Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 11. Die Reichstage zu Augsburg 1510 und Trier/Köln 1512 bearbeitet von Reinhard Seyboth

ohne Ort, 22. Januar 1510 (dinstags am tag Vincenti)

Berlin, GStAPrK, XX. HA, OF 26, pag. 274-276, Kop.

Ersieht aus den kürzlich und heute eingetroffenen (nicht vorliegenden) Schreiben Dr. von Kitzschers (aus Rom) nicht nur dessen intensive Bemühungen um die Belange des Deutschen Ordens, sondern auch die unwahren Äußerungen der Gesandten des polnischen Kg. (an der Kurie) gegen den Orden. Erwartet täglich die Rückkehr der zum Kg. von Polen gereisten Gesandten des Ks. und der Reichsstände.1 Alsbalt dieselbigen ankomen, haben wir in rat unser Hh. und freunde funden, das wir den angesatzten reichstag zu Augspurg sollen besuchen laßen und daselbst die beschwerung, unser ftl. und unsers ordens gelimpf und ere belangende, so uns von den geschickten kgl. wird zu Polan ufgelegt, furzutragen und rat zu bieten. Damit wir solichs dester schicklicher tun mugen, ist an euch unser beger, wollet uns, wie ir euch yn euern schriften erboten, der kgl. wird von Polan antragen und ire vermessene wort eigentlichen zuschicken. Dr. von Kitzscher soll darüber hinaus mit Unterstützung des Deutschordensprotektors (an der Kurie, Kardinal Raffaele Sansoni Riario) und gemäß beigefügter (nicht vorliegender) Kredenz dem Papst die Entsendung einer Gesandtschaft des Hochmeisters ankündigen, die den Auftrag haben wird, den unwahren und schmählichen Behauptungen der polnischen Gesandten über den Orden entgegenzutreten. Wird die Gesandtschaft alsbald vom Reichstag (in Augsburg) aus an den päpstlichen Hof schicken.

Zettel: Hat erfahren, daß der Kg. von Polen beabsichtigt, den Bf. von Heilsberg (= Ermland, Lukas Watzenrode) zum Papst zu entsenden. Auf diesen soll Dr. von Kitzscher achten, da er dessen Einstellung gegenüber dem Deutschen Orden kennt.

Anmerkungen

1
 Der Deutschordenshochmeister Friedrich von Sachsen war Ende Mai 1509 persönlich auf den Reichstag nach Worms gekommen und hatte um Unterstützung in seiner Auseinandersetzung mit Polen gebeten. Die Reichsstände hatten daraufhin die Abfertigung einer Gesandtschaft zu Kg. Sigismund von Polen beschlossen, die am 23. Dezember 1509 in Krakau eingetroffen war. Ihr gehörten Dr. Veit von Fürst als Vertreter des Ks. und Dr. Johann Küchenmeister als Beauftragter der Reichsstände an. Vgl. Heil, Reichstagsakten 10, Nr. 298-300; Voigt, Geschichte Preußens, S. 370-373, 376; Matison, Politik, S. 439-444.