Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe. Reichstagsakten unter Kaiser Karl V., XI. Band. Der Reichstag zu Regensburg 1541 bearbeitet von Albrecht P. Luttenberger, für den Druck vorbereitet von Christiane Neerfeld

Berlin GStAPK, XX. HA, StA Königsberg, HBA H (Kasten 772), unfol. (Ausf.); DV v. a. Hd.: Ankommen zu Konigsperg, den 21. Marcij 1541, beantwort, den 23. Marcij 1541.

Es ist ein Gesandter des Kf. von Sachsen mit Namen von der Thann hier eingetroffen, um Erkundigungen einzuziehen, wie es sich mit dem Reichstag anlässt, und doneben ksl. Mt. in aller undertenikeyt anzuzeygen, das dy procedyrenden [sic!] stende, ehe und zufor sy mugen genugsam, wy begert, eyn geleyt und entlichen fride ader zum wenigesten eyn geraumen anstant eynes fridens erlangen und, das sy auch ire prediger eyn iglicher in seyner herbergen ungewert predigen mogen lassen, den reychstagk nicht besuchen konnen, aus angezeygetten orsachen, wie der Herzog den zugeschickten Schriften entnehmen kann.

Unter den hiesigen Ratsherrn sagt man, dass der Friede und das Geleit, wie beantragt, bereits zugesagt worden seien. Aber Granvelle hat bisher nur ein Versprechen abgegeben und noch kein entsprechendes Schriftstück ausgefertigt. Die evangelischen Stände seynt mit gutten worten gewicziget worden. Denn bisweilen hat man Brief und Siegel nicht gehalten. Man handelt mit hinterlistigen Praktiken. Man erwartet aber, dass der Kaiser es an dem, was gefordert wird, nicht wird fehlen lassen, um die Fürsten zum Reichstag zu bringen, den er bedruket und dorzu vom Turken und auch Kg. von Franckreych verorsachet etc. Was geschehen wird, wird die Zeit geben. Nach eingegangenen Briefen soll der Kaiser erst heute von Speyer nach Heidelberg ziehen und noch am Podagra leiden. Gestern ist Hg. Heinrich [von Braunschweig] mit 70 Pferden hier eingetroffen. Obwohl sein Gefolge sich sehen lässt, kann man ihn selbst doch nicht zu Gesicht bekommen. Einige meinen, er sei insgeheim zum Kaiser gereist.

Der Krieg zwischen junker Balzer2 und Bremen soll beigelegt sein. Der Junker ist während der Belagerung gestorben. Seine Herrschaften sind einem von Reypbergk [= Rietberg] zugefallen. Mit diesem wurde unter Vermittlung Kursachsens und Hessens ein Vertrag geschlossen, der ihn zur Zahlung einer Kriegsentschädigung von 60.000 fl. verpflichtet. Die ererbten Herrschaften muss er von Bremen zu Lehen nehmen. Bremen hat sich an diesen Herrschaften das Öffnungsrecht vorbehalten.

Man hört noch nicht, dass der Kf. von Brandenburg oder andere Kurfürsten und Fürsten zum Reichstag ziehen. In Regensburg lassen allerdings viele Fürsten einkaufen. Der Kaiser soll von den rheinischen Kurfürsten gebeten worden sein, den Reichstag an den Rhein zu verlegen, damit, falls ein Feldzug gegen den Türken unternommen werden müsse, an der Donau der Proviant nicht aufgezehrt werde. Der Kaiser habe dies aber nicht tun wollen. In Nürnberg hofft man, dass, wenn es nur zum Reichstag kommt, cristliche eynikeyt werde aufgericht werden etc.

Kann nach wie vor nicht feststellen, dass Dänemark und Hg. Albrecht etwas zu besorgen haben. Den Deutschordensherren gibt man auf ihr Anbringen gute Worte. Pfgf. Friedrich würde gerne einen Vertrag mit Dänemark abschließen, muss aber auf den Kaiser Rücksicht nehmen. So wenig die Sache Hg. Albrechts am Anfang des Reichstages gefördert werden kann, so wenig kann auch die Sache der Deutschordensherren gefördert werden, den [= denn] dem keyser, wy gemelt, im herzen und syn hochere sachen ligen, dy er auch forderen muß und sunderlichen mit den porcediren [sic!] stenden sich zu fergeleychen, wywol ich vermerke, wyl sy sehen, des er fileycht auch mit der zeyt bekomen mucht etc. Denn der sächsische Gesandte hat ihm im Vertrauen, doch mit der Erlaubnis, dem Herzog davon Mitteilung zu machen, gesagt, dass die protestantischen Stände zu Naumburg beschlossen haben, den Städten Braunschweig und Goslar Hilfe zu leisten. Zu diesem Zweck haben der Kf. von Sachsen und der Lgf. von Hessen 400 Reiter und 2.000 Knechte bereitgestellt, die auf Sonntag Invocavit [1541 März 6] unter Führung ihres Obersten von Mila aufbrechen sollen. Die Stadt Braunschweig und die Städte Lüneburg, Hamburg, Bremen und Lübeck sollen gut gerüstet sein. Die Protestierenden erklären, so handeln zu müssen, nachdem sie vergeblich beim Kaiser, beim König und bei allen Fürsten um Schutzmaßnahmen gebeten haben. Noch immer sollen 100 Reiter Hg. Heinrichs von Braunschweig um Goslar liegen, die jeden, der sich aus der Stadt wagt, erstechen. Auch sollen die Brandstifter vom Hg. von Braunschweig und dem Kf. von Mainz beauftragt sein, wie die Gefangenen bekennen, die man auch zum Reichstag bringen will. Der Kg. von Frankreich soll rüsten. 

In Italien soll sich die heylige, cristliche ler stark ausbreiten, besonders in der Stadt Lucca. Der Papst soll die Prediger vorgefordert und besprechet haben. Die Prediger haben so gut bestanden, dass der Papst gesagt hat: Gehet hin und prediget den namen Cristi. Auch der Hg. von Felerenzarh fordert die Predigt der christlichen Wahrheit. Deshalb soll ihn der Papst gebannt haben. Auch in Venedig soll die Unterrichtung in der christlichen Lehre gestattet sein. Dies ist dem Schürstab und anderen als wahr geschrieben worden. Wird auch den sächsischen Gesandten um Bericht bitten.

Das der keyser bedruket, so wollen sy auch sehen, das sy ire sache bey im ausrychten, wy sy wollen, ader wellen auch nicht, wy er wil etc. [...]. Dattis in eyl zu Nurenbergk, den 4. Februari anno 1541.

[PS:] Wenn er länger hier bleiben soll, wäre es gut, wenn er einen Chiffrierschlüssel hätte, damit er auch Vertrauliches schreiben kann. H. Schürstab erbietet sich hoch gegenüber dem Herzog und will ihn mitsamt seinem Knecht und den Pferden in seinem Haus aufnehmen.

[Zettel:] Will noch hier bleiben, bis der Kaiser durchzieht. Will schreiben, was sich hier ereignet. Wenn der Kf. von Brandenburg sich nicht zum Reichstag begibt, will er mit Mgf. Georg oder Mgf. Albrecht dorthin ziehen. Will, was ihm möglich ist, in des Herzogs Sache tun. Hat zu Ansbach vorgeschlagen, ob man euerer fstl. Gn. halben etwas, dyweyl der keyser hinkomet, het konnen anwerfen. Aber die Räte haben es widerraten. Man solle den Kaiser mit keiner Sache beschweren. Trotzdem werden sie wegen des Baues zu Nürnberg verhandeln. [...].

Hans Sigmund Abschberger, der am 10. Februar vom Hof Kg. Ferdinands eingetroffen ist, berichtet über die Entwicklung in Ungarn: In Ofen soll eine große Teuerung und Mangel an Brot und Holz sein. Die Kgn. Isabella hat erneut Verhandlungen gewünscht. Deshalb ist der von Solmeshingeschickt worden. Stuhlweißenburg soll sich Kg. Ferdinand ergeben und ihm als Verehrung ein Trinkgeschirr zugeschickt haben. Der König soll 400 Husaren und 2 Fähnlein Knecht in den Ort gelegt haben. Siebenbürgen hat sich bis auf eine Stadt Kg. Ferdinand ebenfalls unterworfen. Siebenbürgisches Ersuchen an Ferdinand um Entsendung von 5.000 Knechten zur Unterwerfung dieser Stadt. Erfüllung dieser Bitte durch Kg. Ferdinand. Viele ungarische Herren sollen zu Kg. Ferdinand übergehen wollen. Aber da sie sich früher übel gehalten haben, will sie Kg. Ferdinand nicht zu Gnaden aufnehmen. Der Pascha, der Ofen entsetzen sollte, soll gestorben sein. Scharmützel zwischen ungarischen und dt. Knechten am Neujahrstag mit einigen Toten. Kg. Ferdinand zeigt sich gegenüber Mgf. Georg sehr gnädig und hat ihm versprochen, ihm im Falle der Eroberung Ungarns alle ihm zustehenden Güter zuzustellen. H. Łaski soll vom Sultan abgefertigt worden sein und bereits Griechisch Weißenburg erreicht haben, als der Sultan ihn wieder zurückbeorderte. Der Sultan soll Łaski noch immer festhalten. Got helf im und Aschwerio Brant auch.

Am 12. Februar ist der Kaiser in Crailsheim angekommen, wohin ihm Mgf. Georg und Mgf. Albrecht mit 200 Pferden entgegengezogen sind. Der Kaiser ist auf einem Schlitten gefahren, den ihm Mgf. Georg mit 6 Wagenpferden, alles wol gepoczet, doch alles schwarz, den der keyser noch ganz in traurenkeleyder gehet, nach Schwäbisch Hall geschickt hat. Die beiden Markgrafen haben den Kaiser nach Crailsheim hineingeleitet. Der Kaiser hatte 100 gerüstete haschirer bei sich und 500 ungerüstete. Dem Hof folgte viel loses Gesindel.

Den 13. Februar ist der Kaiser nach Feuchtwangen gezogen. Die beiden Markgrafen haben ihn wieder geleitet und freigehalten.

Den 14. Februar ist der Kaiser nach Ansbach gezogen, wohin ihn die beiden Markgrafen geleitet haben. Unterwegs wurden zwei lustige Jagden abgehalten. In Ansbach wurde ein Bankett veranstaltet und wurden der Kaiser und das ganze Hofgesinde freigehalten. Obwohl das Frauenzimmer den Kaiser auch empfangen hat, hat man doch das Tanzen unterlassen, weil der Kaiser noch in Trauer ist.

Den 15. Februar ist der Kaiser zum Schießen geritten und hat die Nacht zu Cadolzburg verbracht. Die beiden Markgrafen haben den Kaiser in ihren Wildbann geführt, ihn abermals statlichen ausgehalden und sich mit irer Mt. hoffgesinde geleczet.

Den 16. Februar ist der Kaiser nach Nürnberg geritten, hat aber zuvor zu Cadolzburg Mahlzeit gehalten. Die beiden Markgrafen haben den Kaiser ins Gemach auf die Burg geleitet und sich dort von ihm verabschiedet. Unterwegs auf der Reise des Kaisers nach Nürnberg haben die Markgrafen eine lustige Jagd auf Wölfe und Rotwild veranstaltet. Der Kaiser hat mit seinen Hunden selbst einen Wolf, auch Rotwild gehetzt.

Der Rat von Nürnberg hat den Kaiser in Ansbach begrüßen und dann durch 6 Älteste mit fast 400 in einer Farbe gekleideten Reitern empfangen lassen. Vor dem Tor hat der ganze Rat den Kaiser erwartet und ihn dann bis zur Burg geleitet. Auf beiden Straßenseiten standen fast 3.000 bewaffnete Männer aus der Bürgerschaft Spalier, mit 6 fenleyn alle mit helbarten, dazu haben sy auch andere welsche geczir und schmuke gehat, dy ich nicht schreyben kan. Von den Mauern hat man Salut geschossen, die Glocken geläutet und gejubelirt.

Der Kaiser wollte keine Kirche besuchen, wywol sy es statlichen bestellet gehat haben. Er führte ungefähr 400 gut gerüstete gardesoner aus den Niederlanden mit sich. Insgesamt umfasste das Kriegsvolk des Kaisers und sein Hofgesinde an 3.000 Personen.

Der Kaiser hat sich gegenüber beiden Markgrafen sehr gnädig gezeigt.

Der Kaiser wird noch zwei Tage hierbleiben und am Samstag [1541 Februar 19] nach Neumarkt weiterziehen, dort am Sonntag stilliegen und dann nach Regensburg aufbrechen, wo er am Mittwoch, den 23. Februar, eintreffen will. Man hört noch nicht, dass Kurfürsten und Fürsten auch dorthin ziehen. Glaubt aber, dass sie alle hinkommen werden, wenn auch kaum vor Mitfasten.

Ksl. Mt. ist fast wol gesunt, alleyn ain ziperleyn. Ist seyn Mt. fast schwach und ubel zu fuß, hindert doch seyn Mt. am reytten und reysen nicht.

Der Hg. von Savoyen ist einige Tage vor dem Kaiser hier angekommen und hat durch einen Bischof in seiner Begleitung eine päpstliche Messe in einer öffentlichen Kirche halten lassen wollen. Der Rat hat ihn gebeten, dies zu unterlassen. Da der Herzog dem nicht nachkommen wollte, hat man in herausgetriben.

Es sind hier auch zwei Botschaften des Papstes und je ein Gesandter Frankreichs, Englands, Venedigs und Portugals, die alle dem Kaiser nachziehen.

Der Rat von Nürnberg hat für den Kaiser auch ein lustiges Feuerwerk veranstaltet auf der neuen Feste mit 3.000 Schlägen.

Der Kaiser hat auch das Nürnberger Zeughaus, die Stadt und ihren Vorrat besichtigt. Ir Mt. hat sich doruber verwundert und sich wolgefallen lassen.

Ksl. Mt. sol auch noch des vornemens seyn, fride zu machen. Woe es sich aber nicht doezu schiken wil, so wil er in Italien zien, aldo Frankereych, babst und Deuzen zusehen, wy sy es wollen machen. Mich deucht aber, es seyn selzame practiken vorhanden. Mit der zeyt mucht man dohinder komen.

Anmerkungen

1
 Der Hauptbrief ist am 4. Februar geschrieben. In der Nachschrift kündigt Kreytzen an, bis zur Ankunft des Kaisers [1541 Februar 16] in Nürnberg bleiben zu wollen. Aus einer weiteren Bemerkung Kreytzens ergibt sich, dass die Nachschrift zwei Tage vor dem 19. Februar abgefasst wurde.
2
 Balthasar von Esens. Zum Konflikt der Stadt Bremen mit Balthasar von Esens vgl. Richter, Max: Bremen im Schmalkaldischen Bund 1537–1540. Ein Beitrag zur Geschichte des Schmalkaldischen Bundes, Marburg 1914, S. 17–24 und S. 49–89 und Lucke, Helmut: Bremen im Schmalkaldischen Bund 1540–1547, Bremen 1955 (Schriften der Wittheit zu Bremen. Reihe F: Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen Heft 23), S. 18–19.