Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Einberufung des RT vorrangig wegen der Türkengefahr. 1. HA (Türkenhilfe): Bruch des 1591 verlängerten Friedensvertrags durch Sultan Murad III. Türkische Einfälle in Ungarn, Kroatien und die Windische Mark, Erklärung des offenen Kriegs gegen den Ks. Inhaftierung des ksl. Orators in Konstantinopel. Unabdingbare Fortsetzung des erfolgreichen Gegenzugs des Ks. in Erwartung des türkischen Gegenschlags. Sicherung Ungarns zum Schutz des unmittelbar bedrohten Reichs. Erfolgreiche Fortsetzung des ksl. Feldzugs in Ungarn mit Unterstützung der Reichsstände. Bitte um eine ansehnliche, bald und vollständig zu erlegende Geldhilfe auf der Grundlage des Gemeinen Pfennigs. Sammlung von Spenden in den Kirchen. Freiwilliger Kriegsdienst junger Ff., Adeliger, Patrizier und Bürger auf eigene Kosten. Bemühungen des Ks. um die Mitwirkung auswärtiger Potentaten, der Reichsritterschaft, der Hansestädte und der Eidgenossenschaft an der Türkenabwehr. Beitrag der eigenen Kgrr. und Erblande. Mit Darlehen aufgebrachte, eigene Geldleistungen des Ks., Bitte um deren Erstattung zusätzlich zur neuen Steuer. Mangelnde Beachtung der Kriegsordnung 1570. Beratung von Maßnahmen zur Begrenzung der Soldhöhe im Türkenfeldzug. 2. HA (Landfriede und Niederlande): Verstöße gegen die Landfriedensordnung insbesondere bei Söldnerwerbungen und ‑durchzügen. Beratung von Abhilfemaßnahmen. Auswirkungen des Kriegs in den Niederlanden auf das Reich. Friedensvermittlungsversuche des Ks., Ablehnung einer neuerlichen Vermittlung durch die niederländischen Generalstaaten. Beratung von Möglichkeiten für die Einleitung von Friedensverhandlungen. 3. HA (Reichsjustiz): Ergänzungen zur RKGO zuletzt beim RDT 1586. Proteste gegen den DAb. Maßnahmen zur Beschleunigung des Verfahrens am RKG und für die allgemeine Anerkennung des DAb 1586. 4. HA (Reichsmünzwesen): Vielfache Verstöße gegen die RMO. Maßnahmen zur Behebung der Missstände. 5. HA (Reichsmatrikel): Rektifizierung der Matrikel. Fortführung der 1586 gescheiterten Moderationsverhandlungen. 6. HA (Session): Klärung strittiger Sessionen durch den Ks. und eine Abordnung der Reichsstände. Keine Behinderung der Hauptverhandlungen durch Sessionsdifferenzen. Forderung, den 1. HA (Türkenhilfe) vorrangig an erster Stelle zu beraten und die anderen HAA gegebenenfalls an einen RDT zu prorogieren.

Den Reichsständen im Rahmen der RT-Eröffnung vorgetragen am 2. 6. 15941. Von den Reichsständen kopiert vom 2. 6.–5. 6.2

HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 22–42’ (Or. Überschr.:Original proposition der ksl. Mt., den stenden zu Regenspurg 2. Junii 1594 ubergeben. Aufschr.:Lectum Regenspurgk, 2. Junii anno 94.) = Textvorlage. HHStA Wien, RK RTA 64, fol. 324–336’, 339–346’, 349 f. (Kop. Schlussvermerk:Praesente sacra caesarea maiestate per An. Hanniwaldt, maiestatis suae consiliarium et secretarium imperialem, lecta haec propositio est in publico Sacri Romani Imperii conventu Ratisbonae, in curia oppidana 2. Junii anno 94. Dorsv.:Reichs tags proposition 2. Junii anno 1594. Copei hievon fur den herrn Corradutium.)= B. Ebd.3, fol. 337–338’, 347–348’ (in die Kop. der Proposition eingelegte Auszüge aus einer Vorfassung, sodann aus der Endfassung und aus dem RAb sowie Notizen) = B*. HStA München, KÄA 3230, fol. 1–20’ (Kop. Überschr.:Proposition, von der röm. ksl. Mt. den Reichs stennden gethan zu Regenspurg, den 2. Junii anno 94.) = C. GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Vv, fol. 2–25’ (Kop. mit Randvermerken zum Inhalt und wenigen Bearbeitungsvermerken. Aufschr.:Publice proposita 23. Maii [2. 6.]anno 94.). HStA Dresden, GA Loc. 10202/6, fol. 56–76’ (Kop.). LAV NRW R, JB II 2344, fol. 47–62’ (Kop.).

Knappe Wiedergabe der proponierten Punkte: Vorzeichnuss (1594); Khevenhiller, Annales IV, 1220–1222. Abschnittsweise referiert bei Häberlin XVIII, 176–178 [allgemeine Zusammenfassung], 180–199 [1. HA und Schlussabschnitt], 287–289 [2. HA], 401 f. [3. HA], 429 f. [4. HA], 439 f. [5. HA], 447 f. [6. HA]. Knappe Auswertung der Schilderung beim 1. HA mit Zitaten aus der Proposition: Schollich, Verhandlungen, 6–9, 74–77. Kurzreferat und Analyse (Aufbau, Sprachstil): Schulze, Reich, 96–98; Auszüge und Auswertung zum 1. HA: Bagi, Türkenbild, 123–126; Bagi, Propaganda, 127–130; Bagi, Gyűlés, 874–879.

/23/ Die röm. ksl., auch zu Hungern unnd Behaim kgl. Mt., unser allergnedigister herr, setzen in kainen zweifel, die anwesenden churfursten, fursten und stendt, deßgleichen der abwesenden räth, potschafften und gesandten werden sich aus irer ksl. Mt. reichstags ausschreiben zimlicher massen zuberichten haben4, aus was hochwichtigen, trefflichen und unumbgengclichen ursachen ir ksl. Mt. diser zeit zu furnemung und bestimmung ainer gemainen Reichs versamblung bewegt worden unnd wie neben andern nottwendigkaiten des Heiligen Reichs, so diß orts zutractiern und zubedenckhen, die sachen furnemlich des erbvheindts gemainer christenhait, des türcken, halb dermassen beschaffen, das solche der stendt erforderung und allgemaine zusammenkunfft kaines wegs umbgangen noch underlassen werden könden.

Das nun hierauf die anwesende churfursten, fursten unnd gemaine stendt irer ksl. Mt. und dem Heiligen Reich zu ehren, nutz unnd wolfart selbst aigner person zu solchem yetzt angehendem reichstag gehorsam unnd guetwillig erschinen, die abwesenden aber ire ansehen- /23’/ liche räth, pottschafften und gesandten hieher abgefertigt, das raicht irer ksl. Mt. zu gantz freuntlichem, gnedigem, dancknemigem gefallen.

[1. HA] Unnd damit, wie es die notturfft wol erfordert, zur handlung unverlengt geschritten, auch die erscheinende stendt vergebenlich nit aufgehalten werden, so wollen ir ksl. Mt. vermög angeregts ires reichstags ausschreibens von dem turckischen als diser zeit dem wichtigisten articl im namen des allmechtigen den anfang machen. Erindern derwegen hiemit hoch- und wolermelte churfursten, fursten unnd stendt und der abwesenden räth, pottschafften unnd gesandten nochmals, wie das der yetzt regierende turckh, sulthan Amurathes5, den im negst abgelauffnen ainundneuntzigisten jahr mit ime durch irer ksl. Mt. zu Constantinopel gewesenen oratoren und reichshofrath, doctor Barthlme Pezzen, von neuem erhandelten, ratificierten und irer Mt. mit daruber verfasten fridtsbrieven alberait zuegefertigten achtjärigen fridtstandt6 gantz unversehener und unverursachter ding schendtlicher und barbarischer weis violiert unnd gebrochen. Dann er unter yetzt /24/ berurtem fridtstandt nit allain zu underschidlichen zeiten und orten irer ksl. Mt. cron Hungern so wol andere anrainende ditiones und landt mit vilen straiffzügen und einfällen insonderhait durch seinen bluetgierigen Haßan bassa in Boßna7 veundtlich und grimmig angegriffen und erstlich das alte gränitzhaus Repitsch, hernach Wihitsch, Dresnickh, Hrassowitz und andere furnemme päß und ort flecken mehr mit geschutz und höres krafft belegert, beschossen und eingenommen8, zudeme auf irer ksl. Mt. unwidersprechlichem grundt und boden ain höchst schädlich, starck plockhhaus, Petrinia genant, von neuem erhaben9 und von dannen dem ubrigen crabatischen unnd windischen landt ainen uberaus erschrecklichen jamer, auch dem schonen, fruchtbaren boden Duropolia vast das gantze verderben zuegefuegt10 mit hinweckfüerung ainer grossen meng und anzal (wie die inwohner und benachbarte derselben ortt hiebevor selbst davon geschriben) uber die funff und dreissig tausent armer christen menschen, sondern als ire ksl. Mt. auch durch iren damals zu Constantinopel gehabten oratorem und reichshofrath, weilendt Friderichen von Kreckowitz, in krafft des getroffnen fridt- /24’/ standts umb wendung, abstellung und gepürende restitution des bößlich abgetrungnen und bestraffung der fridtbrecher embsig und vilmalls anmahnen, darzu die gewönliche present mitschicken lassen11, ist darauf so gar kain pilliche außrichtung nit ervolgt, das entgegen gedachter Hassan bassa vil mehr vom sulthano, wie die kundtschafften geben, an statt wolverdienter bestraffung mit säbeln und klaidern von guldenen stucken verehret und hiedurch seine thatten und handlungen dermassen confirmiert, gesterckt und belobt worden, das er dem angefangnen fridtbruch zu volg entlich mit hellem hauffen und ainer trefflichen antzal wolgerusten, auch ime zum thail von der porta zuegetzognen kriegs volcks zu roß unnd fueß sich aufgemacht, uber das wasser Kulpa gesetzt unnd daselbst das schloß unnd vessten Sissegk belägert. Dieweyl er aber aus sonderer schickung und miltem beystandt des allmechtigen starcken hulff durch der ksl. Mt. zur defension in eyl aufgebrachtes kriegs volck vast biß aufs haubt erlegt12, hat der sulthan sein fridthessigen vorsatz baldt aller welt erclert unnd /25/ ainen offnen krieg gegen ir ksl. Mt. und dero cron Hungern so wol zu Constantinopl als herforn zu Ofen mit gewohnlichen solenniteten auf allen hauptplätzen und gässen publicirn, außrueffen13 und durch den bellerbeghen Graeciae die vesstung Sissegh widerumb von neuem belägern und einnemmen lassen14. Unnd ob wol ir ksl. Mt. (damit man ye dißeits zu erhaltung des fridens ain ernst spurete) den turggen der beschlossenen capitulation und verpflichtung auch damals noch erindern und die verfallene praesent biß gehn Comorn auf die frontiern furen lassen15, so ist doch dessen ungeachtet der turgg mit nichten von seinem vorhaben abzuwenden gewesen, sondern hat den obristen vesier, Sinan bassa16, zusambt dem bellerbegh aus Graecia und anderen vil mehr undergebenen bassen und beghen also fort in die cron Hungern geschickt, welche das landt volck mit feuer unnd schwerdt zur huldig- und zinßraichung genöttiget und zway gränitz ortt flecken, benentlich Wesprin und Palota, dem turggischen gewalt underwürffig gemacht17. Ja damit alle welt dises tyrannen treulosigkait und wie er weder schwuer, brief noch sigel in acht nemme, erkennen möge, so ist durch ermelten /25’/ obristen vezier Sinan bassa aus verordnung und zuelassung seines herrn wider aller volcker recht unmenschlicher und hiebevor bey den turggen selbst auch in offenen kriegs zeitten nie erhörter weis obbemelter kaiserlicher orator Friedrich von Kreckowitz erstlich zu Constantinopel in das ime eingegebene hauß versperet, volgents zu mercklicher der gantzen christenhait verschimpfung in eysen geschlagen, die maiste seiner leüt aldort auf die galeren geschmidet, er, der orator, selbst aber sambt ettlichen wenigen seiner diener mit dem Sinan bassa heraus gehn griechischen Weissenburg gefürt und daselbst in ainen thurn geworffen worden, auch also lang gefengclich bliben, biß er daruber sein leben in der verhafftung ellendigclichen geendiget. Unnd werden noch auf heutt ettliche adenlichen geschlechts und andere ermelts von Kreckowitz diener in erbärmblicher servitut enthalten18.

Solchem boßhaftigem, unerbarn fridbruch zubegegnen und widerstandt zuthuen, haben gleichwol ir ksl. Mt. dero betrangten und der gefarligkait negstgesessenen underthanen zu schutz unnd trost ain zimliche antzal kriegs /26/ volck zu roß unnd fueß, so hoch ir ksl. Mt. es immer erschwingen mögen, thails mit eusserster erschöpffung irer konigreich unnd erblandt19, auch darstreckung irer selbst aigen cammerguetter, thails vermittels ettlicher churfursten, fursten unnd stendt des Heiligen Reichs guethertzig dargeraichten eylenden freywilligen hulffen20 in eyl außgerustet und underhalten, noch biß auf die zeitt mehr dann an ainem ortt underschidliche hauffen, durch welche aus gnad unnd beystandt des allmechtigen erstlich der bassa von Bossna wie obgemelt den lohn seines fridtbruchs bekommen unnd vor Sissegk ins wasser, die Kulpa genant, mit seinem kriegshöer gesturtzt21, unnd dann auch anderwerts noch vor außgang des abgewichenen jars in ainem treffen und angriff nit weitt von der statt Stuel Weissenburg dem bassa zu Ofen vil tausent mann, unter denen ettliche beghen sambt ainer starcken antzal streitbarer janitscharn (deren agha auch gefangen wegkgefurt worden) gewesen, nidergehauen22. Deßgleichen eben desselben jungstverflossenen jars erstlich dz hauß Sabatka und hernach die vesten unnd statt Fileckh sambt den casteln Diwin, Kekecoa, Hamatzko und dem sangiachat Setsen, /26’/ auch den heüsern Olokocob, Buiak, Dregl und Palanka23, unnd dann khurtz verschinen die furnemme vesten und sangiachat Novigrad und an der canisischen granitz die castell Bresentz, Amaskii, Segesdt und Setschin, so alle nunmehr vil jar unter des turggen zwang gewesen, Got lob recuperirt24 und sonsten hin und wider mit straiffen und scharmützln dem vheindt nit geringer aufhalt und abbruch gethan; wie auch den ersten Maii negsthin ain furneme vestung, Gasprin, vom vheindt verlassen, in irer ksl. Mt. gewalt komen, und zwischen ermelter vesten Gasprin unnd Hatwan uber drithalb tausent mann, darunter vil ansehenliche turggen gewest, erschlagen, ir vil verwundt und alles veldtgeschutz sambt vierundzwaintzig fahnen abgenommen worden25.

Wann aber doch solche victorien allain ainer sonderbaren schickung des allmechtigen zuetzuschreiben und gegen disem ubermechtigem gewalt nit genuegsam noch sich darauf zuverlassen, sondern die ksl. Mt. verstandener massen nottrungenlich den krieg continuirn, vortsetzen und stundtlich gewarten muessen, dz der turgg den empfangenen schaden zuvindicirn und zuerechnen[!] alle seine eusserste macht daran streckhen und behärrig, so weit und vil ime moglich, vortrueckhen werde, darwider /27/ nun ain starcke, einmuettige zusamensetzung hoch vonnötten:

So haben ir ksl. Mt. irem tragendem anvertrautem kaiserlichem ampt nach nit umbgehn können, gegenwertige gemaine Reichs versamblung außzuschreiben und vor allen dingen neben anderen des Heiligen Reichs obligen den anwesenden churfursten, fursten unnd stenden sambt der abwesenden räthen, pottschafften und gesandten solch sy samentlich und ainen yeden derselben insonderhait belangendes und empor schwebendes unhail furzutragen, auch vätterlicher, freundtlicher, gnediger wolmainung zu gemueth zufuren, wie eusserst und hoch vonnötten sey, das ir ksl. Mt. und das gantze Heilige Reich disem turggischen gewaltsamen furbrechen zeittig entgegen trachten und sich deß noch überblibenen thails der christlichen uhralten und yetzo härtter dann vor yemalls zu ainich vergangener zeitt angefochtener cron Hungern als aines starcken schildts unnd vormaur des gemainen geliebten vatterlandts teutscher nation mit rechtschaffenem ernst und eyfer annemmen.

Dann in was nott unnd gefahr yetztgemeltes Reich teutscher nation dises benachbarten vheindts halben stecke, davon ist hiebevor offters bey underschidlichen, /27’/ furnemblich unter regierung irer ksl. Mt. herrn vatters, kaisers Maximiliani, als auch ires anherrn, kaisers Ferdinandi, hochloblichster gedechtnus, so wol irer ksl. Mt. selbst anno zwayundachtzig der wenigern zahl in der stadt Augspurg gehaltenen reichstägen stattliche außfuerung beschehen26. Nun hat sich seithero solche gefahr nit geringert, sondern ist vil mehr des vheindts macht unnd gewalt aller ortten gestigen, ja den nider östereichischen teutschen landen also nahend kommen, das er desselben boden in ainem tag erraichen kan. Welcher übelstandt neben der weltkundigen volckmenge und großen gehorsambs, so ermelter vheindt bey seinen landen und underthanen als auch den tartarn und andern mehr unglaubigen hat und zuweg bringen khan, yetziger zeitt auch darumb desto gewaltiger und schröcklicher zu achten, das nun mehr die turggen allerlay stratagemata27 und vorthl nit weniger als die christen in erfarnus und uebung gebracht, am vermögen unnd reichthumb aber ir ubermuet so hoch überhandt genommen, das der ainzige vezier Sinan bassa sich vermessen und erpieten dörffen, auf sein uncossten gantz Hungern und Österreich zuerobern, unnd wann er nur das thor zum Teutsch- /28/ landt (die statt Wienn also nennendt) an sich bringen und bewälttigen möcht, bald hernach ain mehrers seinem herrn, dem sulthano, zulifern28. Zue deme so istc dise angeborne hessige erbvheindtschafft und verbittertes bluetdurstiges gemuet gegen der christenhait dermassen vergifftet, das dawider kaine compactata oder fridtständt, wie hoch dieselbe immer beteuret unnd becräfftiget werden, durchaus nichts helffen, sondern (wie nun vil untzehliche und erst noch neulichen zwischen hier unnd jungstem anno zwayundachtzig gehaltnem augspurgerischem reichstag mit schaden erfarene exempla, davon hiebey ain designation mit A zufinden ist29, sowol dise yetzt verlauffene geschicht augenscheinlich zuerkennen geben) thuet der turgg in zeit der fridtstendt ye sovil, wo nit mehr, als bey offenem krieg schaden, und will die haltung oder brechung des fridens allain in seinem vortl unnd gelegenhait haben. Wie dann der Sinan bassa gegen obgedachtem der ksl. Mt. gewesnen oratore, doctor Barthlme Pezzen, kurtz vor seinem heraußzug, als derselbe die bosnische fridtbruchigkeit geandet und auf des sulthani sigel, zuesag unnd schwuer steiff gedrungen, frey rundt unter /28’/ augen ungescheucht bekennen und sagen dörffen, der musulmannen oder turggen religion vermöge und gebe zue, ob sy gleich mit den giaurn30, dz ist den unglaubigen, dafur sy die christen halten und also nennen, ainen friden unnd anstandt schliessen, das sy doch denselben zuhalten nit schuldig oder verbunden weren, sondern in irem willen unnd gefallen unverhindert stuende, denselben auf erlangte occasion zutzerreissen und irrig zumachen oder zu continuirn.

Do man dann nun (wie es noch zur zeit anderst nit sein kan) dises tyrannen unnd erbvheindts halb in stetter sorg und unsicherhait sitzen und aintweder durch offene krieg ime abwöhren oder zum wenigsten sich an den confinien unnd gränitzen fur vheindtlichem gewalt und einbruch immerdar verthädigen und versehen mues, so geben ir ksl. Mt. verrer churfursten, fursten unnd stenden zubedenckhen und mit getreuem gemueth zu betrachten: Wann ainmal vollendts die cron Hungern und anfurters die nider össterreichische negst anstossende landt sambt der hochnutzlichen gelegenhait der wasserströmen (welches Gott /29/ gnedigclich verhuetten wolle) verloren werden solten, wie nit allain in gar kainer andern provintz des Reichs die mittel zu alimentirung und underhaltung aines solchen exercitus, der disem übergewaltigen vheindt zubegegnen, genuegsamb zu finden, sondern wie mit grosser muhe, arbait und schwerem uncossten erst ein neue und doch wegen weitschüchtigkait des lanndes und des zum krieg noch ungeuebten volcks unsichere frontier zuerbauen, ja ehe dise aufgerichtet, wie weit der vheindt neben einnemmung viler schloß, stett unnd flecken (von denen er hernach nit abzutreiben) in das hertz teutscher nation mit mord, brandt, plinderung und hinwegfurung viler armen christen menschen penetrirn, eindringen und nach abgedrungenen hungerischen unnd österreichischen landen, so dannoch mit vilen starcken, an gemösen31 und wasserströmen erpaueten vestungen und munitionibus versehen, gestracks zu den craissen und furstenthumben des Heiligen Reichs durch Österreich, Bohemen, Mehrern unnd Schlesien ein platt eben landt haben und also entlich das geliebte vatterlandt, wie mit andern vortrefflichen orientalischen kunigreichen und provintzen /29’/ beschehen, verwüssten, außrotten, und biß daselbsthin sein mahumetisch reich erweittern, oder zum fall gleich des Heiligen Reichs stendt zum thail sich aufhalten mochten, dannocht zu letzt diser last unnd burde inen auch zu schwer werden unnd neben anderen bedrangnussen an proviant und vilen nutzlichen commercien, die aus dem noch wenigen, aber proviantreichen thaill der cron Hungern zusambt dem ertzhertzogthumb Österreich vilen Reichs craissen an viech, wein, traidt und dergleichen notturfften offtmalls unnd bevorab zu mißrathenen jahren wol behulflich, ain überaus grosser, mercklicher mangel unnd abbruch entstehn unnd zuewachssen wurde; dzu geschweigen, dz jhe hoch zuerbarmen wer, wann der turgg mit seinem unglaubigen hauffen gleichsam im angesicht der edlen, werden32 teutschen nation, welche (Gott lob) an mannschafft, gelt, guett und anderem, zum krieg gehörig, noch vor vilen volckhern vermögig, sovil christlichen pluets baide, von mann und weibs geschlecht, sambt der unschuldigen unmundigen jugendt, auch insonderhait dern noch biß daher überblibenen adenlichen ritterschafft in Hungern, die nun vil lange jahr /30/ und zeit des erbvheindts gemainer christenhait wuetten unnd toben aufgehalten und sambt dem guett den leib mannlich dargestreckt, zu der teutschen nation in untzweifenlicher gewißhait gleich nachvolgendem entgelt unter sein viehische herschung, joch unnd dienstbarkait erbärmlich hinwegk reissen solte. Do doch vor jarn der teutschen nation altfordern unnd fromme voreltern allain aus ruemblichem eyfer unserer heiligen christlichen religion, damit sy irem herrn unnd seligmacher Christo danckhbar erscheinen möchten, offt freywillig fur ire mitbrueder christlichen glaubens im heiligen und andern weit entlegenen landen wider die unglaubigen und haiden gestritten, und demnach billich yetzo vil mehr den erbvheindt vom hofzaun abzutreiben lust und naigung, ja aus angezaigten deducirten und andern vilen bewöglichen ursachen kain anders zuschliessen haben, dann das dise turggische gefahr das Heilig Reich teutscher nation zugleich unnd eben sowol als ettwa die negstgesessene kunigreich unnd landt berüere unnd angehe; das auch an beschutz- und erhaltung des noch ubrigen thails der cron Hungern aller stendt des Heiligen Reichs ins gemain und aines yeden desselben mitglid erblichen landt, leutt und under- /30’/ thanen, ob sy schon zum thail weit entsessen und der gefahr nit also nahend zu sein vermainen möchten, gegenwerttige und zuekunfftige rhue unnd wolfart hange, auch inen billich zum hochsten und tieff zu hertzen gehn solle.

Derwegen, wie gern ir ksl. Mt. mit disem kriegswesen churfursten, fursten unnd stendt, da es immer sein kondt, verschonet sehen wolten, sintemal ir ksl. Mt. sich zuerindern, auch danckbarlich erkennen unnd bekennen, das churfursten, fursten und stende des Heiligen Reichs hiebevor sowol bey irer Mt. geliebten herrn vatters und anherrn als irer selbst regierung wider disen vheindt vil mitleidenliche, ansehenliche hulffen an gelt unnd volck, auch yeweils selbst mit irer furstlichen und anderer furnemmen personen aigenem zuezug guethertzig gewilliget unnd gelaistet33:

Dieweil aber doch, wie hievor erzelt, die eusserste nott unnd gefahr warhafftig unnd gewißlich vor der thür, auch clar, scheinbar unnd greifflich ist, das weder in irer ksl. Mt. und derselben getreuen konigreichen unnd erblanden noch ainichs anderen christlichen potentaten macht stehe, disem ubermächtigen /31/ gewalt (der irer ksl. Mt. zu wasser unnd landt vom adriatischen möer biß an Sibenburgen unnd Polen mit ainer weitschüchtigen gränitz nahendt in die zwayhundert teutscher meilen obligt) allein und ohne stattliche mithulff widerstandt zuthuen34, unnd nun über diß alles yetziger zeit unter disem turggischen fridbruch der allmechtig seiner christenhait die hulffliche handt so starck unnd miltigclichen erzaigt, das dem vheindt der vorstraich biß dahero aberhalten, der kern seines kriegs volcks zum thail erlegt, ain grosser schröckhen unnd furcht eingejagt und daher von dem ewigen guettigen Gott, dessen handt auch noch nit erkurtzet ist, zuhoffen, es solle bey solcher gelegenhait und gemachtem guetem anfang, da nur dz werck auf ettlich wenig jahr also forth mit ernst unnd eyfer recht angegriffen und getriben wurdt, nit allain das jhenig, was die turggen verschiner zeit mereren thails durch verrätherey und unter wehrenden fridstenden der christenhait treuloß und vortlhafftig entzogen unnd abgezwackht, widerumb recuperirt unnd erobert, sondern auch noch verrer die gränitz erweittert, der turggische macht (so, wie man vernimbt, yetzo von andern benachbarten vheinden mehr angefochten, unnd darumb als ain von Gott der christen- /31’/ hait zum besten also geschicktes mittel kaines wegs zuverabsaumen ist) dermassen geschwecht und nidergelegt worden, das zuvoran neben vermehrung der ehr Gottes und unsers heiligen christlichen namen und glaubens die edle teutsche nation bey der gantzen welt unsterblichen danckh, ruemb und preiß davon bekomen, auch anfortters vor disem bluethundt die nachkomende posteritet gesichert, in langwierigen friden gesetzt, sovil muglich aller steuern und anlagen wider den turgken befreyet unnd enthebt, vil volcks, so yetzo mit grosser beschwer im landt ligt, dahin transferirt und also nit allain der gemaine nutz, sondern auch ain yede privat person so wol in gewerb unnd hantierungen als andern taglich dessen genieß, nutz und frommen erspuren unnd empfinden möge.

So ersuechen dem allem nach die ksl. Mt. die anwesende churfursten, fursten unnd stendt und der abwesenden rath, pottschafften unnd gesandte hiemit gantz freundtlich, gnedig und vätterlich gesinnendt und begerendt, sy wolten denen sachen und was sonderlich dem Heiligen Reich hohes unnd merckliches hieran gelegen, mit christlichem ernst unnd eyfer nachdenckhen /32/ und zu furdersamer erhebung, vortstellung, auch, ob Gott will, glucklicher sighaffter vollendung diser christlichen nottrunglichen kriegs expedition auf ain gnuegsame, stattliche, ergebliche unnd solche hulff (umb mehrer richtigkait willen an gelt) guethertzig bedacht sein, das davon ain nambhaffte bestimbte antzal jahr ein stattlich kriegs höer zu roß unnd fueß neben anderer zu solcher expedition gehöriger notturfft continuierlich underhalten, der vorstehende turggische gewalt wurcklich abgewendet und ir ksl. Mt. vermittels gueter, auch gewisser, richtiger verabschidung derselben gelthulffen auf also kurtze termin unnd gelegene mahlstatt in ganghaffter, grober Reichs muntz yedesmal zu rechter zeit vollig unnd one abgang habhafft werden möge, damit nit etwa hernach die getreue hulff und gegenverfassung, so negst Gott auf der eyl stehet, vergebenlich unnd zu spat komme.

In dem allem aber wolten churfursten, fursten unnd stendt sambt den räthen, pottschafften unnd gesandten bedenckhen und in acht nemmen, das diser offene krieg unnd veldtzug, dazue es nunmehr, wie oben verstanden, /32’/ durch des erbvheindts selbst muetwilligen fridtbruch gelangt, ain weit grossern uncossten (wie dann ring zuermessen) als ettwo die jahr des fridstandts erfordere.

Dann ir ksl. Mt. werden drey underschidliche veldtlager – aines gegen Crabatten unnd Windischlandt, dz ander in Oberhungern unnd dann dz dritt in Unterhungern – sambt der armada bey dem Thonaustrom notwendig underhalten muessen, unnd da mane pro exemplof die raittung nur auf sechtzig tausent mann (die yetzo baldt an ermelte drey underschidliche ortt ausser der ordinari granitz und des landtvolckhs unumbgengclich zuverordnen und doch gegen disem vheindt und seinem gewalt nit erkleckig noch genuegsam) machen solt, so wurden sich monatlich, wie die ungevarliche verzaichnus hiebey mit B35 vermag, ettlich mahl hundert tausent gulden darauf belaufen, unnd doch neben unnd uber diß alles auch zu der armada am Thonaustrom, item auf munition, artolorei, proviant, kundtschafft, underhaltung des veldt generals, seines obristen leuttenampts furstlichen stammes und der anderen hohen ämpter, deßgleichen /33/ viler anderer kriegs notturfften yedes monats ain grosse summa gelts gehoren.

Nun haben zwar ir ksl. Mt. der sachen, was gestalt solche hochnottwendige hulff one sonderbare beschwerung der stendt ins werck zurichten und auch den vorangedeutteten effect und kriegs cossten ertragen möge, ires thails nachgedacht. Befinden aber under andern Reichs anlagen, so ain zeit hero in dergleichen fällen gebraucht worden, den anschlag des romerzugs in vil weeg sehr mangelhafft und dermassen unersprießlich, das nur zu fridens zeitten die gränitzen nit davon erhalten werden, zugeschweigen disem offenen haubtkrieg volg beschehen moge. Derwegen wer irer ksl. Mt. ermessens kain außträglicher, gewisser und gleichmessiger weeg dann der gemaine pfening, der niemanden uber sein vermögen beschwert und zuvor auch im Reich gebreuchig gewesen36.

Dieweil dann ainmal one starcke und stattliche vortsetzung dises gegenwerttigen kriegs das geliebte vatterlandt vor des erbvheindts gewalt unnd macht verners nit aufzuhalten37, so versehen sich ir ksl. /33’/ Mt. freundtlich, gnedigclich unnd gentzlich, es werden gemaine stendt in sonderbarer obangeregter erwegung, das durch den anschlag des romzugs aigentlich dem wesen nit geholffen, sich zu rettung der lieben christenhait und irer selbst leib, haab unnd guetts guethertzig angreiffen und aintweder erst angedeutter hulff des gemainen pfenings auf ettlich jahr nit beschweren oder doch aines andern gleichmessigen und zu erhalt- und vortsetzung dises kriegswesens nit weniger erklecklichen, außträglichen mittels guettwillig und furderlich vergleichen unnd entschliessen. Daneben mögen ir ksl. Mt. wol leiden, das die stendt (wo sy wollen) ire sonderbare personen, die dem kriegswesen stettig beywohnen unnd selbst zuesehen, wie alle ding irer ksl. Mt. erpieten gemeß erbar unnd aufrichtig zuegehn, deputiern unnd verordnen.

Es hielten ir ksl. Mt. auch fur christlich, guet unnd nutzlich, das uberall in allen landen und ortten der teutschen nation (wie ettwa zuvor mehr im Reich bey dergleichen leufften beschehen) vor den pfarrkirchen in stetten unnd auf dem landt besondere stöckh /34/ unnd truhen außgesetzt und das volck alle son-, feyer- und andere täg durch die pfarrer unnd prediger ersuecht und ermahnt wurden[!], ire hulff und almusen auch uber die bestimbte gepurende Reichs anlag zu besserer underhaltung der verwundten, kranckhen und spitaler, so unterm christlichen kriegs volck in scharmutzeln, streitt, sturmblauffen und veldtlägern in nott und schaden kommen, nach aines yeden gelegenhait und wie ine der allmechtig ermahnet, aus christlicher bruederlicher lieb unnd naigung ettwas zuraichen. Welche stockh oder truhen durch die obrigkaiten unnd amptleutt in beysein ettlicher erbarer personen aufgethan, den churfursten, fursten, stenden und andern obrigkaiten yedes ortts die gefell daraus alle drey monat uberraicht, von inen in ain der verordneten legstatt absonderlich geschickt, auch von dannen den dazu deputierten angehendigt unnd ordenliche raittung daruber gethan werden solle.

Unnd nachdem ir ksl. Mt. nit zweifeln, das in der teutschen nation vil erleuchter junger fursten, graven, herrn und vom adel, also in den Reichs stetten stattliche, vermogliche geschlechter und leuth lust und lieb haben werden, sich /34’/ bey diser heiligen christlichen expedition dem allmechtigen ires verlihenen gesunden und vermoglichen standts halber danckhbar zuerscheineng, fur das geliebte gemaine vatterlandt ins veldt auf ain zeitlang zubegeben und auf iren aignen verlag und uncossten den erbvheindt vom hofzaun abhalten und abtreiben zuhelffen, so ersuechen unnd ermahnen ir ksl. Mt. die gemaine stendt sambt unnd sonderlich, das sy dises zubeschehen bey iren befreundten unnd angehorigen bestes vleiß befurdern wolttenh.

Damit aber diß werck allenthalb aufs best und sterckst moglich erhebt, auch vermittels gottlicher verleihung hailsam unnd rhumblich außgeüebet werde, so stehn ir ksl. Mt. in besonderer embsigen tractation und handlung bey ettlichen furnemmen außlendischen christlichen potentaten, als der babstlichen Hlt., der kgl. W. zu Hispanien, item den konigen zu Poln, Denemarck und Schweden, deßgleichen ettlichen italianischen fursten und dem großfursten in Moscau, auch andern mehr, ain behärrige stattliche mithulff zuerhandlen und ir derselben erlangung zum hochsten angelegen sein zulassen38; deßgleichen die freye ritterschafft, /35/ welche in des Heiligen Reichs anschlegen nit begriffen, zusambt den hansaa- unnd see stetten zum furderlichsten in betrachtung obertzelter nott umb gleichmessige bewilligung des Heiligen Reichs christlichen gemainen anschlags zuersuechen, unnd daneben auch ire commissarien und abgesandten zu den aydtgenossen zuverordnen39; in gentzlicher zuversicht, sy werden ires thaills gleichsfalls der betrangten christenhait mitleidenlich unnd guetthertzig beyspringen.

Was dann über diß ir ksl. Mt. sambt dero kunigreichen unnd erblanden (welche gleichwol über hievorige ire langwurige schwere unnd vast immerdar wehrende hulffraichung erst noch neulicher zeitt widerumb solche bewilligungen, dergleichen in vil langen jarn nie beschehen, eingangen und über sich genommen40) weitter darzustrecken vermögen, an dem allem, so nur menschlich muglich unnd erschwingclich, soll nichts erspart noch underlassen werden, sondern wollen ir Mt. all ir macht unnd vermögen bey diser rett- und erhaltung der christenhait und des Reichs teutscher nation zuesetzen, auch der churfursten, fursten unnd stendt guethertzig, eyferig unnd wilfahrig erzaigung (wie dann irer ksl. Mt. gentzlich untzweifenlich vertrauen /35’/ zu inen gestelt ist) in freundtschafft, gnaden unnd allem guettem danckhbarlich beschulden unnd erkennen.

Es können aber bey disem articul ir ksl. Mt. unangezaigt nit lassen: Obwol unter gegenwerttigem turggischen unversehenen fridbruch ir ksl. Mt. des Heiligen Reichs stendt so lang moglich zuverschonen sich beflissen, wie dann seither anno sibenundachtzig die Reichs contribution aufgehort41, auch bey ettlichen stenden dieselbe bewilligung gar nit, bey ettlichen aber nit zu rechter zeit eingebracht werden konnen, das doch irer ksl. Mt. unmoglich gewesen, disen last mit iren aufs eusserst ersaigerten kunigreichen unnd erblanden so ein lange zeitt allain zuertragen, sondern bey ettlichen guethertzigen stenden des Reichs wie auch andern privat personen42 furnemblich zu nottwendiger praeparation des yetzigen feldtzugs und gewinnung des offtgemelten vorstraichs ettlich hundert tausent gulden anticipirn und hiebevori zu der gränitz notturfft in mangl der ordenlichen bezalung auch ettlich hundert tausent gulden aufnemmen muessenj,43.

Gesinnen unnd begern derhalb ir ksl. Mt. an /36/ die stende gantz freundtlich unnd gnedigclich, sy wollen unter anderm auch auf mittel unnd weg gedenckhenk, wie dise aus gehorten ursachen dem christlichen gränitz- unnd kriegs wesen zum bessten angewente außgaben one entgelt der gemainen neuen hulff und yetzt vorhabenden kriegs expedition wo nit unter ainst, doch nach unnd nach abgeledigt unnd betzahlt werden kondten44.

Alß dann auch aufml reichstag zu Speyr anno sibentzig negsthin bey regierung irer ksl. Mt. herrn vattern, kaisers Maximiliani, hochmiltester gedechtnus, allerlay hailsame und guette ordnungen verfast, wie es mit bestellung unnd besoldung des kriegs volcks zu roß unnd fueß im Reich teutscher nation gehalten werden solle45, unnd aber doch so wol reutter als knecht, derselben verabschidten bestallung gemes zu diser christlichen unnd die defension des gemainen vatterlandts belangenden kriegs expedition zudienen, sich verwaigern, daher nit allain allenthalbm die werbung unnd bestallung der reutter unnd knecht auf ain solche ubermaß gestigen unnd noch täglich staigen thuet, dz schier kainem potentaten in die harr dieselbig zuerschwingen moglichn, sondern auch alberait untero der ksl. Mt. exercitu unnd /36’/ kriegs hoer der ungleichen bestallungen halb nit geringe confusiones, unordnungen und widerspennigkaiten erspurt worden46:

pSo achten ir ksl. Mt. fur ain besondere notturfft unnd ersuechen churfursten, fursten unnd stendt sambt der abwesenden räth, pottschafften unnd gesandten freundt- und gnedigclich, sy wollen in berathschlagung ziehen, wie unnd was gestalt unter disem yetzt vorstehendem veldtzug wider den turggen in reutter- und knecht bestallungen ain zimbliche billiche messigung gemacht, die durchgehend gleichait gehalten und bei so gemainnutzigem werck von den obristen, rittmaistern, haubtleuten so wol andern hohen unnd nidern bevelchhabern unnd kriegs volck qvil mehr auf die bruederliche lieb unnd rettung der betrangten armen mitchristen dann etwa auf iren vorthl, gnüeß unnd aigennutzigkait gesehen werde.

[2. HA] Neben yetzt ertzelter des erbvheindts eintringender macht unnd gefahr ist im kaiserlichen reichstags ausschreiben zum andern von handthabung des gemainen landtfridens unnd abschaffung der unord- /37/ nungen in kriegs gewerben unnd durchzugen meldung beschehen47. Wann dann von allen ortten vast täglich, heuffig und uber die massen vil clag unnd beschwer einkommen, wie das nit allain wider yetztgemelte hoch verpönte constitution des landtfridens in vil weeg aigens gewalts gehandelt, auch hierunter den obrigkaiten und gerichten auf ire gepott unnd bevelch gepurender gehorsamb nit ervolgt, sondern das noch mehr wider des Heiligen Reichs lauter unnd vilmalls gescherpffte satzungen und abschied unersuecht der ksl. Mt., ja auch wol wider derselben ermahnung und verpott kriegswerbungen furgenommen und volgendt one ainich gelaistete caution mit musterungen, einlägerung und durchfurung48 die fridliebenden, gehorsamen stendt und underthanen aufs eusserst belaidigt, betrangt, auch dz gemain weesen in nit geringe gefahr gezogen wurdt:

So ermahnen ir ksl. Mt. die churfursten, fursten unnd stendt sambt den räthen, pottschafften unnd gesandten, sy wolten in yetzt gemelten fällen ire bedencken zusammen tragen unnd auf ernstliche solche fursehung be- /37’/ dacht sein, damit den hochbeteurten, wol verfasten fridens constitutionen steiff und vestigclich gelebt, die uberfarung derselben abgeschafft, menigclich zur gepur geschutzt, insonderhait aber die unordnungen und beschwerligkait in an- unnd durchzugen sambt auch den gefehrlichen unnd den Reichs abschiden zuwider lauffenden werbungen unnachlässig bestrafft und aufgehebt werden.

Dieweil aber unter anderm, so des Heiligen Reichs innerliche rhue unnd friden beschweren, die benachbarte niderlendische kriegsempörung nit fur die geringste gehalten werden mag, auch, so lang dieselbe nit gestillet oder beygelegt wurdt, dem landts verderben und unsicherhait, so diß ortts von den westphälischen und andern negstgesessenen Reichs stenden unaufhörlich geclagt wurdt49, ubel gerathen und geholffen werden kan, so haben ir ksl. Mt. erst noch vor wenig jaren uber die hievorige, nun offtmalls vergebentlich gepflegte fridtshandlungen50 die kgl. W. zu Hispanien widerumb ersuecht und angelangt, das sy noch verrer guetliche tractation irer ksl. Mt. vetterlich und freundtlich haimbvertrauen, auch der /38/ sachen zu guettem daneben bewilligen wolten, damit ir ksl. Mt. von baiden religionen ettliche fridliebend chur- unnd fursten zu solcher handlung ziehen mocht. Darauf sich zwar hochstermelter konig mit dancknemmiger belobung irer ksl. Mt. fridliebenden, guethertzigen vorhabens gantz willfarig erclert und seiner kgl. W. oratori am kaiserlichen hofe, auch anderen iren ministris deßwegen nottwendigen gewalt unnd bevelch zuetzufertigen erpotten. Als aber ir ksl. Mt. volgendt zu den unirten provinzen unnd staden in Holl- und Seelandt gleichsfalls abgefertiget unnd dieselbe durch ettliche ansehenliche commissarios zu einraumung und mitbeliebung vorangeregter wolgemainten pacificationshandlung bewegen lassen wollen, mit dabey angehefftem sonderbarem vermelden, das sambt unnd neben irer ksl. Mt. dises vortreffliche, hochwichtige werckh auch die vier churfursten Maintz, Trier, Sachsen unnd Brandenburg furnemmen, schliessen und zu guettem end befurdern helffen wurden, haben doch erstgedachte ksl. commissarien (außgenommen ainer person ires mittels) kainen paß /38’/ zu inen, den staaden, bekommen und entlich nichts dann ain abschlegige antwortt erhalten mogen51.

Hierumb unnd dieweil ir ksl. Mt. nochmalls sowol umb des Heiligen Reichs vorangeregten gemainen wolstandts als auch diser herrlichen provintzien unnd Reichs craisses52 willen, der nun von sovil langen jahren in des Heiligen Reichs verwandtnus heerkommen und demselbigen in vil weeg wol angestanden, zu erlangung des hailsamen fridens kain mühe, arbait oder uncosten gereuen, sondern, sovil immer menschlich und muglich, das irig dabey noch weitter gern thuen wollen, unnd eben noch neulicher zeitt der ursach halb unter anderm iren consens dero freundtlichem geliebten brueder, ertzhertzog Ernsten zu Osterraich, zu ubernemmung des niderburgundischen gubernaments desto lieber gegeben53, das ire Mt. in veranlessiger zuversicht unnd hoffnung stehn, vermittels irer f. Dlt. den so lang verhofften und gewunschten friden entlich zuerlangen54, so gesinnen ir ksl. Mt. hierauf an die anwesende churfursten, fursten und stendt, auch der abwesenden räth, pottschafften und gesandten, sy wolten unbeschwert der sachen mit vleiß nachdenckhen /39/ und, was gestalt baide kriegende thail zu continuirung yetztgemelter fridens tractation vermöcht und erhandelt, auch anfurtters obverstandener massen vermittels irer ksl. Mt. und ettlicher fridliebender chur- und fursten des Reichs baider religion die sach zu gewunschtem effect und endt dirigirt und befurdert werden moge, irer ksl. Mt. dero wolmainentliches, rathsames ermessen vertreulich und in gehorsam entdeckhen. Dann ir ksl. Mt. dessen gewiß und ungetzweifelt seind, das hochernanter irer Mt. geliebter brueder, ertzhertzog Ernst, an eusserster beflissenhait zum friden, sovil ir f. Dlt. dabey thuen konnen, aigentlich nichts ermanglen lassen werden.

[3. HA] Vorters unnd zum dritten: Dieweil unmöglich ist, bestendig fridlich wesen zuerhalten, wo nit das hailsame justici werck in furderlichem, richtigem gang administrirt unnd bestelt wurdt, so haben ir ksl. Mt. bey gegenwerttiger Reichs versamblung hievon auch ettwas anregung zuthuen nit umbgehn können. Dann ob schon bey vorgehenden Reichs- und deputation tägen nit allain offt unnd vilfeltig die ksl. cammerge- /39’/ richts ordnung revidirt, gemehret unnd gebessert55, sondern auch noch auf letzt gehaltenem deputation tag zu Wormbs anno sechsundachtzig in ettlichen, so wol den gerichtlichen proceß belangenden als andern zweifellichen articuln erclert und die notturfft bedacht worden56, so ist doch demselben wormbserischen abschied bald hernach durch ettliche stendt contradicirt, die sich, damit beschwert zusein, bey irer ksl. Mt. angegeben57.

Zudeme kommen auch noch auf heut vil beschwer unnd clagen fur, waß massen durch menge und uberhauffung der rechthengigen sachen in des kaiserlichen cammergerichts processen vast langsam vortgeschritten unnd offters die sachen dermassen gesteckht werden, das die nottleidende partheyen darunter rechtloß bleiben muessen. Derwegen will vonnötten sein, das churfursten, fursten unnd stendt sambt der räthen, pottschafften unnd gesandten disem puncto iustitiae auch fursinnen und, was gestalt die verlengerliche weitleuffigkait in rechtlichen processen abgekurtzt, darzue vorberurter wormbserische abschiedt aintweder zu einhelligem verstandt dirigirt oder doch auf andere /40/ nutzliche weg gestelt werden möge, irer ksl. Mt. dero wolmainlich guetachten referirn und berichten.

[4. HA] Belangendt zum viertten das muntzwesen: Seyen ir ksl. Mt. aus underschidlichen relationibus unnd clagen, so von neulich gehaltenen probation tägen einkomen58, erindert unnd berichtet, das deme ins Reich publicirtem und nun so offters verbesserten muntz edict59 von den wenigern stenden gelebt, von den andern aber hindangesetzt irer ksl. Mt. ernstlichen ermanungen, gebotten, verbotten, fiscalischen processen und so gar auch suspension und einstellung des muntzens thails im Reich, thails auch bey den benachbarten potentaten und dero underthanen gestracks zuwider gehandelt und vast von ainem yeden mit dem muntzen, auch einschleiffung der ungerechten und staigerung der guetten sorten60, was ime selbst gefellig und am nutzlichsten gedunckhet, gethon und gehandelt werdt. Dieweil dann durch solche vortlhafftige vorsetzliche brechung des Heiligen Reichs muntz ordnung nit allain ain großer verlust in kauffen unnd verkauffen aller wahren, victualien und leibs notturfft verursacht, sondern /40’/ auch ir ksl. Mt. an des Reichs bewilligung unnd hulffen ein unermeßlicher schad zuegefuegt wurdt, so gesinnen ir ksl. Mt. an die churfursten, fursten unnd stendt, auch der abwesenden räth, pottschafften unnd gesandten, sy wollen, wie solchem hochschädlichen unrath fruchtbarlich unnd ehist zusteuren unnd was gestalt irer ksl. Mt. unnd des Reichs aufgerichte, verbesserte muntz ordnung nochmalls in gleichmessige volnziehung zurichten, unverlengt irer ksl. Mt. ir rathsamb guetachten mitthailen und zuekommen lassen.

[5. HA] Nit weniger und zum funfften hat irer ksl. Mt. gepuren wollen, die anwesende churfursten, fursten unnd stendt, auch der abwesenden rath, pottschafften und gesandten widerumb zuerindern, was von ergentzung unnd richtigmachung des Heiligen Reichs matricul nun villmals furkommen61 und wie merckliche abgang und ringerung in des Reichs anschlägen sich ye mehr und mehr erzaigen; das auch die exemptiones nit allain gar zu gemain, sondern da der daruber verfasste proceß des kaiserlichen fisci so wol des Heiligen Reichs thails gegen den eximierenden nit gescherpfft werden solte62, wenig siegs unnd außrichtung zuverhoffen.

/41/ In der moderations handlung aber hat auf hiebevor ermeltem wormbserischen deputation tag aus mangl der noch vorberaitlichen inquisition, die der moderation sach vorgängig sein mues, damals nichts verrichtet werden konnen63. Wann dann hierunter ain weg als den andern ir ksl. Mt. und das Reich an den gepurlichen hulffen mercklich laedirt und vernachtailt wurdt, so begern ir Mt., die stendt wollen das jhenig, was diß articuls halb vor disem proponirt und ubergeben64, widerumb fur die handt nemmen, daruber ir bedenckhen zusammentragen und allen vleiß furwenden, damit diß weesen nit gar ersitzen, sondern ainmal zu gepurender erledigung gebracht werden moge.

[6. HA] Letztlich der strittigen sessionen halb, lassen es ir ksl. Mt. allerdings bey hievor deßwegen verfasten proceßen und außträgen, auch anno sechsundsibentzig alhier zu Regenspurg und zwayundachtzig zu Augspurg beschehenem erpieten, nemblich das nach complirten actis ir ksl. Mt. sambt ettlichen aus dem mittel der dreyen Reichs rath hierzu deputierten personen ir, was hierunter von den partheyen einkommen, referirn und nach be- /41’/ findung, was recht sein wurdt, erkennen und außsprechen wolten65, nochmalls bewenden. Ermanen aber inmittels die stendt, so dißfalls strittig, sich biß zu außtrag irer mißverstendt bey yetziger Reichs versamblung in session und votirn anderst nit als freundtlich, nachbarlich, beschaidenlich und dermassen vertreulich gegen einander zubetzaigen, damit nit etwa diser privat mißverstendt66 halben die nottwendige gemaine obligen verhindert oder unnöttiger weis aufgehalten werden. Daentgegen soll ainem yeden wie biß daher dises reichstags ungevarliche session und stimm, also auch die subscription des abschiedts, an seinen rechten, gerechtigkaiten unnd herbringen allerdings one nachtail unnd unvergreifflich sein.

Unnd dise seind ungevarlich die articul und puncten, die ir ksl. Mt. kurtzlich den anwesenden churfursten, fursten unnd stenden und der abwesenden rath, pottschafften und gesandten zu proponirn und furzutragen fur nottig geachtet. Dieweil aber der erbvheindt zu ausrusstung aines uberge- /42/ waltigen heerzugs in voller arbait unnd praeparation ist, also das diser zeit der geringste verzug aintweder gefahr oder doch verlierung gueter gelegenhait mit sich bringt, ja von allen ortten glaubwirdige kuntschafften unnd nachrichtungen einkommen, das des turggen verordneten obristen, vezier, bassen von Constantinopel und unden herauf ain grosse, unzelige menge wie auch uber die ainmalhundert tausent tartarn zueziehen unnd gewißlich ir eusserstes versuechen werden, so gesinnen unnd begern ir ksl. Mt. an die stendt ins gemain und alle sambt unnd sonders hiemit gantz freundtlichen, gnedig und im besten, sy wolten die berathschlagung unnd schliessung des kriegs wesens wider den turggen, als daran yetziger zeit die wolfarth, erhaltung unnd rettung des Heiligen Reichs teutscher nation hanget, mit rechtem ernst unnd eyfer inen angelegen sein lassen und nit allain allen unnd yeden proponirten puncten den turggen articul vorsetzen, sondern da sich villeicht yetzo nit allerdings in ainer kurtze die andern abhandlen liessen, dieselbe gar oder zum thaill auf ain /42’/ künfftige deputation oder andere versamblung, deren ir Mt. sich mit den stenden freundt- und gnedigclich vergleichen wollen, beyseits stellen unnd verschieben unnd sich schließlich in disem hochsorglichem obligen dermassen guethertzig, einmuettig unnd furdersam erweisen, wie ir ksl. Mt. vertrauen zu inen gestellet ist, auch in vill weg bißhero ruemblich erspurt worden.

Das seindt ir ksl. Mt. gegen den churfursten, fursten unnd stenden, auch der abwesenden räthen, pottschafften unnd gesandten samentlich und ainem yeden in sonderhait mit freundtschafft, gnaden und allem guettem zuerkennen gantz genaiget unnd daneben erpiettig, noch furohin all dz jhenig, so zu des Heiligen Reichs teutscher nation unnd desselben mitglider ehr, nutz unnd aufnemmen immer gedeylich und erprieslich sein mag, ungespart hochsten vermogens gantz vätterlichen, gnedigen und getreuen vleisses vortzustellen, zubefurdern und in acht zuhaben.

Anmerkungen

1
 Kurmainz, fol. 13’ [Nr. 2]; bessere Protokollierung: Augsburg, unfol. [Nr. 55].
2
 So ein Eintrag in Augsburg, unfol. [Nr. 55]. Vgl. auch Bericht der Mecklenburger Gesandten Kling und Grassus an Hg. Ulrich vom 5. 6. (26. 5.) 1594: Nach dem Vortrag der Proposition dauert deren Abschrift seit 2 Tagen an und ist noch nicht abgeschlossen (LHA Schwerin, RTA I GstR 31b, fol. 318 f., 321 f., hier 318. Or.; präs. Doberan, 18. 6. {8. 6.}). Die Hessen-Kasseler Gesandten führten im Bericht an Lgf. Moritz vom 3. 6. (24. 5.) 1594 die Verzögerung darauf zurück, dass man zur Abschrift nur einen vereidigten Schreiber je Reichsstand zuließ (StA Marburg, 4e Nr. 1394, unfol. Or.; präs. Kassel, 11. 6. {1. 6.}).
3
 Eine weitere bei den ksl. Archivalien abgelegte Fassung der Proposition (ebd., fol. 295–319. Kop. mit wenigen Korrekturen) stammt gemäß ihrer Datierung nach s. v. aus der Überlieferung eines evangelischen Reichsstandes. Vgl. die Überschr.: Propositio, so die röm. ksl. Mt. den churfürsten, fürsten und ständten des Reichs den 23. Maii[2. 6.] anno 94 uff dem Reichs tag zu Regenspurg allergnedigst fürtragen lassen. 1594.Sie enthält unmittelbar im Anschluss an den Text der Proposition zunächst eine knappe Zusammenfassung der Verhandlungen zum 1. HA (Türkenhilfe) (fol. 319–320) und sodann Angaben zur Abreise von Ff. vom RT sowie zur Veranstaltung von Schießwettbewerben (fol. 320’–322).
4
 Vgl. Einleitung, Kap. 2.4.
5
 = Sultan Murad III. (1546–1595, Sultan seit 1574) (Encyclopaedia of Islam XII, 595–597).
6
 Verlängerung des 1592 auslaufenden Friedensvertrags um weitere 8 Jahre in Konstantinopel durch Reichshofrat Dr. Bartholomäus Petz um den Preis eines zusätzlichen „Praesents“ neben dem jährlichen Ehrengeschenk von 30 000 fl. am 29. 11. 1590 [!]. Nachweis und Kurzregest der Bewilligung durch Murad III.; Ratifizierung Ks. Rudolfs II. (Prag, 1. 2. 1591): Bittner, Verzeichnis, Nr. 149 S. 30. Vgl. Niederkorn, Friedenspolitik, 101 f.; Winkelbauer, Ständefreiheit I, 142: Hier jeweils mit Datum 29. 11. 1591. Dagegen 1590 bestätigt bei Evans, Bohemia, 90 f.; Volkmer, Siebenbürgen, 536 f.; Petritsch, Tribut, 52, Anm. 16. Der seit 1548 zu leistende Tribut wurde nach der Friedensverlängerung letztmals um die Jahreswende 1591/92 bezahlt (ebd., 52). Zur Mission Petz insgesamt vgl. Spuler,Diplomatie, 328; Müller, Prosopographie VII, 173–193.
7
 Hasan Pascha Predojević (türk. Telli Hasan Pascha). Vgl. Pálffy, Regionalmacht, 16; Charakteristik: Loebl, Geschichte I, 64–67.
8
 Einnahme von Ripač (1591), Bihać, Drežnik Grad und Hrastovica (1592). Vgl. Anm. 24, 26, 28 bei Nr. 261.
9
 Errichtung der Festung Petrinja im Frühjahr 1592. Vgl. Anm. 27 bei Nr. 261.
10
 Zu wiederholten Einfällen in die Turopolje vgl. Beilage A zur Proposition [Nr. 261], fol. 40 f., 42, 42’, 43, 48. Für das Jahr 1592: Baumgärtner, Krieg, 62–68 passim.
11
 Gesandtschaft des Reichshofrats Friedrich von Kreckwitz: Aufbruch in Wien am 29. 9. 1591, Übergabe der Ehrengeschenke (vgl. Auflistung der Geldgaben im Jahr 1592: Loebl, Geschichte I, Anhang Nr. 2 S. 119–121. Eine Liste der für 1593 erforderlichen, aber nicht mehr entrichteten Tribute nennt als Gesamtbetrag 144 040 Taler: HHStA Wien, Türkei I 81, Konv. 1, fol. 80 f.), Verhandlungen mit Großwesir Sinan Pascha im Frühjahr 1593 um rückständige Ehrengeschenke und die Bedingungen dafür, u. a. die vom Ks. geforderte Bestrafung des Hasan Pascha von Bosnien und die Rückgabe von Bihać; Verhängung des Hausarrests über Kreckwitz und sein Gefolge in Konstantinopel. Vgl. Loebl, Schlesier, 164–171; Loebl, Geschichte I, 91–105; Loebl, Geschichte II, 58–61; Graf, Renegades, 137–145; Müller, Prosopographie V, 73–75. Vgl. die Berichte Kreckwitz’ aus Konstantinopel (HHStA Wien, Türkei I 79, Konv. 1–3; I 80, Konv. 1, 2 passim; einige in Auszügen gedruckt bei Jorga, Documente XI, 752–772 passim) sowie die Beschreibung der Gesandtschaft durch zwei seiner Begleiter: Haussdorff, Gesandtschafft; Wratislaw von Mitrowitz, Gesandschaftsreise. Vgl. auch unten, Anm. 18.
12
 Belagerung der Festung Sissek [Sisak, HR] an der Kupa durch Hasan Pascha ab 15. 6. 1593 und vernichtende Niederlage der türkischen Übermacht in der sog. Schlacht bei Sissek am 22. 6. gegen das von Ruprecht von Eggenberg, Andreas von Auersperg, Oberst an der kroatischen Grenze, und Ban Thomas Erdődy angeführte habsburgisch-kroatische Entsatzheer. Neben anderen türkischen Befehlshabern und Beys kam in der Schlacht auch Hasan Pascha ums Leben. Vgl. die Beschreibung bei Radics, Schlacht; danach Dimitz, Geschichte III, 245–249; Baumgärtner, Krieg, 69–73. Ausführlich Loebl, Reitergefecht, bes. 775–787. Aufzeichnungen und Berichte an Ehg. Ernst: Lopašić, Acta I, 175–193. Daneben: Hammer-Purgstall, Geschichte IV, 218 f.; Tracy, Wars, 287–290. In der Bedeutung einordnend mit Nachweis neuerer kroatischer Lit.: Pálffy, Türkenabwehr, 107 mit Anm. 24; neuerer Sammelband: Goldstein/Kruhek,Sisačka bitka.
13
 Nachdem eine Kriegsproklamation am 1. 5. 1593 durch Großwesir Sinan Pascha wieder zurückgenommen wurde (Niederkorn, Friedenspolitik, 102 f.), fiel die Entscheidung für den offenen Krieg als Reaktion auf die Niederlage bei Sisak am 22. 6. in einer Beratung am 4. 7. 1593. Sinan Pascha wurde zum Oberbefehlshaber ernannt und brach am 19. 7. ins Feld auf. Eine Kriegserklärung an den Ks. folgte Mitte August (in Lit. teils datiert auf 13. 8.) (Winkelbauer, Ständefreiheit I, 143; Niederkorn, Mächte, 10; Tóth, Plans, 81 f.; Zachar, Krieg, 233 f.). Zum Kriegsverlauf 1593/94 vgl. zahlreiche Korrespondenzen insbesondere von und mit Ehg. Matthias als Oberbefehlshaber sowie Gutachten, Bestallungen und Musterregister: KA Wien, AFA 32, AFA 33, AFA 34 passim; HHStA Wien, Ungarische Akten 125, Konv. A; ebd., 126, Konv. A-C (September 1593 bis September 1594). Zusammenfassung der ksl. Korrespondenz zur Kriegsorganisation seit September 1593: KA Wien, HKR Prag, Bücher Nr. 135; Akten und Protokolle des HKR in Wien zu Organisation und Finanzierung: KA Wien, HKR Wien, Bücher 190–193 passim. Protokolle und Akten (Jahr 1594) der ksl. Hofkammern in Prag (viele Reichsbelange) und Wien (v. a. niederösterreichische Belange): HKA Wien, Hoffinanz Ö, Bücher 473–483 passim (Nr. 477 und 482 ausschließlich zum Krieg); Hoffinanz Ö, Akten 172–174 passim (Schwerpunkt Schlesien); wenige Akten zum Krieg auch ebd., Hoffinanz U, Akten 142.
14
 Vertreibung ksl. Truppen aus Petrinja und Rückeroberung von Sisak im August 1593 durch Mehmed, den Beylerbey von Graecia (Rumeli). Vgl. Fessler, Geschichte IV, 19; Amstadt, Militärgrenze, 67 f.; Baumgärtner, Krieg, 76; Antonitsch, Wehrmaßnahmen, 54–61. Vgl. auch Beilage A [Nr. 261], fol. 43.
15
 Noch vor der türkischen Kriegserklärung ordnete der Ks. Christoph Popel von Lobkowitz mit dem doppelten Tribut an den Sultan ab. Nachdem infolge der türkischen Niederlage bei Sisak keine Friedensaussicht mehr bestand, reiste Popel aus Komorn [Komárom] nach Prag zurück, ohne den Tribut zu entrichten (Hammer-Purgstall, Geschichte IV, 219; Petritsch, Tribut, 53; Spuler, Diplomatie, 329).
16
 Zu Großwesir Sinan Pascha (Koca Sinan Pascha, ca. 1520–1596; vgl. Encyclopaedia of Islam IX, 631 f.) im Zusammenhang mit dem Kriegsbeschluss und seiner fraglichen Initiative vgl. Niederkorn, Friedenspolitik, 100 f. Sehr negative Charakteristik bei Loebl, Geschichte I, 47–52.
17
 Im Oktober 1593 Eroberung von Vesprem [Veszprém] und Palota [Várpalota] durch Sinan Pascha im Zusammenwirken mit Mehmed, Beylerbey von Rumeli (Hammer-Purgstall, Geschichte IV, 219–221; Baumgärtner, Krieg, 76; Pálffy, Regionalmacht, 17).
18
 Nach der türkischen Kriegserklärung (vgl. Anm. 13) konnte Sinan Pascha die Inhaftierung von Kreckwitz erwirken. Er wurde nach Belgrad (Griechisch Weißenburg) verbracht, wo er am 28. 11. 1593 verstarb. Sein Gefolge wurde ebenfalls inhaftiert und kam erst 1596 frei (Loebl, Schlesier, 171–173; Borys, Reisen, 68 f.).
19
 Vgl. zu den Leistungen der Erblande mit Beispielen: Pálffy, Preis, 34–39; Rauscher, Kaiser, 71–74. Die Erblande und die Länder der böhmischen Krone zusammen bewilligten von 1592 bis 1606 ca. 40 Mio. fl. Kriegssteuern (Kenyeres, Kosten, 34 f.). Einzelleistungen: Kärnten (1593–1606) 1 286 000 fl., Steiermark (1594–1606) 2 828 930 fl., Krain (1594–1606) 1 014 266 fl., Böhmen (1596–1606) ca. 13 Mio. fl. (so Niederkorn, Mächte, 59 f.). Beispiele: Österreich unter der Enns bis 1593 ca. 138 000 fl. jährlich (Rauscher, Kaiser, 71 f.; Leistungen 1586–1593: Pertl, Grenzabwehr, 60–69; Truppenbeitrag 1593/94: Ebd., 72–81; Einzelheiten für die Landtage seit 1592: Stangler, Landtage, 22–30, 171–187). Österreich ob der Enns 1592: 50 000 fl. (Loebl, Geschichte II, 34 f., 102). Zu den Bewilligungen der innerösterreichischen Landtage im Frühjahr und Herbst 1593 vgl. Antonitsch, Wehrmaßnahmen, 26–33, 72–78; für Kärnten auch Antonitsch, Landstände, 89–91. Zahlungen der schlesischen Kammer 1592–1601: Kenyeres, Kriegsausgaben, 64, Anm. 53. Bewilligung des mährischen Landtags im März 1593: Bahlcke, Regionalismus, 190 f. Jährliche Kriegsbeiträge der Oberlausitz (14 000 fl.) und der Niederlausitz (8166 fl.): Rauscher, Oberlausitz, 419–423. Kgr. Böhmen: 1593 bis 1606 jährlich durchschnittlich 472 000 Taler (Rauscher, Reiche Fürsten, 253). Einnahmen des Ks. aus dem Kgr. Ungarn ca. 800 000 fl. jährlich (Kenyeres, Kosten 24–26; Bewilligung des ungarischen RT 1593 für die Landesverteidigung: Fessler, Geschichte IV, 16 f.; Bewilligung im Juni 1594 vgl. Anm. 5 bei Nr. 286). Entwicklung der Einnahmen in Ungarn und Bedeutung für den Ks.: Pálffy, Kingdom, 129–134.
20
 Vgl. Einleitung, Kap. 2.2.
21
 Vgl. Anm. 12.
22
 Sieg der ksl. Truppen am 3. 11. 1593 bei Stuhlweißenburg [Székesfehérvár] bzw. Pákozd über Hasan Pascha von Ofen, der dabei 10 000 Mann und die gesamte Artillerie verlor (Hammer-Purgstall, Geschichte IV, 221 f.; Huber, Geschichte IV, 378; Zachar, Krieg, 235).
a
 Kekeco] In B: Kekew.In C: Gebecko.
b
 Olokoco] In B: Olokew.In C: Olockocko
23
 Christoph von Teuffenbach, Grenzoberst in Oberungarn, und Gf. Nikolaus II. Pálffy, General zu Neuhäusel [Nové Zámky, SK], eroberten im November 1593 Fülek [Fiľákovo, SK], Divin [Divín, SK; ungar. Divény], Kékkő [Modrý Kamén, SK; deutsch Blauenstein], Hajnácskő [Hajnáčka, SK], Szecsen [Szécsény, HUN], Holokö [Hollókő, HUN], Bujak [Buják, HUN], Drégely [Drégelypalánk, HUN] und Palánka [Drégelypalánk, HUN] (Hammer-Purgstall, Geschichte IV, 222; Baumgärtner, Krieg, 77; Pálffy, Regionalmacht, 19).
24
 Am 10. 3. 1594 unter dem Oberkommando von Ehg. Matthias Einnahme von Nógrád, der letzten von den Türken innegehabten Festung im nordwestlichen Ungarn. Im Süden brachte Gf. Georg IV. Zrínyi mehrere Festungen zwischen Nagykanizsa und Szigetvár ohne Kampf an sich (vgl. oben: Berzence [HUN], Amaskii[nicht zu verifizieren; verschrieben für Csurgó, HUN?], Segesd [HUN], Szőcsény [HUN]) (Huber, Geschichte IV, 379; Jorga, Geschichte III, 300).
25
 Aufgabe der Festung Jasprin [Jászberény, HUN] durch die Türken. Christoph von Teuffenbach zog Ende April 1594 mit einem Heer von ca. 20 000 Mann von Raab gegen Hatván. Er musste die Belagerung zwar abbrechen, siegte aber im Zusammenwirken mit Simon Forgách am 1. 5. 1594 bei Tura [HUN] über die Türken, die dabei 3000 Mann verloren (Baumgärtner, Krieg, 77 f.; Hammer-Purgstall, Geschichte IV, 222).
26
 Vgl. die Propositionen bei den RTT: 1556/57 mit 2. HA (Leeb, RTA RV 1556/57, Nr. 1 S. 178–182); 1559 mit 2. HA (Leeb, RTA RV 1558/59, Nr. 85 S. 540–545); 1566 mit 3. HA (Lanzinner/Heil, RTA RV 1566, Nr. 3 S. 178–193); 1567 mit 1. HA (Wagner/Strohmeyer/Leeb, RTA RV 1567, Nr. 1 S. 77–88); 1570 mit 2. HA (Lanzinner, RTA RV 1570, Nr. 1 S. 166–170); 1582 mit 1. HA (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 1 S. 228–236). Zur Forderung in der Proposition 1576 vgl. das Referat bei Häberlin X, 18 f.; auswertend: Edel, Kaiser, 385, 387; Lanzinner, Friedenssicherung, 478.
27
 = Kriegslisten.
28
 Großwesir Sinan Pascha als Oberbefehlshaber gab nach eigener Aussage die Eroberung Wiens und Prags sowie die Gefangennahme Ks. Rudolfs II. als Kriegsziel vor, wobei die Einnahme Wiens tatsächlich ins Auge gefasst wurde (Niederkorn, Friedenspolitik, 100; Tóth, Plans, 81 f.).
c
 Zue deme so ist] In der Textvorlage und in B jeweils korr. aus: So ist auch.In C: So ist zudeme.
29
 Vgl. Beilage A [Nr. 261].
30
 = Giauren: Persisch-türkisch für Ungläubige bzw. Nichtmuslime. Vgl. Jörgensen, Selbst- und Fremdbezeichnungen, 334.
31
 = Sumpfland (Grimm, Wörterbuch V, 3284).
d
–d zu … wer] In der Textvorlage und in B jeweils als Einfügung am Rand korr. aus: so wer ja auch hoch zuerbarmen. C wie Endfassung in Textvorlage und B.
32
 = werten.
33
 Vgl. zu den Reichssteuerbewilligungen für die Türkenabwehr seit 1548 und den Steuererträgen bis 1587: Lanzinner,Friedenssicherung, 464–473; Rauscher, Ständen, 316–322, 325–334; Rauscher, Kaiser, 58–79. Zusammenfassend Winkelbauer, Ständefreiheit I, 512 f.: Türkensteuerzahlungen der Reichsstände 1556–1607 ca. 23 Mio. fl. Zusammen mit den als Türkenhilfen deklarierten Leistungen der Reichskreise (1593–1606) gingen 1556–1607 insgesamt knapp 31 Mio. fl. als freiwillige Hilfen aus dem Reich an den Ks.
34
 Ältere Berechnungen (Loebl, Geschichte I, 19–29) veranschlagen den jährlichen Finanzbedarf an allen Grenzabschnitten zum Ende des Jahres 1594 auf ca. 2 Mio. fl. (ohne Munitions- und Verwaltungskosten). Neuere Berechnungen kommen auf eine ähnliche Summe, die vor dem Ausbruch des offenen Kriegs 1593 allein für Soldzahlungen 1 726 622 fl. betragen habe. Dazu kamen Ausgaben für Festungsbauten, Kriegsmaterial, Lebensmittel und Administration von ca. 400 000 bis 500 000 fl. jährlich (Pálffy, Preis, 24–30). Da dafür die Einnahmen aus den Erblanden, Böhmen und Ungarn (ca. 2 Mio. fl. jährlich; vgl. auch Anm. 19) bei Weitem nicht ausreichten, erhöhten sich die Soldrückstände und es kam zur „katastrophalen Lage“ der ksl. Finanzen mit sehr hoher Verschuldung des ksl. Fiskus auf bis zu 30 Mio. fl. (ebd., 30–39, 42–44; Zitat 39; vgl. Rauscher, Reiche Fürsten, 252 f.; Rauscher, Ständen, 308–310). Der Ks. war demnach auf Reichstürkenhilfen, Subsidien aus dem Ausland und Kreditaufnahmen angewiesen. Vgl. die ähnlichen Angaben bei Kenyeres, Kriegsausgaben, 41 f., 69 f., 72–75. Während des Kriegs schwankten die jährlichen Kosten zwischen 2,5 und 5 Mio. fl. (ebd., 72 f.; Kenyeres, Kosten, 37).
e
 man] In der Textvorlage und in B jeweils danach gestrichen: allain. C wie die revidierte Fassung.
f
 pro exemplo] In B Hinzufügung am Rand. C wie Textvorlage.
35
 Vgl. Beilage B [Nr. 262].
36
 Die Kurpfälzer Gesandten schickten Kf. Friedrich mit dem Bericht vom 4. 6. (25. 5.) 1594 eine Abschrift der Proposition. Ohne auf Details einzugehen, kommentierten sie grundsätzlich im Zusammenhang mit der Hilfsbitte des Ks., die Proposition sei zu dem intent gericht,wie die Reichsstände uß irenn freyheitenn unnd herbringen gebracht,auch wie der 1521 gutwillig zugestandene Romzug evertirt unnd uff den gemeinen pfenning oder dergleichenn uffsatz […] gericht unnd also inn gang gebrachtt werde, daß man hernacher, wann unnd uf was weiß man wolle, die stende zu schetzenn habe. Welches einer größern servitut nit unehnlich.Da die folgenden HAA gemäß Andeutung in der Proposition an einen RDT verwiesen werden können (vgl. oben, fol. 42 f.), ist zu erwarten, dass es nach der Erledigung der Türkenhilfe mit dem justici wesenn, daran soviel gelegen unnd bey welchem puncten die stend augspurgischer confession nicht wenig gravamina habenn, wol stecken bleibenn werde, unnd darab albereit zu spuren, wie man in andern gravaminibus den stennden zuhelffen gemeint seie. Also daß es vast das ansehen hat, alß ob diese ding zuvorn mit den spanischen unnd päbstlichen legaten wie auch vielleichtt etlichenn geistlichen im vatterland zusamm getragen unnd bedacht weren. Darumben zwar billich die hohe chur- und furstliche heuser, daß es umb sie, ir freiheit, stand unnd vermögen zuthun, druf zu sehen unnd sich einmal zu besserer conjunction unnd zusammsetzung schickenn sollten (HStA München, K. blau 113/3 I Fasz. 2, unfol. Or.; präs. Heidelberg, 7. 6. {28. 5.}).
37
 Zur „defensio patriae“ als bevorzugter Kriegslegitimation, um rechtlichen und moralischen Druck für möglichst hohe Bewilligungen in Anbetracht der Freiwilligkeit der Türkenhilfe aufzubauen: Schmidt, Vaterlandsliebe, 247–252.
g
 zuerscheinen] In B nachträglich korr. zu: zuerzaigen. C wie Textvorlage.
h
 woltten] In der Textvorlage und in B jeweils Hinzufügung von anderer Hd. C wie die revidierte Fassung.
38
 Bemühungen des Ks. bei Papst Clemens VIII. als „Hauptprotagonist der antiosmanischen Allianz- und Hilfsbemühungen“ (Niederkorn, Mächte, 70): Gesandtschaft des Johann von Kobenzl im Herbst 1592 und des Leonhard von Harrach 1593/1594 mit erfolgreichen Bitten um Geldleistungen (ebd., 71–73; Roberg, Türkenkrieg I, 228 f., 254 f.; Türkenkrieg II, 192–196; Schilling, Konfessionalisierung und Staatsinteressen, 492 f.). Zu den eigenständigen Initiativen des Papstes um die Bildung einer Türkenliga vgl. Einleitung, Kap. 3.1.3. Gegenüber Spanien überließ der Ks. die Initiative zunächst dem Papst und schickte sodann den Gesandten Hans von Khevenhüller im Sommer 1593 zurück nach Madrid, auch um eine rasche Finanzhilfe zu erbitten, die aber erst im Juni 1594 zugesagt wurde und deren Erlegung (300 000 Dukaten) sich bis August 1595 verzögerte (Niederkorn, Mächte, 193–201. Berichte Khevenhüllers: Lehner, Khevenhüller, Nr. 47–85 S. 258–384 passim; Stieglecker, Korrespondenz, Nr. 18–39 S. 116–172 passim. Ältere Transkription: HHStA Wien, Spanien, Dipl. Korrespondenz 12/1, fol. 132–262 passim. Vollmachten für Khevenhüller vom 8. 4. 1593 und 1. 4. 1594: Ebd., Hofkorrespondenz 2/14, fol. 37, 43–44’. Kopp. Dessen Aufzeichnungen: Khevenhüller-Metsch, Tagebuch, 218–224). Der Versuch des Ks., mit der Gesandtschaft des Dr. Matthäus Wacker Anfang 1594 eine Kooperation mit Kg. Sigismund III. Wasa von Polen [und Schweden] im Türkenkampf anzubahnen, blieb aufgrund der problematischen innenpolitischen Situation in Polen und der Abwesenheit des Kgs. bis Mitte 1594 in Schweden sowie wegen der Kontakte des Ks. mit den Kosaken (vgl. Anm. 12 bei Nr. 66) ohne greifbares Ergebnis. Fortführung der Verhandlungen nach der Rückkehr des Kgs. ab Dezember 1594 mit dem Bemühen, die Kff. einzubinden (Niederkorn, Mächte, 474–490; Akten zur kfl. Einbeziehung: HHStA Wien, MEA Korrespondenz 3, fol. 361–674’). Die Gesandtschaft des Ehrenfried von Minckwitz nach Dänemark mit der Bitte um eine Türkenhilfe erfolgte erst im September 1594. Kg. Christian IV. bewilligte 25 000 Taler (Niederkorn, Mächte, 465). Die ksl. Hilfsbitten bei italienische Ff. und Kommunen wurden bereits im Herbst 1592 vorgebracht: Gf. Raimund von Thurn sprach bei Hg. Alfonso II. d’Este von Ferrara, Hg. Vincenzo I. Gonzaga von Mantua und Hg. Francesco Maria II. della Rovere von Urbino vor, Gf. Antonio von Arco bei Hg. Karl Emanuel I. von Savoyen und der Republik Genua, Johann von Kobenzl bei Großhg. Ferdinando I. von Toskana, der Stadtkommune Lucca und Hg. Ranuccio I. Farnese von Parma. Die bewilligten Subsidien waren oftmals verbunden mit der Durchsetzung eigener politischer Anliegen (Niederkorn, Mächte, 386–448 passim; Bartl, Türkenkrieg, 71 f.). In Moskau erbat der ksl. Gesandte Nikolaus Warkotsch 1593 eine Geldhilfe und versuchte, die Verhinderung des Zugs der Krimtataren nach Ungarn zur Verstärkung des osmanischen Heeres sowie Grenzattacken Moskaus gegen die Türken zu veranlassen. Aufgrund der vertröstenden Antwort wurde Warkotsch 1594 erneut nach Moskau geschickt, um die in Aussicht gestellte Hilfe zu realisieren. Er überbrachte diese 1595 in Form von Pelzen (Wert ca. 800 000 Taler) nach Prag (Niederkorn, Mächte, 453–457; Uebersberger, Österreich, 553–562). Vgl. auch Anm. 8, 12 bei Nr. 66. Zu den Gesamtleistungen Spaniens (3,75 Mio. fl.), der Kurie (2,85 Mio. fl.) und italienischer Staaten (500 000 fl.) für den Krieg bis 1606 vgl. zusammenfassend Kenyeres, Kosten, 35 f.; Winkelbauer, Ständefreiheit I, 482.
39
 Vgl. die Akten zu den Bemühungen des Ks. um eine Türkenhilfe der Schweizer Eidgenossenschaft seit Ende März 1594: HHStA Wien, Kriegsakten 28, fol. 176–334’.
40
 Vgl. Anm. 19.
41
 Die Laufzeit der beim RT 1582 bewilligten, auf 5 Jahre veranschlagten 40 Römermonate beharrlicher Türkenhilfe endete 1587 (RAb 1582, § 6: Leeb, RTA RV 1582, Nr. 457, hier S. 1412 f.).
42
 Zur Unabdingbarkeit der Kreditaufnahme aufgrund der Finanzlage des ksl. Hofes vgl. Anm. 34. Die Gelder, die Reichspfennigmeister Geizkofler zwischen 1592 und 1603 einnahm, stammten nur zu 59% aus Reichssteuern, der Rest waren Antizipationen und Kredite (Kenyeres, Kosten, 33). Insgesamt wurden für den Ks. während des Langen Türkenkriegs Kredite in Höhe von 22 Mio. fl. aufgenommen (ebd., 29–39, hier 37). Zur Kreditaufnahme durch Geizkofler mit Angaben zur Höhe und zu den Kreditgebern vgl. ausführlich Sigelen, Reichspfennigmeister, 151–164 sowie 602, Tab. 4. Analyseansätze zu den Kreditgebern (Zeitraum 1521–1612): Winder, Kreditgeber; zusammenfassend: Winkelbauer, Ständefreiheit I, 521 f.
i
 hiebevor] In B*: zuvor. B und C wie Textvorlage.
j
 muessen] In B* danach unterstrichen [= gestrichen]:  nach außweissung hiebey verwarter designation, mit B vermerckht, und solche betzallung auf die Reichs pfenningmaister und kriegszahlämpter gewisen.[Vgl. dazu den Dorsv. zu diesem Auszug aus der Proposition (fol. 338’) als Gutachten der ksl. Hofkammer: Widerumb auf die ksl. Reichs hof cantzlei zugeben. Und soviel den ersten articl belangt, da vermaint die hofcamer, es möchte das understrichene (die beilegung ainer designation betreffend) aus etlichen sondern bedencken ausgelaßen und dagegen gesetzt werden, das sich solche anticipationes in ainer summa in die zehenmal hundert 1000 fl. belaufen. Im andern(Revision der Bestallungen) wirdet dem underscheidt zwischen irer Mt. und andern bestallungen verner nachgesehen werden. Ex consilio camerae aulicae 2. Maii 94.(Nicht lesbare Unterzeichnung).]
43
 Vgl. Einleitung, Kap. 2.2.
k
 gedenckhen] In B*: sinnen. B, C wie Textvorlage.
44
 Vgl. dazu den Kommentar im Bericht der Kurpfälzer Gesandten vom 4. 6. (wie Anm. 36): Da die Forderung, die Gelddarlehen nicht mit der neuen Steuer zu verrechnen, gar ein neues unnd seltzam zumuthen ist unnd dahin gelangen möchte, wann fürter ein römischer kayser schulden macht, inn was weg das were, daß es die Reichs stende gleichsam landsaßenn zu bezahlen uff sich nemen müsten,ist dies abzulehnen.
l
 Alß dann auch aufm] In B*: Alß dann letzstlich[!] und zum beschluß dises articuls ir ksl. Mt. fur ein besondere hoche und grosse notturfft ermessen, mit zeittigem rath zuerwegen und zubedencken: Demnach aufm […]. B, C wie Textvorlage.
45
 Reichskriegsordnung 1570, Art. I-CXI (Reiterbestallung), Art. CXXXXII-CCXV (Bestallung der Fußknechte): Lanzinner, RTA RV 1570, Nr. 566, hier S. 1145–1173, 1182–1197.
m
 nit allain allenthalb] In B*: in neulicher zeitt. B, C wie Textvorlage.
n
 moglich] Fehlt in B*. B, C wie Textvorlage.
o
 unter] In der Textvorlage und in B jeweils korr. aus: von.In B*: unter.In C: von.
46
 Bezugnahme auf die Bestallungen für das ksl. Heer, das Hg. Franz II. von Sachsen-Lauenburg sowie Hg. August I. von Braunschweig-Lüneburg und Wigand Maltzan im Auftrag Rudolfs II. für den Türkenfeldzug 1594 anwarben: Differenzen bei den Verhandlungen im Oktober 1593, da die ksl. Räte die Bestallungen Ks. Maximilians II. vom Türkenkrieg 1566 zugrunde legen wollten, die aber durch die letzten Werbungen für Spanien und Frankreich überholt waren, sowie um Höhe oder Dauer von Wart-, Anritt- und Tafelgeldern, der Zahlung des Oberstengulden etc. Obwohl man sich in der Bestallung vom 8. 11. 1593 auf einen Kompromiss einigen konnte, forderten die Obersten bei Beginn der Musterungen Anfang April 1594 neuerlich bessere Besoldung, höheres Anrittgeld und den Oberstengulden, insbesondere nachdem bekannt geworden war, dass die Reiter des Obersächsischen Kreiskontingents eine bessere Bestallung abgeschlossen hatten. Da die ksl. Räte Zugeständnisse ablehnten, blieb es bei der Bestallung vom 8. 11. 1593, lediglich Hg. August erhielt bessere Konditionen (Tessin, Niedersachsen, 67–69, 72 f.). Bestallungsurkunde für Franz II. von Sachsen-Lauenburg über 4000 gerüstete deutsche Reiter (Prag, 8. 11. 1593, korr. zu 17. 3. 1594): KA Wien, AFA 32, unfol. Kop.
p
–p So … unnd] In B*: So wöllen churfursten und fursten sambt den räthen, pottschafften und gesandten dero wolmainliches guetachten irer ksl. Mt. eröffnen und mitthailen, wie doch und […]. B, C wie Textvorlage.
q
–q vil … aigennutzigkait] In B*: mehr aus christlichem guettem eyfer und wahrer bruederlicher lieb auf die ehr und glori des allerhöchsten und die bruederliche rettung und handthabung der betrangten armen mittchristen dem erbfeindt ersprießlich widerstandt gethon, dann etwa auf den aigen vorthl und genieß […]. B, C wie Textvorlage.
47
 Vgl. Einleitung, Kap. 2.4.
48
 Vorgaben gegen unzulässige Söldnerzüge und für Werbungen (auswärtiger Potentaten) gemäß EO im RAb 1555, §§ 34–44, 49–53 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3114–3118, 3120–3122). RAb 1559, §§ 39–41 (Leeb, RTA RV 1558/59, Nr.806 S. 2017 f.; Verhandlungen: Heil, Reichspolitik, 187 f.). DAb 1564 §§ 23–32, bes. 26, 30 (Knorring, RTA RV 1564, Nr. 139 S. 524–527; vgl. Lanzinner, Friedenssicherung, 39–43, 346; Luttenberger, Kurfürsten, 325–336; Heil, Reichspolitik, 274–279). RAb 1566, §§ 30 f. (Lanzinner/Heil, RTA RV 1566, Nr. 467 S. 1523; vgl. Luttenberger, Kurfürsten, 337–340). RAb 1570, §§ 4–15 (Lanzinner, RTA RV 1570, Nr. 567 S. 1207–1212; vgl. Lanzinner, Friedenssicherung, 333–337, 342–350; Heil, Reichspolitik, 461–468). RAb 1576, §§ 34–48 (Neue Sammlung III, 358–361; vgl. Lanzinner, Friedenssicherung, 446–448; Moritz, Wahl, 339–343, 423 f.; Eppenstein, Beiträge, 310–314). RAb 1582, §§ 29–41 (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 457 S. 1418–1422). Im DAb 1586, §§ 63 f., wurde wegen der gegen Reichsgesetze verstoßenden Werbungen für den Krieg in Frankreich der Vollzug der Vorgaben des RAb 1582 eingefordert (Fröschl, RTA RV 1586, Nr. 38 S. 889 f.; vgl. Knorring, Reichsdeputationstag, 110–112).
49
 Vgl. dazu die Supplikation der Stände des Niederrheinisch-Westfälischen Kreises [Nr. 467] sowie deren Memoriale beim 2. HA [Nr. 290].
50
 Im Zentrum der Konzeption Ks. Rudolfs II. als „Politik der praktischen Nichteinmischung des Reiches in den niederländischen Krieg“ (Arndt, Reich, 49) stand die Friedensvermittlung: Unmittelbar nach dem Regierungsantritt beauftragte er Kommissare, die an den Verhandlungen zwischen den Generalstaaten und Generalstatthalter Don Juan d’Austria beteiligt waren, welche am 12. 2. 1577 zum Abschluss des „Ewigen Edikts“ führten (ebd., 49; ausführlich: Fröschl, Frieden, 149–162). In weiteren Verhandlungen seit Frühjahr 1578 mit Kg. Philipp II. von Spanien und den Generalstaaten erreichte der Ks. deren Zustimmung zur Einberufung eines Friedenskongresses (Arndt, Friedensvermittlungen, 169 f.; Hansen, Pacificationstag, 234–250, 268–271; Wybrands-Marcussen, Pazifikationskongreß, 42–47, 50–56), der 1579 in Köln stattfand, aber ohne greifbares Ergebnis endete (vgl. Anm. 24 bei Nr. 34). Vgl. auch folgende Anm.
51
 Bezugnahme auf die ksl. Friedensinitiative 1591: Im Gefolge des RDT 1590, bei dem sich der Ks. und die katholische Mehrheit für die Wiederaufnahme der Vermittlung ausgesprochen hatten (vgl. Anm. 28 bei Nr. 30), wurde Ende 1591 eine ksl. Gesandtschaft an beide Kriegsparteien abgeordnet (Mitglieder u. a. Gf. Salentin von Isenburg, Gf. Simon VI. zur Lippe, Otto Heinrich von Bylandt-Rheydt), um die Restitution der besetzten Gebiete im Reich sowie den Abbau der Handelshemmnisse einzufordern und eine Friedensvermittlung anzubahnen. Generalstatthalter Farnese signalisierte in Brüssel Verhandlungsbereitschaft und sagte die Räumung besetzter Festungen zu, ohne dies aber nachfolgend einzuhalten (Verhandlungen vom 25. 11.–21. 12. 1591: HHStA Wien, RK Friedensakten 1–3, Fasz. 1591, unfol.). Da für die Weiterreise nach Den Haag die Geleitbriefe der Generalstaaten lange Zeit nicht eintrafen, entschlossen sich die Gesandten am 18. 1. 1592 zum Abbruch ihrer Mission. Lediglich von Bylandt-Rheydt erhielt Geleit und kam Ende Januar 1592 nach Den Haag, wo die Generalstaaten das Vermittlungsangebot und die Rückkehr unter die Herrschaft Philipps II. in der Antwort vom 7. 4. 1592 entschieden ablehnten (Antwort: Ebd., Fasz. 1592, unfol. Kop. Lünig, Staats-Consilia I, 444 f. Vgl. Japikse, Resolutiën VII, {1592} Nr. 101 S. 599 f.). Vgl. Arndt, Friedensvermittlung, 179–181; Ehrenpreis, Kunst, 195–197; Becker, Bylandt, 52–72; Falkmann, Graf, 41–62. Aufzeichnungen Gf. Simons zur Lippe: Schmitz-Kallenberg,Tagebuch, 46–68; ebd., Beilagen Nr. 6–8 S. 75–82, Berichte zur Mission Bylandt-Rheydt. Eine bei Benecke, Relations, 170 f., angesprochene Mission Gf. Simons 1592 nach Den Haag wird in der Darstellung bei Falkmann, Graf, nicht erwähnt.
52
 = der Burgundische Reichskreis. Druck nur der kurzen Passage zur Friedensvermittlung bei Gross/Lacroix, Urkunden II, Nr. 768 S. 381.
53
 Verhandlungen des spanischen Orators San Clemente mit dem Ks. um dessen Zustimmung zu der von Kg. Philipp II. gewünschten Generalstatthalterschaft Ehg. Ernsts im Juni 1593 und Konsens des Ks. (Hortal, Casa, 194; Doutrepont, L’archiduc, 625). Zur Generalstatthalterschaft des Ehg. vgl. ebd., 627–642, sowie den Briefwechsel Philipps II. mit Ehg. Ernst, hier von Ende November 1593 bis zum Abschluss des RT: Lefèvre, Correspondance IV, Nr. 592–741 S. 214–257 passim. Zahlreiche Glückwunschschreiben von Kff. und Ff. an den Ks. zum Antritt der Generalstatthalterschaft des Ehg. als Beilage zum Schreiben des Ks. an diesen vom 3. 4. 1594 (Prag): HHStA Wien, Belgische Korrespondenz 6 Fasz. 1, fol. 119–145’.
54
 Zur Friedensinitative Ehg. Ernsts bald nach Antritt der Statthalterschaft vgl. Anm. 45 bei Nr. 34. Der Ehg. informierte den Ks. am 6. 4. 1594 (Brüssel) über die Absicht, auch ohne entsprechenden Befehl aus Madrid den Generalstaaten seine Friedensbereitschaft zu signalisieren, und bat, der Ks. möge im Zusammenhang mit dem RT die Vereinigten Provinzen durch eine Gesandtschaft zum Frieden ermahnen (Stieve, Politik I, Beilage Nr. 6 S. 450–452, hier 451 f.). Auch die führenden Reichsstände forderte der Ehg. auf, beim RT die Friedensvermittlung, die der Ks. proponieren werde, zu unterstützen (Brüssel, 19. 4. 1594. Nachweise in Auswahl: HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 20–21’. Or. an Kf. Wolfgang von Mainz; präs. Regensburg, 27. 5. StA Würzburg, WRTA 85, unfol. Or. an Bf. Julius von Würzburg; präs. Regensburg, 21. 5. HStA München, K. blau 274/10, fol. 5–6’. Or. an Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg; präs. Regensburg, 26. 5. {16. 5.}).
55
 RKGO 1555 (Laufs, RKGO); RAb 1557, §§ 73–79 (Leeb, RTA RV 1556/57, Nr. 577 S. 1401–1403); DAb 1557 (Reichsjustiztag: Neue Sammlung III, 153–163; Ludolff, CJC, 224–233); RAb 1559, §§ 51–72 (Leeb, RTA RV 1558/59, Nr.806 S. 2021–2027); RDT 1560 (Ebd., Nr.656 S. 1700–1706); RAb 1566, §§ 72–123 (Lanzinner/Heil, RTA RV 1566, Nr. 467 S. 1535–1547); RAb 1570, §§ 42–104 (Lanzinner, RTA RV 1570, Nr. 567 S. 1222–1238); RAb 1576, §§ 52–64 (Neue Sammlung III, 361–363; Ludolff, CJC, 340–342); RAb 1582, §§ 47–49 (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 457 S. 1424 f.). Vgl. den Überblick bei Lanzinner, Reichsversammlungen.
56
 DAb 1586, §§ 3–53 (Fröschl, RTA RV 1586, Nr. 38 S. 868–886).
57
 Vgl. Anm. 7 bei Nr. 40 sowie Nr. 305 mit Anm. 5.
58
 Vgl. die aktuelle Vorlage der oberdeutschen Münzassoziation [Nr. 308] sowie die Klage Kursachsens im KR (Kursachsen, fol. 408 f. [Nr. 39]), wonach neben dieser v. a. die Stände im Ober- und Niedersächsischen Kreis von den Missständen im Reichsmünzwesen benachteiligt würden. Zur Münzpolitik des Obersächsischen Kreises nach 1588 vgl. knapp Nicklas, Macht, 135 f., 139. Wendung des Obersächsischen Kreises an den Ks. gemäß Probationsabschied vom 14. 10. 1592: Hirsch, Münz-Archiv III, 13–17. Entsprechender Beschluss des Niedersächsischen Kreises im Probationsabschied vom 14. 8. 1592: Bahrfeldt, Münzarchiv III, Nr. 331 S. 309 f. (in den folgenden Probationsabschieden bis 11. 5. 1594 nicht mehr angesprochen. Vgl. ebd., Nr. 337 S. 317–319; Nr. 355 S. 334–337). Vergebliche Bemühungen des Obersächsischen um eine engere Kooperation (Münzassoziation) mit dem Niedersächsischen Kreis 1592/93: Ebd., S. 283 sowie Nr. 332–336a S. 310–317.
59
 Vgl. RMO 1559 (Leeb, RTA RV 1558/59, Nr.804 S. 1953–1988). Ergänzungen im RAb 1566, §§ 147–176, v. a. Anerkennung des Talers als Reichsmünze (Lanzinner/Heil, RTA RV 1566, Nr. 467 S. 1554–1561; vgl. Lanzinner/Heil, Reichstag, 624 f.). RAb 1570, §§ 120–151: Bestätigung der RMO mit Zusätzen 1566, Einberufung des Münztags 1571, um die Unterbindung unterwertiger Prägungen und die Einfuhr minderwertiger Münzen aus dem Ausland zu realisieren (Lanzinner, RTA RV 1570, Nr. 567 S. 1242–1250). DAb 1571, §§ 7–37 (Neue Sammlung III, 342–346; Münzverhandlungen von RT und RDT: Lanzinner, Friedenssicherung, 379–389; vgl. Christmann, Bemühen, 79–90; Rittmann, Geldgeschichte, 200–208; zusammenfassend: Gerhard, Niedersachsen, 78 f.). RAb 1576, §§ 65–82, mit Vorgaben für den Vollzug der RMO u. a. im Burgundischen Kreis sowie in Tirol und Vorderösterreich, Einschränkung der Prägung unterwertiger Münzen, Bestätigung von Aus- und Einfuhrverboten, Verbot des Aufwechselns (Neue Sammlung III, 363–367; vgl. Heil, Reichspolitik, 563 f.). RAb 1582, §§ 66–71: Vollzug der Vorgaben, Beachtung der RMO am Rhein und in den ksl. Erblanden, Prägeverbot für Halbbatzen (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 457 S. 1431–1433). Insgesamt zu den Verabschiedungen und deren Vollzug seit der RMO 1559: Reichmann, Gestaltung, 127–158.
60
 Vgl. Anm. 16 bei Nr. 308.
61
 Vgl. zuletzt die Verabschiedungen 1576, wiederholt im RAb 1582, zum Verfahren bei Moderation und Matrikelrektifizierung (Anm. 23 bei Nr. 88, Anm. 91 bei Nr. 511). Zur Proposition 1586 vgl. unten, Anm. 63. Zu den Verhandlungen um Matrikel und Moderation seit 1545: Lanzinner, Friedenssicherung, 393–408.
62
 Im RAb 1548 wurde für Exemtionsprozesse die Beweislast dem Reichsfiskal auferlegt, der nachzuweisen hatte, dass es sich beim vermeintlich mediaten Stand um ein Reichslehen handelte, das in der Vergangenheit bereits Reichssteuern erlegt hatte. Die Prozesse waren deshalb in der Praxis kaum zugunsten des Reichs zu gewinnen (RAb 1548, §§ 53, 56–59, 63: Machoczek, RTA JR XVIII, Nr. 372b S. 2669–2671). Vgl. Lanzinner, Friedenssicherung, 395 f. Zum Exemtionsprozess: Rautenberg, Fiskal, 96–105.
63
 Bereits die Proposition des RDT 1586 konstatierte, dass seit 1582 „fast nichts erledigt werden konnte“, und regte deshalb die Ansetzung eines neuerlichen Moderationstags an, damit man bis dahin die Vorarbeiten [in den Reichskreisen] gemäß RAb 1582 vorsetzen unnd verrichten möge(fröschl, RTA RV 1586, Nr. 6 S. 173). Die Antwort der Stände stellte fest, es sei nicht möglich, one fürgehende inquisition und anndere anhanngende nottwendigkaitten unnd verordnungen disem werckh seine gebürende abhelffung zu geben,weil man nicht wisse, ob die Vorgaben des RAb 1582 in den Reichskreisen vollzogen worden seien (ebd., Nr. 15b S. 720). Auch der DAb 1586, § 54, berief sich auf die mangelnde Inquisition (ebd., Nr. 38 S. 886). Zu Vorgaben und Verfahren gemäß RAb 1582 vgl. Anm. 23 bei Nr. 88.
64
 Gemeint ist wohl die ksl. Proposition beim RT 1582 mit Bezugnahme auf Akten und Verhandlungen des Moderationstags 1577 und der RDTT 1577 und 1578. Vgl. Leeb, RTA RV 1582, Nr. 1 S. 251 f. mit Anm. 62, 63.
65
 RAb 1576, §§ 112 f. (Neue Sammlung III, 371); RAb 1582, § 72 (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 457 S. 1433 f.).
66
 Vgl. dagegen zur Bedeutung der Session beim RT als „symbolisches Kapital“ und zur Behauptung des Rangs als eigenständiges politisches Motiv: Stollberg-Rilinger, Zeremoniell (Zitat 107); mit Beispielen aus der 1. Jahrhunderthälfte: Luttenberger, Sessionskonflikte.