Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Bekenntnis zur fortdauernden Rechtsgültigkeit des Religionsfriedens in allen Punkten. Verleumdung der katholischen Religion und des Papstes durch die Gegenseite. Suspendierung der geistlichen Jurisdiktion nur in protestantischen Territorien. Rechtfertigung des Aufenthalts päpstlicher Legaten und Nuntien im Reich, der Einführung des neuen Kalenders sowie der Voraussetzung der päpstlichen Konfirmation für die Belehnung geistlicher Ff. durch den Ks. Keine Verschärfung der Eide in Hstt. Form des Lehnseids kein Verstoß gegen den Religionsfrieden. Beharren auf dem Städteartikel des Religionsfriedens. Kölner Beschwerden von dortigen Calvinisten übergeben. Rechtfertigung der Verhältnisse in katholischen Reichsstädten. Keine Verstöße gegen das freie Abzugsrecht. Ungültigkeit der Declaratio Ferdinandea. Beschwerden zu Begräbnis und Taufe. Keine Stellungnahme zur Aachener Frage. Beharren auf dem Geistlichen Vorbehalt, Zurückweisung des Sessionsrechts protestantischer Administratoren. Unrechtmäßige Wahl Mgf. Johann Georgs von Brandenburg zum Bf. von Straßburg. Verweisung der Beschwerden zum Reichsjustizwesen an den 3. HA (Reichsjustiz). Besetzung der RKG-Richter- und Präsidentenämter sowie des RHR und Erkennung von Prozessen beim RHR allein durch den Ks. Besetzung der RKG-Kanzlei durch Kurmainz. Klärung der Beschwerden zum ksl. Hofgericht in Rottweil am RT. Bedauern der Söldnerübergriffe am Rhein. Erklärung Lothringens zu den Beschwerden. Keine ungleiche Handhabung der Kreishilfen. Gültigkeit des Religionsfriedens für exterritoriale geistliche Institutionen. Verstöße der Stadt Straßburg gegen den Religionsfrieden.
Beraten in einem Ausschuss der katholischen Stände am 18. und 19. 7. 15941, in deren Plenum gebilligt am 31. 7.2 und von diesen kopiert am 3. 8. 1594. Übergabe an die Kurpfälzer Kanzlei durch Kurmainz am 14. 8. sowie als Anlage zur Duplik des Ks. zu den Gravamina3 am 16. 8. In der Versammlung der protestantischen Stände bei Kurpfalz verlesen am 17. 8.4, von diesen kopiert am 19. 8.5
HHStA Wien, RK RTA 66a, fol. 151–163’ (Kop. mit Randvermerken, die den Inhalt zusammenfassen. Dorsv.:Der catholischen stende ablainung schrifft uf der angebenen der augspurgischen confeßion verwandten stende ubergebene beschwerungs puncten.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA Religionssachen 7 Fasz. 2, fol. 154–177’ (Konz.6 Dorsv. wie in Textvorlage. Zusätzlich:Lectum Ratisbonae in coenobio praedicatorum den 3. Augusti anno 1594.) = B. HStA München, K. blau 113/4c, unfol. (Kop. mit Randvermerken, die den Inhalt zusammenfassen. Aufschr.:Praesentirt 4. Augusti [14. 8.]anno 94 Ratisbonae durch den meinzischen cantzler. Überschr. wie Dorsv. in Textvorlage) = C. GLA Karlsruhe, Abt. 50 Fasz. 173, unfol. (Kop. Auschr.: In der Kurpfälzer Herberge diktiert am 19. 8. {9. 8.} 1594). HStA Dresden, GA Loc. 10203/4, fol. 355–382 (Kop.). GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Vv, fol. 713–734 (Kop.).
Druck: Schadaeus, Continuatio III, 710–722; Lehmann, Acta I, 224–232. Referiert bei Struve, Historie, 384–392; Häberlin XVIII, 500–527. Auszüge: Moser, Staatsrecht I, 144 f.; III, 480; X, 343, 389; XI, 126 f., 137 f.; XL, 528 f.; XLI, 174 f.; Moser, Staats-Recht Aachen, 34.
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/151 f./ Wie die katholischen Stände nicht zweifeln, weiß der Ks., dass der Großteil, ja fast alle diese Beschwerden bereits bei den RTT 1566, 1576 und 1582 sowie anschließend [1590] am ksl. Hof vorgebracht worden sind. Da sie von den katholischen Ständen abgelehnt sowie mit eigenen Gravamina gegen die CA-Stände erwidert worden sind, und er, der Ks., sowie sein Vater sich zu den beiderseitigen Klagen auf der Grundlage des Religionsfriedens erklärt haben9, haben die katholischen Stände erwartet, die Gegenseite sollte sich deshalb /
Dieweil aber etliche deren stende sonderbar, wie auß der underzaichnus abtzunemmen, den vorigen noch anhengig oder auch zu noch fernern clagen verursacht zu sein vermainen, unnd dann euer ksl. Mt. vor ein notturfft angesehena, das der catholischen stenden thails bericht daruber eingenommen wurde10, thuen sie sich deßelben in aller underthenigisten gehorsamb bedanckhen, unnd erkhennen sich schuldig, ire in warhait grundt bestendige ablehnung uf solche vorgebrachte clag puncten (sovil deren zu irer, der catholischen stende, verantworttung b–in gemein oder insonnderheit unnd nicht vilmeher uf euer ksl. Mt. oder allgemeine stende des Reichs–b gestelt sein) nicht allein darauff zuthuen, sonnder es erfordert auch ire, der catholischen stende, unumbgengcliche notturfft, ob sie wol mit hochsten begierden wunschen wolten, das sie euer ksl. Mt., als die bey diser Reichs versamblung one das mit hohen obligenden sorgfeltigkeiten unnd bemuehungen uberheufft, /
Darauff sich dann die catholischen stende mit Got bezeugen können, sovil den mehrangetzogenen religion friden belangendt, dem sie, im buchstaben oder dem rechtmeßigen verstandt zugegen zuhandlen, unguetlich beschuldigt werdenj, das sie denselben bißhero, wie er in allen seinen puncten, articuln unnd claußuln begriffen, anno 55 der weniger zall durch allgemeine stende des Heiligen Reichs angenommen, k–bey furstlichen ehren unnd wierden, in wort der warheit, auch bey treuen unnd glauben–k veraydet, versprochen unnd dergestalt auff vilfaltigen darauff ervolgten Reichs versamblungen, wahl- unnd deputation tägenl widerumb /
Es lassen sich auch die catholische stende wenig irren, wie es billich den anndern theil auch so hoch nicht anfechten solt, dieweil man allenthalben zu dergleichen concertationibus nicht geringe ursach gibt, was von uffhebung des religion fridens, ob unnd wie lang derselbig bestendig sein soll oder könne, disputiert, gesagt oder geschriben wurdt, dieweil sie sich ainmahl der außgetruckhten buchstablichen disposition in[!] religion friden als stende des Reichs zubeschaiden wissen, das nemblich solcher religion friden, do gleich keine andere vergleichung, wie man dessen guete vertröstung alletzeit gehabt unnd noch haben mage, ervolgt, immer werendt sein und bleiben soll13.
Wie nit weniger auch inen gantz unnd gar kein gefallens an dem unbeschaidenen außschreyen14 geschicht. Wolten es auch wissender ding ungern verhengen, do sie, die catholische, nur unnd ire religion hin unnd wider uff der gegentheil cantzeln ohne verleumbdt, unaußgedentzelt15 unnd ire hohere stendt, zuvorderst aber irer kierchen vorgesetzt haubt unverketzert unnd vor den rechten /
Beschwerde der protestantischen Stände, die ihrem Vorgeben nach erloschene geistliche Jurisdiktion werde mit Zutun der päpstlichen Nuntien und anderer im Reich wieder eingerichtet16: Wissen sich zwar die catholische stende wol zuberichten, das in crafft des religion fridens die geistliche bischoffliche jurißdiction in der augspurgischen confessions verwandten stende kierchen unnd iren religions sachen, o–sovil ire furstenthumb, landt unnd herrschafften beruert–o, biß zu ainer entlichen allgemeinen vergleichung suspendiert17; p–wie inen auch derenhalben der wenigist intrag der catholischen halben nicht begegnet–p. Das aber gleichmessige suspension uff der catholischen religion zugethanen, ire kierchen, schuelen oder anndere religions ybungen gemeint oder ye verstanden worden seye, das ist dem hailsamen religion friden weder im verstandt oder buchstaben gemeß noch auch yemahls im Reich darfur gehalten worden, sonnder demnach die stende der /
Zu welchem ende dann die babstliche legaten unnd nuntii jhe zuweilen in das Heilig Reich verordnet werden, aintzig der inspection halben, damit bey der catholischen religionq die untzertrente ainigkeit unnd alte, dabey herbrachte ordnungen in bestendigem weßen erhalten werden. Daruber sie auch im Reich kain anndere verwaltung haben oder yemandt der catholischen inen etwas weiter, dem Heiligen Reich oder ainigem desselben standt zu nachtheil, eintzuraumen gemeint. r–Unnd wurdt inen auch mit kainem fueg zugelegt, das sie, die zeit unnd jahr zuverendern, understehen, sonder hat allein die bäbstliche Hlt. die tage der zahl halben der kierchen unnd mathematischer notturfft nach mit wissen der ksl. Mt.18 und annderer potentaten (wie es Julius Caesar gethan unnd anndere lobliche kaiser auch thuen wollen) zuruckh getzogen, unnd also die zeit oder jahr (wie es von den anclegern den catholischen fur ein antichristische notam will gedeutet unnd auffgerupfft werden) keins weegs immutiert oder verendert–r.
Zudem wolten die catholische stende hochlich wunschen, das man inen das wenig, so sie im religion friden fur sich haben, one turbation unnd intrag gönnete und demselben zugegen und wider so gantz zerrütliche trennung in iren ertz- unnd stifftern uff der anndern jetzo clagenden seiten nicht verursacht; wurde villeicht umb sovil weniger noth sein, dergleichen nuntios oder legatos in das Reich abtzuordnen. s–Dieweil aber von solchen hochverbottenen turbationen unnd inträglichen beschwerungen nicht abgelassen wurdt, solten sie billich sich die jenige auch desto weniger hintern[!] unnd anfechten lassen, die allein zu ordenlicher inspection zu erhaltung des uhralten, wolgestifften catholischen /
Beschwerde der protestantischen Stände, die päpstlichen Legaten würden den Ks. veranlassen, keinen geistlichen Stand ohne päpstliche Konfirmation zu belehnen; Verschärfung der Eide und Statuten in den Hstt. und Ritterorden19: Irren sie sich fast sehr, dann neben dem inen selbst bewußt, dz, so lang das Heilig Reich gestanden, kain römischer kaiser ainigem gaistlichen standt die regalia vor der confirmation (wiewol durch mittel eines indults inen die administration offt nachgeben) verlihen worden[!], so vermögen doch die zwischen dem Heiligen Römischen Reich unnd der babstlichen Hlt. mit wißen unnd willen der stende des Reichs vor vilen undenckhlichen jahren auffgerichte compactata, das solches anderer gestalt auch nicht geschehen soll oder möge; darumb es billich also verbleibt. Und dieweil one das keiner solcher regalien, so ainem gaistlichen standt gepuren, vehig sein kan, er sey dann gaistlich unnd deren qualification, die zu einem solchen standt erfordert wurdt, darauff dergleichen regalia fundiert unnd gewidumbt seyen, haben sich die clagende der augspurgischen confession angehörige dessen umb sovil weniger zubeschweren.
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Den Vorwurf, die Lehnseide würden so verändert, dass die CA-Angehörigen sie aus Gewissensgründen nicht ablegen können20, will man wol dahin stellen, das es under den catholischen stenden dißfahls etwas underschidlichs gehalten werde. Man kan aber sovil dem andern thail nicht gestendig sein oder nachgebenu, wann gleich an ainem oder mehr orten der catholischen die uhralte form, v–zu Got unnd seinen heiligen zuschweren–v, gehalten, das in solchem dem religion friden etwas zugegen geschehe; in bedenckhen, das es nit allein ain uhralt christlich heerkomen, dessen man sich auß den beschribenen kaiserlichen rechten wol informieren khan, unnd auf baiden seiten im zuruckh suechen solche formulae in den alten archivis befunden werden, sonnder one das auch der disposition des vilgemelten religion fridens gemeß, das ein jeder standt bey seinen ceremoniis unnd gebreuchen von dem anndern ungehindert verbleiben soll21; vilmehr w–dann ain yede catholische herrschafft, solche ir uhralte gewohnhaiten–w gegen iren angehorigen vasallen unnd underthanen handtzuhaben, befuegt istx. Darumb nicht schliessen khan, ob gleich im kaiserlichen hoff rath so wol auch dem cammergericht zu Speyr durch, allermildtester gedechtnus, kaiser Ferdinanden solche /
Auß was ursachen aber ainem oder anndern standt die belehnung am ksl. hof vertzogen oder auffgehalten werden, stehet zu der anwesenden catholischen verantwortung nicht, sonnder stellen es dahin, das ire ksl. Mt. dessen, wo es geschicht, ire erheblicheaa bedenckhen haben mögen und derwegen auff ansuechen gelegene erclerung daruber zuthuen wissen werden.
Was gestalt die erbarn freye Reichs stett in crafft des religion fridens in religion sachen reformation vortzunemmen haben oder nit23, wurdt unnöttig erachtet, weitleufftig außzufueren, sonnder referieren sich dißfahls die catholische stende uff den außgetruckhten buechstaben des religion fridens unnd lassen es dabey bewenden24. Einmahl ist es aber wahr, das die stett, so die catholische religion jhe und allwegen underhalten, derselbigen zuwider, iren burgern oder yemanden anndern in crafft des religion fridens etwas eintzuraumen, nit schuldig, vilmehr aber deßen wol befuegt, do sich ein oder der annder burger, vil oder wenig, damit nit benuegen lassen wolten, den oder denselbigen außzuschaffen unnd, seine gelegenhait an anndern orten zusuechen, von obrigkeit wegen antzuweisen. In dem inen dann gleich /
Die Beschwerden gegen die Stadt Köln25sind deren RT-Gesandten um Gegenbericht zugestellt worden. Diese konnten aufgrund der weiten Entfernung zwar keine Informationen der Stadtobrigkeit beibringen, sie haben aber mitgeteilt, dass nach ihrem Dafürhalten die unter dem Namen der bedrängten Bürger der CA in Köln als Beilage zu den protestantischen Hauptgravamina übergebene Supplikation nicht durch solche in Cöln gesessene augspurgische confeßion verwandte burger, wie vorgeben wurdt, angestelt worden, furnemblich auß dem aintzigen grundt, dieweil vor disem ein ebenmessige supplication an ire herrn unnd obern gestelt und uberreicht worden, darauff aber ab–die jhenige, so sich zu der rechten augspurgischen confession bekhennen und in Cöln gesessene burger sein–ab, als sie es in erfahrung bracht, sich gegen dem rath zu Colln ercleret, das solch supplicieren und begeren in ir gedanckhen nicht komen, sonnder vilmehr anndere calvinisten under dem schein unnd titel der augspurgischen confession inen selbst zu guetem understienden, dise sachen durchzubringenac. Darumb dann sie, die colnische gesandten, zum hochsten biten thuen, damit ire herrn und obern wissen mögen, gegen weme sie sich verantworten solten, inen den rechten authorem solcher supplication antzumelden; wie ire derentwegen ubergebene schrifft mit A außweiset26, darinnen etlichermassen mit angeregt wurdt, warumb etliche irer burger, ad–under deren subscription ein gantze weitleuffige schrifft durch die jetzmals clagende der augspurgische confession verwandte stende auch beygelegt worden27, so sichae doch nicht der augspurgischen confession berühmen mögen–ad, hiebevor irer exceß /
Das sich dann die statt Cöln oder auch anndere stett, als Gemundt, Weyl etc.af, do die catholische religion bißhero unverendert bliben, sich in irem magistrat verainigen, die catholische religion nicht zuendern, auch keinen, der derselbigen nit were, in rath zunemmen28, ag–do es gleich auch mit aydtlicher beteurung geschehe–ag, in deme seindt sie billich nicht zuverdenckhen, thuen auch mehr mit, als was von der annderen confeßion verwandten vilen underschidlichen stetten geschicht, do keiner, als zur augspurgischen confeßion geschworner, zum burger angenommen, kein catholischer geduldet, sonnder zu allen ambtern unnd ehren fur untüchtig erachtet, auch von menigclich angefeindet, ah–jemerlich vervolgt, zum landt hinauß gewisen–ah wurdt. Dessen man, wo nöttig, in gueter antzall vil stett unnd örter derselbigen confession erzelen khöndte.
Uff die catholischen wurdt es gleichwol gantz schwerlich zuerweisen sein, das sie ye jemandt der religion oder ainiger confession halben vervolgt, als ain ubelthetter verschimpfft hetten29. Dann da einer sich mit seiner obrigkeit religion nicht vergleichen kan oder mag, wurdt ime frey gestelt, sich aintweder zu derselben zuercleren oder, damit er anndern durch seinen wandel oder beywohnung nit ergerlich seye, an anndere ort, do er seiner confession freye ubung hette, gegen entrichtung der obrigkeit gepur zubegeben. Unnd ist wol frembdt zuvernemmen, das man der nachsteur halben, so solchen außziehenden abgenommen wurdt, die catholische zubeschuldigen vornimbt, do doch mit untzelbaren exempeln zubetzeugen, das die nachsteuren andern thails den catholischen vil scherpffer abgenommen werden. Zudeme gibt der buechstaben des religion fridens die nachsteur außtruckhlich zu30. Umb sovil weniger dann die catholischen (wiewol es solcher nach- /
Das aber umb der religion willen oder, wie in anndern ortten der beschwerungs schrifft solches auch auff anndere fähl extendiert wurdt, von wegen auffgenomener vertribener confessionisten die catholische die victualia versperren, märckht unnd anndere handtierungen verpieten31: Weiß man sich keines wegs zuerinnern, das es umb solcher sachen willen geschehen, unnd mögen die catholische wol gedulden, das es solcher gestalt auff sie erwisen werdeai.
Vermeintliche Verstöße gegen die Declaratio Ferdinandea32: Man weiß wol, was es mit derselben fur ain meinung hab, unnd ist zu vilen mahlen so wol auch durch euer ksl. Mt. selbst gnugsam erclert worden, das man sich ainer solchen declaration im wenigisten nit zubehelffen hab. In dem sich dann die catholische stende uff den außdruckhlichen inhalt des religion fridens in § „Unnd soll alles das“ nachmalen referiren unnd ziehen thuen, der in volgenden worten stehet33: „Unnd soll alles, das in hievorigen Reichs abschiden, ordnungen oder sonnsten begriffen unnd versehen, so disem fridtstandt in allem seinem begriff, articuln und puncten zuwider sein oder verstanden werden möchte, demselbigen nichts benemmen, derogiern oder abbrechen, auch dagegen keine declaration oder etwas annders, so denselben verhindern oder verendern möcht, nicht gegeben, erlangt noch angenommen oder ob es schon gegeben, erlangt oder angenomen wurde, dannocht von unwirden unnd uncrefften sein unnd darauff weder in noch außer rechtens nichts gehandlet oder gesprochen /
Der Vorwurf, die katholischen Stände würden denjenigen, die unter ihrer hohen Obrigkeit Orte, Zölle oder Güter mit allen Rechten sowie hoher und niederer Gerichtsbarkeit, jedoch außerhalb der höchsten landesfürstlichen Obrigkeit haben, vorschreiben, dort ausschließlich katholische Beamte einzusetzen36, wird zurückgewiesen, dieweil ein solches in crafft angedeuter hochsten superioritet geschicht. Unnd wußte man auff den clagenden theil mit gnugsamen grundt zubeweisen, das sie es auch den jhenigen nicht nachtzugeben understehen, so one mittel under dem Reich sein, die inen auch weder mit landtsfurstlichen obrigkeiten oder in ainichen anndern weg etlicher unter solchen herrschafften gelegenen guetern halben zugethan. Gleiche meinung hat es billich mit denen underthanen37, ob sie gleich in crafft der vogteylicher obrigkeit mit zinß, steur unnd annderen diensten anndern unnd der augspurgischen confeßion verwandten stenden angehörig, doch fur ire person under geistlichen oder catholischen stenden wohnen, /
al–Die Beschwerden gegen die Bestattungsweise von CA-Angehörigen in katholischen Orten sowie gegen die dortige Sanktionierung protestantischer Taufen mit hohen Geldstrafen und die Ablehnung diesbezüglicher Prozesse am RKG38 sind gantz unerheblich […]. Dann sovil die geclagte begrebnus belangt, ist man der catholischen thails allerdings in abrede, das die verstorbene an unehrliche orth verwiesen. Das sie aber auff das geweichte nit begraben werden, das geschicht so wol den gaistlichen rechten und canonibus als der catholischen kierchen gebreuchen, dabey sie vermöge des religion fridens gehandthabt werden sollen39, gemeß, der augspurgischen confeßions verwandten aber billich ohne beschwerung, dieweil sie selbst der catholischen weyhung vor abgöttisch unnd die gantze erdt von Got geweihet halten unnd derwegen weder irer geweyheter erden und kierchen noch geleuth begeren, sonder vilmehr in irem leben fliehen unnd darumb desto weniger zuclagen haben, demnach sie auch die catholische burger bey inen zuweylen mit schlechten ehren, wie fähl derhalben antzuziehen weren, zur erden bestatten lassen. In dem andern fahl, die kinder tauff betreffendt, beruefft man sich allein der catholischen thails auff ire, der clagenden, selbst erclerung, wie die nidergerichtliche vogteyen in der religion bey inen gehalten, auch welchermaßen die jhenige, so unter inen ire kinder durch einen catholischen priester tauffen laßen, abgestrafft werden. In deme dann menigclich bewußt, das an vilen orten (die unschwer zubenennen) nicht /
Der Beschwerden im Zusammenhang mit der Stadt Aachen41haben sich die catholische stende fur dißmahl nit antzunemen, darumb das solche sachen in einem ordenlichen proceß an euer ksl. Mt. hof nicht allein lang geschwebet, sonnder numehr auch durch ein endt urtheil entschaiden worden42. Do die catholische ainigen zweiffel nit tragen, euer Mt. werden dieselbe mit gnugsamer cognition der sachen haben eröffnen und die gepurende execution, am–wie zum hochsten darumb gebetten wurdt–am, darauff verordnen lassen. Dieweil man sich dann auß denen ursachen deren an–sachen billich nicht antzunemen hat–an, bleibt sie zu euer ksl. Mt. allergnedigister resolution gestelt, als die one zweiffel fur sich selbst geneigt sein, do sich die von Ach irer rechtmessigen schuldigkeit erweisen unnd daruber oder auch ausserhalb vorangedeuter, durch euer ksl. Mt. eröffneter urtheil erledigter sachen in andere weg durch der kgl. W. zu Hispanien gubernament oder yemandt anderst zur ungepur molestiert oder vergewaltigt wurden, inen als ainem angehorigen glidt des Reichs vor allen unbillichen gewaldt kaiserliche protection unnd schutz zuerweisen. ao–Man ubergibt aber daneben zu /
Beschwerde wegen Verweigerung der RT-Session für geistliche Stände, die sich zur CA bekennen45: Mussen sich zwar die catholische stende deßen berichten, das dise sachen nunmehr zu nicht geringer verschimpffung des Heiligen Reichs und aller desselben hailsamen verordnungen in religion- unnd prophan sachen, auch hohem nachtheil der catholischen lang im Reich vorgelauffen unnd aintzig auß dem grundt durch den clagenden theil controvertiert worden, das man die wenige zeiln, in dem religion friden den geistlichen stenden zu gueten oder vilmehr zu handthabung aller ertz- unnd stiffter im Heiligen Reich begriffen, ap–so der geistlichen vorbehalt genent wurdt–ap,46, unter einem praetext dagegen eingewandter protestation oder erlangten decrets zu widersprechen oder dieselbige gar auß dem religion friden zubringen understehet, do doch ainiger formlichen protestation oder decrets den catholischen stenden nichts bewußt47, oder, do es gleich were, doch in crafft obangetzogenen § des religion fridens „Unnd soll alles das etc.“48 und darauff so wol von der ksl. Mt. selbst als allen stenden des Reichs ervolgten hohen aydtlichen betheurungen von ainigen wurden oder crefften nicht sein kan oder mage.
Demnach sich aber die jetztmals clagende stende auß den nunmehr vilen /
Zur Bitte der Gegenseite, Mgf. Johann Georg von Brandenburg aufgrund der ordentlichen Wahl im Hst. Straßburg die Session beim RT einzuräumen51: Ob wol dises begeren dem vorigen anhengig ist, so haben doch die catholische chur- und fursten, so in der straßburgischen commission begriffen52, bedenckhens gehabt, sich uber solchen puncten etwas zuercleren. Sonnsten aber wurdt darfur gehalten, das weder des stiffts herkommen noch statutis gemeß, hochgemelte seine f. Gn. des stiffts as–Straßburg vähig sein können, aldieweil die eligentes oder postulantes so wenig als seine f. Gn. selbst der qualification geweßen, so zu einer ordenlichen wahl oder postulation eines geistlichen haupts oder bischoffs erfordert werden. Wie dieselbige außfuerung euer ksl. Mt. auß vorigen handlungen mehr als zuvil allergnedigst /
Das aber die clagende fur ein ursach zur session antziehen, dieweil sie die onera von solchen geistlichen guetern unnd furstenthumben tragen, ist wol frembdt, dann neben dem es den gemeinen beschribenen rechten zu volg geschicht, quod quisque cum commodo possessionis etiam incomoda sustinere debeat, were es fast unbillich, das die jhenige, so solche geistliche gefell, güeter, landt unnd leuth one gnugsamen schein und fueg inhaben, derselbigen gemeinen beschwerden solten geubrigt sein.
Beschwerden54bezüglich der Reichsjustiz, Benachteiligung der protestantischen Stände bei der Besetzung des RKG-Richteramtes und der RKG-Kanzlei, Einstellung der RKG-Visitation, parteiische Rechtsprechung am RKG, Übernahme von Prozessen am RKG durch den RHR, dortige Verordnung parteiischer Kommissionen55: Dise clagen können darumb von den catholischen stenden in gemein nicht fruchtbarlich beantwortet werden, dieweil der haubt punct des ungleichen oder unordenlichen justiti wesens noch zu aller stende consultation gestelt ist56, welchem sie, die catholische, ires theils, sovil müglich, zu verbesserung gern mit wollen helffen nachdenckhen, damit sich niemandt mit billichmessigen fuegen ungleichen oder partheylichen rechtens zubeschweren hab.Da die Einsetzung des RKG-Richters und der Präsidenten gemäß RKGO allein ihm, den Ks., zusteht57, sehen die katholischen Stände nicht, dz jemandt der stende gepuren wolle, euer ksl. Mt. in deme, wie auch, was gestalt sie iren Reichs hoff rath besetzen und durch dieselbige bißweilen den partheyen unnd sachen zu guetem gelegene comissiones erthailen, decretiern oder sonsten auß bewegenden ursachen proceß /
Die Beschwerde gegen die Besetzung der RKG-Kanzlei betrifft den Kf. von Mainz. Dieser hat sich hiebevor auf gleichmessige eingefüerte clag gegen euer ksl. Mt. aller underthenigist erclert:Demnach im 1. Teil der RKGO festgelegt wird, dass der Kf. von Mainz als Reichserzkanzler mit qualificierten personen aines verwalters, prothonatorien und notarien, auch annderer personen am camergericht fursehung thuen, auch dieselbe besolden unnd underhalten soll59, deßgleichen uff dem deputation tag anno 57 zu Speyr deren bestraffung unnd beurlaubung, yedoch den gemeinen visitationen und herrn cammerrichtern an ordenlicher inspection in hohen fallen nichts entzogen, seinen kfl. Gn. zugeben60, deßen allen auch sie unnd ire lobliche vorfahren am ertzstifft jedertzeit in ruhigem exercitio verbliben und allwegen moglichstes vhleis dahin getrachtet, das solchen dispositionen unnd allen darauff ervolgten verbeßerungen ein genuegen geschehenav; wie man es auch bey allen visitationen dabey bewenden lassen und voran- /
Die Beschwerden im Zusammenhang mit der Rottweiler Hofgerichtsordnung61haben die katholischen Stände nicht allein zu verantworten. Weil diese Klagen beim RT an die Reichsstände gebracht worden sind62, wird nach deren Resolution zweiffels one euer ksl. Mt. gepurenden außschlag zugeben wissen.
Wie beschwerlich die so wol auß den niderlendischen kriegen als auß Lottringen oder anderstwo hero ervolgende außfahl63 den catholischen nicht weniger als anndern iren benachbarten fallen, ist leichtlich zugedenckhen. Darumb dann die catholische stende hochlich zubedanckhen sich schuldig erkhennen, das euer ksl. Mt. ir sonderlich das niderlendisch wesen so sorgfeltig haben angelegen sein laßen und daßelbig in deren ksl. proposition mit eingeruckht64; verhoffens, solchem beschwerlichen wesen dermalen eins auff gedeyliche mittel werde abgeholffen werden können.
Was dann die mißhelligkeiten zwischen Lottringen und Mumpellgart betrifft, will man lottringischen thails nit gestendig sein, /
Der ungleichait mit den craiß hilffen67 haben sich die catholischen stende wo nit hoher, yedoch weniger nit zubeschweren. Dann wie man sich deren im ertzstifft Cöln in einer in dem religion friden außtruckhenlich bekhandter sachen (deren sich uf der clagenden seiten niemandt annemen wollen) unnd an anndern orten zuerfreuen gehabt68, dz ist menigclich bewußt; also dz diser puncten zwischen baiden clagenden unnd beclagten partheyen wol instehet. Unnd möchten die catholischen hertzlich wunschen, das sich die zeit und leufft also verbesserten, dz man sich uff den allgemeinen nothfahl derselben zu allen thailen unpartheyisch unnd gedeylich gebrauchen köndte.
/161 f./ Zur Beschwerde wegen der am RKG und vom RHR zuerkannten Mandate und Prozesse für exterritoriale Orden unter irriger Berufung auf den Religionsfrieden69 /
bb–Welches sonnderlich gegen des Heiligen Reichs stetten im religion friden, § „Nachdem aber etc.“73 nachvolgendem inhalt wol versehen: „Nachdem aber in vilen frey- und Reichs stetten die beide religionen, nemblich unnser alte religion unnd der augspurgischen confeßion verwandten religion, ein zeit hero im gang und gebrauch geweßen, so sollen dieselbigen hinfuro auch also bleiben und in denselbigen stetten gehalten werden und derselben frey- und Reichs stett burger unnd anndere inwohner, geistlichs unnd weltlichs standts, fridtlich unnd ruhig bey unnd neben einandern wohnen und kain theil, des anndern religion, kierchen gebreuch oder ceremonien abtzuthuen oder inen davon zubringen, understehen, sonder jeder thail den andern laut dises fridens bey solcher seiner religion, glauben, kierchen gebreuchen, ordnungen unnd ceremonien, auch seinen haab unnd guetern unnd allem andern, wie oben baider religion Reichs stende halben verordnet unnd gesetzt worden, ruwiglich und fridtlich bleiben laßen“–bb.
Wie nun disen Reichs verordnungen in und durch die statt Straßburg nachkomen werde, da man gantze closter, die noch biß uff wenige jahr in catholischer ordnung und religion gewessen, zu grundt abreißet, die andere dergleichen eintzutziehen understehet, bc–wie es die gravamina in mehrerm mitbringen werden–,74, /
bh–Dahero dann auch schließlich die clag vor gantz unerheblich zu achten, dz man sich gegen den catholischen zu beschweren anmaßt, wann sie–bh die zinß, gülten unnd gefell deren von der augspurgischen confession verwandten eingetzogenen closter irem vermainen nach uber der spoliirten closter unnd ordens leuth gesuechte arrest nit verfolgen lassen können oder wollen77, bi–alledieweil solche destitutio vermöge der rechten oder Reichs constitutionen in ainigen weeg nit verantwortlich ist–bi.
Nur dies bringen sie, die katholischen Stände, zur Ablehnung der gegen sie vorgebrachten Klagen vor, in betrachtung, der mehrer thail darunter nicht neu, sonnder offt furkomen, auch alberait vor disem außfuerlich widerlegt worden, unnd dann die jetzmals wider einbrachte beschwerungen nur under etlicher wenigen underschribener stende namen einbracht sein, darauff auch dise verantworttung und ferner nicht gemaint, gerichtet oder verstanden worden ist.
An den Ks. Unterzeichnet von den beim RT anwesenden katholischen Reichsständen und den Gesandten der abwesenden.
Beilage A: Exzeption der Gesandten der Stadt Köln gegen die Gravamina der dortigen protestantischen Bürger. Vgl. Nr. 424.
Beilage B: Gegenbericht der Jülicher Gesandten, gerichtet an die katholischen Stände, zur Klagschrift der Verordneten des protestantischen Aachener Stadtregiments78
Der Mainzer Kanzlei übergeben am 15. 7. 159479, der ksl. Kanzlei übergeben am 16. 7. Im Supplikationsrat vorgelegt und beraten am 29. 7.80 Kopiert am 4. 8. Der Kurpfälzer Kanzlei als Beilage zum Gegenbericht der katholischen Stände zusammen mit der Duplik des Ks.81 übergeben am 16. 8. In der Versammlung der protestantischen Stände bei Kurpfalz verlesen am 17. 8.82
HHStA Wien, RK RTA 65 Fasz. 2, fol. 63–68’ (Kop. mit Randvermerken zum Inhalt. Dorsv.:Fürstlicher gülchischer räthe kurtzer, bestendiger gegenbericht unnd pith contra der abgesetzten, ungehorsamen achischen regenten bey etzlichen protestirenden stenden beschehene unnd irer Mt. ubergebene clag. B. Praesentatum 16. Julii anno 94.) = Textvorlage. HStA München, KÄA 3231, fol. 135–139’ (Kop. Überschr. wie Dorsv. in Textvorlage) = [B]. HHStA Wien, MEA Religionssachen 7 Fasz. 2, fol. 139–143’ (Kop. Dorsv. wie in Textvorlage. Zusätzlich:Lectum Ratisbonae in caenobio [!]praedicatorum den 4. Augusti anno 1594.) = [C]. LAV NRW R, JB II 2343, fol. 446–450’ (Kop. Aufschr.:Exhibirt in der meintzische[!] cantzley 15. Julii 1594 zu Regenspurg.). GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Ww, fol. 518–523’ (Kop.). StadtA Ulm, A 647, fol. 697–711’ (Kop.).
Referiert bei Stieve, Politik I, Anhang Nr. 7C S. 465–467. Vgl. Schmitz, Verfassung, 176 f., Anm. 4.
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/66 f./ Burgund und das RKG werden die gegen sie gerichteten Klagen selbst beantworten.
/66’–67’/ Demnach bitten sie, die Jülicher Gesandten, die katholischen Reichsstände um Veranlassung beim Ks., das Endurteil ungeachtet der Aachener Appellation zu exekutieren, um damit ein Exempel für andere Ungehorsame zu statuieren, die Jülicher Rechte in Aachen zu restituieren und die Handhabung der Reichsjustiz zu demonstrieren.
Schlussformel. Unterzeichnet von den Jülicher Gesandten.
Beilage C: Gegenbericht der Gesandten Kardinal Karls von Lothringen zu einigen Punkten der protestantischen Gravamina. Vgl. Nr. 425.