpstliche bullen mit angetroeter execution widerumb offentlich angeschlagen, auch die im religion frieden suspendirte gaistliche jurisdiction17, wider menniglichen wider aufzurichten, understanden werden will.
[2] Wie dan der bapst k–undt seine nuntii ire jurisdiction durch die jhesuiter iren im Reich angemasten gewaltt unndt bottmeßigkeit so weit extendiren, daß sie, die andern zue excommuniciren undt degradiren, die zeit unndt jahrl zuverendern18, sich understehen, auch woll die ksl. Mt. dahin bewegen wollen–k, daß ire Mt. keinem gaistlichen standtm regalia leihen solle, er habe dan deß bapsts confirmation uber seine n–election oder postulation zuvor erlangt–n. Zue welchem ende ero dan auchp die iuramenta undt statuta auf den q–hohen unndt andern stifften, auch ritter- undt andern orden–q /273’/ von tag zu tag dermassen gescherpfft undt geendert, daß den evangelischen aller zutritt abgeschnitten wurdet. r–Auch werden zuweiln graven unnd andern stenden bey irer lehens entpfahung die lehen aydt gescherpfft unndt dergestaltt furgeschrieben, daß sie dieselben salva conscientia nicht schweren konnens. Item es werden den stenden ire belehnungen am kaiserlichen hoffe aufgehaltten, wie dessen woll exempell in specie zuerzehlen weren–r. Welcheß alles furnemblich zue dem ende aller underthonigist erinnert wurdt, damit ire ksl. Mt. allergnedigist auf die wege gedencken, wie t–solchem im Teutschlandt widerumb und von neuem gesuchtem bäpstlichem–t gewaltt begegnet unndt ire Mt. unndt deß Reichs hohait in acht genommen, auch die im religion frieden suspendirte unnd im Reich erloschene gaistliche jurisdiction, uber gaistliche undt weldtliche widerumb zuexerciren, u–dem bapst und seinem anhang nit verstattet, auch sonnsten niemandt, unserer religion verwandt, wider gepuer und billicheit beschwerdt werde–u.
[3] Uber diß wurdt furgegeben, alß soltten die jennigen, welche vor dem religion frieden nicht zur augspurgischen confession getretten, jetzo, dasselb nit mehr vorzuenemmen, macht haben, undt derwegen keinem standt, sonderlich den Reichs stätten, ainige reformation zuverstatten sein. Derhalben eß bey etlichen stätten dahin gebracht, daß sie sich vermittelß aidts ver- /274/ bunden undt reversirt, bey der yetzigen römischen religion zupleiben, keinen evangelischen burger in rath zuziehen, den burgern kein exercitium, wie flehenlich auch von viel tausendt burgern darumb angesucht wurdt, zuverstatten. Wie in der statt Cölln geschicht, alda die evangelische burger mit neuen, vom rath angerichten fiscalischen processen geplagt, gethurnt, umb geldt gestrafft unndt denv ubelthettern gleich gehaltten werden; inmassen beigelegte ire sonderbare gravamina mit A außweisen19. Wie in gleichem auch bey andern etlichen oberlendischenn stätten, alß zue Schwebischen Gmündt20, Weyll der statt21, Kauffbeuern22 und andernw vasst dergleichen understanden, da der freye lauff deß heyligenn evangelii wider die Reichs constitutiones gehintertx, auch praejudicirliche decreta unndt beschaidt erthailet. Da eß doch mit den frey- undt Reichs stätten deß magistrats y–unndt derselben tragenden ämpter–y halben viell ein andere gelegenhait hat alß mitt andern obrigkaitten, in erwegung, daß der rath, dieselben z–ämpter undt die personen, welche solche tragen–z, aus der burgerschafft gezogen unndt also rath undt gemainde ein corpus und commun sein. Weill nun aa–solches den hohern stenden gantz beschwerlich, den erbarn frey- undt Reichs stätten verderblich unnd dem religion frieden, in crafft welchen keine solche statuta oder pacta gemacht werden sollen23, /274’/ ungemeß ist–aa, wurdt umb kaiserlich allergnedigist einsehen unnd abschaffung gebetten.
[4] Waß dan fur verhinterungen und eintrag ab–nicht allein an der freyheit deß exercitii augspurgischer confession, sonder auch im gantzen politischen regiment undt stattwesen der statt Achac begegnet und vor der zeitt bey irer ksl. Mt. gesuecht unndt durch unterschiedene der weldtlichen churfursten undt anderer stende deß Reichs intercession schrifften und schickung gebetten worden24, dessen werden sich euer ksl. Mt. allergnedigst zuerinnern habenad. Wan aber noch täglich vielfalttige clagen einkommen25, welchermassen bißhero die spanische gubernatorn und andere in irem nahmen ermelter statt, so one mittell ein furnehme Reichs statt ist, mit vielfalttigen beschwerlichen inlegerungen, arrestenn, patenten, ungewohnlichen mandaten, gefencklichen anhaltten, plunderungen unndt sonsten in viell weeg belestiget26, endtlich auch auf etlicher unruehiger personen ungestim anhaltten ain decret, auch daruber starcke executorialen gegeben worden27, da doch, wie man von inen berichtet, irer gegenthaill anbringen inen nicht communicirt, sie also daruber nit gnugsamb gehördt, die cleger auch sich niemalen, wie sichs zu recht gepuert, legitimirt. /275/ Unndt wan solche decreta unndt executoriales dergestaltt volstreckt und dem, waß sich vor dieser zeitt daß spanische gubernament unnd kriegs volckh, auch andere benachtbarte vermög beiligender designation mit B28 unnderstanden, ferner zugesehen werden soltte, muste solches zu endtlichem untergang der statt alß gleichwoll einer vornehmen, altten Reichs- unndt frontier statt, auch königlichen stuel, irer Mt. und dem Hl. Reich zu besonderem nachthaill geraichen. Unndt möcht auch woll die gantze commun, zu irer selbst nottwendigen rettung auf andere weeg zugedencken, bewegt werden29, da doch nitt allein euer ksl. Mt., sonnder auch dem gantzen Heyligen Reich von wegen der nachbarschafft, der commertienae unndt anderer vieler ursachen mercklich angelegen. Dem allem zuvorkommen,[haben] sie, wie sie eß zum höchsten und vor dem almechtigen selbst beteuern, anderer gestaltt und intent nicht, dan allein euer ksl. Mt. unndt gesampte stendt deß Hl. Reichs grundtlicher undt warhafftiger, dan von den widerthailen bißhero geschehen, auffs aller gehorsambs zuberichten, und daß durch solchen weeg melioris informationis sie selbst unndt gemaine statt Aach bey lang hergebrachtem statt unnd wesen, auch iren freyheitten und den Reichs constitutionibus gehandthabt werden mochten, /275’/ sich deß ordenlichen mittelß appellationis zugebrauchen, nicht underlassen konnen30.
So bitten hoch- undt wolermeltte stendt allerunderthönigist, euer ksl. Mt. wolle auß denen und andern, hievor zu mehrmahlen angezogenen vernunfftigen ursachen ermeltte statt und gravirte commun mit der betroheten execution vorberurten decrets fernner nit beschweren, sonder bey eingewendter appellation unndt derselben ordenlichen prosecution allergnedigst verpleiben, den vielgenanten gegenthailen, deßgleichen auch den gravirten zue vernnerer rechtlichen verhör zeit und ortt bestimmen, deßgleichen den widerwerttigen bey namhafften peenen mandiren und gepieten lassen, durch sichaf selbst oder andere wider einen erbarn rath unndt gemaine burgerschafft der statt Aach nichts thätlichs heimlich oder offentlich biß zu gepuerender erörtterung der sachen zue practiciren oder furzunemmen. Dardurch dem bevorstehendem unheill, so auß ervolgender execution, auch der spanischen unndt anderer zunöttigung ervolgen kondte, one fernnere innerliche beschwerung der burgerschafft begegnet, der gefahr, durch den andern, rauhern weeg euer ksl. Mt. und dem Hl. Reich gentzlich entzogen zuwerden, mit euer ksl. Mt. mehrerm rum unnd deß Reichs nutzen erledigt wurde–ab.
[5] /276/ Eß befinden sich auch die evangelische augspurgische confessions verwandte stende31 in iren unndt christlichenag mitglidern in dem wider den religion frieden nicht wenig beschwerdt, daß an statt deß freiwilligen, ungezwungenen außzugs, so denah underthanen zue einer sondern wolthat im religion frieden gegonnet32, sie, die underthanen, außzuziehen unndt darbey mit allem ernst gezwungen werden, daß irig in einer engen praefigierten zeitt, so manchem unmueglich, mitt unstatten zuverkauffen unndt daß lanndt wie ubelthäter zuraumen. Unndt da sich ye einer seiner gelegenhait nach in ein benachbartes evangelisch ortt begibt, wurdt ime doch nit gestattet, auf seine verlassene veldtgueter zugehen unndt die zu bauen ai–oder erbaute frucht ires gefallens einzuhaimschen, sonnder inen ire gueter, noch darzu wider iren willen, auch zum thaill unbewust derselben, in gantz geringem werth abgeschetzt unnd uber diß die nachsteuer von den unnderthanen mit gewaldt gefordert unnd eingenommen werden; alles den Reichs ordnungen unnd der billicheit zuwider, dan solche unnderthanen nicht freywillig, sonder der religion halben getrungen außziehen mussen, derowegen sie billich der nachsteuer gefreyet sein soltten–ai. Wie dan auch die jennigen, welche schon zur romischen /276’/ religion tretten, solcher hartten weiß, darbey zuepleiben, verpflicht gemacht werden, daß, wan sie wider zur augspurgischen confession sich begeben, die obrigkeitt, sie alß apostatasaj unnd unchristen zum höchsten zustraffen, macht haben solle; wie die formulae iuris ak–iurandi, auch derwegen hin unndt wider publicirte mandata–ak, darin den evangelischen aller hanndell bey straff der confiscation irer gueter verpotten, außweisen. al–So will man auch der religion halben vertriebenen an andern örttern keinen schutz gönnen unndt die,[die] sie schutzen, verfolgen und anfeinden; die declaration deß religion friedens, so weilandt kaiser Ferdinandus, höchstlöblicher unndt christmilter gedechtnuß, unter irer ksl. Mt. handt und siegell gegeben33, alß uncrefftig anziehen und deutten. Bey welcher ksl. erclerung die stendt augspurgischer confession, sich nachmalß zuerhaltten unnd zuschutzen am–unndt hievor gesetzter beschwerden allergnedigst zuerledigen–am, pitten–al.
[6] an–Eß geraicht auch der augspurgischen confessions verwandten zu unträglicher beschwerde, daß sie bey yetziger Reichs versamblung befinden, daß etlich vornehme stendt auf der gaistlichen banckh von iren gepuerenden sessionibus in Reichs räthen mit mehrerem trib unndt widersetzung der gegenthaill, alß /277/ hievor geschehen, abgehaltten34, thailß auch gar nicht beschrieben noch ire gewäldt angenommen werden wollen35, unangesehen sie zu iren gaistlichen praelaturn rechtmessig unndt vermög der ortten statuten unndt herkommen eligirt oder postulirt, allein auß der ursachen, daß sie sich zu der religion augspurgischer confession bekennenao. Dieweill dan solches anders nicht, dan zu höchster schmach und verklainerung deß gantzen religion wesens der augspurgischen confession unndt allen derselben bekennern wie auch zue mehrerm mißtrauen zwischen den stenden geraicht, zu dem eß im Hl. Reich fast unerhördt, daß ainiger stanndt seiner dignitet oder standts unverhördt und ohne vorgehende erörtterung entsetzet oder ab executione gegen demselben verfahren werden soll, alß wurdt ire Mt. auch aller underthönigist ersuecht und gebetten, die augspurgische confessions verwandte stende nicht allein jetzt, sonder auch ins kunfftig solcher mercklichen beschwerden allergnedigst zuerledigen, die gnedigiste anordnung zuthuen, daß die stendt, so mit andern ire onera im Reich biß dahero guetwillig getragen unndt noch fernner zutragen sich willig erpieten, auß dem Reichs rath nit verstossen oder entsetzt, sonder bey gepuerlichem rechten /277’/ unnd ordentlicher außfuerung gegen andern, so sie deßwegen nit ruehig zulassen vermainen, gelassen und gehandthabt werden–an.
[7] Alß man auch in underschiedtlichen wegen erfahren, daß der augspurgischen confessions verwandte, so an papstlichen ortten versterben, ire thodten cörper in loco, da sie der thodt begriffen, zur erden zubestätten[!], nit geduldet, sonder dieselben woll an andere, unehrliche örtter gewisen werden wollen, wie abscheuchliche und unchristliche exempell ap–auch mit außgrabung der verstorbenen–ap darzuthuen, welches außtrucklich wider den religion frieden lauffen thuet36,aq, alß thuet man sich auch diß ortts der abschaffung pillich unnderthönigist getrösten.
[8] Waß dan die administration der justicien belangt, thuet sich nicht weniger allerhandt befinden, dardurch den stenden augspurgischer confession unleidtliche beschwerden begegnen: In dem, daß kein evangelischer furst oder graff, deren doch Gott lob qualificirte gnug vorhanden, zum cammerrichter amptt, sonder nur der römischen religion zugethane unndt darzue gaistliche fursten nun etlich jahr hero gebraucht werden37; wie in gleichem auch mit den presidentenn /278/ geschicht, unndt in vielen jahren der religion halben mit irer uffnemmung nicht umbgewechslet wurdt38. ar–Eß haben auch die evangelische zu assessorn praesentirte personen diß ortts nicht gleiche befurderung unnd befinden offtmalß nit wenig verhinterung–ar. Dahero dan ervolget, daß die acta etwan ungleich außgethailtt unndt die supplicationes, da ein evangelischer wider ein päbstlichen clagt, lang hinterhaltten, aber im gegenfaall starckh befurdert werden; wie dessen gnugsame exempla vorhanden. Da doch in einem solchenn deß Hl. Reichs höchstem gericht die ersten unndt vornembsten ämpter billich also besteltt werden sollen, damit man die hoffnung unndt daß vertrauen haben mög, daß deß underscheidts der religion ungeachtet an gleichmessiger rechts erthailung kein mangell zubefahren.
[9] So werden auch in die cammergerichts cantzley keine aufgenommen, sie thuen sich dan außtrucklich zue der päbstlichen religion bekennen39, as–da doch vor wenig jahren der underscheidt der religion nicht dergestaltt observirt worden–as. Dahero dan in außferttigung der processen unndt ansetzung der peenfäll allerhandt ungleichait vermerkt wurdt, in dem daß dieselbe nach deß verwaltters undt protonotarien ermeßigung undt gefallen außgeferttigt /278’/ werden. Wie auch vielfalttig geclagt, daß eß mit der taxa so hoch gestiegen sey, daß geringe parttheyen iren sachen nit mehr konnen nachkommen, sonder die proceß fallen lassen mussenat. au–Auch erfolgen sonnsten von hoff an daß cammergericht inhibitiones, unndt werden die sachen, dahin gehörig, nach hoff gezogen–au. Derhalben gantz underthönigst gepetten wurdt, ire Mt. diß allergnedigist einsehen verfuegen wollen, damit gleichait gespurth unnd der ordnung gemeß dermaßen angerichtet werde, daß die augspurgische confessions verwandte stendt sich der partialitet nicht zubeschweren haben.
[10] Bey welchem dan40 auch ire ksl. Mt. der vielfaltigen clagen, so wegen underlassung und einstellung der cammergerichts visitationen furlauffen, auch ungleichait der visitatorn, soviell die religion belangt, nicht unerinnert gelassen werden mag, sonderlich weill unverborgen, daß solche einstellung aintzig von wegen deß herrn administratorn zue Magdeburg beschicht, welchem, dieweill er der augspurgischen confession zuegethan, Saltzburgkh furgezogen unnd woll gar fur kein administrator gehaltten werden will, av–da doch hergegen andere wenig stende, ob sie gleich außlendisch und nichts contribuiren, alß Metz, Thull, Verdun, darzu gezogen worden sein–av,41. /279/ Wan dan solcheß nicht allein beschwerlich, sonder auch der augspurgischen confession religion unnd derselben stenden unleidenlich, alß wurdt gleichergestaltt zum underthönigsten gepetten, ire Mt. die ernste verfuegung thuen wollen, daß nach außweisung der ordnung den visitationen ir vorttgang gelassen unnd alles widerwerttiges unnd unordenlichs darbey abgeschafft; unndt daß auch in solchen visitationen hertzog Johans, pfaltzgraven, graven zue Veldentz, aw–und andere, so darzue berechtigt–aw, nicht uberschritten und umbgangen werden42, in ansehung, daß insonderhait hochermeltts hertzog Johanß, pfaltzgraven, furstenthumb von dem neuburgischen underschieden, wie auch ein yedes seinen sonderbaren anschlag in der Reichs matricull hat, unnd eher weylandt hertzog Wolffgang, pfaltzgrave, baide furstenthumb zusammen bekommen, ein yedes so woll in visitations geschefften deß cammergerichts alß andern Reichs handlungen besonder erfordert. Unndt ist solch visitation werckh soviell mehr zu befurdern vonnötten, weill sich wegen underlassung derselben befindet, daß von den assessorn understanden wurdt, durch gemaine beschaidt soviel alß constitutiones zumachen, als daß man mit der execution ergangener urtheill vortfahren soll, /279’/ ob schon auch revisio interponirt oder außgeschrieben. Welches doch nicht in iren mächten stehet, sondern der ksl. Mt. unnd den stenden deß Reichs vorbehaltten. Inmassen dan auch bey gehalttener cammergerichts visitation in anno 83 in abwesen und ohne vorwissen der evangelischen visitierenden stendt abgeordneter ain decret, welchem doch etlich stendt protestando so baldt widersprochen, gemacht unnd dem cammergericht insinuirt worden, daß kein standt der augspurgischen confession, wasserlay beschwerden demselben auch wegen angeregter religion zuegefuegt werden möchten, sich ainiger hulff oder beyfalß, wan paria vota gefallen, die dan jederzeitt, wan beederseits religion gleiche assessores sitzen, gemacht werden können, am cammergericht zugetrösten haben soltte43. Durch welche decreta dem cammergericht seine in religions sachen habende unndt von allen stenden anbevollene jurisdiction durch drey oder vier päbstliche visitatorn suspendirt unndt entzogen worden, da doch die visitierende stende die macht vom Reich nit empfangen, deß cammergerichts ordnung und daraus volgende jurisdiction zu limitirn, restringirn oder einzustellen. Darumb dan auch, gedachts decretax in weittere reiffe berathschlagung zuziehen, fur hochnöttig erachtet wurdt.
[11] /280/ Eß seindt auch ire ksl. Mt. hiebevorn von etlichen chur- und fursten gantz underthönigister, bester wolmainung der hoffraths processen, ay–deren sich auch etliche der erbarn frey- unndt Reichs stett so woll in religions- alß prophan sachen beschwerten[!] befinden–ay, erinnert worden44. Wan sich nun befindet, daß, ye lenger, ye mehr, ohne underschiedt allerhandt sachen erstlichen per modum verordneter commissarien unnd darnach zur decision an solchen hoffrath az–wider der stendt privilegia unnd herkommen–azgezogen werden wollen45, darauß dan viel inconvenientia ervolgen, alß das dem cammergericht sein lauff gehindert46, sonderlich in religions sachen, da die assessores am hoff, so vasstba alle päbstlicher religion zugethan47, die constitutiones Imperii mit beschwerlichen praeiuditiis zuercleren48, wie auch, da spalttige mainungen durch baider religion verordnete commissarien referirt, den endtlichen außschlag unndt definition fur sich zuziehen, understehen; dardurch dan den stenden daß beneficium primae instantiae, appellationisbb und revisionis entzogen wurdt49. Solches aber der cammergerichts ordnung unndt anderer deß Reichs alter verfassungbc außtrucklich entgegen und zuwider, in welchenn, sonderlich aber deß cammergerichts ordnung, clerlich versehen50, waß fur sachen dahin gehorig sein sollen51: /280’/ Alß wurdt nochmalß gantz underthonigst erholet und gebetten, ire Mt. wollen gnedigiste verordnung thuen, daß die stende bey iren ordenlichen rechten und richtern vermög der cammergerichts ordnung gelassen unnd mit solchen beschwerlichen processen, auch avocationen, commissionen, rescripten unnd andern dergleichen nit beschwerdt werden. Wurde sich dan ye etwas zweiffenlichs in ainiger constitution befinden, konnen yederzeit weeg gefunden werden, daß dieselbe durch die jennigen, die solche machen helffen unnd denselben selbst zugeleben gemainet, auch interpretirt und ordenlicher, herkommener weiß erclert werden. Zugeschweigen, daß auch vorermeltter hoffrath von personen baider religion wie daß cammergericht nit besetzet bd–noch den Reichs stennden, wie etwa hiebevor beschehen–bd, verwanth. be–Alß dan hiermit auch furlaufft, daß man sich im hoffrath understehen will, erclerung zuthuen, wer ain standt der augspurgischen confession sey oder nit52, item der hoffrath understehet sich, commissarien baider religionen in ungleicher anzahll zugeben53, oder, wan die in gleicher zahl verordnet werden unnd paria vota machen, willbf der hoffrath den außschlag geben54. Welches von den stenden niemalß ist eingeraumbt worden unndt billich uff anndere mittell gerichtet wurdetbg.
[12] /281/ Nachdem auch daß rothweilisch hoffgericht sich vielfalttig understehet, mit desselben processen auch der jennigen stendt underthanen zubeschweren, welche doch deßhalben insonderhait privilegirt, ire Mt. auch den jennigen, so derwegen von altters her sonderbare freiheitten vorzulegen, dieselben ungeachtet allgemainer Reichs stendt darunter gegebnen decret unnd guetachtens nicht confirmiren wollen dann mit inserirung einer bedinglichen neuen clausull55, wie etlichen stenden, sonnderlich aber hertzog Johansen, pfaltzgraven, bißhero begegnet56. Wan aber demselben zu beschwerdt unnd gantz bedencklich fallen will, aus iren habendenbh uhraltten privilegien zuschreitten unnd denen ringerung einmischen zulassen, wurdt aller underthonigst gebetten, ir Mt. wolle eß erstlich bey gemelttem hoffgericht dahin richten, daß sie die privilegirte stende unnd deren underthanen mit processen wider altt herkommen unbeschwerdt lassen, deßgleichen auch bey irer Mt. die confirmationes solcher unndt anderer privilegien, wie von dero vorfahren am Reich auf sie herkommen, ohne angehengte neuerung unndt bedenckliche clausuln erlangen und inen solche auß irer ksl. Mt. cantzley dermal eins zugesteltt werden mögen–be.
[13] Waß dan daß nun viel jahr hero gewerte niderlendische /281’/ kriegswesen den benachbartten stenden unnd gantzen Rheinstrom unten herauff fur mercklichen schaden zugefugt, wie dan noch dasselbige kriegsvolckh im westphalischen kraiß undt stifft Cölln die bessten örtter und päß fast innen hatt und kein außzueg verstehen will57; auch uff der andern seitten gegen dem Elsäß unnd obern Rheinstrom durch daß lottringische kriegsvolckh vor wenig jahren die grafschafft Mümpelgartt und andere herrschafften ohne alle ursach mit offentlichem vheindts gewaltt angegriffen unndt denselben auf etlich donnen goldts fur schaden geschehen58, auch seithero fernner von diesem ortt auß ain freyer, offner paß in Teutschlandt gesuecht und erlangt und in solchen fur raub, prandt und mordt furgangen, daß alles ist am tag und menniglich unverborgen. bi–Unnd ob woll entlichbj deß mümpelgartischen einfalß halben commission verordnet worden59, so wurdt doch dieselb von Lottringen eludirt unndt zu keinem effect bracht–bi. Wan dan ye nit allein beschwerlich, sonnder auch der ksl. Mt. unnd gantzem Reich gantz verklainerlich, die außlendischen also hin und wider im Reich ires gefallenns grassieren und unterm schein, daß sie in etlichen fällen, die inen annehmblich, sich vor mittstende rechnen und doch weder contribuiren noch den constitutionen underworffen sein wollen60, iren mutwillen uben zulaßen, /282/ alß wurdt auch underthonigist gepetten, ire Mt. neben den stenden ainmahl dahin sehen und trachten wöllen, daß solche außlendische potentaten unndt kriegende thaillbk mit irem kriegsvolckh auß deß Reichs landen und boden zu allen thailnbl ainmahll abgeschafft unndt fernner nicht verstattet werde, deß Reichs stifft, stätt und andere gerechtigkeiten an sich zuziehen, sondernbm eß werden auch ire Mt. fernner underthönigst ersuecht und gebetten, nachdem der administrator deß hohen stiffts Straßburg, marggraf Johanß Georg zue Brandenburgkh, durch ordenliche, herkommenebn wahll den statuten gemeß zum stifft kommen61, ire Mt. wollen demselben bei dieser Reichs versamblung die gepuerende session unndt stim im Reichs rath nicht versperren; bevorab weill ehr urpietig, sein habendt recht alßbaldt vor allen stenden deß Reichs rechtlich auß-bo unnd darzuthuen, unnd also sein f. Gn. mit vorangeregten hoffprocessen unnd nebenbevelchen zum abstandt nitt nöttigen oder beschweren, sonder bey ordentlichem außtrag rechtens verpleiben unndt deß stiffts regalia confirmiren und leihen lassen; bp–auch bey dem gegenthaill, dem cardinal und bischoffen zue Metz, alle thätlichkeit, deren sein f. Gn. der enden verordneten officier unndt bevelchaber zu neuer landtsverderbung sonderlich mit einziehung unndt /282’/ versperrung zweyer dem herrn administratorn assignierten clösster Hoemberg und Nidermünster und aller derselben wie auch anderer mehr gefellen sich von neuem anmassen62, mit ernst abschaffen unndt die sachen so woll der abthailung als auch yedes thailß ruhigem besitz biß zue guetlichem oder rechtlichem außtrag bey dem straspurgischen pacifications abschiedt und demselben angehengten peenen verpleiben zulassen63. Yedoch haben die vonbq euer ksl. Mt. zue dieser sachen allergnedigst verordnete chur- unndt fursten crafft aufgetragener ksl. commission, dieses puncten sich nicht anzunehmen64, außtruckenlich erclert–bp.
[14] Weitter ist unverborgen, waß eß an yetzo fur ein gelegenhaitt mit den craiß hulffen habe unndt wie wenig oder gar nicht die stende deß Reichs wider daß außlendische kriegsvolckh derselben gebessertt sein unndt insonnderhait der augspurgischen confessions verwandte stendt sich im nothfaall deren zugetrösten haben, weill bißhero in underschiedtlichen kraissen gespueret, wie alleß dahin zurichten understanden wurdt, daß man in solchem von den rechten verfassungen der kraiß außgesetzt, trennung, unordnung unndt zerrüttung unter den stenden angeschafftbr; alleß zu dem ende, damit den augspurgischen confessions verwandten stenden alle hülff entzogen /283/ bs–werde. Wie dan ins gemain hoch vonnötten, dz solche unordnung und zeruttung in craissen abgeschafft, die craiß verfassungen nit dem päbstlichen thaill allein zu gutem befurdert, in andern fellen aber abgehaltten werden65.
[15] Uber66 hievor erzelte obligen befinden sich auch etliche der erbarn stätt unndt andere stendt augspurgischer confession in obgemeltten puncten noch fernner beschwerdt, darumb sie dan, nit weniger umb allergnedigiste aufhebung oder miltterung zupitten, gezwungen werden: In dem, daß den gaistlichen, die nicht stendt des Reichs noch ainigem standt deß Reichs underworffen, auch von der jurisdiction ordinariorumbt eximiert, sonder allein dem pabst zue Rohm, wie etliche provinciales und ire orden, unndt dan die cartheuser den grand prior zue Grenoble fur iren superiorem recognosciren67, proceß am ksl. cammergericht unnd an irer Mt. hoff mandata sine clausula auf den religion frieden erkandt werden68. Da doch in demselben allein die jennige von capittuln unnd andern gaistlichen standts begriffen, die entweder stende deß Reichs oder einem andern standt zuegehörig seindt, unnd gar nit die, welchebu under andern evangelischen chur-, furstenthumben, herschafften /283’/ undt stetten ligen, denen, christliche reformation in solchen stifften unnd closstern furzunehmen, frey- und zugelassen; auff die anno 1541 zue Regenspurgkh gegebne ksl. declaration69 unndt dan anno 44 hernach zue Speyer gevolgtem abschiedt70 gezogen71. Welchem auch durch den hernach aufgerichten religion frieden nichts derogirt, dieweill derselb die gaistliche jurisdiction, deren sich vorgemeltte provincialn furnemblich in münch- und nonnenclostern annemmen und gebrauchen, nicht allein an denen ortten suspendirt, da die augspurgische confession alberait damahln uffgericht gewesen, sondern da sie auch inß kunfftig angesteltt werden möcht72. Deßwegen dan solchen declarationibus unndt Reichs constitutionibus billich nichts zuwider erkant oder furgenommen werden soll, in erwegung, im religion frieden außtruckenlich versehen, daß von wegen der eingezogenen unnd zum andern gebrauch verwendten gaistlichenn guetern kain citatio, mandatumbv noch proceß erkant werden sollen73.
Nichts desto weniger aberbw auff ungepuerlich annruffen deß provincial prediger ordens wider ein erbarn rath der statt Straßburgkh in anno 92 mandatum inhibitorium in camera, hernacher /284/ auch im December anno 93 nechst fernnere mandata sub poena banni sine clausula von wegen eines in der statt ringmauher gelegenen frauen clossters74 zu beschwerlichem abbruch unnd schmelerung eines raths habender und von vielen jahren, auch vor dem passauischen vertrag hergebrachten jurisdiction erkant unndt insinuirt75, da doch uber vorangeregte versehung durch verursachung der päbstlichen assessorn selbst in zweiffel gezogen, ob solchen provincialn oder auch andern unter Reichs stenden gesessenen unndt denselben unterworffenen gaistlichen proceß wider stendtbx deß Reichs zuerkennen oder nitt, unndt alß ein dubium ex camera umb gemainer stendt resolution anno 57 alher gehen Regenspurg, deßgleichen anno 66 gehenby Augspurgkh uberschickt worden76. Nichts desto weniger aber unerwarttet der stende resolution die begerte proceß wider ein erbarn rath zu Straßburgkh obgesetzter massen erkandt, da doch sonder zweiffell gleich gesuechte proceß auß obgesetzten fundamenten zu mehrmahln abgeschlagen, auch anno 87 dem abbtt zum Heiligen Creutz in Schwäbischen Werth wider hertzog Philips Ludtwigen, pfaltzgraven, deßgleichen dem prior der carthausen in /284’/ Erffurth wider Sachßen-Weinmar bz–die zuvor erkante wider cassirt–bz worden77.
[16] Wan dan in den Reichs abschieden auch vernner versehen, daß kein standt dem andern an den rentten, zinßen, einkommen und guetern der closster, ungeachtet welches thails religion sie zugethan seyen, hinterung oder eintrag thuen soll78, so geschicht den stenden augspurgischer confession mehr dan zuviell unguetlich, daß sie von päbstlichen stenden gehindert werden, die in iren obrigkeitten uff clagen und anrueffen vorgemelter provincialn oder priorn die rendt, zinß und einkommen denn clösstern, so under evangelischen herrschafften und stetten ligen, arrestiren, vorenthaltten und nicht volgen lassen; wie dessen gnugsame und frische exempla79 darzuthuen. Derwegen umb allergnedigste abschaffung derselben sonnderlich gegen Lottringen aller unnderthonigist gepetten wurdt.
[17] Ingleichem werden auch die augspurgischen confessions verwandte durch vorangeregte gaistliche jurisdiction beschwerdt, indem daß den jennigen landtsassen unndt unnderthanen augspurgischer confession, so unnder catholischen stenden seßhafft, geduldet unnd nitt außgeschafft, doch durch gaistliche officiales unnd consistoria mit hohen geldt straffen belegt: Alß /285/ da einem vom adell oder anderm etlich tausendt thaler abgefordert werden umb deß willen, dz ehr sein kindt von einem evangelischen pfarherr hatt tauffen lassen. Unnd wan er davon ad cammeram appellirt unnd umb proceß unnd hilff wider solche unbillichkait anrufft, daß die appellationes daselbst nit angenommen noch den beschwerdten die nottwendige proceß mögen erthailtt, sonnder sie damit an die metropolitanos unndt woll gar an den stuell zue Rohm wollen gewiesen werden80. Da doch hergegen päbstlichen landtsassen unndt unnderthanen, wan sie durch ire evangelische obrigkeitten beschwerdt werden, alßbaldt per viam citationis mandatorum oder appellationis am cammergericht, dahin dan und nicht gehen Rohm solche sachen undt personen gehörig, geholffen wurdt. Deßwegen dem cammergericht billich zubevellen, solche mehr dan offenbare, unnöttige disputationes zuunderlassen unndt den beschwerdten unnd supplicierenden parttheyen zu gleichmessigem rechten zuverhelffen.
[18] Eß werden auch an underschiedtlichen catholischen /285’/ ortten die iuramenta der lehen dermassen gescherpfft, daß die augspurgischen confessions verwandte dieselben salva conscientia nit schweren können. Dardurch nit allein in empfahung irer lehen auffgehaltten unndt gehindert, sonder, woll gar darumb gebracht zu werden, sich befahren mussen, wan solche iuramenta anderst nit angenommen werden wollen, dan uff Gott und alle heiligen81. Welches nicht allein weillandt kaiser Ferdinandi, christseeligster gedechtnuß, allergnedigisten zulassung, sonndern auch euer ksl. Mt. hoffraths wie auch deß ksl. cammergerichts ordnung zuwider, da die iuramenta auff Gott unndt daß heylige evangeliumca wie auch von altter hero christlich und löblich gerichtet82, insonderhait aber der augspurgischen confessions verwandten gewissens halben unträglich und unverandtwordtlich.
[19] Waß dan hieobencb von der freyheit, zu der religion augspurgischer confession zutrettencc, die den erbarn stätten abgestrickt werden will, item von den sonderbaren neuen ayden etlicher stätt obrigkeitten unndt in specie von der stadt Cölln beschwerlichen beginnen vermeldet worden83, dessen haben sich die augspurgischen confessions verwandten auch gegen der statt Gmundt zubeclagen84, die auf antreiben unruhigen gaistlichen unndt anderen iren sonst in politicis gehorsamen /286/ burgern unndt burgerin, die hochwurdige sacramenta nach verordnung der augspurgischen confession auch andern ortten zugebrauchen, item daß einsegnen auchcd an benachbartten catholischence ortten bey verlust irer burger rechten verpieten, da sie doch solche ehecf in der statt selbst anderst nit einsegnenn lassen wollen, sie geloben dan zuvor dem pfarrherrn, sichcg zur catholischen religion zubegeben. Eß wurdt auch an dem ortt nit allein keiner ohne vorgehende aydtliche verpflichtung zu der catholischen religion zum burger auff- oder angenommen, sonder da ein ingesessener burger oder burgerin an einem anderen ortt sich verheurat unndt derselb zukomende thaill solchen aydt gewissens halben nit zuerstatten waiß, muß daß zuvor eingesessene ehegemächt85 sein burgerrecht verwurckt haben ch–unndt darzue die nachsteuer bezahlen–ch.
[20] Gleiche verhinterung der obgemeltten freyheit, zu der religion augspurgischer confession zutretten, wurdt auch in dem zu höchster beschwerde der interessirten verursacht, wan etwan in einer statt nitt allein ein guete anzahll der burger, sonnder auch deß raths unndt magistrats daß exercitium augspurgischer confession begeren unndt daruber zwischen denselben unndt den catholischen etwaß zwispaltt /286’/ unndt mißverstandt entstehet: Daß alßbaldt auf des päbstischen theilß ansuechenci commissarii, so allein der catholischen religion zugethan, wie neulich bey der statt Weyll geschehen86, verordnet. Wie auch sonsten in andern mehr sachen beschwerliche commissiones und[durch] dieselben gemelten stenden augspurgischer confession gantz beschwerliche unndt praejudicirliche decreta unndt beschaidt erthaildt werden.
[21] Neben diesem haben die erbarn stette sich auch dessen nicht unbillich zubeclagen unnd umb allergnedigist einsehen unnd miltterung aller underthonigist zupitten, da etlichen underthanen, welche under benachbartten catholischen landt- unnd herrschafften stett, marckh, flecken, zöll oder auch veldt guetter mit aller obrigkeitt, hoch unnd nidern gerichten haben, uffzutringen unnderstanden würdt, irer religion widerwerttige amptleuth, vögt, zöllner, meyer, verwaltter unndt dergleichen verampte zuhaltten87.
[22] Wie auch nitt weniger etliche der erbarn stätt augspurgischer confession in dem irer religion entgeltten mussen, daß benachbarte catholische fursten, prelaten, graven unndt herrn bey leibs- unnd hohen geldts straffen mit offentlich angeschlagenen mandaten gepieten, in die benachbartte evangelische Reichs stätt zue failemcj marckh nicht zukommen, weder /287/ zukauffen noch zuverkauffen88, auch in denselben stätten aller zehrung sich zuenthaltten–bs.
[23] Da auch die zuvor obenvermeltter massen auß catholischen herrschafften unndt obrigkaitten außgeschaffte oder zum außzueg genöttigte unnderthanen89 sich iergendts in ein Reichs statt begeben, wurdt deßwegen einer solchen Reich statt, von oder in deren solche leuth guethertzig auffgenommen, contra ius gentium der zugang aller proviant unndt daß zutragen unndt zufueren deß getraidts, auch aller victualien unndt faillschafften abgestrickt, darzue verpotten, daß einer solchen statt burger in deß benachbartten fursten landt unndt hinwider dessenck fursten unnderthanen mit derselben statt burgernn keine commertia oder hantierung exerciren noch einer deß andern wochen- oder jahrmarckh besuechen dörffen.
[24] Ebenmessig beschweren sich auch die erbarn stätt, daß iren unnderthanen, welche inen mitt huldigungcl, zinß, gultten, steuer, frevell straffen unndt anderer vogtteylichen obrigkeitt unnderworffen, von den bischoven, in deren bistumben unndt halßgerichtencm obrigkeitten sie gesessen, die bäpstliche religion neuerlicher weiß aufgetrungen werdenn will.
[25] /287’/ So gelangt auch uber die hiebevor in puncto iustitiae angezogenecn beschwerden90 den erbarn stätten wie auch andern stenden zue mercklicher verlengerung ires rechtenns, da supplicationes, so sich auf den religion- unndt landtfrieden ziehen, wan paria vota (wie leichtlich jedeßmahls in dergleichen sachen obgesetzter massen geschehen kan) an die ksl. Mt. sollen gebracht, dieselbig ufco hernach volgende deputation täg, nebenn andern puncten zuberathschlagen unndt zuentscheiden, verschoben werden, dardurch aber die supplicanten zue erlangung irer notturfft woll nimmermehr gelangen mögen.
Dieweill dan, allergnedigister kaiser, auß oberzelttem allem erscheint, daß euer ksl. Mt. in aller unnderthönigkeitt anderst nichts furgetragen, dan darzu die stendt augspurgischer confession cp–theils ihrer eigenen an- und obligen halben unvermeidenlich getrungen–cp, theilß auch umb gemaines interessen undt consequentz willen unndt furnemblich zu erhalttung unndt vorttpflantzung mehrern unndt bessern vertrauens zwischen den stenden im Reich, thailß auch guetem christlichem gemueth unndt der lieben posteritet zue rhümblichem exempell sich darvon nitt absondern sollen oder wollen:
Alß gelangt dem allem nachcq an euer ksl. Mt. hoch- unndt wolermeltter stende augspurgischer confession allerunderthönigiste pitt, euer ksl. Mt. wollen irer allergnedigisten vätterlichen sorgfelttigkaitt nach /288/ allen oberzeltten der stende beschwerungen mitt gleichmainendem ksl. gemueth auf gegenwerttigem Reichs tag dermassen allergnedigist maaß, rechtcr, erledigung unnd linderung nach eines yeden angezogenen obliegencs, noth, trangsall unndt gerechtigkait der gepuer nach verschaffen unndt widerfahrenn lassen, daß die stende in underthonigkeitt zuespueren, daß euer ksl. Mt. alß ein gerechter keiser genaigt seye, gegen beeden religions verwandten in einem und dem andern durchgehende gleichaitt zuhaltten unndt nicht allein fernner mißtrauen unndt gefehrliche weitterung zwischen den stenden baider religion im Hl. Reich, unnserm geliebtten vatterlandt teutscher nation, zuvorkommen, sonndern auch daß alberait uberheufft eingerissen allergnedigst auffzuheben, inmassen euer ksl. Mt. geliebter herr vatter, weilandt kaiser Maximilian, hochmilttester gedechtnuß, in anno 76 alhier dessen allergnedigisten erpietens gewesen91, auch sonnder zweiffell ins werckh gesetzt hette, da ir ksl. Mt. durch dero zeittlich absterben daran nitt verhindert worden.
Daran erzaigen euer ksl. Mt. den stenden ein besondere gnadt, unndt wurdt, neben deme eß an ime selbst billich, euer ksl. Mt. zue sonderm rhumb und nutz, auch befurderung gemainen friedtlichen wesenns /288’/ unndt gueten zuestandts im Hl. Reich geraichen. Unndt werden eß auch vielermeltte stende, mit underthönigistem gehorsamb nach besstem vermögen zuverdienen, gantz willig und gevliessen sein, sich auch zu desto willigern darstrecken ires vermögens ohne zweiffell bewegen lassen.
/288’–289’/ ct–Unterzeichnet von den RT-Gesandten92des Kf. von der Pfalz und des Kf. von Brandenburg, den f. Magdeburger Gesandten für den postulierten Administrator Joachim Friedrich von Brandenburg, den f. Straßburger Gesandten für den postulierten Administrator Johann Georg von Brandenburg, den Gesandten Sachsen-Coburgs, anstelle der f. Halberstädter Räte von jenen Hg. Heinrich Julius’ von Braunschweigcu, den Gesandten Mgf. Georg Friedrichs von Brandenburg-[Ansbach], Braunschweig-Grubenhagens, Braunschweig-Wolfenbüttels mit Calenberg, Braunschweig-Lüneburgs in Celle, der drei Lgff. von Hessen, von Baden-Karlsburg [Durlach] und Baden-Hachberg, der Ff. von Anhalt, vom Walkenrieder Verordneten Joachim Delius, den Gesandten der Wetterauer Gff. sowie im Namen der Gesandten der protestantischen Reichsstädte von den Regensburger Räten.
/289’/ Holstein: Obwohl die Gesandten des Kgs. von Dänemark für das Hgt. Holstein wegen der strittigen Session93den berathschlagungen allerdings unnd der verfassung der gemainen gravaminum nicht beywohnen unnd derwegen dieselben der ordnung nach auch nicht unnderschreiben können94, so thuen sie doch irem habenden bevelch zuvolge beneben andern augspurgischen confessions verwandten stenden, der herr chur- undt fursten abgesandten, zue gemainer approbation billicher gravaminum unnd waß aller underthönigst darbey rechtmessig gebetten worden, sich hiermit auch bekennen, doch irer gnedigisten herrschafft an deren gepuerenden session hierdurch nichts begeben, unndt das diese ire besondere schrifft den der session wegen strittigen subscriptionibus nit angefuegt oder nachgesetzt werde–ct.
Beilage A: Gravamina der protestantischen Kölner Bürger. Vgl. Nr. 414.
Beilage B: Beschwerden der Stadt Aachen gegen Burgund, Jülich und das RKG [leicht modifiziert auch als Beilage A zur Supplikation Aachens an die Reichsstände: Nr. 430]
Als singuläre Gravamina zusammen mit dem Edikt Kg. Philipps II. von Spanien den protestantischen Reichsstädten erstmals vorgelegt und verlesen am 3. 6.95 Als Beilage B zu den Gravamina von den katholischen Reichsständen kopiert am 7. 7., als Beilage A zur Supplikation von den Reichsständen kopiert am 21. 7.
Nachweise als Beilage B zu den Gravamina: HStA München, KÄA 3231, fol. 140–143’ (Kop. Dorsv.:Fernere beschwerung der stadt Aach. B.) = Textvorlage. StA Würzburg, WRTA 86, unfol. (Kop. Aufschr.:Lectum 7. Julii. B.) = [B]. HHStA Wien, MEA Religionssachen 7 Fasz. 2, fol. 54–56’, 63’ (Kop. Dorsv. wie in Textvorlage) = [C]. HStA München, K. blau 116/1d, fol. 105–109’ (Kop. Dorsv. wie in Textvorlage). StA Marburg, 4f Nr. 14, unfol. (Kop.). ISG Frankfurt, RTA 89, fol. 94–96’ (Kop.).
Nachweise als Beilage A zur Aachener Supplikation: StA Nürnberg, ARTA 59, fol. 302–307’ (Kop. Dorsv.:Kurtze verzaichnuß verscheidener an seitten Burgund, Gülch und sonnsten der stadt Aach zuegefüegter beschwernussen. Litera A.) = Textvorlage [als Beilage A]. HHStA Wien, RHR Judicialia Decisa 3 Fasz. 1, unfol. (Kop. Dorsv. wie in Textvorlage. Zusätzlich:Lectum Regenspurg, den 21. Julii anno 94.) = [B]. StA Würzburg, WRTA 86, unfol. (Kop.) = [C]. GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Ww, fol. 504–509’ (Kop. Überschr. wie Dorsv. in Textvorlage. Zusätzlich:Lectum Regenspurg, den 11. Julii [21. 7.]anno 94.) = [C]. HStA Stuttgart, A 262 Bd. 72, fol. 213–218’ (Kop.). HStA Weimar, C 339b, fol. 344–349’ (Kop.). Fassung als Beilage A referiert bei Häberlin XVIII, 348–355. Vgl. Schmitz, Verfassung, 176 f., Anm. 4.
/140 f./ Klagen gegen Spanien/Burgund: Seit dem RT 1582 anhaltende Schädigung Aachens durch Einlagerungen und Truppenzüge spanischer Befehlshaber und Söldner, Abnötigung von 23 000 Talern. Im Jahr 1591 Publikation eines auf falschen Angaben beruhenden Edikts Kg. Philipps II., in dem er sich unberechtigt als Obervogt der Stadt bezeichnet96, Einwohnern, die vor 14 und mehr Jahren als Bürger aufgenommen worden sind, befiehlt, die Stadt bei Verlust ihrer Güter binnen 14 Tagen zu verlassen, und Aachener Zollprivilegien suspendiert (Unterbeilage97). Infolge des Edikts wurden von spanischen Befehlshabern Kupfer und andere Handelsgüter eingezogen, auch haben fast 100 Bürger die Stadt verlassen, um die Konfiszierung ihrer Güter zu vermeiden98.
/140’–141’/ Beschwerden gegen Jülich: 1591 Einforderung der beinahe wichtigsten Oberrechte und Gerechtigkeiten der Stadt durch die Insinuation einer Protestations- und Requisitionsschrift Hg. Wilhelms V. mit der Drohung, andernfalls Geleit, Schutz und Schirm für Aachener Bürger im Hgt. aufzukündigen. Da der Aachener Rat dem nicht nachkommen konnte, folgte die Blockade aller Pässe und Straßen, Festsetzung von Bürgern und deren Gütern mit der Forderung von Lösegeld99. Die beschlagnahmten Güter haben einen Wert von 60 000 Talern. Auch werden Aachen alle auf Jülicher Gebiet liegenden Güter vorenthalten, woraus ein Schaden von mehr als 100 000 Talern resultiert. Da Jülich alle Angebote des Rates, in gütlichem oder rechtlichem Verhör die Rechtslage zu erörtern, trotz diesbezüglicher Bitten mehrerer Kff., Ff. und Reichskreise sowie der eigenen Landstände zurückweist, werden diese Tätlichkeiten nunmehr im dritten Jahr fortgesetzt. Zuletzt wurde vor vier Wochen100ein Bürger nach Jülich geführt und zur Zahlung von 900 Kronen Lösegeld gezwungen. Der in der Festung Jülich residierende Amtmann belegte die im Hgt. gelegenen Güter von Aachener Bürgern mit Arrest und befahl, die in den letzten beiden Jahren eingebrachte Ernte innerhalb von zehn Tagen abzuliefern101.
/141’ f./ Als der Aachener Rat gegen Burgund und Jülich am RKG klagen wollte, wurden ihm dort jedwede Prozesse und Mandate verweigert.
/142/ Demnach102möge man den Ks. bitten, das besagte spanische Edikt aufzuheben, Burgund und Jülich von den widerrechtlichen Übergriffen abzuweisen und zur Restitution der entwendeten Güter sowie zur Schadenserstattung aufzufordern und dem RKG aufzuerlegen, das vom Aachener Rat angestrebte Rechtsverfahren einzuleiten.