Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe. Reichstagsakten unter Kaiser Karl V., XI. Band. Der Reichstag zu Regensburg 1541 bearbeitet von Albrecht P. Luttenberger, für den Druck vorbereitet von Christiane Neerfeld

Würzburg StA, Wzbg. RTA 17, fol. 399r–401r (Reinkonz.); AV fol. 399r: 15. schreiben. Mit Hanß Megell gein W[ürzburg] geschickt.

Angestern umb vier hoer ist der Domherr Sittich Marschalk angekommen mit dem Schreiben Bf. Konrads, in [= ihn], auch H. Mathes Main, dechant, mit der probstei zum Neuwen Munster etc. belangen1.Wollen dem Befehl Bf. Konrads nachkommen, wie ihm Marschalk berichten wird.

Heute hat Caspar von Augsburg, Bote Gf. Ernsts von Hohnstein ihnen zwei Briefe des Grafen an Bf. Konrad übergeben, von denen sie einen geöffnet und gelesen haben, dweil derselbig nit zu eigen handen gestanden. Haben aus der Beilage, Georg Schappelspenglers Supplikation und Handschreiben, geschlossen, dass auch der andere Brief, so euren fstl. Gn. zuhanden steht, diesselbe Sache betrifft. Haben deshalb diesen Brief auch geöffnet und ihre Vermutung bestätigt gefunden. Und auch weiter, wie eure fstl. Gn. auß denselbigen schrieften nach der lenge zu vernemen, das der genant Schappelsplenger (der bißanhere vor thot gesagt) noch in leben, auch mit seinem weib und kinden in hochster unainnigkhait, auch widderwillen ist und er sein weib und sone, aüch sie inen herwidder, ernstlich zü verfolgen unterstehn, a villeicht, wie uns der genant botte bericht, ains khöbsweibs, die er nhün bei drei jaren bei ime gehapt, aüch mit ir ain kyndt gezeügt, auch on zweifel anderer ursach halber etc.–a

Dweil dann deß gemelten Schappellspenglers sone und haußfrauw jungst eure fstl. Gn. allhie vor röm. ksl. Mt. beclagt und doneben villerlai vermainlich schrieften eingelegt, hat der Kanzler Dr. Farner alle diese Akten mit nach Würzburg genommen, um die Resolution des Bischofs einzuholen, domit wir der ksl. Mt. anstatt eurer fstl. Gn. derhalb antwort geben mochten. Hielten für notwendig, dem Bischof die beiden Briefe zu seiner Information noch vor der Rückreise des Kanzlers zukommen zu lassen. Für den Fall, dass der Kanzler schon abgereist sein sollte, bitten sie um umgehende Resolution des Bischofs. Wollen bis dahin die Antwort an den Kaiser verzögern.

Sonst sein alle sachen allhie noch in stillstandt, wie euren fstl. Gn. wir jungst und auch zuvor mermals geschrieben. [...]. Datum Dinstag in Pfingstfeierdagen, den 7. Juni anno 1541.

Postscripta und nach mittag umb drei hoer bin ich, hoffmeinster, sampt probst Hotfilder und dem Ewalden mit H. Sittich Marschalcken zu dem legaten gangen. Ist zu allem gluck der nuntius apostolicus auch bei ime gewesen, hat ermelter Sittich in irer beder anwesen eurer fstl. Gn. schrieften uberantwort, auch sein pitt und begere der vermainten excommunication halb etc. gethan, daruff der legat sich vernemen lassen, er wollte die schrift sampt den inverleibten berichten etc. verlesen und ime morgen oder anders dags sein gemut verner entdecken etc. Sein wir abgetretten, nichts weitters handlen khonnen, aber probst Hotfilder hat sich, hinfuro mit ime zu gehen und die sachen furdern zu helfen, erpotten. Datum ut in litteris.

Zettula: Gnediger herre, als wir angestern eurer fstl. Gn. reitpotten Hanß Megelln mit diser schrieften fertigen lassen und ime befellich gethan, uff heut fruwe zu reiten, hat die ksl. Mt. gegen dem abent umb sieben hoer dürch des reichs erbmarschalck allen stenden und bottschaften ansagen lassen, uff heut umb drei hoer in irer Mt. herberich zu erscheinen, irer Mt. gemuth zu vernemen. Und als die stende und bottschaften und wir unter inen uff gemelt zeit und malstat erschienen, hat ir Mt. durch Hg. Friderichen Pfgf. anzeigen lassen ongferlich nachvolgende maynung:

Den stenden in gemain were wole khundt und wiessen, warumb ir Mt. dise reichsversamlung außgeschriben, sich auch personlich allhier gefuegt und in anfang der reichshandlung der articul, die religion etc. belangen, mit gemainer stende rat und gutbeduncken fur handt gnomen worden, derhalben auch von irer Mt. uff zulassen gemainer stende etzliche collocutores zu vergleichung der strittigen religionsachen verordent, welche collocutores b ain gut zeit anhere uber der handlung gesessen, sich bearbeit, und–b etzlicher articul verglichen und herwidder etzlicher unverglichen plieben, welche handlung sie, die collocutores, volgents irer Mt. in schrieften ubergeben, c die ir Mt. den stenden auch furlegen wollt–c, mit begeren, sie, die stende, wollten uber sollich handlung der religion auch sitzen, die ersehen und irer Mt. in den verglichen, auch strittigen articuln iren rathe und gutbeduncken mittheilen, damit ir Mt. in verner handlung khomen megt, auch friede und aynigkhait in hl. reich erhalten wurde.

d Und dweil bißanhere ain gut zeit alhie verlauffen, aber nichts sonders außgericht, were ir Mt. verner begere–d, das die stende darneben den articul der eilenden und beharrlichen türckenhilfe, auch sonst andere notwendige sachen furhandt nemen, darinnen radtschlagen und mit irer Mt. gutbeduncken schliessen, darzu ir Mt. zem besten auch radtlich und hilflich sein wollt etc.

Uff sollichs haben gemeine stende nach gehaptem bedacht copei dises furtrags [Nr. 110], auch sonst die gantze handlung, so von den collocutoribus ubergeben, begert e und sich doneben erpotten, darinnen zu ersehen und irer Mt. ire gutbeduncken daruff untertheniglich anzuzeigen etc., wie dann eure fstl. Gn. von dem schriftlichen furtrag gruntlicher vernemen werden–e. Und ist also uff morgen umb sechs hoer, dye handlung abzuschreiben, angesagt worden.

Es haben sich auch die protestirenden vernemen lassen, mit gemeinen stenden in den articuln außerhalb der religion furzuschreiten.

Dem allem nach wir disen potten nit lenger uffhalten, sonder wollen euren fstl. Gn. jederzeit, was verner furgnomen f und von noidten ist–f, in unterthenigkeit zu wissen thun. [...]. Datum Regenßburg, Mittwoch nach Pfingsten, den 8. Junij anno etc. 1541.

Zettula: Gnediger herr, nach fertigung dises ingelegten zettuls ist gegen der nacht umb acht hoer uff morgen abermals bei ksl. Mt. in irer herberich umb drei hoer nach mittag allen stenden zu erscheinen angesagt worden, also das wir verhoffen, die sachen sollen nhunmehr schleuniglich von statten gehn. Datum ut supra.

Anmerkungen

1
 Vgl. Bf. Konrad von Würzburg an seine Reichstagsgesandten, Würzburg, 1541 Juni 1, Würzburg StA, Wzbg. RTA 17, fol. 439r–439v (Ausf.): Wird die probstey unsers stifts zum Neuenmonster belangend ihnen bey unser aigen botschaft Weisungen zukommen lassen. Datum in unser stat Wirtzburg am Mittwochen nach Exaudi anno etc. 41.
a
–a Nachgetr.
b
–b Nachgetr.
c
–c  Korr. aus: die ire Mt. ubersehen und in ain kurtzen außzugk pringen lassen. Den wollt ir Mt. itzt verlesen lassen, wie dann alsbalde gescheen. Nach sollicher verlesung und ließ ir Mt. verner an die stende.
d
–d  Korr. aus: und.
e
–e  Korr. aus: doch auf irer Mt. gefallen, auch sich doneben erpotten, in den andern articüln handlung furzunemen.
f
–f Nachgetr.