Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

A) Ausschuss der katholischen Stände zur Beratung der Gravamina

Textvorlage: Kurmainz B, fol. 68–69’.

Gravamina der Hstt. Worms und Augsburg, Gegenbericht des Bf. von Straßburg, Exzeption der Stadt Köln. Verlesung der protestantischen Gravamina. Konzipierung des katholischen Gegenberichts und der eigenen Gravamina durch Kurmainz, Salzburg und Bayern.

/68/ (Vormittag, 7 Uhr) Ausschuss der katholischen Stände zur Beratung der Gravamina (Kurmainz, Kurtrier, Kurköln, Österreich, Salzburg, Bayern, Konstanz, Würzburg, Jülich).

Gemäß der letzten Beschlussfassung1werden dem Ausschuss folgende Gravamina vorgelegt: Hst. Worms2, Hst. Augsburg3, Gegenbericht namens des erwählten Bf. von Straßburg, des Kardinals von Lothringen, zu einigen Punkten der protestantischen Gravamina4.

1. Umfrage. Kurtrier: Weiteres Vorgehen wie zuletzt beschlossen, namlich das gravamina zusamenzutragen unnd in ain corpus zu ziehen. Seyen noch der mainung, das protestantium gravamina5 zuverlesen, zuerwegen und mit den vorigen zu conferiren. Hernach, wan dieselben in bedencken gezogen, muste man auch vorige bedenckena in acht nemenb.

Kurköln: Da man catholicorum vorige bericht und ablainungen erwegec, werden die yetzige protestantium gravamina leichtlich abzulainen sein. Vergleichen sich mit Tryer, das yetzige neue gravamina verlesen werden.

Salzburg: Hetten nachgesehen, wie sich catholische anno 66 et 76, ingleichen anno 90d verantworttet und was imperator fur decreta /68’/ ergehen lassen6. Solches werde yetzo guete nachrichtung geben. Placet, das gravamina verlesen werden, ain corpus daraus zumachen.

Österreich: Gravamina zuverlesen unnd in allweg dahin zu sehen, das die augspurgische confessionisten nit offendirt unnd den jenigen, so sich abgesondert7, nit ursach gegeben werde, zu den andern zutretten.

Bayern: Diejenige, so gravaminibus unterschriben, dörfften wol alle der augspurgischen confession nit zugethan sein. Ergo in der ablainung auch nit augspurgische confessions verwandte zunennen. Gravamina zuverlesen, werde vil zeit costen. Mainen am pesten, ainem zubevelhen, so gleich die feder ansetze. Könts alßdann maintzische cantzley in ain ordnung richten. Ratione processus8: Mainen, nach dem religion friden zunemen; seyen catholici vast in allen puncten gravirt.

Würzburg: Religions constitution per capita an handt zunemene. Unnd dieweil protestantium gravamina unordentlich in ainander gemischt, ainen nach dem andern suo loco abzulainen. Mainen, protestantium gravamina abzulesen.

Kostanz: Bey consultation müesse man nit allain protestantium gravamina ablainenf, sonder auch gleich in buesen schieben9, was catholicis von denselben begegne. Also halt darfur, man müesse erstlich catholicorum gravamina auch lesen.

Jülich: Übergeben für die Stadt Köln die Exzeption von deren Gesandten gegen die protestantischen Gravamina, soweit diese Köln betreffen10. Halten darfur, das gravamina zuverlesen.

Kurmainz resümiert: Weil die Mehrheit votiert, die protestantischen Gravamina zu verlesen und zu beraten, schließen sie sich dem an. Sonsten, das Maintz feder ansetzen solle: /69/ Haben deputati zuerachten, demnach werck weitleufig, das es pesser, bey jungster vergleichung zulassen, nemlich das es durch deputatos sambtlich geschehe.

Verlesung der protestantischen Gravaminag. Da man sich zum Verfahrenhnicht einigen kann, wird dazu umgefragt.

2. Umfrage. Kurtrier: Liessen inen wol gefallen, das zwen außgeschossen[!] würden, welche die feder ansetzen thetten; wan es maintzischen uf sich nemen wolten. Sonsten seyen bedencken anno 76 in praesentia catholicorum zusamengetragen unnd dannach concept zu papyr bracht worden.

Kurköln: Befinden, das zweierlay mainung. Bedüncke sy, weil gravamina partim in genere, partim in specie nit neu, vorhin vast alle auch vorkomen unnd abgelaint, es möchte sich am pesten thun lassen, das man dieselben an handt neme. Da maintzische cantzley zubewegen, neben noch ainem oder 2, solte es sich am pesten ablainen[und] zu papyr bringen lassen. Sonsten, da man in grosser anzal umbvotirn wolte, werde es lange zeit erfordern, ainer den andern nur vergebentlich ufhalten. Ergo pesser, das Maintz mit zueziehung noch aines oder 2 vorige mit yetzigen gravaminibus conferirn, onvergrifflich concept ad ratificandum zu papir bringen und alßdann in pleno abzulesen.

Salzburg: Wie Coln, es wolte dann Maintz direction allain in handen behalten. Solte man ins gemain darvon reden, werde es lange zeit erfordern.

Bayern: Räthlicher, das ainer oder 2 das werck unter handt nemen und feder ansetzen. Man wölle auch /69’/ nit, das Maintz directorium mit ansetzung der feder benomen werde. Wie Cöln.

Österreich: Beschweret sich deß vorvotirens, protestando. Vergleicht sich sonst mit Bayrn.

Würzburg: Wie Cöln.

Jülich: Wie Cöln.

Konstanz: Wie Bayrn. Allain dieweil etliche dahin gangen, das calvinistae nit zunennen, maine er, es seye in allweg anzuregen, unnd das dieselben deß religionfridens nit vehig. Es müessen calvinisten von augspurgischen confessions verwandten abgesondert werden.

Kurmainz: Obwol darfur gehalten, man solts bey der ordnung gelassen haben, so anno 76 gehalten, yedoch weil[das] mehrer dahin gangen, das maintzischer cantzley 2 oder 3 personen sollen adjungirt werden, welche ire bedencken zu papyr bringen unnd maintzische cantzley alßdan ain extract daraus machen, so können sy sich nit ercleren, sonder müessens irem gnedigisten herrn referirn, sich beschaidts erholen.

3. Umfrage zur Benennung der Adjunkten, die Mainz für die Konzipierung zugeordnet werden. iBeschluss: Benennung von Salzburg und Bayern–i.

B) Sonderverhandlungen katholischer Stände zur Magdeburger Session

Textvorlage: Würzburg D, fol. 13’–1811.

Striktes Beharren auf dem Ausschluss Magdeburgs durch den Ks., Erwägung einer Inhaftierung der Magdeburger Gesandten. Erstentwurf des Ks. für ein Dekret zum temporären Magdeburger Sessionsverzicht.

/13’/ (Nachmittag). Zusammenkunft der geistlichen Kff.jpersönlich, der Gesandten von Österreich und Würzburgksowie des Lgf. von Leuchtenberg persönlich bei Hg. Maximilian von Bayern in dessen Herberge im Kloster St. Emmeram.

Mainzer Kanzler proponiert: /13’ f./ Ks. hat den geistlichen Kff. mitteilen lassen, er habe im Anschluss an die Vorfälle wegen der strittigen Magdeburger Session [am 13. 7.] mit den Magdeburger Gesandten verhandeln lassen12, /14/ aber sie dermassen so halsterrig13 befunden, das schier khain mittel vor der hand, wie solchem beschwehrlichem wesen abzuhelffen sein möchte. Wo dan die madenburgische[!] also uff irem vorhaben soltten verbleiben, und zubesorgen, nicht ohne klainen anhangl wurde beschehen, welches dann zu höchster verhinderung vorhabenden principal werckhs geraichen thette, so begeren demnach ire ksl. Mt. genedigst von den catholischen churfürsten, fürsten und stenden hierüber derselben räthlich guetbedenckhen14, und da jhe bey den madenburgischen abgeordneten weytter nichts zuerhaltten, waß in disem fall fürzunemmen sey oder nicht; mit erinnerung, daß man in allwegen dahin sehen sölle, damit der religion friden /14’/ steiff und veste gehaltten und dargegen nichts wiederigs fürgenommen, gehandlet und eingangen werdem.

Umfrage. Kurtrier: Man soll beim Religionsfrieden verbleiben, darob vestigclich haltten und nicht davon abweichen, auch das eusserist darbey zusetzen. Ire ksl. Mt. deßen underthenigst zu erinnern und zu bitten, ob dem religion friden gleichfals ernstlichen zuhaltten, die catholische stende darbey handtzuhaben, dargegen nichts fürtzunemmen und in crafft deßelben, auch ex propria authoritate et potestate caesarea den madenburgischen abgeordneten abzuschaffenn. Und nicht schaden kinde, zuvorderst omit den andern weltlichen fürsten der augspurgischen confession–fdarvon genedigst handlungen pflegen, damit sie inen, madenburgischen abgeordneten, selbsten von solchem seinem unbefuegdtem vorhaben thetten abmahnen unnd abhaltten. Da dan uber diß alles jhe khain folge bey den madenburgischen gesandten sein woltte, inen zu arrestirenp.

/14’ f./ Kurköln, Salzburg, Österreich, Bayern, Leuchtenberg und Würzburg schließen sich Trier /15/ mutatis tantum verbis in effectuan; Würzburg mit der Einschränkung, daß man nicht alßbald zu dem arreste greiffen sölle, sondern irer Mt. ein solches zu bedenckhen underthenigst heimstellen.

Kurmainz: Kf. hat wegen der arrestation nicht mit consentiren wöllen15 (sonsten ir daß uberig bedenckhen nicht mißfallen lassen), sondern vermaindt, den glimpffisten weg hierinnen fürzunemmen und sonsten abzuschaffen seye, wie solches ire ksl. Mt. genedigst crafft religion fridens und auß ksl. macht wol wirdt wißen fürzunemmen.

/15 f./ Während der Beratung kommen der ksl. Geheime Rat von Hornstein sowie Vizekanzleramtsverwalter Freymon und erbitten ein Gespräch mit Kf. Wolfgang von Mainz. Dieser hört sie zusammen mit dem Mainzer Kanzler in einem Nebenzimmer an und lässt anschließend, während sie dort warten, den anwesenden Kff., Ff. und Gesandten vom Kanzler ihr mündliches Anbringen referieren: Der Ks.qschlägt zum Magdeburger Sessionsstreit vor16, /15’/ ob nicht diß ein mittel sein möchte, das man mit den madenburgischen dahin hette gehandlet, das er[!] sich in disem reichstag der röm ksl. Mt. zu underthenigsten ehren und dieweil summum periculum in mora, der angemasten session thette endthaltten, doch dem ertzstifft Madenburg und deßen primat ahn seinem habenden rechten und gerechtigkhaiten, auch dem herrn administratori an seiner possession tam in petitorio quam possessorior hierdurch nichts benommen. Und daß die von dem madenburgische[n] ubergebene schrifften bey diser reichsversamblung den catholischen stenden auch zugestelt werden und ire ksl. Mt. noch bey jetzigem oder zwischen khünfftigen reichstag güetlich oder rechtlich darinen erkhennen /16/ und die sachen entscheiden söllen17.

Beschluss: Aufgrund der Tragweite des Vorschlags für die katholischen Stände bittet man die ksl. Verordneten entweder um die Übergabe einer Abschrift oder um einen neuerlichen Vortrag vor den anwesenden Ständen. Die ksl. Räte lehnen dies mangels Weisung ab.

Mainzer Kanzler bringt sodann vor, die ksl. Räte hätten bei ihrem Vortrag angedeutet, daß diß fürbringen allain ein gustus et quasi idea verborum were, wie ire ksl. Mt. ungefehrlich genedigst gemaindt weren, mit den madenburgischen weytter handlen zu lassen, und würde bey solchen wortten nicht eben verbleiben.

In dem /16’/ der herr ertzbischoff zu Saltzburg ein concept eines decreti imperialis herfür gezogen, so den 6. diß monats Julii datirt, welches eben dises inhalts und alberaidt den madenburgischen sölle zugesteldt worden sein18.

Da man nuhn ein solches befunden, ist den chur-, fürsten und abgesandten noch beschwehrlicher fürkhommen, sich also bald hierauff zu resolviren, und ist man gleich alß unverglichner sachen von einander gangen,da in der diesbezüglichen Umfrage der Kf. von Trier sich im Verzicht auf eine Inhaftierung der Magdeburger Gesandten Kurmainz angeschlossen und für die Bitte an den Ks. votiert hat, ein copiam genedigst mitzuthaillen19, wie sie20 woltten mit den madenburgischen handlung pflegen lassen, damit man sich darinnen hette zuersehen unnd der sachen umb sovil beßer nachzugedenckhen. Sölle auch schier am besten sein, jhe weniger die catholische stende umb solche handlung /18/21 wißenschafft hette[n], wie sich ire Mt. gleichwohl mit den madenburgischen verglichen, jhe beßer eß were.

Dagegen beharren die anderen anwesenden Stände auf ihren vorherigen Voten, doch wie jetzt angezaigdt, vor allem begerdt, daß ire ksl. Mt. dise ire genedigste mainung in scriptis wolle ubergeben. Und ist man also wiederumb von einander geschaiden.

Anmerkungen

1
 Nr. 235.
2
 Nr. 423.
3
 Nr. 422.
4
 Nr. 425.
5
 Nr. 390.
a
 vorige bedencken] Würzburg C (unfol.) eindeutig: die Stellungnahmen der katholischen Stände von 1576 und 1582.
b
 nemen] Würzburg C (unfol.) zusätzlich: weshalb das ubrig, was seithero furgelauffen, nur abzulehnen sey.
c
 erwege] Würzburg C (unfol.) zusätzlich: sowie die diesbezügliche Resolution des Ks. von 1590 zugunsten der katholischen Stände. [Ablehnende Antwort des Ks. vom 27. 7. 1590 zu den Gravamina der weltlichen Kff. (vgl. Anm. 21 bei Nr. 161, Abschnitt B).]
d
 anno 90] Kurmainz C (fol. 236) abweichend: anno 82.
6
 Vgl. Anm. 9 bei Nr. 417.
7
 =von der Unterzeichnung der Gravamina [Nr. 390].
8
 = Abfolge der Einzelpunkte in den Gravamina.
e
 zunemen] Kurmainz C (fol. 236’) zusätzlich: und jetz geclagte puncten nach denselben vorzunemen und die dabey eingelegte fernere gravamina catholicorum darzu setzen. Man konne jetzo die feder noch nicht setzen.
f
 ablainen] Würzburg C (unfol.) zusätzlich: doch ist dabei in achtung zuhaben, das die underschriebene stende meher theils dem calvinismo anhengig weren. So kunnte auch der nit underschriebener augspurgischer confession verwandten in der catholischen stende gravaminibus allerdings nit verschonet werden.
9
 = einem etwas zur Last legen (Grimm, Wörterbuch II, 565).
10
 Nr. 424.
g
 Gravamina] Würzburg C (unfol.) zusätzlich: Beschluss, diese gemäß ihrer Abfolge zu beraten und die eigenen katholischen Gravamina nach der ordnung des religion friedensvorzubringen.
h
 zum Verfahren] Würzburg C (unfol.) differenzierter: zur Frage, ob der Ausschuss jeden Einzelpunkt beraten oder ob eine Unterverordnung ein Konz. formulieren und dieses dem Ausschuss vorlegen soll.
i
–iBeschluss … Bayern] Kurmainz C (fol. 237) differenzierter mit den Voten: Für Salzburg und Bayern votieren Kurtrier, Kurköln, Würzburg und Jülich. Dagegen votieren Bayern, Salzburg und Österreich jeweils für Salzburg und Konstanz. [Votum Kurmainz fehlt].
11
 Abweichend vom sonstigen Verfahren wird der Bericht Hg. Maximilians von Bayern an Hg. Wilhelm V. vom 17. 7. 1594 über diese Sitzung im Textapparat kollationiert: HStA München, KÄA 3232, fol. 409–414’. Or.; präs. 19. 7. Druck: Aretin, Geschichte I, 505–510. Vgl. zur Sitzung: Ebd., 434 f.; Ritter, Gründung, 68; Stieve, Politik I, 233 f.; Hassel, Bündnis, 525, Anm. 17; Schreiber, Geschichte, 262.
j
 Kff.] Bericht Maximilians von Bayern (Anm. 1, fol. 409) zusätzlich: sowie des Ebf. von Salzburg.
k
 Würzburg] Schwäb. Gff. (fol. 215’) differenzierter: Teilnahme der Würzburger Gesandten, weil der Bf. aufgrund einer Erkrankung verhindert war.
12
 Vgl. Nr. 323, 324.
13
 = halsstarrig.
l
 anhang] Bericht Maximilians von Bayern (Anm. 1, fol. 409’) differenzierter: ain anhang bey den andern protestierenden fürsten unnd stenden.
14
 Vgl. in diesem Zusammenhang den Bericht des bfl. Augsburger Gesandten Schilling an Bf. Johann Otto vom 14. 7. 1594: Obwohl in diesen Tagen einige der persönlich anwesenden Kff. und Ff. aus Regensburg abreisen wollten, so wollen sy doch noch zur zeit von irer Mt. nit erlassen werdenn, bevorab weiln die sach also mit Magdenburg schwierig stehet, das zubesorgen, es möchte sonst uf ir abwesen das gantz wesen ufgestossen, zertrendt und unverrichter ding muessen abgezogen werden(StA Augsburg, Hst. Augsburg MüB Lit. 1128, unfol. Or.; zit. bei Stieve, Politik I, 233, Anm. 2. Vgl. Gotthard, Religionsfrieden, 449).
m
 werde] Bericht Maximilians von Bayern (Anm. 1, fol. 409’) zusätzlich: Nach dieser Proposition treten die geistlichen Kff. sowie die anderen Ff. und Gesandten yedweder ad partem mit seinen räthen wie ebenmessig ich mit euer Dlt.[Hg. Wilhelm V.] räthenzur gesonderten Beratung zusammen.
n
 abzuschaffen] Bericht Maximilians von Bayern (Anm. 1, fol. 410) zusätzlich [als Bestandteil des Beschlusses in der Umfrage]: Die Abweisung von der Session wird jetzt gegenüber den Gesandten umso leichter möglich sein, weil 1582 Administrator Joachim Friedrich persönlich aufgrund des katholischen Widerstands weichen musste. Es seye auch hierbey wol zubedenckhen, was es ins khonfftig für ein schedliche, ja zu endtlichem undterganng und außtilgung unserer wahren, allein seligmachenden catholischen religion, aller fundationen und stifften wider die austruckhliche intention, willen unnd mainung der loblichen fundatorn, dann auch zu außreüttung und ver- /410’/ treibung aller catholischen im gantzen Hl. Reich geraichende consequentiam introducirn unnd nach sich ziechen werde, wan man den magdenburgischen yetzmals den hengen geben[= nachgeben] und irem unbillichen begeren statt thuen. Dann es werden des nechsten Halberstatt, Straßburg unnd anndere hernach khommen, eben dergleichen begern unnd auf disem weeg die hechstschedliche freystellung […] in khurtzer zeit aller ortten im Reich eingefüert unnd derselben auf die fueß geholffen werden.Deshalb ist der Ks. zu bitten, er möge den Religionsfrieden wahren, auf dessen Grundlage einen rechten kayserlichen ernst fürwenden unnd die magdenburgischen von irem unfueg und zur gebür weisen.
o
–o mit … confession] Schwäb. Gff. (fol. 217 f.) differenzierter: mit Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen, Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg und Gesandten anderer CA-Stände, verbunden mit der Aufforderung, dass sie sich einer anhaltenden Magdeburger Weigerung /217’/ nit anhengig machen wolten.
p
 inen zu arrestiren] Schwäb. Gff. (fol. 217’) abweichend und zusätzlich: Die Anregung, Ks. möge die Magdeburger Gesandten für diesen Fall in die herrberg verstrickhen, wird vom Kf. von Köln vorgebracht und von den f. Gesandten unterstützt. Deß versehens, wann also der ernnst gebraucht, es wurden die madenburgischen[!] sich deß endthaltens der session darüber selbs anerbietten oder doch die anndern confessionisten sich dessen nit anhengig machen, sonnder mit der berathschlagung furgehen helffen.Dagegen votieren Trier und Mainz, dz noch zur zeit die ver- /218/ strickhung der madenburgischen weder antzumelden noch fürzunemmen, sonnder deren zugeschweigen unnd zuvor, wz mit den obvermelten erinnerungen außgericht, zuwarten unnd alßdann verrer darvon zurathschlagen.Auch in einer weiteren Umfrage bleibt es bei diesen abweichenden Voten. Vgl. auch Bericht Maximilians von Bayern (Anm. 1, fol. 411 f.): Die von der Mehrheit befürwortete Arrestierung lehnen Trier und vor allem Mainz ab, weil es /411’/ sich bald weiter mechte einreissen unnd sich solliche ding zuetragen, die hernacher nicht so bald widerumben zue stillen.
15
 Den Widerstand von Kurmainz gegen eine Inhaftierung betonte Nuntius Speciano im Bericht an C. Aldobrandini vom 19. 7. 1594 (Pazderová, Epistulae III, Nr. 694 S. 1557 f.). Auch Legat Madruzzo sprach sich gegen die Verhaftung aus und veranlasste Kf. Ernst von Köln, darauf zu verzichten (Roberg, Türkenkrieg II, 206).
q
 Der Ks.] Bericht Maximilians von Bayern (Anm. 1, fol. 412) zusätzlich vor dem Folgenden: Ks. hat mit den Gesandten des Hauses Brandenburg ergebnislos über Lösungswege verhandeln lassen [Nr. 324; dort fehlt jedoch folgender Vorschlag]. Dagegen haben die Gesandten ihrerseits vorgeschlagen, Ks. möge den Magdeburger Verordneten schriftlich zur Vorlage bei ihrem Herrn bestätigen, das sy allain für dißmal ex specialibus causis gewichen unnd sy an inen nichts lassen erwünden etc.Auch sollte die ksl. Triplik zum 1. HA [Nr. 252] im FR von den katholischen und protestantischen Ständen getrennt, die anderen HAA dagegen wieder gemeinsam beraten werden. Beim RAb wolten sy auch sehen unnd auf mitl gedacht sein, wie ime zuthuen were, das man füreinannder khommen mechte./412 f./ Ks. hält diesen Vorschlag, insbesondere die Absonderung im FR, für höchst bedenklich /412’/ propter futurum maximum praeiudicium, und das ins khonfftig bey berathschlagung annder hochnotwendiger puncten unnd zu anndern zeiten dergleichen schisma unnd abthaillung mechte gesuechtwerden. Ks. fordert dazu eine Stellungnahme der katholischen Stände und schlägt seinerseits [oben folgendes] ungevarliches decretvor.
16
 Entwurf des Ks. für ein Dekret zum temporären Magdeburger Sessionsverzicht [Nr. 344].
r
 possessorio] Schwäb. Gff. (fol. 219) zusätzlich: sovil sein Gn. deren befuegt sein mechten.
17
 Vgl. Kommentar im Tagebuch des Kurkölner Rates von Fürstenberg zum Vortrag der ksl. Räte: Die kaiserischen wolten gern heuchlen, sed catholici manent in extremis, wie pillich(Bruns, Tagebücher, 567).
18
 Ein Dekret vom 6. 7. für die Magdeburger Gesandten liegt nicht vor. Es handelt sich hier wohl um das Dekret des Ks. an die katholischen Stände vom 6. 7. [Nr. 340], mit dem die Magdeburger Darlegung zum Sessionsanspruch [Nr. 336] übergeben wurde.
19
 In der Textvorlage ist der Wortlaut des ksl. Entwurfs [Nr. 344] hier (fol. 17) inseriert.
20
 = der Ks. [„ksl. Mt.“].
21
 Fol. 17 beinhaltet den Wortlaut des Entwurfs für das ksl. Dekret.