A) Vorsprache einer Abordnung der protestantischen Stände bei Kursachsen
Textvorlage: , fol. 269–270.
Unterrichtung Kuradministrator Friedrich Wilhelms von Sachsen über die bisherigen Verhandlungen der protestantischen Stände zur Session Magdeburgs und anderer reformierter Hstt. Bitte um Anschluss und Unterstützung der Bemühungen.
/269/ (Vormittag, 9 Uhra). Vorsprache einer Abordnung der protestantischen Stände (von Mörle, Culmann [Kurpfalz], von Schlieben, Barth [Kurbrandenburg], Hamel [Magdeburg]) bei Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen1.
Die Verordnetenb erinnern der magdeburgischen seßion halben, das dieselbe vor der proposition erhalten werden müste. Sonst und do inen dieselbe nicht gestattet, c–würden sie sich des raths eußern–c; und wo also der rath nicht ergentzt, die anndern auch nicht vor[t]faren, unrichtigkeitt erfolgen würde. Darumb bitten sie, sein f. Gn. wolle sich ihr als einer gemeinen sache annehmen.
Die ursachen aber, warumb inen dieselbe gebühret, seindt2: 1) Das stifft sey vor 28 jahren reformiret3; 2) wie auch das capittel und landtschafft. 3) Anno 66 sey der ksl. Mt. die /269’/ postulation insinuiret, von irer Mt. derselben nicht wiedersprochen. 4) Anno 66 in Ungern mit der postulation vorfaren, approbante caesare, ungeachtet das man gewust, das ire f. Gn. heyratten wurden: Ire postulation sey approbiret und gluck dartzu gewundtscht worden. 5) Anno 82 die seßion gehabt, auch den reichstag bewilliget[!], alleine er solte sich bei dem babst habilitiren. 6) Sey ausschreibender kreisfurst, und do er die seßion nicht haben soltte, würde er die contribution nicht erheben können. Referiren sich uff eine schrifft. Bitten rath, damit man desto mehr vota haben und sie nicht außgeschloßen würden. Inmaßen dann auch eine sonnderliche schrifft4 daruber gefertiget wehre. Und was von Magdeburgk gesaget, das sey auch uff Bremen, Halberstadt, Lubegk, Verden, Oßnabruck und Ratzeburgk gemeinet.
/270/ Kuradministrator Friedrich Wilhelm lässt antworten, das sein f. Gn. diesen großwichtigen sachen nachdencken wolte5, und stellete zu inen, ob sie irer f. Gn. die schrifft zu weitterem nachdencken zustellen woltend.
B) Beratungen der Stände des Heilbronner Abschieds
Textvorlage: , fol. 263–265.
Klärung der Position Württembergs zum Heilbronner Abschied und zum Anschluss an die Gravamina.
/263/ (Vormittag). Beratung der Gesandten der beim Tag in Heilbronn vertretenen Stände, ohne Württemberg (Kurpfalze, Magdeburg, Pfalz-Zweibrücken, Brandenburg-Ansbach, Baden-Durlach), einberufen von den Kurpfälzer Gesandten in ihre Herberge.
Kurpfalzfproponiert: Am Vortag hat Württemberg ausdrücklich votiert, sich nach Saxenn zu regulieren6./263 f./ Dies widerspricht dem Abschied von Heilbronn7, da auf Kursachsen /263’/ keine rechnungk zue machennund der Abschied klar ausdrückt, dass die unterzeichnenden Stände auch alleinn beisammen stehen unnd bleibenn sollenn.Deshalb stellt Kurpfalz zur Frage, 1) ob man Württemberg auf den Abschied verweisen und eine Erklärung fordern soll; 2) g–ob man das Verhalten den eigenen Herren berichtet und um deren Weisung bittet–c; 3) was zu tun ist, falls Württemberg auf diesem Standpunkt beharrt. /263’ f./ Daneben berichtet von Dohna [Kurpfalz], der Württemberger Gesandte Gf. [Konrad] von Tübingen habe ihm versichert, der Hg. werde seine Zusage in Heilbronn halten8. Demgegenüber sieht man, /264/ wie kalltdie Württemberger agieren und auch nicht an allen Sitzungen der protestantischen Stände teilnehmen.
/264 f./ Beschluss: Kurpfalz soll die Württemberger Gesandten befragen, ob sie beauftragt sind, den Heilbronner Abschied zu vollziehen.
Die Pfalz-Zweibrückener Verordneten teilen dazu mit, die Württemberger Gesandten hätten ihnen gegenüber erklärt, h–Hg. Friedrich wolle sich keineswegs vom Heilbronner Abschied distanzieren, doch sei zu bedenken, ob die Gravamina, die in Heilbronn /264’/ gleichsamm tumultuarie zusammenn verzeichnett, allso geschaffenn unnd qualificirt, das sie directo in iure et facto notoria seyenn./265/ Nur letztere Gravamina sollen dem Ks. vorgebracht werden, diese allerdings cum comminatione non contribuendi–d.
C) EinzelUnterredungen
Absprache Kursachsens mit Pfalz-Neuburg: Gravamina und Session der reformierten Hstt.
/43/ (Nachmittag, [vor 14 Uhr]). Unterredung der
Pfalz-Neuburger GesandtenRoth von Schreckenstein und Fröhlich mit den
kursächsischen RätenBock, von Ende und Badehorn in deren Quartier9: Pfgf. Philipp Ludwig hat vertraulich vom gestrigen Beschluss der anderen CA-Stände erfahren10, ihn und Kuradministrator Friedrich Wilhelm über ihre bisherigen Beratungen, die sie lediglich praeparatorie und zu gewinnung der zeitgeführt hätten, zu informieren. /43 f./ Da der Pfgf. nunmehr hört, dass wegen der bereits erfolgten Erklärung des Kuradministrators11die anderen Stände für 13.30 Uhr einberufen werden, ihm dazu aber nicht angesagt worden ist, bittet er um Auskunft dazu.
/43’/ Kursachsen: Kuradministrator Friedrich Wilhelm wurde gestern über die bisherigen Verhandlungen zu den Gravamina unterrichtet und gebeten, er möge sie ebenfalls unterstützen. Er sagte dies in allgemeiner Form mit der Einschränkung zu, das es alles congruo /44/ tempore et legitimo modo und also erst nach angehorter kayserlicher proposition geschehen solte,auch um den Eindruck zu vermeiden, als ob mann sondere conspirationes und confoederationes anrichten wolte.Heute Vormittag folgte die Unterrichtung über den bisherigen Beschluss zur Session Magdeburgs und anderer Hochstiftsadministratoren, wonach bei deren Verweigerung nicht nur die betroffenen, sondern alle CA-Stände uß dem consilio abtretten und kheiner deliberation beiwohnen solten./44 f./ Sie, die kursächsischen Gesandten, haben dies ohne weitere Stellungnahme entgegengenommen, gehen aber davon aus, der Kuradministrator werde /44’/ inn diß vorhaben im wenigsten willigen noch darein rathen.Daneben hat er die Gravamina heute mit seinen Räten erörtert und festgestellt, dass sie viele überflüssige Punkte enthalten, die gestrichen werden sollten. Kursachsen konstatiert demnach weitgehende Übereinstimmung mit Pfalz-Neuburg im Hinblick auf die Gravamina.
D) Verhandlungen der protestantischen Stände bei Kurpfalz
Textvorlage: , unfol.
Verlesung und Korrektur der Magdeburger Deduktionsschrift mit Darlegung des Sessionsanspruchs.
Verhandlungenider protestantischen Stände bei Kurpfalz[Gesandte: Kurpfalz, Kurbrandenburg, Erzstift Magdeburg, Hst. Straßburg, Hst. Halberstadt, Stift Walkenried, Pfalz-Zweibrücken, -Veldenz, Brandenburg-Ansbach, Braunschweig-Grubenhagen, ‑Wolfenbüttel, ‑Lüneburg, Baden-Durlach, Hessen-Kassel, ‑Marburg, ‑Darmstadtj, Holstein, Anhalt, Wetterauer Gff., Gff. [Gottfried] von Oettingen und [Georg Friedrich] von Hohenlohe, Gf. von Schwarzburg, Gff. von Schwarzburg und von Stolberg (für Gft. Honstein), Städte k–Aachen, Regensburg, Straßburg, Ulm, Speyer, Esslingen, Frankfurt, Nördlingen, Colmar–c,12].
Bekanntgabel, dass die Gesandten von Kurpfalz, Kurbrandenburg, Pfalz-Zweibrücken und der Stadt Straßburg [gestern Abend] Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen über die bisherigen Verhandlungen, die nur praeparations weiße unnd kainnerlei weiße, Sachßenn vorzugreiffenn,geführt worden sind, informiert und ihn gebeten haben, dass er sich vonn denn praeparatoriis tanquam a bono publico nicht sondernn woltte13. Daruff ir f. Gn. sich erclerett, das ir f. Gn. nicht bedachtt, davonn abzusetzenn, nur alleinn das es decenti modo geschehe unnd nicht praecipitanter.Übergabe der konzipierten Gravamina14an Kuradministrator Friedrich Wilhelm, der eine Stellungnahme zugesagt hat. Die Verhandlungen zur Session der reformierten Hstt. sind dabei nicht angesprochen worden, m–weil die Magdeburger Gesandten nicht zugegen waren–e. Deshalb ist der Kuradministrator erst heute Morgen über diese Beratungen unterrichtet worden15. Er hat geantwortet, das dießes bedenncklich, darumb wolttenn sein f. Gn. demselben nachsinnenn unnd sich fernner erclerenn. Unnd weill die magdeburgischenn insonnderheit angetzeigt, wie es umb das stifft Magdeburgk beschaffenn, hatt hertzog Friederich[Wilhelm] begerett, da was deßwegenn zu papir gebrachtt, woltten sie es ir f. Gn. auch ubergebenn.
Verlesung der von den Magdeburger Gesandten formulierten Deduktionsschrift16, die sie ohne vorherige Stellungnahme der anderen Stände nicht übergeben wollenn.
Umfrage. Beschluss gemäß Votum Kurbrandenburg: Mehrheitliche Billigungo.
Einwände: Pfalz-Zweibrücken: Zu korrigieren ist, das gesetztt, es hettenn nur etliche stendt dem vorbehaltt17 wiedersprochen: Wehre in genere zusetzenn.
Braunschweig-[Wolfenbüttel]: Dem gemeinenn wergk wehre mitt der deduction nicht gedienett, p–weill die argumenta und grunde nur uff Magdeburgk unnd nicht die stiffte, so noch papistenn und welche bischoffe evanngelisch, gerichtett18. Derowegenn gebetten, derßelbenn notturfft auch hineinn zu setzenn–h.
Hessen-[Kassel]: Wir hielttenn es darfur, der administrator zu Magdeburgk wurde die argumenta rei, quae tractandae, erst woll erwogenn habenn. Ließen es vor unns beschehenn, das es ubergebennq.
Kurpfalz: Hieltt auch darfur, das der braunschweigischenn erinnerung nicht untzeittig.
Beschluss: r–Die Gesandten der reformierten Hstt. sollen am nächsten Tag nochmals beraten und sich einer schrifft vergleichenn–j.
E) Einzelunterredungen
Unterrichtung Kurbrandenburgs über Gespräche Kuradministrator Friedrich Wilhelms von Sachsen und Pfgf. Philipp Ludwigs von Neuburg mit dem Ebf. von Salzburg wegen der Beilegung des Magdeburger Sessionsstreits.
/74/ (Abend). Unterredung der
kursächsischenmit den
Kurbrandenburger Gesandtenvon Schlieben, Barth und Köppen, die in das kursächsische Quartier kommen19. Für Kursachsen bringt A. Bock vor, dass der Kuradministrator gantz sorgkfeltigk und bekummertt wehre wegen der gemeinen sachen, und so viel ahn ihr f. Gn.,[wollte er] gern sehen, daß allen beschwerden nach muglikeitt abgeholffen wurde und die sachen ihren gewunschetten effect erreichetten. Und ihnsonderheitt sehen sein f. Gn. gahr gern, daß dem hern administratori des ertzstiffts Magdeburgk die session ihm rathe nicht mochte gefochten werden. Hetten demnach sein f. Gn. neben pfaltzgraff Philip Ludewigen20 allbereitt mittell und wege fohr[!] die handt genohmen […], daß diesem mochte vorgebauet werden. Und zuforderst bey dem, der zuvor solchen streitt erregett, als Saltzburgk, die sachen handeln lassen, auch so weitt vortrostunge erlanget, daß hoffentlich[?], so viel sein, saltzburgens person, belangette, es furder keinen mangel haben würde oder je auff solche mittell und condition gerichtett werden mochte, die unß21 nicht zuentkegen sein wurden. /74’/ So liessen sein f. Gn. auch bey den andern geistlichen stenden die sachen also untterbauen (und, vortraulich zu melden, eben durch Saltzburgk22), daß verhoffenlich es sich auch aldar nicht stossen wurde. Und dohefern[!] es also ervolgte, wehren sie ferner der hoffnunge, es soltt der röm. ksl. Mt., unserm allergnst. hern, auch nicht zuentkegen sein. Sie kontten unß aber nicht gewiss darauff vertrosten, sondern woltten unß allein vertraulichen, waß fohr wehre, entdecktt haben, damitt wihr ihme auch nachzudencken, und da es auff den sontagk ahn unß ferner bracht wurde, desto baß gefassett wehren und darinnen nachrichtunge hetten. Ir f. Gn. wurden bey disen und andern sachen thun, waß muglich, alleine woltten gern geburlich und mitt bescheidenheitt verfahren, dan sie gewisse nachrichtunge hetten, dahe man auff den rauhen wegen, die vohr wehren, verharren und alles mitt gewaldt erzwingen woltte, wurde nichts zuerhaltten sein. Bitten schlieslich, wihr woltten es auch fuhr unß bey den andern stenden dahin arbeitten helffen, daß man doch geburliche moderation brauchte, mitt dem kopffe nicht oben auß und nirgend ahn woltte. Es wurde den sachen doch wol ihre geburliche maß gegeben werden.
/75/ Antwort der Kurbrandenburger Gesandten: Vernehmen gern, dass Kuradministrator Friedrich Wilhelm sich bemüht, den Sessionsstreit in der guete hintzulegen; wie wir dan vormercket, dz sein f. Gn. durch diese mittel der sachen einen gueten ahnfang gemacht und an den rechten orthe ahngegriffen. Machten uns kein zweifel, dofern sein f. Gn. also continuirete, Gott wurde seinen segen geben, dz ein gueter effect erfolgete; wurde vielen sachen zutreglichen sein.Danken für die vertrauliche Mitteilung und die Bemühungen des Kuradministrators. Es wurde ja nichts gesuchet, so nicht an sich selbst /75’/ billich und nicht allein dem hause Brandenburg, sondern allen stenden in gemein zum besten kehme. Man wehre nicht bedacht gewesen, in dieser sachen etwz unbillichs noch ungewohnlichs vorzunehmen. Dz aber die stende beyeinander stunden, erfordert die notturfft. Dann weil es den bepstischen nicht schimpflich und schedlichen, dz sich einer des andern annehme und assistentz leiste, köntte es unsern evangelischen auch nicht spöttlich noch vorweißlichen, sondern viel mehr nutzlichen und ruhmlichen sein.Wollen ihre Mitgesandten unterrichten und sagen zu, alles zu befördern, so zu fried und ruhe dinstlichen und dardurch dem gemeinen wesen geholffen werden möchte.Bitten, do sie uns vortraulichen konten unter die handt geben, auf was maß und wege es zurichten.Dies ist jedoch bei den kursächsischen Gesandten nicht zuerhalten gewesen, cum appendice, dz wir es sonsten vornehmen wurden.Replik Kurbrandenburg: Do es solche wege, die dem hause Brandenburg nicht vorweißlich, sondern rhumlichen, wolten wir es ferner zu danck ahnhören und gebuhrlichen erzeigen.Beim Verlassen des Sitzungszimmers äußert A. Bock vertraulich ihm, Barth, gegenüber, die ksl. Mt. sehe gerne, dz in der sachen mittel getroffen, mit dem hern administratori daraus geredt, auch darneben gegen seiner f. Gn. ahngedeutet, sie wurden berichtet, es wehre allerlei auf der bahn, sein f. Gn. wolten, wo sie köntten, es wieder helffen zu rechte bringen.