Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Aufforderung an die Magdeburger Gesandten, auf die Session beim RT zu verzichten, um die Verhandlungen zur Türkenabwehr nicht zu verhindern. Zusage einer nachfolgenden Klärung der Sessionsfrage [mit Einbeziehung der katholischen Stände].

In der ersten Fassung von den ksl. Geheimen Räten von Hornstein und Freymon Kf. Wolfgang von Mainz vorgetragen am 24. 5. 15941 als Konz. für ein Dekret, das in dieser Form abgelehnt und zu Fassung B umformuliert wurde.

Die Beratungen dazu sind im Einzelnen nicht protokolliert, mit Ausnahme einer knappen Zusammenfassung in Bayern: /2’/ Konz. in Fassung A,wie es mit Magdenburg solt gehalten werden. In welchem gleichwol Maintz mit der einwilligung eben zimblich weit geen wollen, aber der herr curfürst zu Cöln, deme auch Trier beigefallen, haben solches concept durchauß nit wollen approbiern, sonder dasselb auf die maß restringiert unnd geendert, wie nachfolgend im Protokoll inseriert als Fassung B.

Der Entwurf wurde den Magdeburger Gesandten nicht übergeben.

Textvorlage für Fassung A: Bayern, fol. 2’–3’; für Fassung B: fol. 3’–42. HHStA Wien, RHR Judicialia Antiqua 273/4, fol. 315–316’ (Konzeptkop. von Fassung A, die in der Korrektur zu Fassung B umformuliert wird. Dorsv.:Röm. ksl. Mt. gehaimen rath, herrn Hans Christofen vonn Hornstain.) = B.

Entwurf A:

/2’/ Es wussten sich die magdenburgische oder brandenburgische abgeordnete zuerindern, wessen sich ir ksl. Mt. hiebevor gegen ihren herrn in schrifften erclert3, das sy nemlich in betrachtung gemainer christenhait scheinbarlicher vor augen schwebender noth dißmahl es der begerten session unnd stim halben bei dem wolten lassen, wie es bei den reichstägen anno 70 und 76 gehalten worden4, damit nichts zerritlichs auf die pan gebracht unnd diß /3/ notdrunglich defension werckh wider den erbfeindt nit aufgehalten werde, aunnd das ir Mt. erbietig weren, die catholischen stende fürderlich hierüber zuvernemmen, ob etwan thuenliche oderb verandtwordtliche mitl unnd weg zefinden, wie disem werckh ainßmals geholffen werden möge. Nun heten ire Mt. nit underlassen, ein solches etlichen fürnemmen catholischen stenden zuerkhennen zegeben5, befinden aber die sachen in der richtigkhait nit, das[man] jetzo in diser khurtze unnd eil unaufgehalten deß haubtwerckhs, darumb man jetzo alhie, zum ausschlag khommen khönde–a. cDieweihl dan ihre Mt. in der endtlichen unnd zuversichtlichen hoffnung stuenden, es wurde Brandenburg6 alß ein friedlicher fürst dises, gemeinem wesen unnd wohlstandt zum besten, in gebürender acht haben–c, so wollen sich ir ksl. Mt. zu ihnen, den abgesandten, allergnst. versehen unnd begert haben, sy wollen unnd werden sich dißmahlsd,7 ihrer Mt. zu gehorsamen ehren der session unnd stim enthalten unnd zu verhinderung deß haubtwerckhs bei diser angelegnen grossen noth eines andern, alß bißheer beschehen, nit unnderfangen oder zu zerrittung uhrsach /3’/ geben. Seyen ire ksl. Mt. deß ksl. erpietens, ehernachst den sachen, wie dennselben gebürlich abzehelffen sein mechte, vernersf allergnst. nachzuedenckhen–e, gnechster gelegenhait hernach die sachen wider für handt zenemmen, die catholischen curfürsten, fürsten unnd stende darundter notdurfftigkhlich zuhören unnd, wie disem werckh abzuhelffen, ir verners gnst. angelegen sein zelassen–g.

Entwurf B:

/3’/ Es wussten sich die magdenburgische oder brandenburgische abgeordnete zuerindern, wessen sich ir ksl. Mt. hiebevor gegen ihren herrn in schrifften ekhlert, daß sy nemblich in betrachtung gemainer christenhait scheinparlicher vor augen schwebender noth dißmahl es der begerten session unnd stim halben bei dem wolten lassen, wie es bei den Reichs tegen anno 70 unnd 76 gehalten worden, damit nichts zerritlichs auf die pan gebracht unnd diß notdringlich defension werckh wider den erbfeindt nit aufgehalten werde. Dieweihl dann ir Mt. in der /4/ endtlichen unnd zuversichtlichen hoffnung stienden, es wurde Brandenburg alß ein friedlicher fürsst dises, gemeinem wesen unnd wohlstandt zum bessten, in gebürender acht haben, hso woltten sich ir ksl. Mt. zu inen, den abgesanten, allergnedigst versehen und begert haben–h sy wollen unnd werden sich ihrer ksl. Mt. zu gehorsamen ehren der session unnd stim enthalten unnd zu verhinderung des haubtwerckhs bey diser angelegnen grossen noth eines anndern, alß bißheer beschehen, nit unnderfangen oder zu zerrittung uhrsach geben. Seyen ire ksl. Mt. deß ksl. erbietens, hernachst den sachen, wie denselben gebürlich abzuehelffen sein mechte, vernersi allergenedigst nachzudenckhen.

Anmerkungen

1
 Vgl. Nr. 231. Vgl. zu den Entwürfen und den diesbezüglichen Verhandlungen: Stieve, Politik I, 205–207 (mit Referat des Dekrets ebd., 205, Anm. 1); Ranke, Geschichte, 131.
2
 Die beiden Entwürfe sind in das bayerische Protokoll inseriert. Daneben liegt nur das Konz. in HHStA Wien, RHR Judicialia Antiqua 273/4 vor.
3
 Bezugnahme auf das Schreiben des Ks. an Joachim Friedrich von Magdeburg vom 6. 4. 1594. Vgl. Einleitung, Kap. 3.5.1 mit Anm. 460.
4
 Administrator Joachim Friedrich beschickte die RTT 1567, 1570 und 1576, zu denen der Ks. das Magdeburger Domkapitel geladen hatte, nicht, um den Anspruch auf seine persönliche Vertretung nicht infrage zu stellen (Lossen, Sessionsstreit, 627, gegen die Argumentation bei Wolf, Anfänge, 400) oder um Differenzen um den Sessionsanspruch und den Vorrang im FR aus dem Weg zu gehen (Leeb, Sessionsstreit, 16; für RT 1570 vgl. Lanzinner, RTA RV 1570, Einleitung, 160). Vgl. Foerster, Sessionsstreit, 27; Droysen, Geschichte, 302.
a
–a unnd … khönde] In B gestrichen [= wird für Fassung B gestrichen].
b
 oder] In B: und.
5
 Vgl. Nr. 228, Absatz 1; Nr. 229, Absatz 1; Nr. 231.
c
–c Dieweihl … haben] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus: Derwegen.
6
= Administrator Joachim Friedrich von Magdeburg, hier tituliert als Mgf. von Brandenburg.
d
 dißmahls] In B gestrichen [= wird für Fassung B gestrichen].
7
 Dagegen war das Wort „dißmahls“im gültigen Bescheid des Ks. für die Magdeburger Gesandten [vgl. Nr. 320, Absatz 5] wohl wieder enthalten. Vgl. Bericht Hg. Maximilians an Hg. Wilhelm V. von Bayern vom 1. 6. 1594: Bescheid des Ks., den die Magdeburger Gesandten unter Protest angenommen haben: Sie /155/ werden es bey dem, wie es bey andern reichstägen herkhommen, dißmals lassen bleiben unnd das haubtwerckh lennger nicht verhindtern.Dazu als Kommentar Maximilians: Das Wort „dismals“ ist ein böses wörtl, und wider der katholischen stende bedencken und willen von den khaiserischen hinzuegeben worden(HStA München, KÄA 3232, fol. 153–156’, hier 155. Or. Vgl. Stieve, Politik I, 208 f., Anm. 3; Albrecht, Maximilian I., 126 f.).
e
–e hernachst … nachzuedenckhen] In B Hinzufügung am Rand.
f
 verners] Fehlt in B.
g
–g nechster … zelassen] In B gestrichen [= wird für Fassung B gestrichen].
h
–h so … haben] Ergänzt nach B. In der Textvorlage bei der Übernahme aus Fassung A wohl irrtümlich ausgelassen.
i
 verners] Fehlt in B.