Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Bitte um Anhörung der Gesandten des Aachener Rates zur Appellation gegen das ksl. Endurteil im Konflikt mit dem katholischen Exilregiment.

Datum: Regensburg, 5. 7. (25. 6.) 1594. In der Beratung der protestantischen Städte verlesen und gebilligt am 5. 7.1 Übergeben und im KR verlesen am 7. 7.2

StadtA Ulm, A 647, fol. 898–900’ (Kop. Überschr.:Der erbarn stett verschlossen schreibens an die churfursten, der statt Aach appellation sach betreffent. In churfursten rath den 27. Junii [7. 7.]anno 94 ubergeben.) = Textvorlage. StadtA Speyer, 1 B Nr. 349, fol. 124–126’ (Kop. Überschr. wie in Textvorlage) = B. StA Augsburg, Reichsstadt Nördlingen MüB 80, Prod. 47 (Kop. Dorsv.:Copia intercessionis der erbarn stett an die churfurstenn wegen der statt Aach. Praesentatum 27. Junii [7. 7.]anno 94.) = C. StA Nürnberg, NRTA 112, fol. 935–936’ (Kop.). ISG Frankfurt, RTA 89, fol. 97–100’ (Kop.). AVCU Strasbourg, AA 843, fol. 76–78’ (Kop.).

/898–899’/ An die Kff. und deren Gesandte: Die Kff. wissen um den Konflikt in der Reichsstadt Aachen zwischen dem Rat und einigen wenigen Gegnern, die diesbezüglichen Verhandlungen beim RT 1582 und die anschließende kommissarische Vermittlung3. Nun hat der Aachener Rat vor ihnen, den Reichsstädten, geklagt, dass seine Gegner aufgrund unzutreffender Darstellungen im Jahr 1593 am ksl. Hof ein die Stadt in höchstem Maß belastendes und präjudizierendes ‚Dekret‘4sowie ein Exekutorialmandat5erwirkt haben, dessen Vollzug das Verderben der katholischen und der sich zur CA bekennenden Bürgerschaft, den Untergang der Stadt sowie eine gänzliche Veränderung des Stadtregiments und der Ratswahlordnung bedingen würde.

Da das Vorbringen der Gegner am ksl. Hof dem Aachener Rat trotz wiederholter Bitten nicht übergeben, er dazu demnach nicht ausreichend angehört worden ist, und weil die Kläger sich nicht legitimiert haben, sah der Rat sich veranlasst, gegen das Urteil eine Appellation6einzulegen, um Ks. und Reichsstände grundlegender und wahrheitsgetreuer zu informieren.

/899’/ Weil dem gesamten Reich nit wenig daran gelegen, dz dise statt bei demselben alls ein ungezweifeltes altes mitglidt unverruckt behalten und weder einem noch dem andern kriegenden theil7, sich derselben zubemechtigen, hierdurch der lang beederseitz gesuchter anlaß gegeben, auch dieselbige durch beharrliche beschwernussen und verweigerung rechtlichen verhörs, zu etwann irer selbst nothwendiger rettung uf andere weeg zugedencken, nit /900/ bewegt werden möchte8, dardurch der orth den one dz allerseits hochbetrangten stenden westphalischen kraißes ein mehrers unheil leichtlich zuwaxen köndte, wir auch nit für unbillich, sonder nothwendig erachten, dz den dergestalt gravirten und nit gnugsam gehörten ferner verhör gegonth und zugelassen werde:

Alls gelangta an euer kfl. Gn., Gn., Herrlichkeiten und Gunsten in namen unserer obern unser underthenigste, underthenige und dienstfleißige bitt, dieselben geruhen, disen der statt Aach beschwerlichen zustand zu vätterlichem gemüeth zufüren und dahin gnedigst zuverhelffen, dz bei gegenwürtiger deß Heiligen Reichs versamblung sie, die beschwerdten, zu fernerm verhör und grundtlicher usfierung ires rechtens (zu welchem ende dann dise hiemit subb litera A einkommene supplication9 und derselben beigefüegten instrumenten und schrifften euer kfl. Gn., Gn., Herrlichkeiten und Gunsten underthenigster und rechtlicher gebür von wegen mehrgedachts raths ubergeben werden) gelangen möchte und uf die /900’/ negst angeregte supplication inen, den gravierten, am fürderlichsten gnedigst und willferiger bescheidt und decret mitgetheilt werde.

Schlussformel. Datum 5. 7. (25. 6.) 1594. Unterzeichnet von den Gesandten der Reichsstädte.

Anmerkungen

1
 Ulm, fol. 53’ [Nr. 208, Abschnitt B].
2
 Kursachsen, fol. 259 [Nr. 25].
3
 Vgl. dazu den 1. Teil der Aachener Deduktion [Nr. 380].
4
 = das ksl. Endurteil vom 27. 8. 1593. Vgl. Anm. 9 bei Nr. 380.
5
 Exekutorialmandat vom 6. 10. 1593. Vgl. Anm. 2 bei Nr. 377.
6
 Vgl. Anm. 10 bei Nr. 380.
7
 Bezugnahme auf die Parteien im niederländischen Krieg.
8
 Anspielung auf eine mögliche Wendung des Aachener Rates an die niederländischen Generalstaaten um deren Beistand.
a
 gelangt] In B, C: langt.
b
 sub] In B, C: under.
9
 Bezugnahme wohl auf die Aachener Supplikation, gerichtet an die Kff. [Nr. 381], mit der auch das Appellationsinstrument und die Deduktion zu den Beschwerden des amtierenden Rates [Nr. 380] als Beilagen übergeben wurden. Vgl. auch KR am 7. 7. (Kursachsen, fol. 259’ [Nr. 25]).