Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
A) Verhandlungen der katholischen Stände des FR
Textvorlage: Augsburg, unfol.
Ablehnung des ksl. Dekrets für die Lösung des Magdeburger Sessionsstreits durch die katholischen Stände des FR. Billigung der Erklärung der katholischen Stände zur Magdeburger Eingabe an den Ks.
Versammlung der katholischen Stände des FRin der Salzburger Herberge (Salzburg, Österreich, Bayern, Burgund, Jülich, Baden-Baden, Besançon, Leuchtenberg, Deutschmeister, Nomeny, Bamberg, Arenberg, Würzburg, Worms, Eichstätt und weitere Ständea).
[Salzburgb] proponiert: Ks. hat den katholischen Ständencgestern das Konzept für ein Dekret zur Lösung der Magdeburger Sessionsfrage mit der Aufforderung übergeben lassen, dazu Stellung zu nehmend. Verlesung des Konzepts1.
Umfrage. Österreich: Haben vernommen, auf welche Weise Ks. den Magdeburger Sessionsverzicht erreichen will. Doch ist das Konzept in vill weeg der cathollischen religion in[!] dem religion friden praejudicierlich unnd abbrichig: Erstlich weilln daselbst vermelt wurde, das sy2 irer Mt. zu unndterthenigisten ehren unnd wegen bevorstehender türckhen gefahr sich enthallten sollen etc. Daraus dann zuschliessen irer seits sein mechte, dz sy es aus khainer schuldigkhait noch auch nach inhallt deß religion fridens, sonnder allain aus guettem willen unnd praecario thetten; damit dann innen die thür zur freystellung geöffnet wurde. Furs annder sey auch gemellt, dz solches dem primat unnd ertzstifft Magdenburg an seinen habenden rechten unnd gerechtigkhaiten unnd dem von Brandtenburg3 an seiner possession vel quasi, sovil er befuegt, ohne nachtl sein soll. Aus welchem dann der margraf von Branndtenburg für ainen inhaber diser session erkhent, dabey auch geschlossen wurde, dz er dessen in possessione vel quasi gewesen seie. Fürs dritt wurde letztlich angemellt, dz ir Mt. gedächten, güetliche, oder auf den fall, es nit verfienge, rechte hanndlung fürzunemmen. Wann nun solches passierte unnd allso daruber verwilligt wurde, were dz widerspiell gegen dem, so jungstlich hierinnen ins gemain von unns beschlossen worden4; wie sy auch nochmalln bey demselben unnd dem inhallt deß religion fridens gedenckhen zuverbleiben. Unnd wurde bey güettlicher hanndlung sich leichtlich zuetragen, dz man etwas wider willen unnd dem religion friden zugegen einwilligen unnd nachsechen miesse. Dahero mechten ir Mt. dahin zubeanntwortten sein, man der für ir persohn nit maß zugeben, was sy hierinnen thun wollten. Unnsers thaills aber khunten wir darein nit willigen, sonndern wo diß oder ein annders dem religion friden zuwider sollte ervolgen, wollten ir Mt. in unngenaden nit vermerckhen, wo wir protestando darfür etwas fürnemmen wurden. Wir weren aber der unndterthenigisten zuversichtlichen hoffnung, ir Mt. wurden selbst dem religion friden zu nachthaill nicht nit[!] bewilligen noch fürnemmen.
Bayern5: Konstatieren ebenfalls, dass das Dekret der cathollischen religion unnd dem religion friden in mer weeg praejudicierlich seye aus ursachen, wie durch die össterreichische negst vermellt worden; sonnderlich auch in dem, das gleich im anfannge gesetzt worden, „wegen eingenommener session unnd stimm etc.“ Darauß zuschliessen were, als ob[sie] die session unnd stim alberaith bekhommen unnd erlanngt hetten unnd allso ein actum possessorium damit erschwingen wurden. Derowegen so sollten die cathollische stenndt für solches decret unndterthenigist pitten unnd sich ercleren, dz man darein nit verwilligen khundte, weilln es zu verfanng der religion unnd dem dariber[!] aufgerichten unnd hochbeteürten friden geraichen thette. Unnd wollten sich vil mehr getressten, ir ksl. Mt. wurden den fuesstapfen weillandt khaiser Ferdinandi nachschreitten unnd sich alls ain christlicher, cathollischer khaiser zu deme nit bewegen lassen, dz der religion zuwider sein wurde. Wo aber ir Mt. der stenndte solche erclerung nit ansechen wollten, alsdann seye weiter zugedenckhen, was dagegen fürzunemmen sein mechte.
Burgund, Jülich6, Salzburg, Baden-Baden, Besançon, Leuchtenberg, Deutschmeister, Nomeny, Bamberg, Arenberg, Würzburg, Worms: Jeweils idem.
Eichstätt: Es sein die vorgehende vota ganntz guett unnd wolgemaint. Damit aber hergegen ir Mt. mit demselben nit darfir hallten mechten, alls wollte man alle ire mitl ausschlagen, so khindte villeicht solches decret etwas gemilltert werden, allso dz in sonnderhait die wortt „irer Mt. zu unndterthenigisten ehrn“, item „possession vel quasi etc.“ verbliben. Weilln man je bestehen miesste, das solche sach im Reich strittig, allso khinte man sich so hoch mit solchen wortten nit vergreiffen. Allso sollte auch an statt der wortt „eingenommene session unnd stimm“ das wortt „angemaste“ gesetzt werden; dann auch, wo schon auf güettliche oder anndere handlung verwilligt, so were doch anderst nit zuhoffen, dann dz ir Mt. decidendo oder sonnsten nichts fürnemmen wurden, so der religion oder dem religion friden zuwider sein mechte.
Alle in der Umfrage folgenden Stände schließen sich jedoch gegen Eichstätt den Voten von Österreich, Salzburg und Bayern an.
Beschluss: f–Dabei es auch allso gelassen worden–f.
Verlesung des gemäß der letzten Beratung verfassten Konzepts für die Erklärung der katholischen Stände zur Magdeburger Eingabe an den Ks.7
Umfrage. Beschlussg: [Billigung]. Da man vom Kf. von Mainz vernommen hat, das man sich nit absonndern wollte, allß sollte dz concept irer kfl. Gn. alspallt übergeben unnd dabey gebetten werden, dz es die anndere cathollische churfursten guethaissen wollten, dz dieselbe sich vom fürstenrath nit sönndern, sonnder mit demselben zugleich unndterschriben. Mechte auch andeittung[!] beschechen, weilln die gegenthail die stett zu sich gezogen, ob man solches den cathollischen stetten auch zuwissen machen unnd sich[!] dabey setzen wollteh.
Die geistlichen Kff.8billigen das Konzept anschließend ebenfalls.
B) Einzelunterredungen
Keine weitere Initiative von Kardinallegat Madruzzo beim Ks. gegen ein Dekret zur Klärung des Magdeburger Sessionsstreits. Überlegungen der bayerischen Gesandten: Maßnahmen gegen die Zuerkennung der Session.
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Die bayerischen Gesandten haben in der vorausgehenden Sitzung bei Salzburg zusätzlich votiert, falls der Ks. wider Erwarten und gegen die Empfehlung der katholischen Stände Magdeburg mit dem Dekret oder auf andere Weise entgegenkommen oder man dessen auch nur in sorg stehen unnd des gegenspills nit vergwisst sein wurde, das man dahin zugedenckhen unnd nachzusynnen, was man noch verrners über die einwendung der schrifft und mündtlicher ausfüerlicher gegenprotestation für noch anndere mitl unnd weeg dargegen fürzenemmen./428 f./ Da eine Absprache dazu mit den Kff. von Köln und Trier sowie dem Bf. von Würzburg aus Zeitgründen nicht möglich war, referiert Oberstkanzler Hörwarth anschließend Kardinallegat Madruzzo den Verhandlungsstand. Madruzzo erwidert, der Ks. habe am Vortag durch Rumpf und von Hornstein auch ihn gebeten, das Dekret zur Lösung des Sessionsstreits /