Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Textvorlage: Österreich, fol. 69–72’.
3. HA (Reichsjustiz): Mehrheitsbeschluss für Gesamtprorogation an einen RDT. Referat auch des Minderheitsvotums vor KR: Ratifizierung der einhellig akzeptierten Bestimmungen des DAb 1586 sowie Klärung von Zweifelsfragen durch den RT, falls ohne Zuziehung des RKG möglich. Wiederaufnahme der Visitation des RKG. Strittige Besetzung des RDT.
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Umfrage. Österreich: Dieweil die gravamina von der cammer1 c–fürkommen unnd nit gleich erörteret haben kondenn werden–, item dz man der cameralium bericht musste haben, item etliche evocieren2, vermaint derwegen, man soll den puncten iustitiae uff ain deputation ziehen.
Pfalz-Neuburgd,3: Waißt sich zuerinneren, waß uff anderen Reichs- und deputations tägene von dem schwärenn puncten gehandlet worden4. So seyendt doch die gravamina und dubia nit erörteret worden, item die proceß verlengeren sich je lenger, je mehrf. Man mieße ainest die liebe justitien befurderen. Waß ohne sundere miehe an jetzo in diesem puncten iustitiae möchte abgehandlet werden, vermaint er, dz man es an itzo erledige. g–Item was zu Wormß durch die deputation ainhelliglich eingegangenn5, solle man an itzo in verabschiden bringen–g. Die ubergebne dubia von der cammer vermaint er, dz waß ohne die camer könde per pragmaticam resolutionem an jetzo erklärt werden, will er gern darzu helffenn; die andern auff ein gleichmäßige deputationh gen Wormß oder Speir verweisen. /
Salzburg: Die zeit habe sich verloffenn8, die cammeraleß seyendt nicht beyhanden, die turcken noth seye groß. Verscheubt es auch auff ain deputation.
Württembergj: Trägt fursorg auß angetzogenen ursachenn, dieser punct möchte alhie nit absolviert werden. Verscheubt in auff ain gleichmäßige deputation. k–Eß seyndt große mängel an der cammer–k. Man soll den anno 56 visitations abschidt alhie erneueren. Mann soll nit uber dreyen9 zuverraysen erlauben unnd nit uber sex wochenn10,l. Dz man die interlocutorias nit allein an sambstag publiciren11, sunder soll noch ain tag darzu in der wochen geordnet werdenn. Item dz calendarß halbenm,12, und der fayertag, an welchen man raht helt, solle man auch audientz halten13. Die uberige dubia irresoluta soll man in die deputation ziehenn.
Burgund: Ut Österreich.
Bayern: Ihr ksl. Mt. habenn in der proposition andeuttung gethon, dz alles auff ein deputation getzogen werde14. Dieser punct seye sehr schwär und weitlauffig. Die /
Würzburg: Will es auch auff ain deputation ziehennn.
Pfalz-Lautern: Last im gefallen, dz es auff ein gleichmäßige deputation getzogen werde, doch nit auff ain ordinary deputation, welche nit in hunc effectum, sonder ad pacem publicam erstlich angeordnet worden17. o–Man mieße andere ständt auch darein ziehen, die der cammer underworffen–o,18. p–Man soll die visitationes nit länger einstellenn. Distinguit ut Pfahltz-Neuenburg. Es werdenn in religions sachen alle zeit paria gemacht19, solchenn könde man alhie remediren. Vermaint den reichshoffraht: Die iurisdictiones werden confundirt, man soll remedirn–p.
Besançon mit Trient: Ut Osterreich, doch dz deputation wie vor altem angeordnet werden. Repedit[!] idem pro Trient.
Pfalz-Simmern: Ut Pfahltz-Neuenburg.
Deutschmeister mit Fulda: Ut Osterreich. Repetit idem für Fuld.
Pfalz-Zweibrücken: Distinguit ut Neuenburg: Waß zu Wormß anno 86 verabschied und nit contradiciret20, konde man alhie verabschieden. Die visitationes soll man nit länger ainstellenn. /
Pfalz-Veldenz: Ut Neuenburg. Die visitatores sollendt von neuem alher verzaichnet werden, welche vota unnd seßionn habenn.
Worms: Ut Osterreich.
Sachsen-Weimarr: Waß in deputations tag anno 86 ainhellig und[un]wiedersprächlich beschloßen, möchte man jetzo dem Reichß abschiedt ainverleibenn. s–Sein herr seye zu der visitation beschrieben worden23; man solle ihn in possessione visitandi erhalten unnd niemandts darzwischen ziehenn–s.
Zwischeneinwand Pfalz-Zweibrücken: Protestiret darwider, dz die brüder, herrn pfaltzgraven, wie sy votiren, alle auch visitiren sollen, und sich niemandts darzwischen dringennt.
Uber welches alle pfaltzgravische protestiret: Es seye im Reich verabschidt, dz die visitationes wie die vota angeordnet werdenu.
Sachsen-Weimar: Behelt im die notturfft in diesem bevor. Referiret sich auff ihr Mt.
Eichstätt: Ut Osterreich.
Sachsen-Coburg [Johann Casimir]: Repetit dz vorige sachßische votum.
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Sachsen-Coburg [Johann Ernst]: Ut Sachßenn.
Konstanz: Ut Osterreichv.
Brandenburg-Ansbach: Iustitia seye basis Imperii. Man soll es befurderen helffenn. Die von Osterreich angetzogen ursachen24 seyendt erheblich. Vonn Pfaltz-Neuenburg, Wirtenberg sey es distinguirt wordenn. Man wiße noch nit fur gwiß, welche puncten nit contradiciert worden anno 86. Waß in den vorgehenden reichßtagenn alberayt constituiert unnd nit gehalten wirdt, könde man an jetzo renoviren. Die ubrige allegationesw in schlechten25 sachenn sol man abschaffen, dz die hauptsachen gefurdert werdenn. x–Die cammergerichts ordnung solt man in ain corpus bringen, dan die in anno 55 auffgericht26 ist hierzwischen in vielem geendert wordenn–x.
Augsburg: Ut Osterreych.
Braunschweig-Grubenhagen: Ut Pfaltz-Neuenburg, cum adiunctione ut Wirtenberg et Lautern.
Hildesheim: Ut Osterreych.
Braunschweig-Wolfenbüttel mit Halberstadt: Es wäre dem Reich verweißlich, wan man diß orts alles auff ain deputation verschube. Es wurde alleß wiederumb aufgeschoben und verwisen27. Man soll den wormßischen abschied an die handt nemen im verabschieden unnd so vihl müglich sich deßelben verglichen[!] unnd verabschiden. /
Zwischeneinwand Österreich: Protestiert als director de nullitate voti halberstattensisz.
/71’–72’/ Im Folgenden votieren Paderborn, Freising, Regensburg, Jülich, Passau, Basel, Baden-Baden, Lüttich, Münster, Cambrai, Sitten, Metz, Verdun, Leuchtenbergaa, Hersfeld, Nomeny, Johannitermeister, Arenberg, Ellwangen, Berchtesgaden, Prüm, Prälaten und schwäbische Gff. wie Österreich.
Braunschweig-Calenberg schließt sich Braunschweig-Wolfenbüttel an.
Wie Pfalz-Neuburg und/oder Württemberg votieren: Braunschweig-Lüneburg, Baden-Durlach [Ernst Friedrich und Georg Friedrich], Hessen-Kassel (Zusatz: /
Die Voten von Minden und Pommern-Wolgastabfehlen, Toul ist abwesend.
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Beschlussad: Es befindt sich auß den umfragenn durch dz mehrer, dz diser punct in ain deputation getzogen soll werden, unnd solches soll den churfursten referiert[werden]. Aber es seyendt etzliche standt dahin gegangen, dz man distinguiernae wie Pfaltz-Neuenburg. Ohnangesehen es sunsten nit herkommen, dz man die andere vota auch referiern, so soll doch solches dem reichsfurstenn raht am alten herkommen nichts praejudiciern und den churfursten referiert werden30.