Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

A) Verhandlungen der katholischen Stände des FR

Textvorlage: Augsburg, unfol.

Ablehnung des Konzepts für ein ksl. Dekret zur temporären Lösung der Magdeburger Sessionsfrage. Keine umfassende Widerlegung der Magdeburger Eingabe zur Behauptung des Sessionsanspruchs: Knappe Gegenerklärung und Protest, Bitte an den Ks. um Sicherung des Religionsfriedens.

Versammlungader katholischen Stände des FRin der Salzburger Herberge (Salzburg, Österreich, Bayern mit Baden-Baden, Burgund, Jülich, Besançon, Leuchtenberg, Deutschmeister mit Fulda, Nomeny, Bamberg, Würzburg, Worms, Eichstätt, Speyer mit Basel und Weißenburg, Konstanz, Augsburg, Hildesheim, Paderborn, Freising, Regensburg, Passau, Münster, Lüttich, Minden, Cambrai, Sitten, Metz, Verdun mit Prüm, Toul, Lausanne, Hersfeld, Ellwangen, Berchtesgaden, Johannitermeister, Stablo, Prälaten, schwäbische Gff.).

Der Ebf. von Salzburg lässt von seinem Kanzler schriftlich proponieren1: Die anwesenden Stände wissen, was sich am 13. 7. infolge der von Dr. Meckbach okkupierten Magdeburger Session zutragen hat2, bwas der Ks. dazu dekretiert und die Mainzer Kanzlei hat diktieren lassen–b,3. Aufgrund der Bitte des Ks. um eine Stellungnahme, wie er sich gegenüber den Brandenburger Gesandten verhalten soll, falls eine gütliche Lösung scheitert, haben sich die persönlich anwesenden katholischen Kff. und Ff. in St. Emmeram versammelt4. Während dieser Beratung sind zwei Geheime Rätecdes Ks. bey inen erschinen mit vermelden, dz ir Mt. mit den branndtenburgischen gesanndten mit allem vleiß hanndlen lassen, dz sy in ansehung aussersten gefahr deß türckhens halber sich für dißmall der begerten magdenburgischen session bemiessigen wollten. Sy hetten sich aber so hartneckhig erzaigt5, dz ir Mt. nit getraueten, etwas in der güette bey inen auszurichten. Derowegen hetten sy auf ain decret gedacht unnd ersuechten sy, die beysammen gewesne chur- unnd fürsten, gnedig, irer Mt. dero guetachten dariber[!] anzuzaigen. Darauf die räth inen solches concept deß decrets6 abgelesen, unnd ist diß inhallts:

Es sollen die magdenburgische reth irer Mt. zu gehorsambisten ehren unnd[in] erwegung bevorsteender eisserister gefahr bey disem reichstag der session für dißmall enntrichten[!], doch dem ertzstifft unnd primat an seinem stanndt, recht unnd gerechtigkhait wie auch margraf Joachim Friderichen an seiner praetension tam in petitorio quam possessorio, sovil er dern befuegt sein mag, ohne nachtl. Unnd wöllen sich ir Mt. inmitlst dahin befleissigen, auf die schrifft, so alberaith einkhommen unnd den interessenten umb iren bericht[übergeben wird], zuverfahren, unnd da die sachen allso prepariert unnd geschlossen, aintweders bey dißem reichstag oder vor einem negstkhünfftigen durch güettliche mitl oder ainen rechtspruch solches zuentschaiden.

Da die ksl. Räte die Bitte der Kff. und Ff. um die Übergabe einer Abschrift des Entwurfs oder um eine weitere Erläuterung abgelehnt haben, mit vermeldung, es sey allain ein idea unnd andeittung, wie ir Mt. vermainten, der sachen fur dißmall zubegegnend, allso hette auch inen, den chur- unnd fürsten, beschwerlich fallen wöllen, auf ein solches unrichtigs fundament sich zulassen. Seint allso dabey zumall verbliben. So weren ir hochf. Gn.7 an gestern zu irer Mt. gelanngt unnd dessen anregung gethon mit pitt, den chathollischen[!] stendten unnd dero religion hierunter nichts praejudicirlichs fürzunemmen, sonnder dieselbe allergenedigist zuschutzen unnd handtzuhaben etc. eAllso hetten sich ir Mt. alles guetten hierinn erpotten. Ebf. hat deshalb jetzt die katholischen Stände [des FR] einberufen, um vertraulich dazu zu beraten–e. Zunächst Verlesung der ksl. Verlautbarung vom 6. 7. sowie der von den Brandenburger Gesandten8übergebenen Deduktion mit ihrer Weisung9.

Umfrage. Österreich: Bedanken sich für das Salzburger Engagement und erklären, dass ire herrn des hauß Österreich auch nit gesinet seyen, ettwas an dem religion friden erwinden zulassen, sonnder vill mehr alles dz jhenig, was zu erhalltung desselben diennstlich unnd zu aufnam der cathollischen religion fürderlich, ins werckh zurichten; wie sy auch bevelch hetten, demselben nichts zuwider einzuwilligen. Weilln sy dann verstanndten, dz dz magdenburgisch suechen der cathollischen religion unnd dem aufgerichten, hochbedeirten[!] religion friden zuwider, wissen sy darein khains weegs zuwilligen. Unnd hiellten darfür, obgleich woll ir Mt. begern were, was der stenndt notturfft sein mechte, dagegen einzubringen, jedoch weilln sy, die össterreichische, nit bevelch, sich in ein disputat der religion oder deß religion fridens einzulassen, sonnder allain dahin zutrachten, was zu hanndthabung desselben diennstlich sein mechte, sich auch die magdenburgische selbst in khain disputat einzulassen erclerten, sonnder allain ir possessionem hanndthaben wollten: Allso sollten ir Mt. dessen wie auch der contrarien angeregts decrets unnd der magdenburgischen erclerung zuerindern sein, mit anzaig, ob man gleichwoll ir furbringen mit grundt abzulainen wisse, so wollte man sich doch in khain disputation einlassen, sonnder unns versechen, sy wurden sich deß religion fridens wissen zuhallten. Unnd weilln alle stenndt solchen zuhallten sich verpflicht, so wollte man sich versechen, ir Mt. wurden solches auch thun unnd darauf pro authoritate unnd in crafft angeregts religion fridens die magdenburgische abweisen unnd es dahin richten, damit man consultando fürgen10 mechte unnd dem religion friden nichts zuwider fürnemmen wurde. Sollte nun solches wider verhoffen nit beschehen, sey es zuwidersprechen unnd dabey zu protestiern, das man darwider nichts well fürgeen lassen, sonnder ehe alles dabey aufsetzen. Seyen doch der hoffnnung, ir Mt. werden sich allso ercleren, damit dem religion friden nichts praejudicierlichs fürgenommen werde. Wöllen sich doch, wo besser bedenckhen fürkhemmen, mit anndern stendten gern vergleichen.

Bayern: Konstatieren einen Widerspruch, indem einerseits die Magdeburger Gesandten erklären, sie wollten sich auf keine Debatte einlassen, und andererseits der Ks. um eine Gegenerklärung der katholischen Stände bittet. Sie votieren, man sollte ebenmessig protestiern, dz man sich mit innen auch nit einlassen wollte, unnd doch der magdenburgischen schrifft ain weeg alls den andern ablainen.Das referierte ksl. Dekret für die Magdeburger Gesandten were den cathollischen stenndten in vilem zu nachtheill: In dem anfanngs vermellt wirdet, dz ir Mt. zu unndterthenigsten ehren sy weichen solten - alls ob man dessen sonnst khein fueg oder gerathsame hette; 2) das sy für mahlß[!] allain unnd wegen vorsteender eisserister gefahr solches thun sollten, dardurch inen inskhünfftig unnd wann khain solche eisseriste gefahr verhandten, der weeg offen were; 3) seye die reservation der gerechtigkhait, deß primats unnd possession etc. auch bedenckhlich; 4) sey ebenmessig bedenckhlich, dz ir Mt. güettlich oder rechtlich zusprechen sich anerpietig machen, weiln die gegenthail sich noch nit submittiert hetten, zugeschweigen der cathollischen stenndte. So liessen sy sich gefallen, dz man nach mainung der össterreichischen protestiert unnd ehe dz eisseriste mit leib unnd guett aufzusetzen sich erpotten hette, dann etwas irer Mt. wider den religion friden einzurauhmen oder nachzugeben. Es hette auch weillundt khaiser Ferdinandus solches beginnenf den augspurgerischen confessions verwanndten stenndten abgelaint anno 57 unnd 59 unnd es darfür gehallten11, wann schon khain religion friden were aufgericht worden, so sollte inen doch khaines wegs unnd allain darumben nit zuegelassen werden, weilln sy solches begeren unndter dem schein, die abgötterey damit abzustellen, zu hechstem schimpf unnd veracht der cathollischen religion. Dz sy aber vermellt, sy haben wider den vorbehallt, dem religion friden einverleibt, protestiert, khan sy diß ortts auch nit fürtragen, dann obwolln beeder religions verwannte stenndt sich unnder sich selbst nit vergleichen mögen, so habens doch die augspurgische confessions verwanndte irer Mt. ledigclich haimbgestellt unnd sobritiert12 [!]; dariber[!] es allso verabschidt unnd angenommen worden13. Letztlich solle diß deß fürstenraths bedenckhen (dariber man sich noch zuvergleichen hette) dem churfürsten zu Maintz allain oder allen drey gaistlichen churfürsten eröffnet unnd gepetten werden, das man sich mit gesambtem rath der sachen annemmen wollte.Werden das Votum für Baden-Baden, dessen Gesandte sie dafür bevollmächtigt haben, an entsprechender Stelle wiederholen.

Burgund: Ist über die Einzelheiten in der Magdeburger Eingabe nicht informiert. Da aber Österreich und Bayern alberaith von der sachen woll unnd ausfierlich geret hetten, also liesse ers noch dabey verbleiben.

Jülich: Wie Össterreich unnd Bayrn.

Salzburg: Die Magdeburger Eingabe und das ksl. Dekret könnten leicht zurückgewiesen werden, es widerspricht aber eines dem anderen, indem die Magdeburger Gesandten vorgeben, sie wollten sich auf keine Debatte einlassen, während Ks. um eine Gegenantwort der katholischen Stände bittet. Ks. ist vorzubringen, dz diß der magdenburgischen begeren dem religion friden zuwider, ime auch derohalben nie khain session seie gestattet worden; mit unndterthenigister pitt, ir Mt. wollten mit dergleichen decreten der cathollischen stenndte verschonen gunnd sy vill mehr in crafft ires ksl. ambts unnd dariber geschwornen aydts schutzen unnd schirmen–g, auch dergleichen perturbatores pacis publice, alls doctor Meckhenbach were, vor dergleichen persohnen[!] abhallten; mit angehenckhter protestation, wo ir Mt. etwas wiertigers14 dem religion friden ime einraumen wurde, das man weder tacite noch expraesse[!] darein verwilligt, sonnder der cathollischen stenndte recht unnd gerechtigkhaiten unverletzt unnd unzerstuckht wöllen vorbehallten haben. Solche erclerung soll ir Mt. in schrifften übergeben werden. Ebf. persönlich fügt an: Was bezüglich der geistlichen Kff. gemeldet worden, thue er sich mit dem bayrischen voto vergleichen.

Baden-Baden: Die bayerischen Gesandten wiederholen gemäß der Bevollmächtigung ihr obiges Votum.

Besançon: Sein bevelch vergleicht sich in allem mit denn saltzburgischen, össterreichischen unnd burgundischen votis,denen er sich anschließt.

Leuchtenberg: Wie Össterreich, Bayrn unnd Salltzburg.

Deutschmeister mit Fulda: Ist dafür nicht instruiert, weil dieser Punkt im RT-Ausschreiben nicht angesprochen wurde. Weilln aber sein genedigister herr bey dem religion friden zubleiben genaigt, allso wöll er mit dem mehrn geschlossen unnd solches wegen deß stiffts Fulda repetiert haben.

Nomeny: Wie Össterreich, Salltzburg unnd Bayrn.

Bamberg: Es sey anno 76[!] diser stritt genuegsamb disputiert worden, daruber sich auch ir Mt. erclert15. Sy wissen khain pesser mitl, dann dz es bey dem religion friden zulassen. Weilln aber diß deß doctor Meckhenbachs begern demselben zuwider, so wiß sein herr nit, wie ime zuwilfahrn. Er achte gleichßfalls, es sey sich in khain disputat einzulassen. Unnd mechte ainem ausschuß unndtergeben werdenh, die wurden in den schrifften de anno 52 hero16 befindten, wie solches alles abzulainen sein mechte.

Würzburg: Wie Österreich, Bayern und Salzburg, mit dem Zusatz, man möge die ksl. Mt. bitten, nachdem der religion friden diß ortts clar unnd lautter, das sy die magdenburgische gesanndte propria authoritate abschaffen unnd die cathollische stendt bey dem religion friden erhallten solle. Unnd diß mechte an die churfürsten gelanngt unnd alspallt irer Mt. angebracht werdeni.

Worms: Wie Össterreich, Bayrn unnd Saltzburg.

Eichstätt: Wie vor ime.

Speyer mit Basel und Weißenburg: Idem.

Konstanz: Schließt sich Österreich, Bayern und Salzburg an. Doch sollte villeicht nit unthuelich sein, wo man sich schon nit per directum auf der magdenburgische schrifft einlassen wollte, dz sollches per obliquam refutationem bescheche.

Augsburg: Da die Argumente in der Magdeburger Deduktionsschrift dem Religionsfrieden und den daraufhin erfolgten ksl. Erklärungen klar widersprechen, wie Reichsakten, Protokolle und Drucke zu erkennen geben, ist nicht ratsam, dz man sich auf berierte schrifft in handlung unnd disputation einlassen solle. Unnd solches umb sovil desto weniger, weilln die gegentheil selbst sich dessen verwidern unnd nit submittiern wöllen.Deshalb wie Österreich, Bayern und Salzburg.

Hildesheim: Wie Össterreich, Bayrn unnd Saltzburg.

Paderborn: Idem.

Freising: Idem, doch dz der magdenburgischen motiva per indirectum abgelaint werden.

Regensburg: Idem. Erhollt mit lannger erzellung priora, unnd soll in specie ablainung beschechen.

Passau: Hat die sach weit erhollt, unnd doch daraus nichts mögen colligiert werden, allain dz man nit protestiern solle, dann dardurch zuverstehen sein wurde, alls ob man inen etwas gestiendte. Soll aber in specie alles abgelaint werden.

Münster: Erhollt sein vorig badenbornisch votum.

Lüttich: Wie Össterreich, Bayrn unnd Saltzburg.

Minden: Hat lanng discuriert, in effectu doch mit disen dreyen negstgemeltten votis geschlossen.

Cambrai: Wie Össterreich, Bayrn unnd Saltzburg.

Sitten: Wie Saltzburg unnd Passau.

Metz: Sein herr wöll dz eisseriste bey der cathollischen religion zusetzen, wie dann genuegsam in dem straspurgischen khriegs wesen gesechen worden17. Vergleich sich sonnst mit den össterreichischen, bayrischen unnd saltzburgischen votis, doch jdz man alles in specie ablaine–j, wie in den straspurgischen commissions hanndlungen auch geschechen18. Dann ob der gegenthaill eben in gleichem vast ungereumbte sachen fürbracht, so hetten doch ir Mt. die ablainung von seinem herrn mermalls begern lassen; welche auch jederweilln ervolgtk.

Verdun mit Prüm: Wie Salzburg, Österreich und Bayern. Soll auch für Prüm votieren, hat dafür aber keine Weisung des Kf. von Trier [als Administrator von Prüm]. Hofft deshalb, der Kf. werde sich das Bedenken der katholischen Stände des FR wolgefallen lassen.

Toul, Lausanne und Hersfeld: Jeweils wie Österreich, Bayern und Salzburg.

Ellwangen: Verweist darauf, was beim RT 1582 hieruber decretiert worden19. Vergleicht sich mit jetzt offtbemellten drey votis, doch dz etwas ablainung bescheche in der magdenburgischen schrifft.

Berchtesgaden: Idem, wie negst vor ime.

Johannitermeister: Es ist bekannt, warum sein Herr verspätet zum RT kommt20. Last sich maiora hierinnen, bevorab die ersten vota, gefallen.Geht bezüglich der Umfrage davon aus, es sey allain ain irrtumb, dz solche so spat an ine khommen sey.

Stablo: Wie Össterreich, Bayrn unnd Saltzburg.

Prälaten: Idem.

Schwäbische Gff.: Idem.

Resümee und Beschluss21: lMehrheit wie das Votum von Österreich, Bayern und Salzburg–l. Soll allso die erclerung in scriptis von innen dreyen verfast werden.

B) Unterausschuss der katholischen Stände zur Formulierung der Gravamina

Textvorlage: Kurmainz C, fol. 238–239.

Erwiderung zu den Einzelartikeln der protestantischen Gravamina.

(Vormittag) Unterausschuss der katholischen Stände zur Formulierung der Gravamina (Kurmainz, Kurtrier, Kurköln, Salzburg, Bayern).

[Vorlage der protestantischen Gravamina22und Beratung einer Gegenerklärung].

/238/ Umfrage. Kurtrier: Einleitung und Beschuldigung der katholischen Stände, sie würden gegen den Religionsfrieden verstoßen: Dank an den Ks. für die Übergabe der Gravamina. Die katholischen Stände hetten verhofft, man soltte irer Mt. domit verschont haben. Jedoch weil man ableynen soll, habe man deßen nicht geubrigt sein mögen. Zu dem ingreß den § 1 des religion friden23, dz man den religion friden zugegen[!], dieweil sonderlich ettliche clagen schon decretirt oder erlediget.

Kurköln: Ingreß wie Trier. Religion friden als fundamentum. Sonsten in den puncten sich irer ksl. Mt. ableynung anno 9024 gebrauchen.

Salzburg: Den ingreß wie vor ime. Sonsten gravamina bescheidenlich anzuzihen, ordine der articul abzulehnen.

/238’/ (Nachmittag). Verlesung des Konz. für die katholische Gegenerklärung25, Einleitung.

Umfrage Kurtrier: Billigung. Furters zu andern puncten zuschreitten.

Kurköln: Similiter.

Salzburg: Placet. Allein ksl. resolution de anno 90 zugedencken.

Bayern: Grundsätzlich Billigung. Allein dieweil die underschriebene mehrtheils calvinisten26, dz entweder daßelbig gesetzt oder dz wort „angebene“ oder „angemaßte“27.

Beratung zu Punkt 1 der protestantischen Gravamina, „anfenglich“, in versiculo nuncii etc.28

Umfrage. Kurtrier: Catholische erkennen ihr haupt und konnen billich geschehen laßen, dz pontifex die inspection uber die kirchen hab per nuntios. Sie29 thuen es auch durch die irige uber ire kirchen als superintendenten.

Kurköln: Mitt Trier. Calender, confirmation vermoge altten herkomens. Mochten leiden, dz die notturfft nicht were, solche nuncios herauß zu schicken; similiter ipsi per superintendenten.

Salzburg: Man scheme sich des sichtbaren haupts nicht. Ire legati[?] würden auch der einreißenden unordnung halben herauß geschickt. Sine confirmatione die regalia nicht zugeben, seye ein altes herkomen, auch den concordaten gemeß. Superintendenten.

/239/ Bayern: Haben ir bedencken in scriptis verlesen.

Umfrage zu den Abschnitten „Auch werden zuweilen“und „Es werden auch“ 30.

Beschluss gemäß Votum Kurtrier: Lehen aidt wie herkomen und wie es jedes ortt gehaltten. Werde kein obrigkeyt ohne ursach die regalia negirn.

Umfrage zu den Abschnitten „Uber dis wurdt“, „Wz hieoben“, „Es wurdt auch“, „Gleiche verhinderung“und „Neben diesem“ 31.

Kurtrier: Stett haben dz, do die religion seye[!].

Kurköln: Uff den religions friden.

Salzburg: Welche stett es herpracht, sollen dabey pleiben.

Bayern: Standt nicht nachzugeben, aber sonst seyen in crafft religion fridens[Abbruch].

Umfrage zum Abschnitt „Was dan fur verhinderung“ - Aach32.

Beschluss gemäß Kurtrier: Ahn ire ksl. Mt. zuweisen.

Anmerkungen

a
 Versammlung] Metz (unfol.) zum Sitzungszeitpunkt: Einberufung am Vortag durch Salzburg für 18. 7., Vormittag, 7 Uhr.
1
 Schriftliche Fassung der Proposition und des folgenden Votums: LA Salzburg, GA IV/1, fol. 278–284‘ (spätere Kop. Vermerk: Die proposition und angehenckhts votum hat mein gnst. herr von Salzburg mir selbsten in die feder andictirt.). In gleichlautenden Abschriften aus reichsstädtischer Überlieferung wird beides ohne Zuweisung zu Salzburg irrtümlich der Beratung der katholischen Stände des FR am 20. 7. 1594 zugeordnet (StadtA Augsburg, RTA 58, fol. 376–386’. StA Würzburg, SRTA 8, unfol. Kopp.). Zur Initiative des Ebf. gegen das ksl. Dekret mit der Einberufung der Sitzung vgl. auch den Bericht von Nuntius Speciano an C. Aldobrandini vom 19. 7. 1594 (Pazderová, Epistulae III, Nr. 694 S. 1558–1560).
2
 Vgl. Nr. 29.
b
–b was … lassen] Schriftliche Fassung der Proposition (Anm. 1, fol. 278) differenzierter: die Mainzer Kanzlei hat eine Eingabe des von Brandenburg (alß welcher diser zeit den stüfft Magdeburg de facto occupirt) wider die catholischen sambt ainem ksl. decret dictirt.
3
 Magdeburger Eingabe an den Ks.: Nr. 336; Dekret des Ks.: Nr. 340.
4
 Beratung am 15. 7.: Nr. 237, Abschnitt B.
c
 zwei Geheime Räte] Metz (unfol.) eindeutig: von Hornstein und Freymon.
5
 Vgl. Nr. 323, 324.
6
 Vgl. Nr. 344.
d
 zubegegnen] Schriftliche Fassung der Proposition (Anm. 1, fol. 279’) zusätzlich: Ks. wünscht deshalb daryber der anwesenden chur- und fürsten catholische[r] religion gleichsamb in eventum guetbedunckhen.
7
 = der Ebf. von Salzburg.
e
–e Allso …beraten] Schriftliche Fassung der Proposition (Anm. 1, fol. 280) differenzierter: Ks. hat so geantwortet, dass der Ebf. an dessen christlichen /280’/ eyfer unnd kayserlichen affection gegen ihr Mt. angebohrner catholischer religion kaines weegs ursach haben zu zweiflen, sonder gentzlich verhoffen wollen, es werde ihr Mt. in kürtz disem werckh ainen billichen und gebührlichen außschlag geben.Trotz dieser Zusage hat der Ebf. für unumgänglich erachtet, die katholischen Stände einzuberufen, um im Hinblick auf die Magdeburger Erklärung und das daraufhin erfolgte ksl. Dekret zu beraten, waß in disem wichtigen und weit aussehenden werckh zu erhaltung und defension unser catholischen religion den catholischen fürsten und stendten für- und an die handt zunehmen seye.
8
 Gemeint sind die Magdeburger Gesandten.
9
 Nr. 335, Nr. 340. Vgl. dazu auch die Magdeburger Deduktion [Nr. 329].
10
 = ‚fürgehen‘, die Beratung fortsetzen.
f
 solches beginnen] Metz (unfol.) eindeutig: die Bestrebungen der CA-Stände um die freistellung.
11
 Vgl. Leeb, RTA RV 1556/57, Nr. 504 S. 1226–1229, Nr. 507 S. 1245–1248; Leeb, RTA RV 1558/59, Nr.606 S. 1515–1517, Nr. 614 S. 1561.
12
 Gemeint: submittiert [?].
13
 Vgl. Anm. 36 bei Nr. 418.
g
–g unnd … schirmen] Schriftliche Fassung des Votums (Anm. 1, fol. 282’) differenzierter: sonder auch villmehr in betrachtung ihres ksl. ambts und der pflicht, damit sye dem Reich, der religion und religions friden, alß welche lex praecipua et fundamentalis Imperii, ist verwandt, die catholischen stendt bey ihrer rechtmessigen possession und gedachten religions friden zuschutzen und zuschirmen, auch dem widersacher khaines weegs zugestatten, sich de facto oder ainigerley ander weg, wie anjezo angemasst würdet, darwider einzutringen und mit praejudicirlichen neuerungen die catholischen zubeschwären, sonder da einer oder mehr auß ihnen vermainten, gegen /283/ den catholischen billiche beschwerde zuhaben, dz ihnen darumben nit gestattet wurde, gefähr- und schimpflicher weyß die gemeine wohlfahrt und handlung mit ihr Mt. und des Reichs nit geringer verclainerung mit dergleichen gefehrlichen attentaten zustören und zuhindern, sonder solches mit recht und an gebührenden orthen, auch zeit fürzunehmen.
14
 = ‚Widriges‘.
15
 Bezugnahme auf die Verhandlungen um die Magdeburger Session beim RT 1582 (vgl. Anm. 17 bei Nr. 329). Abgesehen vom Konz. für ein Dekret (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 246 S. 934–938) erging keine Erklärung des Ks.
h
 werden] Würzburg D (fol. 21’) zusätzlich: der der sachen beßer und weytter hette nachgedacht, damit /22/ der madenburgischen[!] argumenta kindten mit grundt hindertrieben und daß concept desto ausführlicher angesteldt werden etc.
16
 = seit der Wahl Ebf. Sigismunds von Magdeburg 1552.
i
 werden] Würzburg D (fol. 22) zusätzlich: Falls ein Kf. dem widerspricht und Bedenken hat, jemandt auß seinen räthen damit ahn die ksl. Mt. auch abzuordnen, daß alßdan die andere churfürsten, fürsten und stende mit solchem underthenigstem anbringen, suchen und begeren bey der ksl. Mt. in allweg umb befürderung der sachen willen sölten vortfahren etc.
17
 Konflikt Kardinal Karls von Lothringen, Bf. von Metz, als Straßburger Bf. mit Administrator Johann Georg von Brandenburg infolge der Doppelwahl 1592.
j
–j dz … ablaine] Metz (unfol.) differenzierter: dz die magdeburgische schrifft ex fundamento abgelaint und widerlegt werde, dan es ir Mt. zweifelsohne allain darumb den catholischen stenden communicirt.
18
 Bezugnahme auf ksl. Kommission im Straßburger Konflikt seit März 1593 (vgl. Einleitung, Kap. 3.5.2).
k
 ervolgt] Metz (unfol.) zusätzlich: damit ir Mt. mit desto mhererm fug unnd glimpff den gegentheil begegnen und den vorgebnen ungrundt widerlegen khonden. Dan da sy es für sich selbst thun soltt, wurde sy fur parteisch geachtet werden.Deshalb ist auch die Magdeburger Schrift zu widerlegen.
19
 Vgl. oben, Anm. 15.
20
 Vgl. Anm. 120 beim RAb [Nr. 511].
21
 Ausführliches Referat des Beschlusses als Zusammenfassung der Voten von Österreich, Bayern und Salzburg auch im Bericht Hg. Maximilians von Bayern an Hg. Wilhelm V. vom 18. 7. 1594 (HStA München, KÄA 3232, fol. 433–437’, hier 434–436’. Or.). Vgl. Stieve, Politik I, 235 f.
l
–l Mehrheit … Salzburg] Bamberg (fol. 52 f.) differenzierter zur Beschlussfassung: Da die Magdeburger Session dem Religionsfrieden widerspricht, ist Ks. /52’/ zubietten, dz die catholische stend bei dem religion frieden so lanng zuschutzen unnd handtzuhaben, biß man der speltischen religion halben mit einander ainig. Darmit aber von dem gegentheil nit darfur gehalten unnd erkennt, alß ob man ime seines fürgebens durch stilschweigen gestendig unnd bekentlich, so hielt man nit fur unrathsam, dz berürtte magdenburgische schrifften ettlichen stenden ubergeben, die solch fürgeben mit gutter bescheidenheit verantwortt; jedoch gar der mainung nit, den gegentheil hanndlung einzuräumen oder aber ainich decret herüber zubegern. Inmassen auch ihr Mt. aller underthenigst ersucht werden soltt, dz gegentheil von seinen fürgeben abzuweissen. Wofern aber jhe wider alles verhoffen ein beschwerlicher bescheidt ergehen soldt, unnd[!] würden die catholischen /53/ stendt darauf verursacht, ihr notturfft in andere weg zubedencken.
22
 Nr. 390.
23
 Fragliche Bezugnahme auf Religionsfrieden im RAb 1555, §§ 13 f. (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3107 f.).
24
 Ablehnende Antwort des Ks. vom 27. 7. 1590 zu den Gravamina der weltlichen Kff., vorgelegt von deren Gesandten in Prag (vgl. Anm. 21 bei Nr. 161, Abschnitt B).
25
 Vgl. die Ausfertigung [Nr. 417].
26
 Bezugnahme auf die Unterzeichnung der protestantischen Gravamina [Nr. 390], fol. 288’–289’.
27
 = „angemaßte“ Stände der CA.
28
 Nr. 390, fol. 272’ [Unndt anfencklich …], sowie Punkte 1 und 2.
29
 = die protestantischen Stände.
30
 = die thematisch zusammenhängenden Abschnitte „Auch werden zuweiln graven“[Nr. 390, Punkt 2] und „Eß werden auch an underschiedtlichen catholischen“[Nr. 390, Punkt 18].
31
 = die thematisch zusammenhängenden Abschnitte „Uber diß wurdt furgegeben“[Nr. 390, Punkt 3], „Waß dan hieoben“bis „Neben diesem haben“[Nr. 390, Punkte 1921].
32
 Nr. 390, Punkt 4.