Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Klage des Mindener Domkapitels gegen den Bf. vor Hg. Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel als Schutzherr unter Berufung auf eine erneuerte ksl. Urkunde. Anerkennung der Jurisdiktion nur von Papst und Ks. sowie des Kf. von Köln als Metropolit und des Hg. von Jülich als Konservatoren des Hst.

Von den katholischen Reichsständen kopiert am 4. 8. 1594. Der Kurpfälzer Kanzlei als Beilage zu den katholischen Gravamina zusammen mit der Duplik des Ks.1 übergeben am 16. 8. In der Versammlung der protestantischen Stände bei Kurpfalz verlesen am 17. 8.2

HHStA Wien, MEA Religionssachen 7 Fasz. 2, fol. 152–153’ (Kop. Überschr.:Memoriale. Dorsv.:Gravamina mindensis episcopi. D. Von anderer Hd.:Lectum Ratisbonae in coenobio praedicatorum den 4. Augusti anno 1594.) = Textvorlage. HStA München, KÄA 3231, fol. 67–67’ (Kop. Überschr.:Gravamina mindensis episcopi.) = B. HStA München, K. blau 113/4c, unfol. (Kop.) = C. GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Ww, fol. 1038–1039 (Kop.). NLA Hannover, Cal. Br. 11 Nr. 196, fol. 109–110’ (Kop.). HStA Wiesbaden, Abt. 171 R 597, unfol. (Kop.).

Knapp referiert bei Stieve, Politik I, Anhang Nr. 7B S. 465. Vgl. Ehses, NB II/1, Nr. 346 S. 438, Anm. 2; Roberg, Reformbemühungen, 691.

Zugleich Beilage D zu den Gravamina der katholischen Stände [Nr. 418; vgl. auch ebd., fol. 52].

/152/ Dem Ks. ist anzuzeigen: Hg. Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel hat Bf. Anton von Minden am 15. 5. 1594 schriftlich mitgeteilt, das Domkapitel zu Minden habe ihm, dem Hg., ein vom Ks. renovirtes conservatorium mit einfhurung allerhandt clagten[!] insinuiren laßen, auch sich sein f. Gn. erbschutzes und zuvorderst des ksl. conservatorii halber dargebotten, daß sie, die thumbherrn zu Minden, fur irer f. Gn. gegen menniglich gleich und recht geben und nehemen wolten. Derwegen hochermelter hertzog hochgedachten bischoffen zu Minden solchs notificirt und seines ampts erinnert etc. und respective recht zunemmen angedrauwet3.

Wan dan nit allein beschwerlich, sonder auch gefehrlich, das die capitularen gegen iren herrn sub- et obreptitie et directo gegen den rechten und waren einhalta /152’/ der alten form ein special conservatorium auf einen der wiederwertigerb religions verwandtenn solten außpringen oder renoviren laßen unnd fur demselben iren eignen herrn in recht ziehenn, unerwogendass Kf. Ernst von Köln als Metropolit und Hg. Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg für des stiffts Minden conservatoren jederzeitt gehalten und noch sein; fur welchen als rechten metropolitano etc conservatoribus wie dan auch fur der bapstlicher Hlt. und ksl. Mt. ein zur zeitt bischoff zu Minden mit recht besprochen mag werden, recht zunemmen und zuerwarttenn ehrpietig ist. Wie dan die thumbcapitularn ohn das iren herrn bischoffen von wegen irer mengell und gebrechen ahm ksl. cammergericht zue Speyr mitt recht furgenommen, daselbst auch clag und gegenclag eingefhurtt und notoria litis pendentia schwebdt4:

Derwegen die ksl. Mt. /153/ aller underthenigst zupitten, das obberurtt conservatorium ex defectu notoriae subreptionis zue revociren und den capitularen zu Mindend mitt ernst einzubinden und zubefehelen[!], iren herren und bischoffen gepuerlichen gehorsam zuerzeigenn, auch ire mengell und gebrechen, so sie gegen irenn herrn bischoffen zuhaben vermeinen, an ir gepuerlich ort, do sie irer art und eigenschafftt nach hingehorig oder do sie albereitt mitt recht anhengig gemachtt, gelangen zulaßen und außzufhuren.

[Ohne Unterzeichnung].

Anmerkungen

1
 Nr. 406.
2
 Nr. 224.
3
 Hintergrund sind die Konflikte zwischen Bf. Anton, der 1587 unter Umgehung des Wahlrechts des Domkapitels von Ebf. Ernst von Köln als Bf. nominiert worden war, und dem mehrheitlich protestantischen Kapitel vorrangig um die Wahlkapitulation, die die weltlichen Hoheitsrechte des Bf. empfindlich einschränkte. Die Kapitulare suchten dabei Rückhalt an Hg. Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, von 1582 bis zum Rücktritt 1585 (wegen Verheiratung) selbst Administrator von Minden, der damit zunehmend an Einfluss gewann und die oben angesprochene Übertragung des Erbschutzes und Konservatoriums durch das Kapitel erreichte. Vgl. Roberg, Reformbemühungen, 679–692; Schröer, Kirche I, 65–72, bes. 70 f. Vgl. dazu ein Kurkölner Memoriale gegen das Mindener Domkapitel und dessen Verbindungen zu Hg. Heinrich Julius als Supplikation an die Kurie: LAV NRW R, Kurköln VI Nr. 152, fol. 301–302’ (lat. Kop.). Vgl. auch Anm. 6 bei Nr. 429.
a
 einhalt] In B: inhalt. C wie Textvorlage.
b
 wiederwertiger] In B: widerigen. C wie Textvorlage.
c
 et] In B: und. C wie Textvorlage.
4
 Im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen verklagte das Domkapitel Bf. Anton wegen Bruchs der Wahlkapitulation vor dem RKG, das sich gegen die Forderung des Bf. und von Nuntius Frangipani, das Verfahren an das Nuntiaturgericht in Köln abzugeben, verwehrte und den Bf. am 18. 6. 1591 zu einer Geldstrafe verurteilte sowie zur Beachtung der Wahlkapitulation verpflichtete (Roberg, Reformbemühungen, 688 f.; Schröer, Kirche I, 70 f.; vgl. Ehses, NB II/2, Nr. 110 S. 141 f.). Der Bf. legte wohl die angesprochene Gegenklage ein. Dagegen wird an anderer Stelle zunächst eine Klage des Domkapitels wegen Bruchs der Wahlkapitulation vor dem Ks. und sodann im Gefolge eines „Trutzbündnisses“ der Domherren vom 5. 4. 1592 am RKG erwähnt (Schröder, Chronik, 529).
d
 zu Minden] Fehlt in B. C wie Textvorlage.