Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Textvorlage: Bayern, fol. 117–126.

1. HA (Türkenhilfe): Mehrheitlicher Anschluss an die geringere Bewilligung des KR von 50 Römermonaten. Beharren auf den früheren Erlegungsterminen und der Erlegung mit gangbaren Landmünzen. Verordnete des FR für den Supplikationsrat.

/117/ Fürstenrata(Salzburg, Pfalz-Neuburg, Johann Casimir von Sachsen-Coburg persönlich; Gesandte der übrigen Stände).

Salzburger Kanzler proponiert: 1) Gestern referierte Resolution des KR zum 1. HA (Türkenhilfe)1. Soll FR sich anschließen oder auf dem eigenen Beschluss beharren? 2) Verordnete des FR für den jetzt einzurichtenden Supplikationsrat.

Umfrage [zum 1. HA]. Salzburg (Ebf. persönlich): Konstatiert beträchtliche Differenzen zum Beschluss des KR2. Wan man jetzige leuff welle erwegen, referier sich der curfürsten beschluß allein auf die bewilligung, wan ein gewisser oder doch ungewisser fridtstandt unnd allein auf die defension. Yetzt seie khein frid zuhoffen, sonder ein offner krieg und grösste /117’/ gefahr deß türckhens heraußkhonfft halben. Müsste man sich jetzt nach dem krieg reguliern, der erforder viehl.Die vom KR beschlossenen Zahltermine Laetare und Nativitatis Mariae3sind zu lang, unnd irer Mt. damit nit geholffen: Müessten aintweders auß mangl gelts iniquas conditiones pacis mit dem feindt eingehen oder grossen schaden unnd verlust gedulden. Bey der anzal der 50 monat werde es nit khönnen bleiben, doch welle er sich von den mehrern nit absöndern, wannß per maiora beschlossen, das man sich mit den curfürsten solle vergleichenb. Yedoch mit dem anhang, wan ire Mt. werden repliciern, das man sich darauf also fürderlich erkhlere, damit die stende paldt ab der zehrung unnd uncossten khommen4. Die conditiones in dem kfl. voto belangent, vergleicht er sich. Die anticipierte hilffen abzueziehen5, were zwar billich, aber wan er dz yetzig wesen betrachtet, sey es unmöglich unnd nichts dardurch geholffen. Der polln, persianer, wallachen halber sey es wohl bedacht. /118/ Habens ir Mt. zuvor nit unnderlassen, bei inen hilf zusuchen; wie es dan nit ohne frucht abgangen. Derohalben es ihre[r] Mt. vätterlichen fürsorg nochmahlen zuvertrauen.

Pfalz-Neuburg (Pfgf. persönlich, Vortrag des Votums durch Dr. Fröhlich): Die Differenz zwischen KR und FR besteht vorrangig in der Höhe der Bewilligung. Zwar gibt es gute Argumente dafür, auf dem Beschluss des FR zu beharren, yedoch wisse man, das man sich sonsten in anndern fällen in so wichtigen sachen mit dem kfl. collegio wisste zuvergleichen. Derhalben vergleicht er sich, waß die anlag mit der eyllenden hilff anbelangt, mit den 20 monaten.Doch sind die vom KR beschlossenen Zahltermine auch in Anbetracht der gestern von den Gesandten aus der Steiermark, Kärnten und Krain geschilderten Gefahrenlage6 nit füeglich, sonndern /118’/ halte zum wenigsten darfür, dz ain termin zu anticipirn unnd daß erste zihl auf Nativitatis Mariae oder zum lengsten auf Weyenachten7 soll erlegt werden. In der beharrlichen hilff will er sich von den curfürsten nit absünndern, wan sich der krieg beharren werde. Der aniticipirten hilff unnd andern umbstenden halben hab Saltzburg alle notdurfft vermeldet; vergleicht sich darmit unnd lassts darbei bleiben. Hellt aber doch darfür, daß dz curfürstlich collegium zuerinnern, dieweihl ir votum dahin gangen, die bewilligte hilff ahn gueter, grober reichsmüntz soll bezahlt werden, welches den stenden schwer fallen wurde, das ir Mt. zebitten, an jetzt unnd biß das müntz wesen richtig unnd in bessern gang gebracht, die bezahlung in gangparer müntz anzenemmen. Item dz kfl. collegium wolt inen nit entgegen sein lassen, das in einbringung der restanten der landen Gülch, Cleve, Berg, auch deß wesstphalischen craiß mitleidenlich verschont wurde. Letzlich /119/ der stenden obligenden beschwerden ingedenckh zusein unnd denselben auf leidenliche mitl unnd weg abzuhelffen.

Österreich: Hat vorgestern im FR ausgeführt, warum die von dessen Ausschuss angeregten 64 Römermonate nicht ausreichen; viel weniger tut dies die Bewilligung des KR. Beharrt darauf, wenn man eine freiwillige hilff laisten will, daß solches also angestelt werde, daß[es] dannoch erkhleckhe nach begern ire[r] Mt. unnd der steyrischen etc. auß eüsseristen motiven geuhrsachter bit. Achtet fürnemblich, das jetzt ergebliche hilff zethuen, weihl die mitl, von Gott geschickht, noch nit verabsaumbt, wan man nur darzu thuet, dan man dem feindt ein grossen vorsprung abgewohnen. Erzehlt /119’/ herentgegen, was für gefahr unnd nachthail darauff stee, da man dise gelegenhait werde versaumen, das nemblich aller bißheer angewendter uncossten verlohren. Müessten sich die jhenigen, die jetzunder der erledigung erwarten, dem türckhen unnder sein joch ergeben, unnd mechte villeicht die hilffen von anndern orten, sonderlich die florentinisch, welche alberait im anzug8, widerumb zuruckh ziehen unnd nit ervolgen. Halte noch darfür, das stattlich zehelffen, auch die hilffen umb ain halbs jar zu anticipiern: Das erste zihl auf Nativitatis Mariae, das ander auf Laetare und so vorthan. Der müntz halben: Sey es hievor auch in den abschiden einkhommen, in waß müntzc die hilff soll bezahlt werden9. Hielte darfür, das noch auch geschehen mechte. Doch wz mit den mehrern beschlossen werd, welle er sich nit absöndern. Der anticipierten hilffen halber hab er die curfürsten dahin verstanden, das derohalben khein neue collection solte angestelt werden,[und] nicht, das solche anticipationen abzueziehen seien. Woverr er dann recht verstanden, /120/ so repetiert er das saltzburgisch votum, nemblich das nit soll abzogen werden; wie dann Pfaltzd neulicher tagen auch der mainung gewesst10. Das die hilff soll fallen, wan fridt mit dem türckhen gemacht: Verhofft er, die stenndt werden bißheer ire Mt. nach gelegenhait der zeit unnd leuff nit verlassen. Die außlendische potentaten betreffend: Seie es ein verglichens werckh, allein das die curfürsten die venediger darein gesetzt. Lassts darbei bleiben. Waß Brandenburg wider die tartern11 erhandlet: Da haben ir Mt. an irer vatterlichen gethreuen müehe unnd grossen aufgewendten uncossten auch nichts erwinden lassen. Wie sie dan in Polln, in die Moscau, Wallachay, Sibenpürgen etc. geschickht unnd mit den kossackhen hanndlen lassen12. Woferr ir Mt. erinnert, was Brandenburg dißfahls gethan, werden es dieselben zu sonndern danckhnemmigen gefallen vermerckhen. Daß dan ir Mt. zu abhelffung der stennde gravaminum, auch befürderung fridt unnd ruhe im Reich zebiten unnd zuerinnern, da seie man in /120’/ beeden rethen verglichen unnd ir Mt. hierzu zum bessten unnd eusseristen wohl genaigt. Lasst es auch bei dem bleiben, waß die curfürsten wegen belegung der unnderthonen angedeüt, sonderlich dieweihl es den abschiden de anno 66, 76, 82 nit zewider13.In den übrigen Punkten besteht Einvernehmen.

Sachsen-Coburg (Johann Casimir persönlich, Vortrag des Votums durch einen Rat): Votiert auch für seinen Bruder [Johann Ernst] wie Pfaltz-Neuburg.

Burgund: Wiederholt die zuletzt angesprochenen Beschwerden wegen des niederländischen und anderer Kriege14. Dem Ks. ist mit den 50 monaten nichts geholffen, unnd man /121/ vorhin im fürstenrath auf 64 monat verglichen. Wan es darbei soll bleiben oder ein mehrers geschlossen werden, will sich nit absöndern. In reliquis wie Össterreich.

Bayern: Haben zuvor 50 Römermonate bewilligt und sich der Mehrheit für 64 Römermonate nur auf Ratifikation angeschlossen15. Were man hievor in dergleichen unnd noch mehrern unnderschiden dem hochloblichen kfl. collegio beigefallen. Wellen sich mit denselben nochmahlen vergleichen. Die conditionen betreffend, als haimstellung der ahnwendung des bewilligten hilffgelts etc. unnd annders, vergleichen sie sich mit der curfürsten resolution. Wegen der anticipierten hilff: Habens eingenommen16 wie Össterreich. Wofers aber auf den abzug gemaint, wellen sie sich mit den mehrern und den jhenigen, welche die anticipierte hilf eingewilliget, vergleichen. /121’/ Die müntz betreffend: Khönnde khein grobe müntz nit zur hannden gebracht werden. Derhalben ir Mt. zuersuchen, das die bezahlung in gangparer müntz beschehen möge.

Besançon: Wie Saltzburg unnd Össterreich.

Pfalz-Lautern: Hab nit befelch, sich so weite einzelassen, halte doch darfür, sein herr werde sich nit absönndern; habs alberaith berichtet. Das dan darfür gehalten will werden, dise hilff werde wenig erschiessen: Sey zuvor, wan man auch in dem zug gewesst17, nit sovihl bewilligt worden, da man doch das gelt besser gehabt alß jetzo, da der westphalisch craiß vom Reich abgewichen; wiß man, wie es im oberreinischen craiß beschaffen. Werde einem jeden heimbzestellen sein, seine unnderthonen seiner gelegenhait zuebelegen. Ir Mt. zepiten, der stennde mit der groben müntz zuverschonen. Wegen der anticipationen hab er die churfürsten nit annderst könnden vernemmen, alß das dieselben in die 50 monaten begriffen, und sollen abzogen werden. Die restanten /122/ sollen eingebracht, khönnden die anticipationen wohl abzogen werden18 unnd irer Mt. ersprießlich sein; doch das der beschwerden stenden damit zuverschonen. Woferr man dan dahin schliesst, dz dises bey ihrer Mt. innsonnderhait soll gesucht werden, welle er sich nit absöndern. Das die bewilligung nit lenger wer19 alß der krieg, sey billich; unnd daß die gravamina erledigt werden. Waß dan die curfürsten de poena dupli anregung thuen, sey in den Reichs constitutionen hievor genuegsam versehen. Vergleicht sich.

Deutschmeister mit Fulda: Wie Saltzburg.Wiederholt das Votum für Fulda.

Pfalz-Simmern: Hat noch keine Weisung des Pfgf. erhalten und kann sich deshalb nit cathegorice einlassen. Sein herr werde ahn ime nichts erwinden lassen, waß menschlich unnd möglich. Bitet, mit gebetener dilation geduldt zehaben. Wan aber solches nit statt, welle er schliessen /122’/ wie Pfaltz-Neüburg in ainem unnd anderm. Yedoch das eines jeden beschwerden, auch den gemainen gravaminibus noch bei disem reichstag abgeholffen werde.

Bamberg: Will sich, wie vor auch im brauch gewesst, quoad quottam[!] mit den 64 monaten vergleichen, damit irer Mt. dermahl einsten willfhart werde. Schliesset ausser der eyllenden unnd beharrlichen hilff mit den churfürsten funnd, was die müntz betrifft, mit Pfaltz-Neuburg.

Pfalz-Zweibrücken: Hofft, der Ks. werde behertzigen, in waß noth und beschwer sein herr unnd dessen underthonen seyn. Wie[!] die gravamina abgelegt, sonnderlich der evangelischen20, wellen alles thun, waß erschwinglich unnd möglich. Lassts noch darbei bewennden. Die müntz betreffend: Das ir Mt. dieselben annemmen, wie sie bei den unnderthonen zuerheben. […] Das Gülch unnd dergleichen in einbringung der restanten zuverschonen, wie Neüburg.

Würzburg: Wiederholt in allem das össterreich votumg.

/123/ Pfalz-Veldenz: Wie Zwaipruckh.

Worms: Der contribution halben wie Saltzburg. Wegen der terminen, müntz sorten, legstet, anticipationen wie Össterreich; mit dem anhang, das ihres herrn in dem grossen anschlag zuverschonen von wegen seiner langheer getragen beschwerden.

Sachsen-Weimar: Hat zuletzt für 64 Römermonate votiert mit dem Vorbehalt des Anschlusses an KR, falls dieser weniger bewilligt21. Hab befelch, sich mit den curfürsten zuvergleichen. Doch dieweihl ahn der eillenden hilff vihl gelegen, soll ime nit zuwider sein, sonnder will leichtlich beyfallen, das auf kirtzere[!] fristen, alß nemblich auf Weyenachten diß jars unnd Laetare anno 95 geschlossen werde.Münzsortenhund alle übrigen Punkte wie KR.

Eichstätt: Wie die curfürsten, doch das die terminen abkhürtzet; unnd der müntz halben wie Saltzburg unnd Bayern.

Sachsen-Coburg [Johann Ernst]: Wie Weinmar.

Speyer: Wie Össterreichi. Was die anticipierte /123’/ hilf unnd aufgenommes gelt betrifft, hab befelch, sich von deme, waß per mariora beschlossen, nit abzesönndern.

Brandenburg-Ansbach: Hat zur Höhe der Bewilligung noch keine Weisung erhalten und hofft, der Mgf. werde sich also erzaigen, daß ir Mt. ein genedigst benüegen haben werde, yedoch wan den gemeinen Reichs beschwerden auf gebirende[!] maß entschidt geben werde. Die müntz betreffend: Wer es dahin zerichten, damit die anlag unnd bezahlung in gangparer müntz, wie es jeder landts art im gebrauch, beschehe. Wihl sich in reliquis von gemeinem beschluß nit absönndern.

Konstanz: Dieweihl durch der curfürsten beschluß weder irer Mt. noch unnß allen geholffen, hab er deß weniger uhrsachen, demselben beizefallen. Weihl dißmahl unnser glickh[!] unnd haill, auch unser verderben ahn der handt, seye das össterreichisch votum in acht zegeben, welches in effectu idem mit Saltzburg. Vergleicht sich mit denselben.

Braunschweig-Grubenhagen: Hab alberaith votirt auf 50 monat22 /124/ unnd die terminen auf Nativitatis Christi unnd Joannis Baptistae; lasst darbei bleiben. jVergleicht sich in dem überigen allen, was per maiora im fürsten rath beschlossen.

Augsburg: Lassts durchauß bei deß fürstenraths bedenckhen, allein das die terminen nehner[!] zesamen gezogen werden.

Braunschweig-Wolfenbüttel: Im FR-Ausschuss haben sich bezüglich der Steuerhöhe vihl auf deß curfürsten raths verwilligung restringiert23. Woll sich auch mit demselben vergleichen. Der terminen halben mit dem fürstenrath, dessen curfürsten zuerinnern. Der anticipation halben last ers bei dem verbleiben, waß er neulich fürpracht24: Könnde niemandt sein ex privatis conventionibus erlangtes ius absprechen. Seyen auch die conditionesk, wie dieselben im Reichs abschidt de anno 66 einverleibt25, in achtung zenemmen. In caeteris wie der fürstenrathl.

Hildesheim: Wie Pfaltz-Neuburgm.

Braunschweig-Calenberg: Wie Wolfenpitl.

Paderborn: Repetiert das neüburgisch votum.

Braunschweig-Lüneburg: Wie Braunschweign vor im.

Freising: Wie Hildeßhaim und Paderporn.

/124’/ Jülich: Repetiert offt allegiertes verderben. Könn jetzt nit helffen, well andern nit maß geben. In andern anhengen, die seinem herrn nit praejudicierlich, schliesst mit den curfürsten.

Regensburg: Der anzahl monat halben mit den mehrern, in caeteris mit den curfürsten.

Pommern-Stettin: Sovihl die 50 monat belangt, mit den curfürsten. In caeteris will sich von den mehrern nit absöndern.

Passau: Irer Mt. sey weder mit 50 noch 64 monaten geholffen. Repetiert das össterreichisch votum.

Pommern-[Wolgast]: Schliest mit den churfürsten auf 50 monat. Sei anno 66, alß der zug in Ungern gewest, nicht mehrers bewilligt26. Inn der anticipation osoll ein gleichhait gehalten werden.

Basel mit Weißenburg: Es werde bei den 64 monaten nit bleiben.Votiert für Basel und Weißenburg wie Salzburg und Österreich.

Württemberg: Wie die curfürstenp.

Trient: Wie Saltzburg.

Hessen-[Kassel] (Moritz): Sei ir Mt. mit 50 monaten wohl geholffen, wan sonnderlich die restanten eingebracht werden. Schliesst der eylendten unnd beharrlichen hilff halben mit den curfürsten, von wegen der /125/ terminen, müntz sorten, abzug etc. mit dem ausschuß. Doch das den gravaminibus, auch aller unruhe unnd beschwerlichen sachen im Reiche abgeholffen werde.

Brixen: Das aintweders die 64 monat gehöhert werden oder es dabey verbleib. In caeteris wie Össterreich.

Hessen-[Marburg] (Ludwig): Lassts bey der curfürsten bedenckhen, doch dergestalt, das die restanten einbracht, den beschwerden ir geburender enntschaid gegeben unnd die anticipierten hilffen wie billich abgezogen werden. Vergleicht sich sonst mit den curfürsten.

Lüttich: Wie Pfaltz-Neüburg.

Hessen-[Darmstadt] (Georg): Wie Hessen vor im.

Münster: Wie Paderporn, cum reservatione protestationis wegen seiner beschwerden.

Baden-Durlach [Ernst Friedrich]: Wie Prandenburg-[Ansbach].

Cambrai: Cum reservatione wie Össterreich.

Baden-Baden: Wie Bayrn.

Sitten: Erholt seine priora vota mit vorbehalt27.

Baden-[Durlach, Georg Friedrich]: Wie Anspach.

Metz: Hab sich jüngstlich mit dem ausschuß verglichen, lassts nochmahlen darbei bleiben, cum reservatione gravaminum.

Leuchtenberg: Wie Össterreich.

/125’/ Toul: Wie die curfürsten, mit vorbehalt. Aber der anticipation halben vergleicht er sich mit den mehrern, unnd will sein vorige protestation28 repetiert haben.

Anhalt: Wie Hessen.

Lausanne: Der hilff halben wie die curfürsten. Waß die müntz betrifft, mit dem fürsten rath. Wegen der anticipation schliesst mit den mehrern.

Henneberg: Waß die müntz betrifft, mit dem fürsten rath. In caeteris wie die curfürsten.

Hersfeld: Wie Pfaltz-Neuburgq.

Nomeny: Wie die curfürsten. Allegiert daß verderben unnd das der armen leuth unnd landt ungelegenhait in acht genommen werde.

Murbach: Wie Cosstnitz.

Arenberg: Wie Össterreich.

Ellwangen: Wie Össterreich.

Berchtesgaden: Abfuit.

Prüm: Durchauß wie die curfürsten.

Stablo: Wie Neuburg.

Prälaten: Wie Össterreich.

Schwäbische Gff.: Wie Össterreich.

Wetterauer Gff.: rWie Pfaltz-Lautern unnd Braunschweig.

/126/ Salzburg resümiert: Seyen maiora, das man sich der monath halben mit dem curfürsten rath vergleiche. Die terminen auf Nativitatis Christi und Laetare29. sDer anticipation halben bleibe es bei des fürsten raths bedenckhen, im überigen vergleich man sich bei[!] dem kfl. collegio.

Beratung zur Besetzung des Supplikationsrates30. Salzburg lässt offen, ob die Verordneten nach beiden Bänken des FR oder nach Reichskreisen festgelegt werden. Beschluss gemäß Votum Pfalz-Neuburg: Verordnung nach beiden Bänken. Diese treten sofort zusammen und beschließen: Die geistliche Bank benennt Salzburg, Konstanz, Regensburg und die Prälaten, die weltliche Bank Pfalz-Neuburg, Württemberg, Hessen-Kassel (Moritz) und die Wetterauer Gff.t

Anmerkungen

a
 Fürstenrat] Hessen (unfol.) zum Zeitpunkt: Vormittag, 7 Uhr.
1
 Vgl. Kursachsen, fol. 146’–150 [Nr. 14].
2
 KR hatte in der Hauptfrage nur 50, FR hingegen 64 Römermonate bewilligt.
3
 = 5. 3. und 8. 9. 1595.
b
 vergleichen] Wett. Gff. (unfol.) zusätzlich: Pleibt demnach schließlich bei 50 monath.
4
 Gemeint: Den RT wegen der damit verbundenen Unkosten bald verlassen können.
5
 = von der künftigen Türkensteuer.
6
 Vgl. die Werbung [Nr. 282].
7
 = 8. 9. oder 25. 12. 1594.
8
 Großhg. Ferdinando I. Medici von Toskana hatte dem Ks. im November 1592 50 000 Scudi für die Türkenabwehr zugesagt und auf die Rückzahlung eines Darlehens Ehg. Karls von Innerösterreich von ebenfalls 50 000 Scudi verzichtet. Auf eine Gesandtschaft des Papstes Anfang 1594 hin stellte er im März 1594 ein Hilfskorps für das ksl. Heer auf, das im Juni nach Ungarn aufbrach (Niederkorn, Mächte, 397 f.).
c
 in waß müntz] Würzburg A (fol. 60’) eindeutig: an grober Reichs müntz. Württemberg (fol. 611) zusätzlich: Aber man khöndte nichts desto weniger ettlichen ständen, denen solches beschwarlich fallen wölle, nachsehen.
9
 Vgl. Anm. 5 bei Nr. 13.
d
 Pfaltz] Österreich (fol. 28’) eindeutig: Pfaltz-Neuenburg.
10
 Vgl. Bayern, fol. 94 f. [Nr. 64].
11
 = Tataren.
12
 Ksl. Gesandtschaften nach Polen und Moskau vgl. Anm. 38 bei Nr. 1. Für F. Sigismund Báthory von Siebenbürgen verhandelte der Jesuit Alfonso Carillo Anfang 1594 in Prag um ein Bündnis gegen die Türken, für dessen Abschluss u. a. die Souveränität Siebenbürgens mit der Anerkennung als Erbfürstentum, die Unabhängigkeit von Ungarn und eine Schutzerklärung des RT für das Fst. gefordert wurden. Die Ungarn und das Reich betreffenden Bedingungen lehnte der Ks. ab. Aufgrund des Widerstands der Opposition in Siebenbürgen und der vorübergehenden Abdankung Báthorys wurde der Vertrag im dortigen Landtag erst am 27. 8. 1594 gebilligt. Zwischenzeitlich kam Carillo am 15. 8. nochmals zum Ks. nach Regensburg, um das Bündnis endgültig vorzubereiten, dessen Abschluss sich bis 28. 1. 1595 verzögerte (Szilas, Jesuit, 55–80; Randa, Republica, 85–89; Baumgärtner, Krieg, 101–110; Volkmer, Siebenbürgen, 148–157. Druck des Vertrags: Gooss, Staatsverträge, Nr. 34 A S. 226–231. Kurzregest: Bittner, Verzeichnis, Nr. 152 S. 30. Zum Vertrag im Zusammenhang mit der Position Siebenbürgens zwischen Wien und Konstantinopel: Oborni, Vienna, 76–79). Bei Wojwode Aron Tiranul im Fst. Moldau warben im Frühjahr 1594 Gesandte des Papstes (Alexander Komulović) und des Ks. (Johann Marini) um den Beitritt zum Bündnis gegen den Sultan. Unterzeichnung des Vertrags mit dem Ks. durch den Wojwoden (Mitwirkung am Türkenkrieg) am 16. 8. 1594 (Niederkorn, Mächte, 46; Leitsch, Rudolph II., 307; Arens, Einflußnahme, 20). Die Walachei wurde von beiden Gesandten wohl wegen der stärkeren osmanischen Präsenz nicht aufgesucht, sondern die Initiative zum Anschluss an die antiosmanische Koalition ging von Wojwode Michael Viteazul aus, allerdings erst im Frühjahr 1595 (Niederkorn, Mächte, 47; Randa, Republica, 91–96, 106–111). Vgl. zusammenfassend zu den Bemühungen 1594 um die Lösung der Donaufürstentümer und Siebenbürgens von Konstantinopel: Arens, Habsburg, 21; Schilling, Konfessionalisierung und Staatsinteressen, 493; Majoros/Rill, Reich, 256. Seitens der Zaporoger Kosaken bot im Winter 1593/94 der sich fälschlich als deren Hetman ausgebende Stanislaw Chlopicki in Prag die Unterstellung unter den Ks. im Kampf gegen die Osmanen an. Der ksl. Hof nahm dies an, da nicht bekannt war, dass Chlopicki keinen Verhandlungsauftrag hatte. Im Sommer 1594 schickte der Ks. den schlesischen Adeligen Erich Lassota von Steblau zu weiteren Verhandlungen in die Ukraine. Er konnte zwar den sofortigen Truppenzuzug nicht erreichen, doch erklärten die Kosaken ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Unterstützung des Ks. Daneben verhandelte Papst Clemens VIII. eigenständig mit den Kosaken (Niederkorn, Mächte, 476–479; Arens, Einflußnahme, 20–22; Pausz, Krim-Khanat, bes. 29–32). Zur Mission von Komulović nach Moldau, Polen und Moskau sowie zu den Kosaken: Bartl, Westbalkan, 47–49; Kortepeter, Imperialism, 133–135.
13
 Vgl. Anm. 14 bei Nr. 64.
14
 Vgl. Bayern, fol. 49’ f., fol. 96’ f. [Nr. 59, 64].
15
 Vgl. Bayern, fol. 97 f. [Nr. 64].
16
= verstanden.
e
 so weit] Würzburg A (fol. 61) deutlicher: wie KR auf 50 Römermonate.
17
 Bezugnahme auf die Bewilligung des RT 1566 für den Türkenfeldzug Ks. Maximilians II. (vgl. Anm. 24 bei Nr. 6).
18
 Gemeint: Begleichung der Antizipationen mit den Restanten.
19
 = währen, fortdauern.
f
–f unnd … Neuburg] Österreich (fol. 29) deutlicher: ausserhalb der sorten der muntz, dieweil die grobe muntz nit zuebekommen.
20
 Nr. 390.
g
 das össterreich votum] Würzburg A (fol. 61’) [entsprechend Württemberg (fol. 611’)] abweichend: mit Saltzburg; doch uff gemaine, gangbare müntz. Wett. Gff. (unfol.): Ut Saltzburg et Osterreich.
21
 Das protokollierte Votum am 20. 6. lautet ohne Vorbehalt auf die Bewilligung von 64 Römermonaten: Bayern, fol. 101 f. [Nr. 64].
h
 Münzsorten] Österreich (fol. 29) eindeutig: Will es in grober muntz erlegen.
i
 Wie Össterreich] Österreich (fol. 29), Würzburg A (fol. 62) abweichend: Wie Saltzburg.
22
 Vgl. Bayern, fol. 102’ f. [Nr. 64].
j
–j Vergleicht … beschlossen] Würzburg A (fol. 62) abweichend: Vergleichet sich sonst in allem mit dem kfl. collegio. Österreich (fol. 29’) dagegen entsprechend Textvorlage.
23
 Vgl. Ausschussberatung am 18. 6.: Bayern, fol. 82–85 [Nr. 63].
24
 Vgl. Bayern, fol. 76’ f., 78’, fol. 87’ f. [Nr. 62, 64].
k
 die conditiones] Wett. Gff. (unfol.) eindeutig: die clausulam, mit was massen die contribution gegenn die gefreyhete unnd sonnst andere vortzunhemen.
25
 Vgl. Anm. 18 bei Nr. 12.
l
 der fürstenrath] Wett. Gff. (unfol.) abweichend: der churfursten rhat.
m
 Wie Pfaltz-Neuburg] Würzburg A (fol. 62’) [entsprechend Wett. Gff. (unfol.)] abweichend: Wie Saltzburg. Österreich (fol. 29’) dagegen entsprechend Textvorlage.
n
 Wie Braunschweig] Österreich (fol. 29’) abweichend: Ut Sachsen-Weinmar. Würzburg A (fol. 62’) dagegen entsprechend Textvorlage. Wett. Gff. (unfol.): Ut Braunschweig et Weinmar.
26
 Vgl. Anm. 24 bei Nr. 6.
o
–o soll … werden] Österreich (fol. 30) anders: daß eß abgetzogen werde.
p
 curfürsten] Österreich (fol. 30) zusätzlich: allein dz man die anticipation nit abtziehe. Württemberg (fol. 612’ [entsprechend Würzburg A (fol. 63)] abweichend: daß die anticipierte hülff abgezogen werde.
27
 Vgl. FR am 14. 6.: Österreich (fol. 18’) und Augsburg (unfol.) [Nr. 59, Anm. z].
28
 = Anschluss an die Mehrheit nur unter Vorbehalt. Vgl. Bayern, fol. 57’ [Nr. 59].
q
 Wie Pfaltz-Neuburg] Österreich (fol. 30’) abweichend: Ut churfürsten.Dagegen Wett. Gff. (unfol.) wie Textvorlage.
r
–r Wie … Braunschweig] Österreich (fol. 30’) anders: Ut churfürsten. Wett. Gff. (unfol.) differenzierter: Erholen das vorig votum uf 50 monath; die restanten eintzubringen, der underthanen beschwerungen[in] acht zu haben, die gravamina abzuschaffen unnd in gemeiner, gangbarer müntz die contribution zuempfahen. In caeteris consentit mit Lauttern und Braunschweig.
29
 = 25. 12. 1594 und 5. 3. 1595.
s
–s Der … collegio] Österreich (fol. 30’) zusätzlich und differenzierter: Item daß man sunsten gangbare Reichs muntz contribuiere, dann grobe sorten zu contribuieren nit müglich. /31/ Item daß mann dz anticipiert gelt nit von dem ersten jar abtziehe.
30
 In Österreich (fol. 31) „appellation räth“genannt. Vgl. zu dieser Bezeichnung: Neuhaus, Reichstag, 300.
t
 Wetterauer Gff.] Wett. Gff. (unfol.) differenzierter: Benennung der Wetterauer Gff., weil beim letzten RT 1582 die schwäbischen Gff. am Supplikationsrat teilnahmen.